Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 36 (14.9.1917)
- Date
- 1917-09-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 589 Nr. 36 Dir. Bloch,'s X wickelte' sich gewissermaßen unbemerkt, ohne jegliche Unterstützung seitens der weltlichen und' geistlichen Macht. Oft wurden die bescheidenen Früchte Zerstört; aber gerade diesem Unbemerktsein und dieser. Zurückgezogenheit haben, wirzu danken, daß ein Teil auch der alten Kunstschöpfnngen uns bis zunr heutigen Tage bewahrt geblieben ist. . ' Wenn Uran die altehrlvürdigen Synagogen in Litauen besucht, so sieht, wie wir der „Wilnaer Zeitung" entnehmen, nmn in Dekoration und innerer Ausstattung eine Fülle von orientalischen Motiven. Das kommt daher, daß die litauischen Juden ihre Beziehungen mit Pcplästina niemals unterbrochen haben. Sie fuhren immer itttä) dem gelobten Lande, mit dem sie in regem Handelsverkehr standen, und daher rührt es, daß die Synagogen mit Darstellungen asiatischer Flora und Fauna geschmückt sind. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts wurden überall neue dekorative Arbeiten verbreitet. Die Grundlage -dieser Dekorationen war die Arabeske, die ein zusammengesetztes Flechtwerk bildete aus Blättern und Früchten, die auf eine' Schnur gereiht waren; diese Blätter und Früchte waren, von Bügeln und anderen Tieren des Ostens, zuM Beispiel Löwen und anderen, geziert. Diese Motive fanden im 17. und 18. Jahrhundert große Verbreitung in den Synagogen; häufig findet man sie an den Decken und Wänden der Gotteshäuser, namentlich in vielen alten Holzsynagogen. In einigen Synagogen wurden daneben die Totalansichten von Jerusalem gemalt. Ferner wurden als Schmuckornamente angebracht: die zwölf Zeichen des Tierkreises, .rings UM die Kuppel als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Darstellungen des Löwen, des Adlers und des Hirsches, die ebenfalls Vertreter der kleinasiatischen Fauna sirtd, verwendete man, nur Stellen der Heiligen - .Schrift anschaulich zu Machen. Der Stil der Darstellungen war aus alten Handschriften des Mittelalters entnommen, auch von persischen Teppichen. Sehr oft trifft man an den Wänden der Synagogen folgenden Spruch: „Sei tapfer wie der Panther, leicht wie der Adler, schneit wie der Hirsch und hapfer wie. der Löwe beim Erfüllen des Willens des himmlischen. Vaters." Der Löwe ist das Sinnbild des Geschlechts Juda; auf der Brust des Adlers in der Mitte des Schildes werden gewöhnlich die segnenden Hände der Aaroniden angebracht. Oft wurde in den Synagogen in den Mittelpunkt der Zeichnung, der große siebenarmige Leuchter gestellt. Auf seinen Verzweigungen wurden gewöhnlich, die Worte des 67. Psalms angebracht. In den alten römischen Katakomben war dieser Leuchter das Symbol des seligen Todes nach dem Spruche: „Die Seele des Menschen — ein Leuchter-Gottes." Auch auf den Vorhängen vor der Bundeslade begegnet Man diesem Motiv, das eines der Hauptsymbole des Judentums geworden ist. Daneben waren die Maler bemüht, Elenrente der Vvlkssymbolik in die Dekorationen hineinzubringen, die oft nur den einfachen Zweck hatten, die nackten, kahlen 'Wände der Synagogen zu bedecken. Häufig-sieht man Verzierungen, die mit dem Religiösen keiner: näheren Zusammenhang Haben. Man -findet zum Beispiel Füchse, Pferde, Kähne, Störche, Schwäne, auch Affen usw. Sie wurden meistens aus Darstellungen Von Jagden oder Kämpfen mit Raubtieren usw. hinübergenommen und - ohne Bedenken zum Schmuck der Synagogenwände ver- ' wertet. Die Namen der Maler sind meistens unbekannt. Nur gelegentlich wird der eirre oder der andere erwähnt, So zum Beispiel ein gewisser Leibowitz, der sehr fruchtbar gewesen zu sein scheint, und von dem der polnische Schriftsteller Kraschewski berichtet, daß er für seine Werke hundert Abbildungen hergestellt hat. Wochenschrift Weit stärker tritt das Kunstgewerbe, Arbeiten irr Gold, Silber, Messing an heiligem Gerät hervor. Für den Meister war es die größte Freude zu sehen, daß die Synagoge vor: Kronleuchtern, die er geschaffen hatte, erleuchtet wurde. Von einem Meister Boruch wird berichtet, daß er acht Jahwe lang Abfälle von Messing janv* melte, um einen Leuchter für die Synagoge herzustellen. Aus Messing wurden auch Chanukaleuchter hergestellt, welche auf den Köpfen von Löwen befestigt sind. Auch die Ueberzeuge der Thora rollen sind oft sehr künstlerisch ausgeschmückt, häufig mit Gold und Silber verziert/ und ebeUso die Bundeslade, in der die Thorarollen liegen. Hier findet Man schöne Schnitzereiarbeiten, eine der merkwürdigsten in der Synagoge zu Okkeniki. Die Motive für die Schnitzarbeiten waren ebenfalls der Pflanzen- und Tierwelt entnommen. Aufruf! Unsere Glaubensbrüder im Heiligen Lande sind infolge des Krieges und verheerender Seuchen (Cholera, Flecktyphus u. a.) mit dem Untergange bedroht. Diesen Aermsten der Armen rasche Hilfe zu bringen, hat sich die Hilfskommission für Palästina zur Aufgabe gemacht. Tausende Notleidender, vor allem Angehörige unserer Monarchie, wurden mit Mehl und anderem Lebensunterhalt versorgt, ferner wurden weit über 200 Kriegs Waisen in Safed allein in Pflege genommen, außerdem andere Arme in ganz Palästina ohne Unterschied der Staats- und Gemeindeangehörigkeit, unterstützt, : ■ 1 : i .; i M sowie verschiedene Wohlfahrtsinstitute und die in Wien zurückgebliebenen Palästinenser mit monatlichen Beiträgen bedacht. Für die Besserung der sanitären Verhältnisse im Heiligen Lande istvon uns die „Kriegsspitalshilfe, für Palästina" ins Leben gerufen worden, die tatkräftig und erfolgreich arbeitet. Wir bedürfen dringend weiterer Mittel ünd bitten alle Glaubensbrüder, bei den Spenden vor der Sefer? thora, besonders an den hohen Festen,.."USVT©in min nnon yzv auch unsere Hilfskommifsion für Palästina zu bedenken. Gott lohne jede, auch die bescheidenste Gabe! Mit vorzüglicher Hochachtung E'TTC renn Für die Hilfskommission 1915 für Palästina: Rabb. Dr. Max Gr unw ald, Dr. Adolf Kapr al i k. Obereabb. W. R eich, Baden, k. k. Hosiat Dr. Jul. Schlag. Adresse für sämtliche Zuschriften: Hilfskommission 1915 für Palästina: IV., Frankenberggasse 14; für Kriegsspitälshilfe: Hosiat Dr. Julius Schlag, Wien, II., Obere Donaustraße 109. Zahlstelle: für Oesterreich: Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien, I., Renngasse 3; für Ungarn: Magyar Altalanos Hitetbänk, Budapest; für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin» Postscheck-Konto 1000 (auf Konto „Hilfskommission 1915 oder Kriegs- - spitalshilfe für Palästina").