Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 34 (31.8.1917)
- Date
- 1917-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXIV Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. oü-.—■ . ■ , — =DO "p N. k. Postsxarkaflenamr Q Llearlng-Verkebr Bti 810.976. Redaktion und Administration: Wien . - c Il/i, Praterstraße 9. Ij Telephon 45.359. oO ■ - 7 -Qo Wien, 31. August 1917 Br scheint jeden Fr et tag. Brief-Adresse: Wie«. II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. O o— - — ==£>0 Vrxugsprrrs für Veftrrrrirl,: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für Las Ansland: Halbjährig 10 Kronen. . Ganzjährig 20 Kronen. * Anzeigen: Die:2mal gesyaltene PetitzeUe 48 Heller. OQ- -OÖ Inhalt: Leii artikel: Die rumänische Judenfrage, und die Entente. — Die Cantacuzinostraße. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Abermals die Stimme eines hohen Generals. — Ein jüdischer Maria Theresien-Ritter.. — Leopoldsorden. — Weitere Auszeichnungen. — Hohe. Auszeichnung eines Reserveoffiziers. — Fünffach ausgezeichnet. — Fünf Bruder ausgezeichnet. — \ Das Geschenk des Kaisers. —' Beförderungvon Stabsoffizieren. — Die Kafranjuden. — Ein Brief an den einbeinigen Kriegsinvaliden. — Gefallene Helden. —' Nach dem Tode ausgezeichnet. — Leutnant Rudolf Engel von Janosi. — Der Heldentod des Realschulprofessors. V’*~~ Zwei Stuhlweißenburger Helden.— Liste der vom 1. Juli bis 1. August in Wien beerdigten Offiziere und Mannschaften. — Die jüdischen Toten' des Comener Soldatenfriedhvfes.Brief aus der Gefangenschaft. — Eine Protestversammlung der englischen Juden. — Eine antisemitisch-jüdische Firma. — Abgefangene Schwärzer. — Korrespondenzen: Kaisers Geburtstag im Standort eines Armeekommandos. — Festgottesdienst und Geburtstagsfeier des Kaisers Karl in Rumänien. — Galizische Flüchtlinge beim Statthalter .; , Grafen Meran. Kais.-königs. Gesellschaft vom Oesterr. Silbernen Kreuz. —^Wiener jüdische Künstler an der Front. — Marienbad. i-'' - -7- Zloczowl — Literatur für jüdische Kriegsgefangene. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus meiner Sachverständigenpraxis. Literatur. — Briefkasten. —Inserate. Die rnmiimsche Attdrnfrage und die ^. EnteÄle In denSchrecknissen dieserZeiten zeigt sich ein solch seltsamer Geschickswandel, daß man inmitten des Schlachtenlärmes und Blutrausches' eine Offenbarung iauSgleichender GerechtiMit schimmernd wahrnimmt: Der mächtige-'Zar, Vor dem einst -nahezu ganz Europa erzitterte, wurde nach Sibirien gebracht; er weilt jetzt in Töbvlsk und' .kann, die Eisfelder Sibiriens beschauen, wo einst tausende und abertausende Männer und Frauen, die edelsten Kinder des. russischen Volkes', auf sein Geheiß ihr Leben aushauchten. Die berühmten Schilderungen Georg Kennans der sibirischen Greuel haben seinerzeit das Entsetzen Europas hervorgerufen. Sibirien war das schreckliche Gewaltmittel des Zarentums, seine Staatsweisheit, seine Regierungskunst.' Nun ist Nikolaus selber einer der nach Sibirien. „Verschickten", und die Sage geht, daß die Verbannung nach Sibirien für Nikolaus Romanow eine Rettung bedeutet, van der Negierung Englands inspiriert worden, um sein Leben vor den Gefahren einer etwaigen zweiten Revolution sicher^ zustellen. Der tiefe Sturz dieses blutigen Tyrannen wird noch spätesten Dichtern dankbaren Stoff bieten. Die Regierung Rumäniens wiederum sucht in der Fremde ^Zuflucht und die Mitglieder des rumänischen Parlamentes sind in Odessa eingetroffen. Doch dürften die. Kammern nicht hier, sondern irgendwo im Innern Rußlands ihre Sitzungen äbhalten. Die rumänischen Regierungsmänner hcchen die Inden, die in Rumänien geboren wurden und deren Eltern seit Jahrhunderten im Lande lebten, für .,Fremde" erklärt; nun müssen diese Gewalthaber selber in der Fremde umherirren. König Ferdinand von Rumänien sucht irgendwo in Rußfland eine Stätte, an der er sein Heim aufschlagen kann, allein die russischen Arbeiter- und Soldatenräte.in den Provinzstädten zeigen eine sta r k e Ab n erg' u n g g eg endie Ausnähm e der rumüni.schen Kö-- niasfamilie und der rumänischen Regierung. König Ferdinands Wahl fiel auf die Stadt Cherson, allein die zahlreichen jüdischen Arbeitermassen kn Cherson sind wDig brbaub von diesem Besuch und haben nicht übel Lust, die rumänische Königsfamilie und die Mitglieder der rumänischen Regierung alsuuwillkornmene „Fremdlinge" und „lästige Ausländer" zu behandeln. Der Petersburger und der Odessaer Arbeiter¬ und Soldatenrat haben ihre Kollegen in Cherson darum aufgefordert, eine weniger schroffe Haltung einzunehmen. Man hofft, daß es doch möglich sein werde. Cherson zur Residenz für die rumänischen Behörden zu bestimmen. Gleichzeitig hat der russische-Minister des .Aeußern, T er esch tschenko im Aufträge seiner Regierung kürzlich eine Protestnote an die rumänische Regierung gerichtet, worin darauf hingewiesen wird, daß die einstweilige russische Regierung es nicht dulden kann,' daß im verbündeten Rumänien die Juden außerhalb des Gesetzes gestellt sind. Sie bedauert lebhaft, daß die rumänische Regierung den demokratischen Gefühlen des erwachten Rußlands keine Rechnung trägt. Diese Note hat in Jaffy einen derart starken Eindruck gemacht, daß sich die Regierung veranlaßt fühlte, den Premierminister Bratianu nach Petersburg zu entsenden, um sich vor der russischen Presse zu rechtfertigen. Auch der rumänische Politiker Dr. L ipi habe sich' dorthin begeben und in einer Vollversammlung des Arbeiter- und Soldatenrates eine Erklärung abgegeben, daß die rumänische Regierung bestrebt sein wird, in der nächsten Parlamentstagung die Judenfrage im positiven Sinne zu erledigen. Die „Kiewskaja Mysl" bringt eine Unterredung mit dem russischen Gesandten in Rumänien, Poklewski. über die Judenfrage. Darin erklärt der Gesandte, daß der König, Bratianu, Jonescu u. a. ihm versichert hätten, daß die Juden volle Gleichberechtigung erhalten sollen. ,.Äber rdas berühmte Aber — die gegenwärtige rumänische Konstituante könnte mit dieser Frage nicht be-