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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-09-14 · 36 (14.9.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
36 (14.9.1917)
Date
1917-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite>D90 rDir. WtpchD Wochsnschrist! Mr/?36 l Wien. Montag, den 10. September/ feierte der berühmte Ohrenarzt uitb Physiologe-der Wiener Universität, Hofrat Dr. Viktor UtBanLschitsch, in..ganz ungewöhnlicher Frische und Jugendkraft seinen siebzigsten Geburtstag. Urbautschitsch, der Sohn eines vielbeschäftigten Wiener Arztes „illyrischer" wie man damals sagte, Herkunft, verdient in das güldene Buch des Judentums eingetragen zu werden, gibt es' doch in der christklichen Gelehrtenwelt kaum einen so eifrigen Verfechter unseres Volles^ wie.ihn. Daß die ganze Wiener Ohrenhellkunde in jüdische Hände liegt, ist sein Verdienst; hat er doch mit wenigen Austmhmen — zu denen sein hochbegabter Sohn Ernst zählt — nur jüdische Assistenten öltgesMllt und dadurch umgekehrt bewirkt, daß eine ganze Reihe hervorragender jmrger jüdischer Talente — wie Alexander und Baranyi —, die ihre Neigung %u ganz anderen Fächern getrieben hätte, zum Heile der Wissenschaft und leidenden Menschheit sich dem Fache zuwendeten, das fast das einzige, war, in dem durch Ur- ' bantschitsch und Politzer -einem Anden eine Universitätskarriere winkte. Nicht Zufall war dies!, sondern der verehrte Freund versicherte mir oft, daß er unserem Stamme physiologisch und psychologisch zartere Hände, größere Geduld und liebevolleres Eirrgehen mit Patienten und eine größere Begabung im Durchschnitt für sein Fach zuträue. Unbewußt mag die Dankbarkeit für die -jüdischen Aerzte Win Lern ich und Josef Breuer mitgespielt haben, die einst den blutjungen, autodidäktischen Ohrenarzt so förderten, denn Dankbarkeit, eine Blume, die gerade in Geleh'rtenherzen selten sprießt, scheint geraden ihre Lager bei U'rbantfch itsch aufgeschlagen zu hckben. Möchten dem Gelehrten — wer ihn sieht und hört/ kann ja das Wort Greis' nicht anwenden — noch ungezählte Jahre tiefen Forschens, erfolgreichen Heikens und stillen Familienglückes Geschieden sein, Familienglückes, in dessen Mittelpunkt eine gleichfalls noch unglaublich jugendfrische Gattin steht, die Tochter einer Wiener Hltrizierfannlie und Schwester des. gleichfalls ungewöhrllich judensreündlschen berühmten Malers Karl Fröschel. In diesem Familienkreis wurde übrigens als Schwiegertochter mit .osstnen Armen die Tochter eines jüdischen Hauses ausgenommen, an deren echt jüdischem Geist mrd dem. ihrer Kinder sich die Großeltern oft heiter erquicken. Tjer Mische Kongreß in RuMnd. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: Am 31. Juli wurde in Petersburg eine Konserenz zur FeMegung des Programms des allrussischen jüdischen Kongresses eröffnet. Alle jüdischen Parteien und Organisationen des russischen Judentums waren durch 00 Delegierte vertreten. Ins Präsidium wurden Senator SliosberK Abgeordneter Frie-dmann und die Herren Alejnikow, Jakobsohn und Grodsensky gewählt. Der Vorschlag der Poglezionisten, dem Kongreß die Bestimmung der Tagesordnung zu Merlassen,, wurde abgelehnt. Die Forderung! der Zionisten, die Sicherung der Rechte der Juden in anderen Ländern und. die Palästinasräge als gesonderte Punkte auf den.Kongreß zu behandeln, stieß auf dem entschiedenen. Protest der Bundisten, welche die Einmischung in hie Angelegenheit fremder Länder durch Resolutionen und Protestkund- Öeit als unnütz erklärten unddie Einfügung der nafrage als eines besonderen Wnlles in die Tagesordnung LeMllen,.M der allrussische MischeiKongreß keine zionistische Parteitagung werden 'dürfe. In der Sitzung vom 2. August -wurde eine 'Einigung erzielt, welche alle Parteien befriedigte. Die Zionisten verzichteten auf die Besprechung der Palästinafrage als eines besonderen Punktes und die Bundisten willigten ein, daß ■ der Kongreß - die Frage der As i ch e rm n g der b ü r - gerlichen und nationalen Wechte der Juderr i n Po l en, P a läst ina u nd Rum-än ien behandle. Polen wurde mit Rücksicht aufseine bisherige' Zugehörigkeit zum russischen Reiche an die erste Stelle gesetzt.' Das Programm lautet: „Der jüdische Kongreß Rußlands hat den Zweck: 1. die Grundprllizipien der jüdisch-nationalen Autonomie in Rußland auszuarbeiten; 2. die Formen und die Sicherungell der Rechte der jüdisch-nationalen Minderheiten festzustellen; 3. .die zeitweiligen Formen der Gemeindeorganisation des russischen Judentums! sestzustellen; .4. die Frage der Sicherung der (bürgerlichen. und:nationalen Rechte der Juden in Polen, Palästina, Rumänien usw. zu behandeln." Die Judenfmge in Rumänien. Dein JDischen Korrespondenzbureau im Haag wird aus Newyork berichtet: Der trotz aller offiziellen und offiziösen Versprechungen, unveränderte Kurs der rumänischen Machthaber gegenüber der Wischen Bevölkerung/'die Nachrichten Mer die Inhaftierung und HinrWung vieler Juden auf bloße Verdachtsgriünde und die Vergewaltigung Wischer Frauen h aben, in Amerika tiefgehende Erregung aus gelöst. Auf Veranlassung des rumänischWdischen Verbandes wird die Lage, der rumänischen Juden, im amerikanischen.Parlament zur Sprache gelangen. Dje Wische Presse der Vereinigten - Staaten zweifelt nicht daran, daß - die amerikanische Regierung in offener und! entschiedener Weise gegen die Unterdrückung ded rumänischen 'Juden Eim spruch erheben und auch die Alliierten zu der gleichen Stellungnahme veranlassen wird. /. Ein-Judenpogrom in Jassy. (Mehrere hundert. Todesopfer.) Die Berliner „Nationalzeitung" meldet von der russischen Grenze: Nachdem, die rumänische Regierung Jassy verlassen hatte, brach in der Stadt ein schwerer Judenpogrom aus. Eine große Menschenmenge bestürmte die Läden der Wischen Kaufieute und plünderte sie fast völlig aus. Ws die ausgehungerte Bevölkerung hier verschiedentlich größere Mengen versteckter -Lebensmittel vorsand, wurden sämtliche Juden, die den Rasenden in die Nähe .kamen, niedergeschlagen und .aufgehängt. Mehrere Hundert Juden chäben dabei ihr Leben eingebjüßt. ' . n ' (Tie rumänische Residenz ist von Jassy nach Verlad verlegt worden. Dort befindet sich! der König, der Kronprinz-, Bratiänu und Take Jonescu. In Jassy/ herrscht in schrecklicher Weise die Cholera. - mm Der Vorstand der Wiener israel. Knltrtsgememde gibt bekannt, daß vom 14. September ab der Freitage Abend- und Manlstag-Vormittags-Gottesdienst nicht mehr im Saale des Hotel „Bayrischer Hos", sondern bis auf weiteres imVetsaale ll., Dempelgasie 3, statt finden wird. _

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