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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-10-12 · 39 (12.10.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
39 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nt. 39 Dir.. Bloch's Wochenschrift Seite 635 für die Geschichte des Jllderrnuns sö bedeutsamen Männer besitzen wir noch-nicht. - Eine nubedeuiende biographische Stnoie Der R a.p.o p o.r t von % 'K n r l ä mb e r. erschien >1878, Har k am t) schrieb .Der ihn 1880, die „Oesterreichische Wochenschrift" hat seinen 100. iWvurts-.. rag 1890 durch eilte „Festgabe" gefeiert. Wir halten uns llicht, «berufen, mit diesen schlichten. Zeilen etwas neues zur Mürdignng des großen Mannes beantragen. Sie. sollelt jiieue Morte foeä1 Gedenkens enthalten, des' HW lveises uns eilten Bahllbrecher und^ Wegebner in dem Gestrüppe des Wischen Geschichkslebens.*) Mehr Schwierigkeitelt als sein wissenschaftlicher Mitkämpfer Leopold Zunz hatte Juda Lob Rapoport @u überwinden. Z it lt z, her Mitten iM erneuerten Feldgeschrei des Judenhasses, den die „Aufklärer" des 18. Jahrhunderts E stickt Zn haben glaubten. Mit Eduard Gans und Moses Moser am 17. Novenioer 1819 den „Verein für Kultur und Wissenschaft des Judentums" begründete, gehört Zu dem geistigen Adel, der^ damals! in Berlin die Tat her Selbstbefreiungdes Judentums anstrebte. Die Absicht, die-Ednärd Gans, der hervorragende Jurist und Vertreter der .Philosophie Hegels, Moses Moser, der philosophischgebildete Kaufmann, Freund Heines) „die Prachtausgabe eines.wirklichen Menschen, ein Epilog Zu Nathan den Weisen", und der junge Wische Gelehrte Leopold Zunz, der auf der Kanzel.bereitsl seine ersten Erfolge, prrmtgeit und zuerst in seiner kleinen Schrift: „Etlvas über die rabbinische Literatur" (1818) ein Bild der Wischen Literatur gezeichnet hatte, verfolgten, war: „die Juden durcheinen von innen heraus sich enüwickelnden Bildungsgang mit dem Zeitalter und den Staaten, in denen sie leben, in Verbindung zu setzen". In der Tat, kein geringes) ein kühnes Unternehmen. Das konnte in Deutschland, im' Mittelpunkt des geistigen Lebens, ins Werk gesetzt werden. Aber, welche ein Wunder tiit sich,''vor unseren Augen auf. Im fernen Osten, der uns nun so nahegerückt worden, iit der Mitte derMerUgkäMgen Marter,- die aus den Talmud und nur auf diesen schwur, in der- Mitte der Partei vom Fanatismus vergriffenen EhassidiM, erhebt eine Gegenpartei, zuerst Heise, dann, immer kräftiger ihre Stimme, eine Partei, welche im Namen der Wissenschaft austritt, die es wagt, die Geheimnisse des Chassidisnius zu „enhhlillen", so wie zur Zeit der Entstehung der Reformation der 'mutige Ulrich von Hutten .gegen 'die Dunkelmänner koszog. Josef Perl in Tarnopol, Nachman K r o ch M a l gus Brody, Jsak E r t e r ans. Pxzemysl, der erste ein Förderer Wischer Bildung und Schulgründer, der zweite ein tiefer Denker, der dlxitte ein her> vorragender 'Dichter, gehören dem Kreise der Erwecker jüdischen geistigen Lebens im Osten am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts an, und aus ihrer Mitte, bald an ihrer Spitze, ragt als Führer der jüdischen „Humanisten" Galiziens jJuda Löh- Rapoport hervor, der als seine „Erstlinge" auf dem.. Altäre des Heiligtums der Wissenschaft des Judelttums hie Lebensbeschreibungen der großen Lichter des Wischen Geisteslebens darbrachite. lieber die synagogale Dichtung schrieb Zunz in Berlin, über den Vater dieser wenig gekannten Dichtung Eleasar birabbi Kalir zuerst R a p o p o r t in den „ Bikkure Haittim" („Erstlinge jder Zeiten") in der führenden Zeitschrift, die seit-1820 in Wien erschien. Und er schrieb. Der Saadja, den Jechiel, Haja in streng wissenschaftlicher. historischer Methode, die den Entwicklungsgang der Dinge bis zu ihrem Anfang verfolgt. Rapoport, der Tal- *) lieber Grätz erschien soeben eine durch - Gründlichkeit ausgezeichnete Schrift von Dr. Josef Meisl: Heinrich Grätz; Eine Würdigung des Historikers und Juden zu seinem 100. Geburtstage. Berlin. Verlag von Louis L a mm. . Preis Mt. 4.50. - " (D. Red.). mudist, hatte sich das ganze Rüstzeug seiner Zeit angeeignete welche sich der geschichtlichen Kritik ats scharfe Waffe bedientes Mit historischer Kritik vereinigie er sein reiches .talmndisches und allgelnettces Wissen und bildete namentlich- -durch ersteres eine Ergänzung zu Zunz. Und so haben diese beiden Männer die wissenschaftliche Ersorschuug des Judentunrs angebahnt, zwei Wanderer gleichsam, die von verschiedenen Punkten ausgehen und zu demselben Ziele gelangen. Beide wandten die histosrisckftkritische Methode auf die Wische Literatur an, Zunz, wie leicht erklärlich, radikaler als der aus ganz anderen Perhältnissen hervorgegangene Rapoport, der uns außer mit feinen meisterhaften Biographien anch mit einem großangelegten Werke, mit der talmudischen Rentencyklopädie „Erech Millin" beschenkte, von der freilich Nur der erste Teil erschien und die den an sie geknüpften Hoffnungen nicht entsprach. Doch, wie reich veranlagt war der Geist dieses Mannes, der, ohne eigentliche Schule, unter den größten Entbehrungen sich sprachliche und geschichtliche Kenntnisse erwarb und sich zur Höhe wissenschaftlicher Forschung emporarbeitete. Wie so viele jüdische Gelehrte vor chm, lebte er in größter Dürft tigkeit feit 1837 in Tarnopol, bis er in dem Jahre der Blutanklage von Damaskus, 1840, zum Oberrabbiner von Prag erwählt wurde. Dieser Gelehrte aüs Galizien, welcher der wissenschaftliche Biograph rabbinischer Berühmtheiten wurde und mit erstaunlicher Gelehrsamkeit den tiefsten Scharfsinn verband, zeichnete sich auch ' als großer Kenner der hebräischen Sprache -aus, die ch: in feinen Arbeiten in klassischer Form handhabte. Diese Kenntnis befähigte chn, klassische Werke der Weltliteratur) so Racines „Esther" und Gedichte Schillers, dieses Lieblingsdichters her Juden, in fein geliebtes Hebräisch zu übertragen. Und, wie vielseitig war der Mann! In der Vorrede zu seinem Hauptwerke, den „Gottesdienstlichen Vorträgen", in welchen ihn Zunz an mehr als hundert Stellen anführt, sagt dieser Altmeister der Wissenschaft des Judentums von seinem Genossen und seinen Werken: „Vielfach angebauet wird das Feld der älteren jüdischen Literatur in diesen-durch kritische Tiefe, Scharfsinn und glänzende Gelehrsamkeit ebenso sehr als durchden sronimen, edlen Sinn, der in ihnen sich ausspricht, ausgezeichneten Schriften." — Es ist das herrlichste Denkmal, das Zunz, dieser Vorkämpfer der wissenschaftlich-kritischen Methode aus dem Gebiete der Wischen Literatur, dem großen Mitstreiter ans dem Osten, setzen konnte. Fürwahr, eine Verbindung von dentsch-füdischem und polnische-, jüdischem Geiste, die jgeeignet war, -einen „KereM Ehemed", einen köstlichen Weinberg zu pflanzen. II. Die jüdische Geschichtsschreibung war vor Beginn des 19. Jahrhunderts sehr arg bestellt. Merkwürdig, wie unserem Volke, das so sehr in der Vergangenheit wurzelt, der Sinn für seine Geschichte abging. Und so mußten denn die Gelehrten, die darangingen, die Ge- . schichte der Inden zu bearbeiten, sich erst Mühsam die Bausteine, zu einer solchen Zusammentragen. Es genüge, hier auf die Namen I. M. Jost, Joses WertheiMer, I. Salvador, I. H. Des sauer, L. Herzseld, Selig Cassel hinznweisen. Wir können mit Recht behaupten.- daß kein einziges der Werke dieser Männer den Anforderungen entspricht, die wir in der Gegenwart an ein Geschichtswerk Zu stellen berechtigt sind. Ein großes, die Gesamkgeschichte des jüdischen. Volkes umfassendes Werk zu schreiben, hat keiner der genannten Geschichtsschreiber unternonkmen. Vor mir liegt die erste Anzeige und- Rezension des Werkes) das den Plan verfolgte, „die Geschichte der Juden von-den ältesten Zeiten bis aus die Gegenwart" '

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