Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 37 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seife 614 Dr. Blockes erstaunliche - Proben seiner Fertigkeit vor einem großen Kreis erfahrener Schachspieler ab. Er war i.n mittleren Konzerthaussaal zu einem Simultanspiel gegen sechs durchaus starke Partner angetreten. Der seltsame, kaum sechsjährige Zwergmeister präsentierte '-Mch dem lebhaft interessierten Publikum in echt kindlicher Unbefangenheit, angetan mit seinem weißen Matrosenanzug. Kaum hatte;Hn sein Impresario auf das Podium gchoben, und kaum hatte der Kleine seinen Gegnern die Hand gereicht, als er auch die sechs Spiele schon flott eröfsnete. Mit Staunenswerter Ruhe und Ungezwungenheit ging er von Tisch zu Tisch. Blitzschnell erfaßte er auch überall sofort die Situation, und entschlossen Mächte er nach meist sehr kurzem Ueberlegen seine Züge. Nach knapp einundeinviertelstündigem Spiel hatte er den ersten Gegner mit 25 Zügen matt gesetzt. Die Stellung zum ersten Matt war: Weiß: König 0 l; Dame u l; Turme A 1 und E 1; Läufer A 2; Springer H 2; Bauern A 4; B4; C3; i<4; E4; U 2 und 4. Schwarz: König G8; Dame E 7; Türme 68 und ü8; Läufer D 7; Springer F4; Bauern B 7 und 6; C6; D 6; E 5 und F 7. Der Kleme spielte hier wie bei den übrigen Partien schwarz. Das Matt erfolgte in folgender Weise: Dame schwarz U 4; Springer weiß Fl; Dame schwärz B 1 (Schacht)/ König weiß F2; Dame schwarz nimmt O 2 (Schach!) nebst Turn« kl 4. dann matt in?.toei Zügen. Die Spiele dauerten bis kurz vor 9 Uhr. Der kleine Rzeszewski . setzte fünf seiner Gegner matt. Das sechste Spiel wurde von dem Impresario in Anbetracht der ersichtlichen Ermüdung des Kleinen für remis erklärt. Von besonderem Interesse war es, zu beobachten, wie' Rzeszewski impulsiv in die jeweiligen Endspiele eintrat. Um schnell zum Matt zu gelangen, scheute er sich auch nicht, scheinbar übereilt, Qualitäten zu opfern. Der weitere Spielverlauf bewies jedoch stets, daß der kindliche Spieler immer mit langen Kombinationen arbeitet, wie sie weiterblickend nicht einmal der.älteste Schachspieler ersinnen kann. Samuel Rzeszewski -v stammt aus Russisch-Polen. Auch. sein Vater ist ein hervorragender "Schachspieler. AAS dem Leven des hohen Ravbi Löw. Neue Golem-Sagen, gesammelt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. - - 2. Die Verlobung. Ars Löw fünfzehn Jahre alt wurde, verlobten ihn seine Eltern nach chmnaliger Sitte Mit dem anmutigen und tugendhaften Fräulein Perl, der.Tochter des reichen und frommen Primas Schmelke Reich in Worms. In Worms feßjfij gab es' damals wohl Gelegenheit genug, sich in der rabbinischen Disziplin zu vervollkommnen, wehte ja hier der Geist des großen Kommentators Rabbi Saloniki Jzchaki (Rschi), aber es war Gepflogenheit der Mischen Jünglinge, treu dem Worte der Vater: ,,Wandere nach einem Orte der Lehre" in die weite Ferne zu gehen!, um zu. den Füßen berühmter Lehrer und Meister zu fitzen und den Wissensdürst an allen zugänglichen Quellen zu stillen. So zog auch Löw nach. Polen an die berühmte. G.elehrtenschule des Rabbi Salomön Lürja (1510—1573), der danhals alsder größte Stern - am Horizont der Mischen Diaspora erstrahtte. Bach daraus hatte Reich durch eine mißglückte Spekulation sein Vermögen eingebüßt, er war nicht imstande, die versprochene Mitgift zu erlegen und die'Heiratsansstattnng zu bestreiten. . - Er schrieb daher an Löw, der inzwischen schon das achtzehnte Jahr erreichte, einen Brief . folgenden ' Inhaltes: : r „Lieber Sohn!-Da man nach Weisung unserer Weisen, achtzehn Jahre alt,, heiraten muß, ich aber außerstande bin, die Mitgift zu erlegen, will ich. Dich dadurch nicht an das Verlöbnis! gebunden hätten: Wir vergaben und gestatten Dir daher, eine ändere Frau zü ehelichen." . r- Löw erwiderte jedoch : „Ich 'hoffe ans. die Hilfe des Ewigen und werde warten, bis erEuch helfen wird, die Mitgift und die.' Heimtsäusstattung auszubringen. Ueüerdies werde Wochenschrift Nr. 37 ich das Verlöbnis! erst dann als gelöst (betrachten, wenn Ihr Eure Tochter verehelichen werdet" .. Da sich über die finanziellen Verhältnisse ' Wichs nicht'besserten, errichtete Perl einen Laden -für Salz chnd und Brot und andere- Lebensmittelf um der. Not ihrer Eltern äbzuhelfen. (V So verging fast ein. Jahrzehnt. Löw - hielt am Verlöbnis fest, heiratete nicht, sondern gab sich ganz dem Studium der Wissenschaft hin.. Man . nannte ihn daher „Löw der Bacher" (Junggeselle, eigentlich Hagestolz). An einem. schönen Tage zogen Kriegstruppen durch die Straßen WorMs. Hinter diesen ritt ein hoher Offizier. Und als' er an den Laden Perls vorbeikam, steckte er sein Bajonett in ein großes Brot, welches! sich in der Ladenäusiage befand. . Perl wurde zunächst erschrocken und sie schrie auf. Sie faßte, sich Mach Deich und bat'den Offizier, ihr das Brot nicht ohne Bezahlung wegzunehmen,, da sie ihre alten Ettern von dem winzigen Laden zu ernähren habe. , Ihre Worte ließen ihn nicht ungerührt. Er zog den Sattel vom Pferde und warf denselben imt folgenden Worten in den Laden: „Ich bin hungrig, habe aber kein Geld, um das B-röt zu bezahlen, daher stimm. den Sattel dafür an." Hierauf ritt er davon. Perls Zuversicht und Gottesbertrauen blieb nicht unerWlt. ' - - Wie überrascht würde sie, als sie den Sattel in die Hand nahm und in diesem eine, große Menge Gofddukkaten entdeckte. ' - - 7 Perl lief schnell nach Hause. Mit Freudentränen verständigte sie ihre Ettern von dem' Schatze, der ihr aus wunderbarer Weise zuteil wurde.. Da wußte 'es -SchMelkke Reichdaß derKfsizier kein anderer war als der Prophet .Elias und daß er die Schwiegersohnes zu verd-anken habe. Selbstverständlich! teilte er ' gleich - Löw; mit, daß sich der HiMMel seiner zu Gutem' erinnerte und ihn aus wunderbarer Weise Hilfe schickte. Em forderte ihn auf, unverweilt nach Hause W koMMen,- um seine Vermählung zu feiern. '! , - .. Löw reiste nach Hause, ehelichte seine ftömMe. Braut und es 'dauerte keine(aWulangd Zeit, bis! er zuM -Rabbiner der Gemeinde Eftosen berufen, würde. V. Wie Kaalschem rin Derhängnio abivkridkte. (Eine Jom-Kippür-Reminiszenz.) Von Chaim Bkoch, Delatyn'. Cs war äm Neujahrsfest 1759, da sah Räbbi Jsroel Baälschemton im Geiste, daß der Sataneine: schreckliche - Anklage gegen die Juden vorbereitet mit. der - Absicht, daß rnan ihnen den TalMud weguehmen soll.. Baalschem war daher im Lause der „zehn Buß>stage" in großer Andacht, er sprach. nicht, er aß nicht und man konnte aus seinen großen Augen die. Traurigkeit, .die in seinem Innern wühtte, lesen. Als am Vorabend des VersöhüunWages' die Leute wie Mjährlich! zu ihm gekommen waren, um einen Segen, von ihm zu erhalten, segnete (er sie nicht, und er(sagtet die HerrlichW -Gottes meidet ihn. wägen seiner Traurigkeit und er vermag.nicht den Segen .Mit Intention zu:verrichten. -Die?. Ursache seiner Traurigkeit verriet 'er. nieMtti>em,'-man .spagte ihnnicht, nan wußte,es müsse etw,as! Großes Vorgehen. '. AA-BaMchM'.ÄM.MenÄ in der Synagoge erschien, sprach - er rührende- Worte zur" Menge:. und ermahnte sie zur Buße und zur Umkehr. zGs'-- haiidettsich um euer Leben, uM das Leben des' Mischen Volkes," sprach