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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-08-31 · 34 (31.8.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
34 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 550 , Djr. Blochi's Wochenschrift Nr^ 34 saßt werden, da Ke Lei. ihrer Wahl nur mit der Lösung der Fragen des Wahlrechts und des Privateigentums' betraut wurde. Es itrjüjffle also Mr die Judenfrage eine besondere Konstituante einberufen werden. Man könne Zwar jetzt schon auf gesetzlichem Wege eine Massennaturalisation d-erjenigen Juden, deren Patriotismus unzweifelhaft sei. vonrehmen, aber hiegegerr habe sich das Judentum selbst .ausgesprochen, toelchies' vorziehe. die endgültige Lösung der Frage entsprechend den feierlichen Versprechungerr des Königs abtzuwarten." Man versteht sehr leicht den Sinn dieser Erklärung des Gesandten. Sie besagt, daß, die rumänische Regierung im Ernst nicht daran denkt, die Emanzipation der Juden Zu verkünden, sondern Zu allerlei haltlosen Vorwänden ihre Zuflucht nimmt. Es kann daher auch nicht wundernehmen, daß dieselbe russische Zeitung ..Kiewskaja Mysl" berichtet, die rumänische Zensur unterdrücke jede öffentliche Meinungsäußerung in der Judenfrage, weil ihre.Ausrottung das Land in nmßlose Erregung versetzen müßte. Es geht aus alledem klar hervor, daß von den gegenwärtigen rumänischen Machthabern nichts zu erhoffen ist. Schuld daran aber trägt die gesamte Entente. Würden England, und Frankreich ebenso energische wie Rußland von Runr-änien die Durchführung der jüdischen Gleichberechtigung fordern, die rumänische Regierung, die finanziell und politisch völlig von ihnen abhängt, könnte sich dem nicht Entziehen. 'Daß der Druck Rußlands, das finanziell Rumänien nicht helfen kann, weitaus wertiger. wirksam -ist, ist selbstverständlich; und den Starrdpunkt der englischen Regierung hat Lord Robert Ce eil jüggst in Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus dahirr präzisiert, ..daß diese Frage irrnerhalb der KonrpetenZsphäre des Körrigs von Rumänien urrd der rumänischer: Regierung siege". - Wie dieser.Starrdpunkt der englischen Regierung,Zu/ beurteilen ist, dafür sei hier ein Aufsatz wiedergegeben, in. dem die Petrograder jüdische Zeitung „Jewrejeskaja Nedelja^u unter der^ Ueberschrist .Diplomatie" diese Antwort Lord Robert Secils kommentiert. Das' Blatt schreibt: 0 „Eine ausgezeichnete Antwort. Um konsequent zu sein, Hütte der verehrte Leiter der auswärtigen Politik Englands noch hinzufügen müssen: Das Schicksal der Pvsener Polen „liegt innerhalb der Kompetenzsphäre" der Hohenzollern und der deutschen Regierung, dasjenige der Tschechen und Ruthenen „innerhalb der Kompetenzsphäre" der Habsburger und der österreichischen Regierung, und die armenische Frage wieder — geht ausschließlich den Sultan der Türkei an. l Was bedeuten dann eigentlich die „Befreiungsziele" und die Interessen der „unterdrückten Völkerschaften"? Die Verletzung der belgischen Neutralität seitens Deutschlands — soll dych bekanntlich die unmittelbare und wichtigste Ursache der englischen Kriegserklärung an Deutschland bilden. Diese Tatsache wurde wiederholt und in feierlichsür Weise in den Reden Asqüiths. Ereys, Balfours und anderer englischer Staatsmänner betont. „England habe und werde auch in der Zukunft die Heiligkeit der internationalen Verträge Mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bis zum letzten Blutstropfen und bis zum letzten Schilling verteidigen". Ausgezeichnet! Steht aber im Berliner Vertrage, der u. a. Rumänien die Verpflichtung auferlegt, sämtlichen Bürgern dieses Landes ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität gleiche Rechte einzuräumen, nicht auch die Unterschrift Englands? Weshalb also ist die Verletzung der belgischen Neutralität die allergrößte Barbarei, während die augenscheinliche und gleichzeitig -brutale Verletzung des Berliner Vertrages, wodurch die nicht weniger heiligen Rechte des jüdischen Volkes geschützt werden sollten, die Ruhe der Vertreter der' englischen Diplomatie niemals gestört -hatte (und nach den Worten Lord Robert Eecils auch gegenwärtig nicht stört)?; Weshalb denn eigentlich? Oder aber soll die Frage der Lage der Juden in Rumänien ihrem Wesen nach gewissermaßen als gelöst angesehen werden, und soll vielleicht nur der Korrektheit halber die endgültige Gestaltung der jüdischen Emanzipation -„benf König von Rumänien und der rumänischen Regierung" überlassen iwerden? Leider rechtfertigt die Lage der Dinge in Rumänien einen derartigen Optimismus in gar keiner Beziehung. Die demökrätischen: Elemente besaßen in diesem Lande niemals Autorität, ja auch jetzt noch sind dieselben sehr schwach. Na k o w s k i würde noch bis^heute im Gefängnis von Jassy sitzen, wenn Rußland nicht interveniert hätte.! In den ersten Tagen nach dem Anschluß Rumäniens au die Koalition Rußlands und seiner Verbündeten, als das Kriegsglück den Rumänen anscheinend noch hold war und einige besonders erpansionslustige rumänische Politiker sogar die "Ueberzeugung aussprachen, daß gerade Rumänien dazu berufen wäre, das Schicksal Europas und des Krieges zu entscheiden — in diesen Tagen hielten es die verantwortlichen rumänischen Politiker (wie beispielsweise der rumänische, Gesandte in Paris, Lahovary) nicht einmal für notwendig, den Juden gegenüber ein Geheimnis daraus zu machen, daß die rumänische. Regierung sich überhaupt nicht mit der Absicht trägt, sie zu emänzipieren. „Vielleicht —> erklärten sie — irvird män eine Ausnahme mit jenen Juden machen, die sich auf den Schlachtfeldern auszeichnen werden." Welche Bedeutung die Juden diesen bedingten Versprechungen beilegen konnten, bedarf keiner weiteren Erörterung. Während des vorhergehenden . Krieges (1912) mit Bulgarien hatte die rumänische Negierung vin . völlig bestimmter Form erklärt, daß sämtliche im Reseroeverhältnis stehende Juden naturalisiert werden sollten. Aber auch ein solch kategorisches Versprechen wurde nicht eingehalten, und zwar unter dem Vorwand, daß es „eigentlich kein richtiger Krieg war". Die rumänische Regierung war niemals in Verlegenheit nach Gründen in der Nichterfüllung ihrer Pflichten den Juden gegenüber./ Man kann selbstverständlich nicht leugnen, daß ein gewisser Stimmungswechsel sogar in den regierenden Kreisen Rumäniens zu 'konstatieren ist. Die über das Land hereingebrochene entsetzliche Katastrophe mutzte einen Eindruck auf sie ausüben. Sollen sich aber die Verhältnisse in d,er Zukunft derart gestalten, daß man. auch ohne jüdische Emanzipation auskommen können wird, so befürchten wir sehr, daß die Lenffer Rumäniens sich wieder nach- Vorwänden Umsehen werden. Auch die von Zeit zu Zeit zu uns gelangenden Nachrichten über antisemitische Ausschreitungen. über Pögromhandlungen solcher Personen wie I o r g a usw. können uns von der Besorgnis nicht befreien. In Rumänien gibt es keine solch idealistisch veranlagte Intelligenz wie in Rußland,- dort gibt es nur „Bojaren"söhnchen, die nichts in der Welt so sehr fürchten, wie die jüdische 'Konkurrenz auf 'Wirtschaftlichen^ und die jüdische Demokratie auf politischem Gebiet. j Deshalb eben wird man von der endgültigen Lösung der jüdischen Frage in Rumänien nicht früher sprechen können, bevor ein diesbezügliches Gesetz in einer Abfassung zustande kommt, die keinerlei Hinterpförtchen zur Umgehung desselben offen lassen wird. Lord Robert Eecil ist Mt "der Lage der Dinge ln ^Rumänien ebenso gut vertraut wie wir, und feine Erklärung im Unlerhause mutzte daher einen -niederschmetternden Eindruck auf alle jene ausüben, denen -die „BefreiungHiele" des Krieges wirklich K euer sind und für die „die Befreiung jber unterdrückten Nationen aus -der Leibeigenschaft" kein leerer Schalk ist. Es ist wirklich an der Zeit, sich von der alten Diplomatie koszumächen, die soviel Heuchelei aufweist und-die von so geringer Liebe zur Menschheit und zur menschlichen Würde durchdrungen ist." Diesem ausgezeichneten Artikel ist nichts hinzuzusügen. Er charakterisiert die Haltung Englands in der einzig angebrachten Weise. Wie Zur Zeit der zarischen Regierung in Rußland nicht der geringste Schritt zur Besserung der Lage der russischen Judenheit von seiten Frankreichs und Englands unternommen wurde/mit der Begründung, die.,Frage sei eine innerrussische", so ist auch für die Befreiung der rumänischen Judenheit kaum etwas von den Westmächten zu erwarten. Die einzige Hoffnung ist aus die Entwicklung der inneren Verhältnisse in Rumänien selbst Zu setzen, die vielleicht Zu einem ebensolchen Sturz des gegenwärtigen Regimes führen wird, wie dies in RuWand erfolgt ist, und damit zugleich die Erlösung der rumänischen Judenheit aus ihrer gegenwärtigen trostlosen, furchtbaren Lage bringen wird. - Die Cantaruzirrostraße. Man Amr in Wien interessante Straßeirstndien machen. W gibt in den 21 Bezirken soviel fremd^ sprachige Straßen- und Gassenb'ezeichpungen, daß man unwiWürlich dabei an das Dichterwort erinnert wird: „Wer sind alle die Namen, die hier Zusammenkamen?" G.ewiß hat jede Gassenbenennung ihren Zweck, nicht alle, aber einen ausgesprochen historischen oder denkwürdigen und. >am allerwenigsten die im 12. Wiener Bezirke 'bei derMeidlinger Hauptstraße und der Schönbrunner Allee

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