Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 35 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Dir. Bkoch's Wochenschrift Nr, 35 Seit» 567 Vielleicht ist es Lediglich Zufall, daß in allen Staaten Europas gerade jene Parteien, welche der Weltanschauung der Wiener „Reichspost" huldigen, seit.je zu den eifrigsten und wütendsten Kriegshetzern gezählt haben und zählen;, selbst Italien bildet hier keine Ausnahme. Mit diesem Staate stand Oesterreich in einem Vertragsbündnis; allein gerade klerikale Demonstrationen und Agitationen haben jedes gegenseitige Vertrauensverhältnis nie recht sich einMrgern lassen. . Unstreitig ermangelt eine Religiosität jedes Kulturwertes, wenn sie in Beschimpfung und Verleumdung Andersdenkender ihren eigentlich,en Inhalt erschöpft. Mit. welch zügelloser Gehässigkeit, mit welch maßlosen Verdächtigungen und Verleumdungen begleitet diese biedere „Reichspost" das Wirkerl des neuen königl. ungarischen M-inister's Wilh. Vazsony! lieber ihn leistet sich das christlich soziale Organ in derselben Nummer folgende Auslassung: „Man erwartet ..sehr viel" von ihm. Es ist kein Zweifel, daß er. als. übsrzeugungstreuer 'Jude kaum ein Gesetz schaffen wird, das seiner Gilde schadet. Kann man sich aber ein tatsächlich allgemeines, geheimes und gleiches Wahlrecht vorstellen, das nicht die jüdische Korruption,, den jüdischen Schacher und die jüdische Jmmorralität aus diesem'schwergeprüften Lande bannen würde? Die Juden würden ihn ja steinigen, dieselben Juden, deren Abgott er heute ist. Nein, das Vazsony-Wahlrecht wird sicher ein. Schritt weiter auf dem Gebiete der „Rezeption" sein, aber Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für Christen, Aufhebung der heute tatsächlich bestehenden jüdischen Vorherrschaft in Ungarn wird es niemals schaffen." Und eine Weltanschauung, der solche rohe, verleumderische Insinuationen als Hilfsmittel der Politik willkommen sind, sollte dem Staat maßgebend werden in seinem Verhalten nach innen und außen. ■ Zu Überheblichen Auslassungen gegen „Judaismus" und „Synagoge" , scheint auch die Zeit kaum richtig gewählt. Mährend die christlichen Völker nun schon drei schreckliche Jahre alle ihre materiellen und geistigen Machtmittel erschöpfen, um sich gegenseitig auszumorden und auszutilgen, steht der Japaner beiseite und bildet sich, seine Gedgnke'n über den Wert einer „christlichen Kultur". Wir hatten schon einmal Gelegenheit, den französischen Botaniker Alphonse de C and olle, geboren 1806 in Paris, zu zitieren. In seinem Werke - „Geschichte der Wissenschaften und der Gelehrten" malt er die Hypothese aus, wenn die Erde von Juden bewohnt wäre: „Was würde die Folge sein? Es gäbe keinen Krieg, mehr Arbeit und Arbeiter, weniger Staatsschulden und Steuern, Wissenschaften und Künste, besonders die Musik, würden gefördert werden, Industrie und Handel blühen, die Ehen und mit ihnen die guten Sitten zunehmen, die mittlere Lebensdauer sich verlängern." „In der Tat gibt es nur ein Mittel gegen den Militarismus, dessen Lasten Europa fast erdrücken: das ist die Ausbreitung des jüdischen Geistes,. der ruhig, friedlich, sanft, weich und human ist. Tapfer und todesmutig in der Verteidigung des vaterländischen Bodens und der hohen Güter der Menschheit, waren die Juden nie kriegslustig, aggressiv, eroberungssüchtig und sind auch heute keine Freunde des Svldatenspiels und des Waffengepränges." So weit der berühmte französische Botaniker. Als Kronzeuge für ihre Regierungsweisheit wird von.der „Reichspost" schließlich seltsamerweise W a s h i n gt,o n angerufen. •> „Der größere Vorgänger des Hauptkriegsverlängerers Wilson, Washington, hat einst gestanden, daß die Menschen zu Freiheit und Wohlstand nur gelangen, wenn sie niemals vergessen, daß ein unlösbares .Band 'vorhanden ist zwischen Tugend und Glück, zwischen Pflicht und materieller Errungenschaft, und daß der Hrnnnel niemals gnädig he rabsieht auf ein Volk, welche die von Gott aufgerichteten ewigen Normender Ordnung und des Rechtes' mißachtet." Wash ington war ein Staatsmann, der den hohen sittlichen Wert jeder religiösen Gesinnung zu werten wußte, sie aber nicht bei einer einzigen Konfession bloß einschätzte. Die Sessionen des Staatskongresses in Washington werden stets mit dem Gebet eines Priesters eingeleitet und eröffnet, und es sprechen dieses Gebet abwechselnd ein protestantischer, ein katholischer und auch ein jüdischer Geistlicher. Washington hat in „Synagoge" und „Judaismus" nicht geistige Mächte gesehen, die man zur Religion in Gegensatz stellen darf; sie waren ihm Repräsentanten des religiösen Gedankens die Ausdrucksform der Mutterreligion, die Form der Gottesanbetung der Erzväter und Propheten Israels. In Wahrheit heißt es. das Andenken des großen George Washington herabwürdigen, wenn sein Name für antifemitischj-klerikale Regierilugsmaximen mit konfessionellen Schatsprivileaien als Kronzeuge mißbraucht wird. . Agenten der Entente bereisen die neutralen Länder und agitieren gegen Oesterreich als den letzten Staat, in dem noch ansehnliche und tief wirkende Spuren des Mittelalters sich erhalten haben. Die Artikel der „Reichs- Post" sind leider geeignet, solchen Agitationen Vorschub zu leisten. II. Ist es in Oesterreich gestattet oder auch nur ratsam, sich als „Oesterrefcher" zu bekennen? Die „Ostdeutsche Rundschau", bekanntlich das Organ des „Deutschen Nationalvedbandes", publiziert in Nr. 195 vom 28. August eine Mitteilung unter dem Schlagwort: „Ein Wiener Erlebnis": Ein verwundeter Oberleutnant, der vorübergehend in Wien weilte, schreibt uns: „Ein Erlebnis auf der Ringstrahe muh ich den lieben Lesern der „Ostdeutschen Rundschau" doch mitteilen. Am Opernring begegnet mir ein ehemaliger Schulfreund in Begleitung eines Unbekannten, der als Dr. Schwarz vorgestellt wird. Im Laufe des Gespräches, das uns bis zum Kriegsministerinm führt, berühren mir auch die Politik, und ich beklagte das mangelnde Deutschtum so mancher Wieners Erregt warf Dr. Schwarz ein: „Erlauben Sie. wir Wiener sind O este rreicher und keine Deutschen!" Ich sah mir den Mann genauer an: „Sie sind Wiener?" — „Jawohl, echter (!) Wiener!" — „Hm, und kein Deutscher?" — „Nein, ich bin O e st e r r e i ch e r!" — Jetzt fragte ich scharf: ..„Ah, Sie sind Jude?" — Zögernd erwidert dieser Dr. Schwarz: „Allerdings, aber —" Schnell unterbrach ich ihn: „Schon gut, dann haben Sie Recht, dann find Sie kein Deutscher!" Sprach's, drehte mich um und lieh den „Oesterreicher", der allerdings kein Deutscher ist, stehen . . . ." Aus diesem von der „Ostdeutschen Rundschau" sestgehaltenen „Erlebnis" ergibt sich mit Sicherheit zweierlei.: Erstens, daß. wer sich als Oesterreicher bekennt, er sich dadurch als „Jude" verrät und daß ein solches Bekenntnis zum Oesterreichertum in den Augen der „Ostdeutschen" eine minderwertige Gesinnung bekundet, die eben nur dem Inden eigen ist. Zweitens, daß es keine sonderliche Ehre ist, noch auch als Empfehlung gelten kann. „Oesterreicher" zu fein. Nun hat aber der christlichsoziale Abgeordnete J e rzabek den Grundsatz proklamiert: „Oesterreich den Oesterreichern!" Ach. wie naiv, wie dumm! Oesterreich gehört allen — nur nicht den Oesterreichern! Kriegsdekomtionen jüdischer KsKziere und Kabalen. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens nit der Kriegsdekoration und Schwertern in Anerkennung, opferen und ausopserungSvollen Verhaltens vor dem Feinde dem Assistenzarzt d. R. Dr. Ludwig Landau;