Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 33 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 33 Tjr. Bkochl's Wochenschrift Seite 637 Hauser Gemeindebethause tätig! gewesene Salomvn Jurberger. Die Ausbildung des Chores obliegt Jett dem Jahre 1892 dem Chormeister Professor Joseph Sulz er. Seit dem 'Jahre 1893 bekleidet die Stelle eines Chordirigenten Julius He imaun. der auch, schon früher, und zwar seit Eröffnung des Tempels, dem Chore, Zuletzt .als O,uarteLtsänger, angehört hatte. ' Nach dem aM 18. Februar 1865 erfolgten Ableben Mannheimers wurde Dg. Adolf J e l C i n e k in den Stadttempel berufen. Zur Besetzung der sonach sreigewovdenen Predigerstelle wurde am 1. Mai d. I. ein Konkurs .ausgeschrieben. Josef Wertheimer lenkte die Aiijnrerksamkeit seiner Kollegen auf den im Jahre 1835 in Hildesheim geborenen und feit August 1862 in Magdeburg als Rabbiner tätigen Dr. Moritz Güdemann, der, weil seine Berufung nach Berlin unmittelbar bevorstand, von einer Bewerbung Abstand genommen hatte. Er wurde Von den Vertretern zur Abhaltung einer Probepredigt eingeladen, lehnte diese jedoch! vorerst mit Schreiben Nom 7. Dezember 1865 ab; erst der Intervention Josef WertheiMers gelang es, ihn zur Reife nach Wien und Zur Abhaltung einer Predigt aM 13. Januar 1866 zu bewegen. AM 25j .Februar d. I. erfolgte seine Wahl zuM Prediger. Zufolge des - am 11. Juni 1868 erfolgten Ablebens des Rabbiners Lazar Horwitz wurde er provisorisch am 16. Dezember 1869 desinitiv auch! mit der Leitung des Rabbinates betraut. Als die Stelle des am 28. Dezember 1893 verstorbenen Dr. Adolf Jellinek neu besetzt werden sollte, wurde Dr. GüdeMann, dem bereits im Jahre 1892 der Titel „Oberrabbiner" verliehen worben war, eingeladen, die Kanzel im Stadttempel einzunehwen. Vom 24. Marz 1894 bis zu feiner Pensionierung wirkte der seit dem' Jahre 1869 in Fünfhaus tätig gewesene Dr. Adolf Schmie d l als Prediger im Leopol dstädter Tempel; neben ihM wirkte daselbst vom Jahre 1906 bis Zu seinem am 1. September 1910 eingetretenen Tode Dr. Elieser David. Dr. Schmiedl starb am 7. November 1913. Seit 1. November 1913 wirkt Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, der früher nahe-' zu ein Jahrzehnt am Fünfhauser Gemeindetempel tätig war, als Gemeinderabbiner am Leopoldstädter Tempel. Der Krand des Heopoldstädter Tempels. In jener Unglücks stunde, in welcher der Leopoldstädter Tempel, dieses in die enge Tentpelgasse eingeschachtelte architektonische Kleinod: das Wahrzeichen der Juden Wiens, in seinem Innern von verheerendem Feuer verwüstet wurde, ward es erst offenbar, was dieser größte Tempel Wiens den Juden der Residenzstadt gewesen und noch heute ist. Kaum wurde in der Stadt die Nachricht von dem Brande bekannt, als aus allen Bezirken, besonders aber aus der Leopoldstadt Tausende herbeieilten, um sich persönlich Zu übepzeugen, ob es denn wirkliche wahr sei, daß die herrlichste, größte Andachtsstätte unserer Gemeinde dem verheerenden Feuer zum.Opfer falle. Man sah angesehene Gemeindemitglieder, die seit Jahrzehnten Besucher des Tempels sind, die noch an der Hand ihrer Väter in diesem Tenipel Trost und Stärkung fanden, Tranen vergießen, als sie der Katastrophe ansichtig wurden. Das erste, woran alles! dachte, war die' Rettung der Thorarollen, jener Pergamentrollen, die die heiligen Gesetze enthalten, welche auch heute noch die Grundlage der Ethik der gesamten Menschheit bilden, und tausende Herzen schlugen dankbar jenen beherzten Männern entgegen, die in höchster Lebensgefahr irr erstickendem Rauch die heiligen Rollen aus der brennenden Bundeslade heraulsholten. Es waren dies die Angestellten der Gemeinde Sigmund Kornfein. Beamter des technischen Amtes, die"Diener Ludwig Schüller und Lichtenftern, sowie der Portier Heinrich Schramm^ die sich in hervorragendster Weise bei der Bergung der Sifra-Thora und der Kle-Kaudesch betätigt haben. Auf dem Brandplatze erschienen vom Kultus'vorstande kais. Rat Sigmund K a u,- ders, Gemeinderat Dr. Schwarz-Hiller und Landesschulrat Dr. Spitzer, Sekretär Emil Engel blieb vom Ausbruche des! 'Brandes bis die Feuerwehr abzog. auf dem Brandorte und traf die entsprechenden Anordnungen. Die Kunde von dem Brande des Leopoldstädter Tempels hat auch an den einzelnen 'amtlichen Stellen tiefen Eindruck gemacht. Es erschienen persönlich auf dem Brandplatze Statthalter von Bley leben, Stadtkommandant Generalmajor von Massig, Bürgermeister Tr. Weiskirchner, Polizeipräsident Ga per, Stadtbaudirektor Heinrich Goldemund, Bezirksvorsteher Dr. Blasel, der Leiter des Polizeikommissariates Leopoldstadt Dr. Von Brand Huber, Magistratsrat Forman e k, die Bezirks'räte Eduard Hosfmann, Alexander Polla k. Wilhelm Zi s ars ky u. m. a. Sämtliche Herren sprachen gegenWer dem Sekretär Emil Enget ihr Beileid über das Brandunglück aus. Der Minister für Kultus und Unterricht gab schriftlich seiner Teilnahme arr dem Unglück Ausdruck. .Mit besonderer Anerkennung sei die übermenschliche Arbeit der Feuerwehr erwähnt, welche eine unheilvolle Ausbreitung des Feuers verhütete, sowie der ausgerückten Polizei, die in mustergültiger Weise die Ordnung ausrechterhielt. Der Mische Kongreß. Von Rosa Melzer (Lemberg). Er ist seit Wochen zur öffentlichen Diskussion gestellt — unter verschiedener Form und Marke —, und es ist kaum anzunehmen, daß sich, aus der Mitte der österreichischen Judenheit eine gegnerische Stimme, die ernst zu nehmen wäre, erheben könnte, um die einigende, wenn auch vorerst bloß theoretische Tat einer gemeinsamen Beratung in schicksalsschwangerer Zeit zu verwerfen oder gar das Werdende zu verhindern. Aber es ist Pflicht jedes Einzelnen sowie jeder religiösen Gesinnungsgruppe oder politischen Partei im Judentirm, dafür ihre Stimmen zu erheben, auf die Lebensnotwendigkeit, aus das Gebot jener Tat dringend hiuzuweisen. In erster Reihe ist dies die Pflicht der jüdischen F r a u, besonders der des östlichen Kriegsgebietes. Keiner, dem die Katastrophe der Menschheit des 20. Jahrhunderts so grausige Wunden geschlagen wie ihr, keiner, der den JarNMer tiefer, bis auf den Grund der Seele geschaut, keiner, dem in diesen leidvollen Jahren die Liebe zum Eigensten wie zuM Ganzen so sehr wie ihr die Augen geöffnet für das, was ist und nicht länger so bleiben darf, wie auf Pas, was uns erstehen soll und nmß, wenn anders „der Krieg im Kriege", den die Judenheit durchlebt, nicht seine, wenn auch unblutige Fortsetzung für uns im kommenden Frieden haben soll. Wir Frauen glauben am besten und klarsten sowohl die Notwendigkeit wie die Möglichkeit gemeinsamer Tagung und Beschlußfassung zu beweisen, indem wir einige, bloß die wichtigsten Punkte, quasi Pfeiler, hinstellen, die eine gemeinsame Plattform der Beratung tragen könnten. 1. D i e u n g e h e u r e P r o l e t a r i s i e r u n g (buchstäblich bis zum Bettelsack) der östlichen, d. h. galizischbukowinischen Judenheit, die in ihren ausgreifenden Folgen den wirtschaftlich gut situierten jüdischen Westen der Monarchie schwer in Mitleidenschaft ziehen muß.