Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 38 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Seite 627 Nr. §g Dir. Bloch's Wochenschrift hammedanischeir.Welis — mit einer Kuppel überdacht. Das Mausoleunr bei der Ranrs!gatesynagoge, in dem Sir- Moses und Lady Montesiore begraben liegen, ist eine genaue Nachahmung des' Grabmals Rahels. Das ursprüngliche Bauwerk w.ar vollständig verfallen und wurde vom Sir Moses .aus einer der ersten sichen Pilgerreisen nach dem'Osten restauriert. Es' ist .jetzt Eigentum der. jüdischen Gemeinde in Jerusalem, und die Schlüssel befinden sich in den Künden eines ihrer Beamten. Der weiße Sarkophag innerhalb des Grabmals , ist verhältnismäßig neu; dieser sowie die zahlreichen Gedächtnistafeln und hebräischen Narrten, die von Pilgern auf die Mauern geschrieben wurden, geben ihm ein äußerst charakteristisches Gepräge. Ehedem fand' man nach, dem Bericht Ashers dort die Namen zahlreicher Gernegroßer, die alle durch die Verewigung ihrer Namen, .aus den Steinmauern eine billige Unsterblichkeit zu erlangen gesucht. Man fand dort zum' Beispiel verzeichnet, wieviel. diese oder jene Gemeinde zum Kauf des . Grundstückes beigetragen, daß der eine dies, der andere-jenes getan habe.' Am meisten aber setzte Asher die völlige Abwesenheit irgend einer Bezugnahme guf Rahel selbst in Erstaunen. Jhr Name war nirgends erwähnt, obgleich doch alles nur ihre Ehre künden sollte. Daraufhin ließ er eine. Marmortafel errichten und mit einer hebräischen Inschrift versehen, deren Uebersetzung. wie folgt lautet: „Tie- Anonymität ist eine der stillen Lebensregeln, die uns der Wiedererbauer dieses Grabmals immer zu gehen pflegte. Seine Liebe zum Heiligen Lande war sehr stark, und wenn er Schmähungen zu bekämpfen hatte und selbst geschmäht wurde, sprach und schrieb er immer in einem gütigen Geist und in der Hoffnung, eine Besserung der Lage unserer dortigen Brüder zu erzielen. Er .selbst, ach, ist jetzt in ein anderes, fernes Land gegangen, aber er- Hab"doch-rlange genug^?gelebt>niUrN piele - seiner Hoffnungen noch verwirklicht zu sehen, verwirklicht zu einem großen Teil durch seine eigene ausgeprägte Heimatstreue. Wir werden seinesgleichen nicht wieder sehen. Möge sein Wirken belohnt werden." Aie Juden im Hplikeröerus. In der „historischen Ecke" der „Zentral-Zeitung für Optik nnd .Mechanik" erzählt Kurt Müller einiges aus der Geschichte, des Optikebberufes: Nachdem die Brille wahrscheinlich in Otzeritalien erfunden war, und zwar nm das Jahr 1285, kam sie nach Deutschland und wurde zuerst in Nürnberg gefertigt.. Bon Nürnberg aus verbreitete sich die Brille von Ort zu Ort durch hausierende Juden, die neben den Brillen noch anderen Kram führten, so z.. B. Schnitzereien aus Horn, Elfenbein und Bein./ Die Brillen-wurden dann mit großem Geschrei angeboten, ähnlich wie die Starstecher ihr Gewerbe betrieben.' Aus aalten Werken erfahren wir, daß die'Brillenhändler meist Juden gewesen sind und im Ratsmanual in Zürich vorn 27. Januar 1787 findet man eine Stelle, durch welche einem, gräftl caftellisch, remlingischen S chutzjuden Samson He n lein und dessen Gefährten Nehemias C ollmann auf Zeugnis seiner Schutzherrschaft hin achttägiger Aufenthalt behufs Handels mit optischen Instrumenten bewilligt wurde., Optische Geschäfte Mb es damals so gut wie gar nicht, nur hin und . Meder fand man Notizen darüber^ Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" vom Donnerstag, den 17- Juni 1813, bringt auch eine Annonce von einem reisenden jüdischen Optiker, die lautet: „S alom o n, Optikus aus Düsseldorf, empfiehlt sich einem geehrten Publiko mit seinen selbstgefertigten optischen.Instrumenten, besonders sehr fein geschliffene . Conservationsbtillen von echtem 'Korn und Flintglas) nach der Regel geschlrffen.i Desgleichen für Knrzsiche tige, so daß sie aufsitzend weit in der Entfernung sehen und lesen können.. Vermöge eines mathematischen Augenmesfers nimmt er das Maas _ nach jedem Auge, wonach feine Gläser geschliffen sind. Sein Logis ist "hier in Essen bei Herrn Gastgeber Hülsmanm doch nicht länger bis Freitag. Seine Reise von hier geht nach Dortmund und ist daselbst bei Herrn Koffermann anzutreffen)" Eine andere Anzeige eines reisenden jüdischen Optikers befindet sich in der Kgl. privilegierten „Stuttgarter Zeitung" Nr., 85 dom 'Dienstag, den 25. Mai 1824, und lautet: „Stuttgart. J..F r a n ¥, Optikus aus Fürth, empfiehlt sich während der Messe mit seinen nach optischen Kunstregeln geschliffenen Augengläsern und 'Konversationsbrillen, auch nach dem neuen System, durch deren Gebrauch die.Augen nach ihrer verschiedenen Beschaffenheit nicht nur das erforderliche Licht, sondern auch vorlzüglich gut erhalten werden. Deßgleichen nrit verschiedenen kleinen und großen Mikroskopen, Perspektiven, doppelten und einfachen Lorgnetten, Lesegläsem, Schießgläsern, Teleskopen, Sonnen-Mikroskopen, Lupen, Cameras obscuras, Prismata, ^Polyedern, Cylindern, Wasserwagen, chemischerr Feuerzeugen, Miniatürgläsem und dergleichen wehr. Auch repariert er solche optische Instrumente und versichert die billigsten Preise und reellste Bedienung. Er warnt zugleich einen jeden vor jenen Menschen, welche in die Häuser gehen, unter .seinen Namen herumlaufen, indem er nur auf Verlangen kömmt. L>eine Butike ist im 4. Gang Nr. 94." Dieser Optikus I. Frank gründete im Jahre 1830 ein optisches Geschäft in Baden-Baden und dieses existiert heute noch unter einer Firma, die es im Jahre 1893 übernahm. _■__ - Wien. Der Kongreß der Inneren p r o t e st a m tischen Mission in Oesterreich fand dieser Tage in Wien statt. Der große Anteil, der in den Verhandlungen der Bibel, auch dem Ahlen Testament und seinem Studium eingeräumt war, erfüllte mich als Jüdin mit Genugtuung, wenn ich auch leider vermißte, daß gar nicht erwähnt wurde, die Tatsache nämlich, daß dieses Buch von dem Volk und für das Volk Israel der Welt gespendet wurde und daß die praktische Rückkehr zur Lehre Christi, die so eindringlich gepredigt wurde, eigentlich doch nur die Rückkehr zur altsemitischen Weltanschauung bedeutet, während der deutsche Fndologe von Schroeder unausgesetzt von dem arischen Geist des Christentums sprach. Hervorheben möchte ich die glänzende Redekunst der Pastoren, welche die namenlosen Leiden, die sie und ihre Gemeinden von den Russen zu erdulden hatten, mit hinreißender Gewalt und in rührenden Worten schilderten. In galizischen Wäldern lasen die Pastoren den Flüchtlingen Kapitel aus dem Propheten Jeremias vor, aus dem sie Kraft und Trost schöpften. Die römische Kirche erhielt viele Komplimente wegen hoher Leistungen im Weltkriege; sie hat ja die Macht im Lande, in dem die Protestanten sich noch immer als in der „Diaspora" fühlen» welches Wort so oft fiel, wie am. Zionistenkongreß das Wort „Golus". Wir Juden wären ziemlich leer ansgegangen, hätte Pastor Weidoner aus Kolomea in öffentlicher Sitzung vor Tausenden von begeisterten Zuhörern nicht 5en .tiefgefühlten Dank gespendet zwei hervor ragenden Gelehrten aus Wien, „die beide nicht uns angehören", nämlich Dir. Franz Strunz und