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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-09-28 · 38 (28.9.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
38 (28.9.1917)
Date
1917-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Dir. BLach's Wochenschrift Seit« 619 Stern sowie des 2. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Leopold Kohn statt. Herr Präsident Dr. Dtern ergriff das- Wort zu folgenden Ausführungen: . - -„Sehr geehrte Herren! Ich danke Ihnen allen sehr herzlich, daß Sie sich hier so zahlreich versammelten: ichdanke Ihnen noch mehr, daß Sie sich in der Not und in dem Leid, das unsere Kultusgemtzinde betroffen hat, so teilnehmend bezeigten und Hilfe leisten wollen, und Zwar spontan, ohne daß eine Aufforderung seitens des Vorstandes der -Gemeinde an Sie ergangen wäre, initiativ, dem Drange Ihres Herzens folgend, sich der Sache annehMey. Zu all dem großen Leid, welches heute die Menschheit heimsucht, haben wir Juden noch das spezielle Judenleid, denn wir alle leiden unter den Verhältnissen, in welchen wir heute leben, und ich fürchte, daß noch viel und größeres Leid uns wevorstehen dürfte. Zu all dem allgemeinen menschlichen Leide und noch erhöhtem Mischen Leide, worüber ich aber nicht heute, sondern einmal zu gelegenerer Zeit sprechen und meine Stimme laut hörbar machen will, ist aber — und Hamit allein wollen wir uns heute beschäftigen — die Wiener Judenschaft noch'von dieser schweren Brandkatastrophe heimgesucht worden. ' Mein erster -Gedanke, als ich an Ort und Stelle die furchtbare Verwüstung sah, war, G-ott zu danken, Gomel zu benschen dafür, daß der Brand nicht während des Gottesdienstes bei vollbesetztem Hause entstanden ist, denn was wäre die Folge gewesen, wenn der Brand in seiner Plötzlichkeit eine halbe Stunde früher ausgebrochen wäre zu einer Stunde, in welcher etw.a dreitausend Soldaten zu einem Gottesdienst im-Tempel versammelt waren? Gott sei gedankt, daß wir von diesem furchtbaren Unglücke verschont geblieben sind, daß wir kein Menschenleben zu beklagen haben, und dieses Dankgebet in dem zerstörten Gotteshause.zu Gott zu richten, habe ich als meine erste Pflicht-erachtet. . Nun, meine Herren, tritt an uns die Aufgabe heran, dieses Gotteshaus wieder aufzübauen. Wir können Ihnen nur dankbar sein, daß Sie sich dieser Sache annehmen. Diese Initiative, die Spontanität, Ihr-sofortiger Zusammentritt gibt Ihrer Tätigkeit eine besondere Weihe. Sie entspricht einer alten jüdischen Tradition, an welche die Erinnerung.in uns, wenn ein Gotteshaus zu errichten ist, immer von - neuen: auflebt. Im zweiten Buche der Chronik, ebenso wie in den: zweiten Buche der Könige wird uns erzählt, daß, nachdem der alte Salomonische Tempel durch eine schlecht^ götzendienerische Herrscherin, Athalja, entweiht worden war, nachdem damals und im Laufe der 'Zeit Kostbarkeiten und Gott geweihte Gefäße aus dem Tempel und der: Schatzkammer verschleppt worden waren, der Tempel durch den jugendlichen König Joas unter der Leitung des Hohepriesters Jojada restauriert wurde. Da erzählt uns die Chronik, daß eine Lade. aufgestellt wurde, in welche die Juden freiwillige Geldspenden gaben. Wenn eine Lade voll war, wurde diese von dem Schreiber oder Schatzmeister ausgeleert und wieder neu aufgestellt. Dies wiederholte sich so oft, bis genügend Geld, beisammen war zur Restaurierung und all den neuen Anschaffungen. So geschah es vor ungefähr dreitausend Jahren und indem uns die Chronik dies berichtet, verweist sie auf eine noch weit von ätters'her führende Tradition, auf den Bau der Stifishütte zur Zeit der Wüstenwanderung. Meine verehrten Herren! Als Sie den Beschluß faßten, zusaMMenzukommeih um uns in der Not beizustehen und den alten Tempel wieder zu errichten, so war in Ihrem Herzen die alte Tradition wieder lebendig geworden^ lfnd so» meine Herren, Möchte ich wünschen, daß Sie an die Arbeit gehen und sich, konstituieren :md daß durch Ihre freiwillige Arbeit der Vorstand bald in die Lage käme, sich Mit der Wiedererbauüng 'des Tempels zu beschäftigen. und sagen könnte: nun ist es genug. Mit diesem Wunsche begrüße ich Ihre freiwillige Mission. Wir werden sehr viel Geld brauchen, um den Schaden zu reparieren, wir haben wohl .noch keinen Ueberblick, was dies kosten wird: aber eines ist klar, Millionen werden erforderlich, sein. Als die Stiftshütte mit allen zu ihr gehörigen gottesdienstlichen Belangen errichtet werden sollte, da steuerte,: unsere Vorfahren freiwillig, dem von Moies an sie gerichteten Aufrufe folgend, Gold;und Silber und Erz und Purpur und rote und blaue Wolle und. was sie nur besaßen, bei, so daß der angehäuften Kostbarkeiten und Materialien soviele wurde,:, daß Moses ausrief, man könne nichts mehr annehmen, es sei genug finden Bau des Werkes vorhanden. Dies reicht in unsere Urzeit, in unsere drei-, viertausendjährige Vergangenheit zurück. Es ist rnir ein Bedürfnis, Sie, meine verehrten Herren, zu Beginn Ihrer Tätigkeit zu begrüßen, und hoffe und wünsche ich, daß es Ihnen gelingen möge, dieses Wer? zu einem erfolgreichen Ende zu führen." Der provisorische Obmann, Herr Dr. Theodor G u t - „rann, dankt dem Präsidenten für sein das Komitee ehrende Erscheinen bei dieser Versammlung und für. d:e herzliche Begrüßung. Hierauf entwickelte sich eine lebhafte Debatte über die Art der ZnfaNtmenstellung des Komitees, die Aufgaben deIseltea usw., an welcher sich die Herren Komm.- Rat Reif, Carl Lemberg er, Rabbiner Dr. Grunw a kd, der u. a. die Gründe entwickelte, die ihn sbestiMmten, von der Uebernahme des Vorsitzes im Komitee abzustehen, ferner Dr. THaler, Dr. Winternitz und Dr. Gut mann beteiligten. Mit dem Beschlüsse, an die Wiener jüdische Bevölkerung einen Aufruf zu erlaffen, schließt die Sitzung. Die Abfassung dieses Aufrufes wurde einem dreigliederigen Arbeitsausschüsse überlassen. Wir sind in der angenehmen Lage, berichten zu können, daß Herr Louis Freiherr v. Rothschild sich bereit erklärt hat, das Ehrenpräsidium des Komitees zu übernehmen, und daß bereits Spenden in größerer Anzahl und höheren Beträgen eingelaufen find. Aktion für den Wiederaufbau des! Leopoldstädter Tempels. 1. Spendenliste. Michel Benies Kr. 10.000.— SiegMund Reich, Direktor, und Frau ,, 3500.— Isidor Alsegg, Juwelier „ 1000.— Bernhard Goldstein „ 2000.— Theodor Schrecker, Alfred Politzer, Fa. Theodor Schrecker „ 5000.— Alois.Taußky „ 1500.— Heinrich, Eduard und Dr. Friedrich Neurath zum Andenken an ihren set. Vater Michael Neurath „ 7500.— Firma Jakob Neurath - „ 3000.— Kaiserlicher Rat Louis Vogel „ 1000.— SiegmNnd Spiegel ,. 1000.— Alfred Grünhut „ 1000.— Ludwig HerschMann ,, 1500.— A. Herm. Frankl und Söhne' „ 8000.— Aus btt Woche. „TM Dunkelste, wsts es in Europa gibt." In der Sitzung des^hsterr. Abgeordnetenhauses vom 26. September 1917 sagte Dr. Victor Adler: . „Der Zarismus war der Unterstützer und die Grundlage aller reaktionären Dinge in der Welt. Für uns

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