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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-10-19 · 40 (19.10.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
40 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXIV Lentralorgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums ooo Wien, 19. Oktober 1917 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien. II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie» Bezugspreis für Österreich Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 50 Heller Anzeigen: Die 2 mal gespaltene Petitzeile 48 Heller O .--^0 O (? Ä K. k. Postsparkassenamt Clearing-Verkehr: 810.976 oo Redaktion und Administration: Wien il/i, Praterstraße 9 Teleplioti: 4&S59 o . o O Q&S*-—-. - --0 O Inhalt: Leitartikel: Rühren wir uns! — Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Das Los der Flüchtlinge. — Ein Zypressenblatt. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Sonstige Auszeichnungen. — Auszeichnung für bravouröses Verhalten. —Leutnant Adolf Herschkowitsch. — Liste der vom 1. September bis 1. Oktober in Wien verstorbenen Offiziere und Mannschaften. — Von zwölf Gefallenen — sechs Juden. — Dass Testament des gefallenen Helden. — Den Gatten und drei Söhne im Kriege verloren. — Einen Tag vor dem Urlaub gefallen. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Jomkippur im Felde. — Aus einem Feldpostbrief an Öberrabbiner Reich in Baden. — Korrespondenzen: Eine pietätvolle Stiftung Wilhelm Vazsonyis für die Pester israet. Demeindeschule. — Die Liste der Kriegslieferanten. — Wien. — Emanuel Hoffmann sel. And. —Vermischtes. — Feuilleton:,Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Literatur. — Brieflasten. — Inserate. Es dämmert in der N-acht unseres Schreckens. HoffnunMivll und sehnsüchtig Nicken alle Völker nach dem ersten Strahl des Friedens, der am Horizont erscheint. Wird die Sonne kommen oder wird das Leuchten uoch^- mÄks von der schrecklichen Fftlfteniis verschlungen werden'? Vielleicht wird die Mieite derimtermationaleN Mächte Arehr Glück haben als die arüiere. Dxn durch den Krieg ge^- spaltenen Sozialdemokraten ist es Bisher' nicht gelungen, ihre. WifchenstaäkLiche Vereinigung im Zeichen des Friedens in Stockholm wieder auMrichten. Nun hat der Papst iin NüMn der .anderen weltumspannenden Macht, der Wholischen Kirchedas Wort ergriffest und will in Nom düs Ziel erreichen, dem inan in Stockholm nicht näher gekommen ist. Ob nun von Norden oder vom Süden die Erlösung' kömmtob vön den Männern der UM'eit oder des Waudens, ist . den Völkern gleichk- FUtig. Sie wollen den Frieden hüben ohne. Rücksicht auf deN Ursprung. Mch die Juden harren mit bangem Herzen aus die Stunde der Befreiung. Ist doch das Opfer, das per Krieg, besonders, von ihnen verlangt hat und verlangt, schrecklich Md vernichtend. Man sieht nur init scheelen Ntttz haßerfüllten Blicken die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien, aus Russischf-Polan, üus der Bukowina und NnmäNien, aber Mün vergißt, daß sie vom Krieg auf die Moderne Völkerwanderung geschickt worden sind, der ihre Häuser iz-erstantpste, Bettler und. Waisenkinder zu ZHntaUftttdeN in die FreUrde trieb, Mord, Brand und Schärwung in UMählibe Mische Siedlungen trug..Nun sehnen sich auch die Juden, den Haß des Westens ,und die GesüNgeuschaft der Flüchtlingslager wieder zu verlassen, Heim und Fcktnilie wieder aufzurichten und von ihrer ÄrbM wieder leben zit können, statt von übelwollender Gnade. . Werden sie das? auch können, werden sie Ruhe haben statt Verfolgung, wird der Frieden auch ihnen etwas bringen? Es sieht bisher so aus, als sollte der Weltkrieg eine neue Ordnung und Einrichtung der Welt nach sich bringen und als sollten einige der schwersten geistigen Schäden Mr immer verschwinden. Wenigstens behaupten sämtliche kriegführenden Regierungen, daß sie für die höchsten und schönsten Ideale kämpfen und die Völker durchaus nur befreien wollen. Man will den Bewohnern aller Staaten das möglichste SelbstbestrMmungs'recht geben, alle Vorrechte und Vorurteile abschaffen und jedermann so glücklich als möglich machen. Bei dieser Gelegenheit könnte man nun auch, das vieiliverheißende Programm auch für die Juden durchführen. Wir wollen nicht davon sprechen, daß wir ein noch nicht eingelöstes Versprechen der Gleichberechtigung für die rumänischen Juden mit den Unterschriften vieler Herrscher im Besitz haben. Wir wollen hoffen, daß bei her Herstellung des polnischen Staates und anderer Pufferstaaten die Juden nicht zu Sklaven des einen oder »dies anderen VolksstamMes gemacht werden. Wir wollen glauben, daß auch die Kultur des Westens endlich reff werde für die Eindämmung der offiziellen Judenfeindschaft. Jetzt wäre die Zeit gekommen, alte Sünden wett- Wmachen, zu bereuen und das' antisemitische Stück Mittelalter aus der Neuzeit zu enffernen. Schon der Friedenskongreß bietet Gelegenheit, die Judensrage in den neuen Staatsgebilden politisch ebenso zu lösen, wie endlich! in!Rumänien, über nicht in der Art. daß Man von den Machthabern der betreffenden Staaten leere Versprechungen verlangt, sondern von vornherein die Gesetze schasst, welche den Juden die Möglichkeit zü leben geben. Aber auch in den bestehenden Staaten ist die höchste Zeit zu einer Wandlung, in der Judenfrage gekommen. Wo bleiben da'die jüdischen Abgeordneten, Organisationen und Vertretungen? Jede politische Gruppe schart sich zusammen, gibt ihren Wünschen in Fordederungen tatkräftigen Ausdruck und erlangt von jeder Regierung bindende Erklärungen. Nur wir Juden dulden in unverantwortlicher politischer Faulheit und Zag-

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