Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 38 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Lette 626 Ar. Bloches Wochenschrift ' Nr. 38 und. Deutschland/hatte Rußland noch, eine spezifische Bedeutung. Der Zarisnrüs war für' uns eine - Art Mwiarjze Folie, von: der sich unsere Verhältnifse MM Heller - a^ehoben habep. Aresendunklen Hinter- Myn^ hMn-toii-'jeA^vrrlorM. .Aas dunkelste, w as es heute in Europa gibt, das sind leider wir. Wir können uns nicht mehr mit dem Hinweise auf die Verhältnisse in Rußland entschuldigen. Man wird uns Mt doppelt so strengem' Maßstäöe messen, weil nicht nur im Westen, sondern auch im O sten der Tag angebrochen isL" . ' KeWe Aefpektierung Mischer 'Feiertage. / Die Abgeordneten Bernhard Stern und Genossen haben am 25. d. M. einen Antrag, betreffend die Nichtahhaltung einer Plenarsitzung - des Abgeordnetenhauses am 26 . d. M-, am' Mischen Versöhnungstag. eingebracht. In. dem Antrag wird erklärt, daß durch die Abhaltung einer Sitzung die Mitglieder des Hauses jüdischer Religion an der Ausübung ihrer religiösen Pflicht gehindert seien. Der Präsident wird ersucht, für diesen Tag keine Plenarsitzung auszuschreiben. Der Antrag war u. a. auch, vom Fürsten LuHomirski sowie von den/Abgeordneten . P. S. t oja n und P. V.a lo. u s e k und anidereu; katholischen - Geistlichennnterschrieben. - Für beNs/AntWr trat diegange Rechte ein, er wurde trotzdem abgelehnt. -.-7 Mnen - anderen. Ausweg hafte eine ähnliche- Wäre.' irr derr Neunzigerjahren des -vorigen Jahrhunderts. Auch damals war eine Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses am Mischen Versöhnungsfeste geplant und der Ungeordnete Dr. Bloch meldete? dem Präsidenten einen Ertrag, daß an jenem Tage die Plenarsitzung auszusallen habe. - - -PMid^li.(des / .MgeoxdyHenhausB^/wW Aoktpr Kathrein, ein strenger Katholik, Führer der Deutsch- Uerikaley. Präsident K-athrein sagte zum Abgeordneten Dr. Bloch wörtlich: / „Jchlasse es bei emenr solchen Antrag nicht zu einer ÄbstiiNirrung kommen, sondern werde einfach für diesen Tag keine ^Plenarsitzunganberaumen." i -, D^egen offenbarte der deutschnationale Präsident Dr- G ro ß seine.Stellung dadurch,- daß er über den Antrag adfiiMmtzn ließ und es ergab sich, .daß-für die Respektierung des Mischen Versöhnungstages a n sschlie.ßlich slawische Abgeordnete gestimmt h aben. Der Antrag siel, weil das österreichische Deutschtum aus den Antisemitismus eingeschworen ist. ft'/ Aufhebung der Freizügigkeit? „Fre!ntdeu"iajuAvejsung in Wien. Ans dem Rathaüse kommt eine Nachricht, die nicht versehlen kann, lebhaftes Aufsehen, aber auchebensolches Bedenken wachzurufen. Wie in einem von der RathauskbrtesstondenZ berbbeiteten Artikel; ziemlich unverblümt ar^sWeutet wird, scheint man Zuständigenorts nicht übel 'Lust zu haben, das in B u d a p e st gegebene Beispiel Nachnahmen und auch in Wien demnächst mit Fremd e.naus w e i su.nge n., vopzugehen. Ms Vorwand soll der üiMstreitbare Wienet/W o h n u ng s Mang el dienen, und nrit der Ausweisung' ' scheint Man bei jenen Leuten , beginnen Zu wollen, die, wie es, in der offiziösen Auslassung heißt, „bloß behufs W o h l l eb e n s oder -behufs --Ge n u ßl e b e n s" hier ihr Domizil aufgeschlagen haben. Mrn ist allerÄMs nicht ^gut.verständlich,-, wie Man derzeit in/Wien .MeÄhaMt'«ochMwnft-emeuv' Genußleben sprechen kaum Soviel wahrzunehmeir ist, wird, die Sperre -öffentlicher.Lokale, der VergnMüngsetäbliffemLnts.sowK der^GaM und Kaffeehäufer seit Erlassnüg'der neuen/. ÄpStÄVrschÄsten Mt aller. Strenge (durchgeMM Von . einem Nachtleben kann also derzeit gewiß, nicht gesprochen werden. IM,Übrigen sind, die Wiener Approvisionierungsverhältnisse ebenfalls' nicht danachangetan, um die VoMnssetzungen für ein Genußte'öen zu /.'schaffen. -. Jene wohlhäbenden Fremden endlich die ständig.in Wien sich aufhalten und bei denen d,as Geld keine Rolle spielt, haben sich .zumeist in Hotels' und Pensionen einquärtiertj oder sie Haben teure Wohnungen in fertig möbliertem Zustande gemietet, die für die breiten Schichten, die am schwersten bom( Wohnungsmangel betroffen werden, ohnedies nicht irr Betracht koMMen. Es ist also nicht ganz verständlich, wie man dem empfindlichen Wohnungsmangel durch Aus!- weisung begüterter Fremder abhelsen will. E. „RazM geKn gaiizische Flüchtlinge." Die polizeioffiziöse Korrespondenz Wilhelm teilt mit: Am 22. d. M. Mittags wurde auf Anordnung.des Sicherheitsbureaus im Einvernehmen mit dem hiesigen k. n. k. Militärkommando sowie der Militärpolizei für den ersten Bezirk eine. Perlustrierung der auf dem Schottenring und namentlich, in der Umgebung - zweier Kaffeehäuser versammelten galizischen Flüchtlinge zur Feststellung ihres Mititärverhälrnisses und zur Hintaühaltung von Winkelbörsengeschäften vorgenommen. Insgesamt wurden zweinnd zwanzig Personen angehalten und dem Amten überstellt. Zwei von ihnen wurden wegen Abschlusses von Börsenwinkelgeschäften beanständet und dein magistratisch eil Bezirksamt firr beit ersten Bezirk zugeführt. Einer dieser Angehaltenen war MiMärperson und hatte sich überdies einer U r l an b sübe r'fchlr ei t u n g (!) schuldig gemacht. Der - Mann wurde nach erfolgter Einvernahme der Militärpolizei übergebend Ferner wurden^ zwei -Militärpersonellbeanständet,' ' - und: zwar eine wegen u n g e r echt f er t ig t e n Tragens von Zivilkleidern: auch dieser Maml würde-"dov'-Mi-litärpolizei' üöergebmrp'bie azweite^-ioegen^ ung enlügender militärisch er Auswei.sp apiere. Diese Person wurde dem ErgänzungsbLzirks!- kommalldo Wien A, znr Ueberprüsüng seiner ^Dokumente zugeführt. '' ' '? - - ' 'e , ' ' Das sind die Sorgen unserer Polizei! Ganz ,66* gesehen davbn, 'daß-mall vor einer Neuheit gestellt ist, daß wämkich -gegen. Flüchtlinge aus , einem bestimmtell Kronland eine Razzia veranstaltet tvird, muß ntau -über das iMp o sa U;t c Resultat polizeilicher Arbeit stailnen- Mandenke nur, was das Aufgebot voll- Agenten lind Wachleuten /schließlich' erreicht hat!. Der eine oder der apdere tvurde' der Militärbehörde übergeben, loeil er das tbd-eswürdige Verbrechen begangen hat, entweder seinen Urlaub zu überschreiten oder aber als Soldat Zivilkleider zü trägen. Die Sühne derartiger/Verbrechen zu ermögljchell, ist wirklich. nicht>pie Aufgabe eines Sicherheitsf- Lureaus. - Wie wäre es, awenn die Wiener Polizei ihre Leute dazu verwenden wollte, die beängstigende Unsicherheit in den Straßen des' nächtlichen Wiens zu ntildern oder gar daraus tzu achten, daß weniger Keller- und Wohnüngseinbr-üche verübt' werden.. Es wird immer schöner! 7" / Der Kampsmt den Unlerhattsibeitrag. - Daß der Ullterhältsbeitrag keine Gnade, sondern , ein Recht, kein; Almosen, sondern ein Anspruch ist, will vielen KomMissiolleil noch: immer, nicht enlleuchten. -Am 12. De-- -zenlber 1915 ist [ mi Kaufntanll aus Suczawa, - Jsidor Eisenberg, mit Frau und vier Kindern in Pöggstall (Niederösterreich) konfiniert worden. Das' älteste Kind war damajs vierzehn/Jahre alt./ Ueber die -Leiden^.dex -. -ftniertMin PöggstM - wäre viel zu. berichtert: .ft)jer. sei nur erwähnt, daß bei.einer BlaLternePidemie (kein / .. Arzt . geholt werden.. konnte/. und ■ daß - ej.it Rezeph / welches ein. / Arzt /. der., Frau '.E i s e ihbe rg . iiach einer/Operation mit. der -Ho.st; - schich?? vierzehn Tage bei der Zensur lag, ehe es der Frau cftls-