Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 35 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 566 L>r. BLoch's Wochenschrift Nr. 35 nische und finanzielle Entwicklungder Industrie für den Staat bedeutet. Wenn unsere Industrie sich üppig entfallen kann, die Weltftmkurre'.lZ mitmacht, dann sind Millionen ihrar Angehörigen kaufkräftig aelvorden und heben die Konsumsteuerm um gewaltige Beträge. Das wollen wir vorausschicken, bevor wir an -die jüngsten. Vorschläge und Anträge des Herrn Abgeordneten Herangehen. Diese betreffen die Kriegsgewinnsteuer. Wir sind dafür, dafür, dafür! Das wollen wir ausdrücklich sagen, um nicht mißverstanden zu werden.; Tie Kriegsgewinner sollen schwitzen, wie man in gewissen. naiven Abbildungen die Sünder über den Feuern -der Hölle Larstellt. Der Abgeordnete wünscht, daß, die Kriegsgewinner aus Jahre zurück große Teile ihres Raubes Znrückgeben. In der Klammer möchten wir hier bemerken,-8ckß die Regierung das Zustandekommen übermäßiger Kriegsgewinne hatte verhindern müssen oder doch wenigstens für die Zukunft verhindern sollte. Das ist aber oem Herrn Abgeordneten Nebensache. Hauptsache ist,- daß die KriegsgewÜrner schwer bezahlen, lind' das sollen sie auch nach unserer eigenen Ansicht in gewaltigem Umfang. Nur bitte — alle Kriegsgewinner! Es hat-nämlich durchaus den Anschein, ja fast die Gewißheit, daß man den größten und ergiebigsten Teil .der Kriegsgewinner nicht wird fassen können und fassen wollen. Man wird nur die Fabrikein .Banken und Kaufleute mit'ihren klarier: Büchern hernehmen, nur den Reichtum der Städte vermindern, nicht aber, den Grundbesitz antastLN. Was das heißt, dem Grundbesitz etwas wegnehmen zu wollen, geht aus der Geschichte des' ehemaligen deutschen Reichskanzlers. Fürsten Bülow hervor, der. über eine finanzielle Kleinigkeit gefallen ist. Er wollte nämlich .dem Grundbesitz Erbschaftsgebühren 'vorschreiben. Darauf Empörung bei den Feudalen und Bauern. Die Gebühren hätten sie vielleicht gezahlt, aber ihre Güter und deren Ertrag wollten sie durchaus nicht amtlich ab schätzen lassen. Daher vereinigten sich Konservative undr; Zentrum, Großgrundbesitz und Bauern im Reichstag und stürzten den Kanzler im Interesse ihrer Taschen. Eine ähnliche Geschichte, wird sich anläßlich der KriegsgewLnnsteuer auch in Oesterreich,' abspielen. Ohnehin re«- giert man bei uns vorwiegend im Interesse der Landwirtschaft und wendet dem Großgrundbesitz als der regierenden. Kaste die größten Vorteile zu. Werden nun die Feudalen und die Landwirte auch ihre Pflicht gegenüber dem Staate erfüllen, wenn es zum Zahlen kommt, und wie wird man ihr Vernrögen erfassen? Man spricht von nichts als von Bankeir, Industrie und Kaufmannschaft, aber g^r nichts von den Grundbesitzerin deren Einfluß jetzt allmächtig ist. Vergessen wiraber 'nicht, daß die ewigen agrarischen Zänkereien wegen der Grenz-? sperregegen Serbien nicht wenig zum Krieg beigetragen haben, "baß die Landwirte zuerst mit riesigen Preistreibereien angesangen haben und jetzt mit der Harte und Gesinnung von Sklavenhaltern die Hungerpeitsche über den Städtern schwingen.- Es ist bekannt, daß'der kleinste Bauer jetzt wohlhabend und der große reich geworden ift Dabei ist von Buchführung oder amtlichen Nachweisen gar. keine Rede, und wenn die bäuerlichen Stenerkommissionen zur Einschätzung, der Iriegsgewinnstcuer zusamrnentreten werden, dürfte eine Krähe der andere:: kaum ein Auge aushacken. - Daran soll erinnert werden und darauf sei auch das Augenmerk des Abgeordneten Steinwender und seiner Parteigenossen gelenkt. Die bäuerlich-konservative Gememschast bereitet sich auch-jetzt schon auf das Nichtzahlen vor ünd läßtihre Presse und ihren politischen Vorspann, die. EHE fleißig, auf die Juden schimpfen. Mögen auch diese ebenso wie die christlichen -Kriegs- ZMürner, die .natürlich - öic überwältigende Mehrheit haben, ihre.Steuer bezahlen. Aber auch die Landwirte. bis zum Großgrundbesitz! Man wird ja sehen, wie die Christlichsozialen und Deutschnationalen sich zu dieser Frage verhalten werden. Das wird Wohl nicht gehen, daß der: verhältnismäßig verarmten Städten mit eventuell arbeitslos gew ordener Bevölkerung das milliardenreich gebliebene Land gegenübersteht, dessen Bewohner keine Schränken des Hochmutes und der Macht kennen Werder: Die Macht des flachen Landes heißt imnrer Rückschritt Im politischen, also im finanziellen Interesse müßten vor den Gesetzen über die Kriegsgewinnsteuer Erhebungen und Maßnahmen zur gerechten Heranziehung der scheinbar vergessenen Kriegsgewinner auf dem Lande durchgeführt werden. Das wäre für. fleißige finanzielle Sbzialpolitiker eine recht dankenswerte Aufgabe. Aus der Mache. . I: ‘ ' Tos österreichische Slaatsprogramn: der „Reichspoft"- Partei. In der Sonntagnummer vom 2. 'September proklamierte die,-.Reichspost" das neue Staatsprogramm für Oesterreich das die ernsteste Aufnrerksamkeit aller Staatsgenosser: herausfordert. Der Artikel führt die Ueberschrift: „Religion und Politik", und verlangt mit allem Nachdruck, daß die Staatspolitik sich der „Religion" unterordne, beziehungsweise von ihr durchdrungen sei. -„Der Mensch wäre ein komischer Kauz, der seine heiligsten Ueberzeugungen nur für stille Kontemplationen innerhalb der eigenen vier.Wände hätte und nicht für das Gänze seines Tuns und Woliens. Und die Weltanschauung, bezw. Religion/ die nicht den Anspruch machte, 'immer Und überall, nicht nur in der Sakristei und im Betsaal, sondern auch . im öffentlichen Leben, in Schule und Parlament, auf Thronen und in den Gemächern der Diplomaten bestimmend zu sein." - Es handelt sich, aber nicht nur „Religion" im allgemeinen, sondern um ein bestimmtes Bekenntnis, dem die Staatspolitik dienstbar gemacht werden soll. Nur „die seichter Ausklärungsphilosophie folgend, schreckten vor allem „Klerikalisinus" der Politik, vor der Betonung ihrer Unterordnung unter Religion und Kultur zurück".' Und die „Reichspost" fügt hinzu: „Ist in der Politik mcht das-Christentum ausschlaggebend, so wird eben, irgendwie Materialismus, Atheismus, Skepsis. Judaismus den Ton angebeu." „Änd der ganze Lärm der neueren liberalen Weltpresse, die ganzen Kämpfe gegen „klerikale" Gefährdung der Politik hatten eigentlich nur den Zwech, datz an die Stelle christlicher Ideen mammonistische traten, an die Stelle der Philosophen und Priester die Literaten und Professoren der Gnade der Börse und Synagoge, an die Stelle des Einflusses von'Bischöfen der Linfluh von Bankdirektoren, an die Stelle der Machtgeltung des inter-, bezw. übernationalen Papsttums die Machtgeltung der internationalen Weltplutpkratie pnt dem Haus Rothschild an der Spitze." . . - Auf besondere Neuheit vermögen diese Staatstheorien, nach welchen alle Politik von den Grundsätzen speziell der katholischen Religion.geleitet sein soll, wohl kaum Anspruch! zu erheben. Der Staat des Mittelalters wurde bekanntlich nach solchen Grundsätzen regiert, m seiner Mitte herrschte der „Einfluß von Bischöfen", während „Synagoge" und „Judaismus" als Ausgeburten der Gottlosigkeit, als Werkzeuge des Teufels wie jede andere Ketzerei dem Scheiterhaufen verfallen waren. Und wie lange ist es denn her, daß Oesterreich nach solchen Prinzipien regiert wurde? Diese Staatsweisheit feierte ihre höchsten Triumphe in der Geschick) tse poche d e s K o N k o r d a t e ch und wie sie geendet und welche „Erfolge" .sie für den Staat erzielte, darüber gibt ja die Geschichte genauen Ausschluß. Und wenn gegenwärtig eine Erneuerung der Politik der Konkordatsepoche eingeleitet wird — der schlieWiche Ausgang wird kein^ anderer sein.' . - /