Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 39 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite -642 Dr. Bloch's Wochenschrift Rr. 3 9 brave Unteroffizier veranstaltete auch unter , den Soldaten eine SmNmlnng Zugunsten des' ■ Wittven- und Wnisensonds. Genannter, der seit Kriegsbeginn in: Felde steht, ist ein Bruder des ebenfalls an der Jfonzofront tätigen Feldrabbiners Dr. Arpad H i r s ch b e r g e r. Wilder ans dem befehlen nnd Befreiten Oakizien. Und Gott sogt Mir e Joi: „Zim letzten Mol schrei aus ein Oi Un geb a Krächz zim letzten Mol Daß zittern soll Berg un Tol Un nehm Dich on mit Wall und sog: „Hert ihr Taube, hert es lummtder Tog!. (Bialik: Dos letzte Wort.) Meiste dich los für euren Augenblick, Mischer Bruder, von dem Sitze deines sorglosen Lebens, von der nichts sehen wollenden Deckung deiner Vogel Strauß-Logik und fliege mit wir aus dein Aerovlan der Gedanken über die Karpathen nach Galizien. ..... Die Uttglücklichen, die vor zwei Jahren anläßlich der russischen Invasion verschleppt-worden sind, wurden, rrach vielen Leiden und Qualen, auf Verordnung der revolutionären 'Regierung wohl repatriiert, aber in so furchtbärent Zustande, dast matt sich bei ihrem Anblick der Tränen nicht erwehren kann. Flauen, an ein besseres Schicksal gewöh:ll, gehen in Fetzen gehüllt, wie anr Tischo-beaw zur Trauer für Jerusalem, die Füße in Ermanglung von Schuhen gleichfallsin Fetzen gewickelt. Schatten, wie heimkehrende Seäen schleichen sie vorüber. Ihr Anblick ist um so ungewohnter, exotischer, als die meisten, infolge iüberstandener Epidenrien, die - Haare verloren, die ihnen setzt, kurz geschoren, wie Trauerfahnen vom Hauhte wehen. ' . Hunderte von Waisenkindern sind zurückgeblieben.. die Are Gllern wähferch .der Verschleppung oder spätest veWreikmüd^jetz^ömr KWWerrkdM Dd^ irMM einem Verwandten, gehalten werden. So kann man nicht selten in einem Zintmer. 14—18 Kinder antreffen, die eine gebrochene, kränlliche Frau, deren Mann gestorben oder iiiAwischen eingerückt ist, von ihrem Verdienste aus dem Verkaufe irgeird eines Backwerk-genannten Genrisches erhall.' Die Kost dieser Kürder besteht fast ausschließlich aus einem einfachen Maistnehlbrei. Das' HerA bricht einem' beim Eintritt in eine solche Stube ohne Fenster, ohne Türe, deren Einrichtung gewissermaßen bloß! die vielen vernachlässigten, halbnackten Kinder bilden. Da kein Tisch und keine Stühle vorhanden sürd,- spielen die Kinder in einer Ecke — still jund geräuschlos. Und während ihre kindliche Seele scheinbar unbewölkt Izunr Ausdruck kommt, strahlt aus ihren ' großen, dunkle:: Augen schon jene typische Judemnelan- ' cholie hervor. Jener tieffeurige, traurige Blick, der sich in "die Geheimnisse ihres qualvollen Daseins zu vertiefen scheint, in denen bald leidenschaftlich wilder Aufruhr ausflamUrt, bald wieder gebrochene Ergebung nnd ewiges Leid sich .ansdrücken. ' Wir krrüpsen mit ihnen ein Gespräch an.. Ihre Intelligenz ist größer als' chren Kindersahren zukommt, sie geben Merraschend kluge Antworten. Kleine Kinder sprechen von der russischen Herrschaft, von den ausgestaNdenen Leiden in einer Weise, daß man aus' dem Staunen nicht herauskonllnt. Ihre folgerichtige Beobachtungsgabe ist verblüffend. Hie und da krumpft sich ihre Faust zusaMlnien, glüht in ihren Augen das Feuer wilde:: Hasses, wenn sie ein besonders grausames, brutales Kapllel erzählen.' Man vergißt ganz das viele Traurige, das sie erMhlen, und beobachtet nur staunend die er-. ' Wählenden kleinen Judenkind-er. - Besonders fiel uns ein kleiner 7—8 jähriger, trauriger Junge auf. der stundenlang in unserem Garten, auf dem 'RüMn liMud, mirt seinen großen offenen Augen in den HiMm'el schwännte, aus seinen: Munde kam den ganzen Tag kein Sterbenswörtchen. Ich wollte ihn ansprechen, >aber er, offenbar' erriet eü tneine Absicht, musterte uns erst mit langem, mißtrauischem Blick und schlich sich dann gewissermaßen geärgert über die Störung in seiner Träumerei, langsamen Schrittes davon. Später erfuhr sch, diaßsseine Mutter, eine sunge schöne Frau, von einem der sie. bei der Verschleppung eskortierenden-Kosaken mit deM Revolver niedergeschossen wurde. Von diesem Momente an schien das Kind, wie verstummt. Es ißt nicht, spricht mit niemandem und ist immer in Gedanken versunken. Obgleich nicht erwiesen ist, denn das Kind, will es nicht verraten,, dennoch '— sagt der Gefragte — wissen, ahnen wir es, daß das Niederbrewnen der Scheune, in welcher -der "mörderische Kosak mit einigen Kameraden schlief, das Rachewerk dieses Kindes war. .Denn während der allgemeinen Verzweiflung, des - Wehklagens und Zitterns — denn es war ija zu erwarlen, daß der Brandleger unter uns gesucht werden würde — betrachtete dieses Kind wie in einer Ekstase das' launenhafte Spiel der aufschlagenden Flammen, wie das ganze Holzgebäudc mitsmnt den darinnen schlaseüden Henkern ein Opfernder FlamMen wurden.... Bricht dir das' Herlz bleiM Anblick dieser 'Greuel, lieber Reisegefährte? Nun denn, verlassen wir diesen Krieg der Qualen, und des Leidens und begeben wir uns dahin, wo 'Mir einen Einblick in die Welt der Herzen gewinnen und -einiges Mer die beispiellose Aenß^rung jüdischer Soli-. Parität vernehmen können: ' In Czortkow —erzählt ein intelligenter Mann, der alle Leidensiskalen durchgemacht hatte — wurden nngefähr 10.000 Flüchtlinge zusammengebracht. Einige Zeit nächtigten wir unter freiem Himmel, aber dank der .Fürsorge,-unserer. .Ezorfkow,er .BrMer, konnten bald affe unter Dach gebracht werden. Reiche, wohlhabende jüdische Familien öffneten ihre Salons und. nahmen drei bis vier Flüchtlings familien aus. Jur Handumdrehen wurde ein Hilfsverein gebildet und — die Stimme des Erzählers wurde schwach vor Rührung — jeder hat etwas gegeben. .-Sie.spendeten sozusagen um die Wette: wer nur über ein entbehrliches Kleidungsstück oder sonstigen Gegenstand verfügte, gab es dem Einsammler hin. Selbstverständliche hat überdies jeder seine eigenen Gäste mit dem Nötigen versehen. Ich sage deshalb „seine Gäste", denn wir wurden als! solche betrachtet, denn mit ihren: feiner: Instinkt hatten sie es herausgefühlt, daß wir, Zumeist Familien, die an ein besseres Los gewöhnt waren, nur zögernd eine Hilfe annehme:: — und wahrlich, wir waren auf.die Hilfe angewiesen, denn außerdem', ums wir auf Uem Leibe hatten, besaßen wir nichts deshalb behandelten sie uns als Gäste. Sie gingen nnt uns schonungsvoll unb wie man mit kranken Kindern oder mit greisen, gebrochenen Menschen umzugehen pflegt. . Wir hatten beinahe an unsere vielen, großen Leiden vergessen, wir e:npfande:: nur Dank für unsere "Wohltäter. Unser Gebet galt nur ihnen. Später wurde alles systematisch organisiert. Es wurde ein Kreditinstitut gebildet, das den Flüchtlingen Getd- und andere Darlehen bewilligte. Unsere russischen Brüder sandten waggonweise Einrichtungen, Lebensrnittel. Wiederholt auch größere Unterstützungsbeträge. Als wir später-erfuhren, daß wir wieder in lmfee . Heim zurückkehren dürfen, da weinte fast die ga:^e Stadt und wir vergossen -aus zweifachem Grunde Freudentränen. Noch einmal wurden wir mit der nötigen Weg- Zehrung versehen - und klopfenden Herzens traten wir,' den Weg- -an! — heimwävts! . .-,! Aber ach, wie wehe war es uns ums Herz-, als wir unsere Stadt wiedersahen! Unsere Häuser in TrArnütern .- , . unsere ganze