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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-08-24 · 33 (24.8.1917) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
33 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 538 Dir. Bloch>'s Wochenschrift Nr. 33 Der Mische Kommerzielle der östlichen Kronländer — vorn Großhändler bis herab Zum kleinsten Krämer — war nicht bloß; der Verschleißer, er war auch der V e r b r aucher der verschiedensten Jndustrieerzeugniffe des' Westers. Sowohl der Mische Produzent wie der jüdische Großlieferant Zogen ihren nicht unbeträchtlichen Nutzen Don ihm, wobei er selbst leben, hie und da auch zu bescheidenem Wohlstand gelangen konnte. Darf dies tenrpi pasfati werden, ohne daß schwere Schädigung für die Gesamtheit daraus folge? „Wenn dein Bruder fällt, du bleibest nicht aufrechtstehen." 2. D ie physische Dekadenz der östlichen Juden, die ein dreijähriges Martyrium entsetzlichster' Art gesundheitlich total he runter gebracht hat. Wir, die Mischen Frauen, die im engeren und weiteren Kriegsgeoiet des Ostens die Kriegsfürsorgearbeit nicht in den Spitälern:, sondern wörtlich Äei ' beit „Känrpfern ohne Waffen", den stillen jüdischen Helden des Duldens und Entöehrens inr Hinterlande, geleistet, wir allein können die ungeheuerliche Verwüstung ern:essen, die der Krieg; in den Massen der jüdischen Bevölkerung angerichtet hat. Halbe und ganze Krüppel au Kraft und Widerstandsfähigkeit die Erwachsenen; halbverwelkte Pflanzen— die Jugend. Von den kleinen Kindern kann eine Mische Frau des Ostens heute nicht sprechen, ohne daß ihr Herz blutige Tränen weine. ' - Sie alle, Eltern und Kinder, verloren, dein langsamen Hinsiechen verfallen, zur Hast sich selbst und den anderen, sofern nichts für sie geschehen sollte; dagegen gerettet, dem Leben, der Arbeit, dem bürgerlichen Schaffen, der Mehrung realer und ideeller Güter für sich und andere w Ledergegeben, sobald die machtvolle Harft) der jüdischen Gesamtheit — eine G e s a nt t h e i t ist immer und überall mächtig — sie liebreich emporhebt aus dem tiefen, uirverschu^tem Fall. . .. ... , .;.u J ,;,jffl ,,, 3. Die kulture lle B erw ahrlosun g uIlse rer Jugend. Den 10.000 Mischen Kriegswaisen, deren Erziehung bereits vont Staate übernommen wurde, flehen die weit über 200.000 Proletarierkinder des österreichischen Ostens gegenüber, deren Erziehung sowohl in kulturellem wie in beruflichem Sinne auch vor den: Kriege eure im höchsten Maße rückständige war und die in der Kriegszeit — besonders während der Invasionen — geradezu verwildert sind. Uebriaens: das Pendant zu dem tulturfreu:- den Judenkind des Ostens bildet das judentumsfremde Kulturkind des jüdischen Westens. Beide unsere Schmerzenskinder. Wir fragen: Kann dies ohne schwersten Schaden für die Mische Gesamtheit so bleiben? 4. DasftWrack, „israelitische Kultus g e--' m e r n d e o r d n u n g" genannt. Ein gut Teil der Misere des jüdischen Gesamtlebens der Neuzeit ist auf ihr Konto zu fetzen. Was ist der „Kohal" und was soll er sein? Welches sind seine Pflichten und Aufgaben der neuen, großen. Zeit und dem Judentum gegenüber?' Und welches seine Rechte? Ferner: wo, von wem sind diese Rechte zu fordern? 5. Die Stellung der Judenh'eit zu den V ö l k e r n des R e i ch e s. Kann und darf es auch fernerhin und unter voraussichtlich stark veränderten innerpolitifchen Verhältnissen einen „tschechischen", „deutschen", „polnischen", „slowakischen", „ruthenischen" usw. Juden geben, oder muß aus den Muten dieser Tage und Monde eine wieder zusammengeschweißte einzige und einige I u d e n h e i t O e st e r r e i ch s hervorgehen — re ich sunmitte l b a r wie die anderen Stämme und zugleich autonom wie sie . . .? 6.-Wie und in welchem Verhältnis sind die gewaltigen Mittel aufzübringen, die eine R e g e n e r a t i o n — denn auf eine solche an Haupt und . Gliedern läuft es ja hinaus — von eineinhalb Millionen Menschen erfordert, abgesehen von der seelisch-geistigen Anstrengung? Was Müssen hiefür wir von uns selber, was und dürfen wir zu Recht von ' deM Staate fordern? Die Frauen beschränken sich auf diese sechs Kardinalpunkte für das Programm der Tagung. Wo ist das Trennende oder Entzweiende i^r diesen: Beratungsstoff? Wo sind die Gleichgültigen oder Feigen, die sich der Erkenntnis unserer Lage — die unzweideutig schon in obigen Punkten lausgedrückt erscheint — verschließen oder aber sich Mit ganz unMischeM Fatalistnus ducke::, um-den letzten Hieb resigniert zu empfangen? Egoisten könnten es nicht sein — höchstens Einfalts-. Pinsel. Jene aber, die ihren.Zweig an dem jüdischen Lebensbaume ab^usägen gedenken, haben kein Recht mehr, in Fragen unserer Zukunft Mitzufprechen. So mögen denn die sittlich Besten, wie die geistig Hervorragendsten, die gesellschaftlich Hochgestellten tvie die erfahrenen Politiker, der Gelehrte und der Kaufmann, der Handwerker und der „Meine Mann", die Weltlichen und die Geistlichen, Vor allem!: die ihren alten Stamm.lieben — sie alle mögen ein Mandat zur großen Tagung fordern. Wer Mandate erwartet oder erbittet, ist ehrgeizig oder eitel; wer sie fordert, der hat etwas zu sagen und will etwas tun. Er ist hochwillkommen. . ‘ ~ . Die Ereignisse - der Zeit haben wieder einmal , und in erschreckender. Weise bewiesen, daß der köstliche -Ring noch; immer „nur zurück wirkt" „und' jeder sich. selbst am meiste::, nein auÄschl.ießl ich liebt", ' Rmff 'wir Inden haben zu' allen' Zeiten' und 'ganz besonders jetzt dargetan, daß wir alle lieben — fast mit Ausschluß unserer selbst! Es ist hoch an. der Zeit, daß wir uns in diese lg edlen Altruismus'Miteinschließen. - F Die. Mischen Frauen, sie, die über den Parteien und Strömungen stehend, nur das Ganze sehen, erheben heute — wie einst die Prophetin Hulda — ihre, mahnende, flehende und beschwörende StimMe zu euch: den Lehrern, Beratern und Führern des Volkes! Zu seinen Männern! ... Auszeichnungen non Hlaööinern. Die „Wiener Zeitung"- vom 17. August veröffentlicht u. a. die nachstehenden Allerhöchsten Auszeichjn un gen: Es erhielten das Kriegs kreuz für Zivilverdienste 2. Klasse: Oberrabbiner Dr. Moritz! Gü bemann; Moritz. Kramer, Rabbiner, Mitglied des „Beth Tin": Dr. Max Grunwakd, Rabbiner am Leopoldstädter Tempel; . - -. Dr. SaloMon Funk, Rabbiner aM Kaiser Franz Joses I.-Huldigungstempel, II., PäzManitengasse 6; Tr. Armin Ab e l e s, Rabbiner aM Bethaus, III., Untere Viaduktgasse 13;! :>;* r Tr. Moritz B a u e r, Rabbiner aM ftJosefstädter- Lempel; ' ' - . .^ .s - Tr. Israel T a g l ich t,: Rabbiner aM Fünfhauser Gemeindetenchel; Tr. Moses R v s en ma n n, Rabbiner am Gemeindetempel Floridsdorf; .

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