Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 33 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 536 ' D>r. Bhochss Wochenschrift Nr-33 Der Statthalter brachte unter bent 25. d. M. ad Z. 301 den Sachverhalt zur Kenntnis des Kultusministeriums. Zufolge dieses Berichtes scheint Graf Thun Bedenken gehegt zu haben, die Genehnrigung. zum Bau aus eigener Machtoollkonrmenheit zu erteilen, da er nunmehr die Airgelegenheit Sr. Majestät zur Entscheidung vorlegte. Mit kaiserlicher Entschließung^ vom 2. Mai 1854 wurde sodann die Errichtung des zweiten Bethauses unter der Bedingung gestattet, „daß es nicht zur Sektiererei Veranlassung gebe, daß es nur als Filiale der bereits bestehenden Synagoge zu betrachten und zu behandeln, demnach auch demselben Vorstande mtterzuordnen und daß nach vollendetem Bau ohne Verzug auf die Beschränkung der bestehenden israelitischen Privatbethäuser hinzuwirken sei." Mittterweile waren schau die nötigen Einleitungen zum Bau getroffen worden. Bereits am 15. August .1853 hatten die Vertreter an die Gemeindemitglieder die Aufforderung gerichtet, sich au dem' Tenrpelbau- Anlehen zu beteiligen. . Diese blieb auch; nicht erfolglos; insgesamt gelangten vom 1. Juli 1854 ab 1522 Schuldverschreibungen, und zwar 58 jzu 1000 fl. C.^M. und 1464 zu 100 fl. C.-M. zur Ausgabe, so daß der Betrag von 204.400 fl. C.-M. für -Bauzwecke zur Verfügung stand. , In der Plenarsitzung des Vorstandes vom 16. April 1854 wurde der Bau dem .Architekten Prof. Ludwig Ritter v. F ö r ste r, dessen Pläne von einer aus den Herren Hofrat H. v. Francesconi, Stadt'baudirektor Kajetan Sch^iefer und Professor I, S tumMer 'bestandenen Kommission geprüft und „als künstlerisch schön, praktisch und rücksichtlich des Geldpostulates als billig" anerkannt wurden, gegen den Pauschalbetrag von 150.000 fl. C.-M. übertragen. Am 7. Novenkber 1854 fand die Baukommission statt. Polizeirat Stenzinger als Vertreter der Polizeidirektion erklärte hiebei, gegen die Erteilung der BavbewMgung solange Einsprache erheben zu müssen, „bis die Kulttisgenieinde sich höheren Ortes die Erlaubnis erwirkt habe, die nach dem Plane' offenbar kirchliche Außenseite des Bethauses' beibehalten zu dürfen". Heinrich! Sichrowsky mußte die Intervention des Chefs der Obersten Polizeibehörde sowie des Statthalters anrufen, um die Polizeidirektion zur Auflassung ihres auf die vormärzlichen Gesetze fußenden Standpunktes zu bewegen. Nachdem der Gemeinderat mit Beschluß vom 22. November 1854, Z. 86.465, und sodann die .Statthalterei mtt Erlaß vom. 30. Januar 1855, Z. 1395, die Ausführung des Baues nach den vorgelegten Plänen prinzipiell genehmigt hatten, wurde vom Magistrate unter dem 3. Februar 1855, Z. 9101, der Baukonsens' erteilt. Am 10. Mai 1855 erklärte Ludwig Förster, mit dem angesprochenen Betrage das Auslangen nicht finden zu Wunen, da die von den Bauhandwerkern vorgelegten Kostenvoranschläge die Summe von 219.000 fl. C.-M. erreichen. Nachdem die bereits erwähnte SachverftändigenWmMission fich am 17.. Mai d. I. dahin geäußert hatte, daß bei der beabsichtigten monumem talen Ausgestaltung des Bethauses die Mehrforderung! vollkommen gerechtfertigt sei, wurde in der Plenarsitzung des Vorstandes vom 20. Juni d. I. der Betrag von 200.000 fl. C.-M. Mr den Bau des Tempels,- ohne Nebengebäude, bewilligt. Unter Aufficht des zum Baurechnungskontrollor bestellten Architekten Laurenz Wagner gingen nunmehr die Banarbetten recht ftott vonstatten. Dsie am 31. Dezember 1854 begonnene GrundMauerung war am 13. Mai 1855 fertiggestellt, die Hauptsimsgleiche aM 3. Juni 1866 erreicht und die Dachäufstellüng am 4. Oktober d. I. vollendet. Ms jedoch die innere Ausstattung in Angriff genommen werden sollte, träten zufolge mannigfacher, mißticher Umstände derartige '.Verzögerungen eiry daß. die Schsußsteinleguug erst,aM 16. Mai 1868 (6. Silvan 5618) erfolgen konnte. Hiebei funktionierte zum ersteniitai der für das neue Bethaus designierte Prediger Nr. Adolf Jellinek sowie die beiden Kantoren Julius Sulzer und Josef Golbstein. Tie Schlußsteinlegungsfeier fand an dem genannten Tage um 9 Uhr vormittags statt. Nach! Msingung des Psalmes 118, V. 16, zu dem Salomon S ulAer eine ergreifende Komposition geschrieben, hielt D>r. Adolf J e l - ltnek eine begeisternde Rede. Djr.. L.. A. Frankl verlas die Gründungsurkunde, worauf Prof. Förster kurz die Schwierigkeiten schilderte, die hei der Bauführung zu überwinden waren. Die Einsenkung des von Doktor Frankl gewidmeten, von ihm aus Jerusalem mitgebrachten Schlußsteines wurde unter Msingung des Psalmes 118, V. 17, vorgenommen. Nachdem die üblichen HaMMerschläge zuerst von Mannheimer, sodann von den anderen Funktionären, den Mitgliedern des Gemeindevorstandes sowie den anwesenden Notäbilitäten geführt und dabei die Verse 19 und -.20, Psalm (118, gesungen worden waren, sprach D«r. Jellinek den Segen Mer das Haus und dessen Gründer. Die Feier schloß mit der Absingung -der Volkshymne. Sämtliche Gesangsstücke wurden vom Oberkantor Sulz er unter Assistenz der bereits erwähnten neubestellten Kantoren sowie des Kantors Adolf Fischer vom Stadttempel und des vereinigten Chorpersonales oorgetragen. Bei dieser Feier fungierten auch! zum erstenmal die vonr Vorstande ernannten „Tempel-Kommissäre". Unter, diesen. befand..sich. auch der gegenwärtige Präsident Dr. -Alfred S tern. Nachdem der Magistrat, am' 11. Juni d. I., ad Z. 67.879, den Benützungskonsens erteilt hatte, fand am Dienstags, den- 15.' Juni 1858, die Einweihung des neuen Tempels -statt. Djer religiösen Feier, die gegen 8 Uhr endete, folgte, eine, weltliche beim „Sperl", wobei Meister Strauß die Tafelmusik dirigierte. „ Dre Baukosten für das Bethaus betrugen 300.147 fl. ö.. W.l,*) für das gleichzeitig erbaute rechte Flügelgebäude 64.755 ft. jö. W. und für das erst im Jahre' 1862 fertiggestellte linke Flügelgebäude 70.220 fl. ö. W. Ter größte Teil der für den Tempel nötigen heiligen 'Geräte wurde in natura gespendet, der. Rest aus ein gelangten Geldspenden angeschafft. Moriz Königswarter, der von. den Vertretern mit der Leitung der diesbezüglichen Aktion betraut wurde, konnte noch den Betrag von 884 ft. ö. W., für den er keine Verwendung mehr hatte, der Gemeindekasse zugehen lassen. Bis zuM Jahre 1879 bekleideten die Stelle eines zweiten Kantors die Brüder Heinrich! und Moriz Goldstern, dann Moriz Kraus und zuletzt durch 10 Jahre Alfred Tauber; vom Jahre 1880 bis zum Jahre 1906 fungierte als solcher Moriz Blatt. Josef G o ld ste in wurde im Jahre 1890. der Titel „Oberkantor" verliehen. Nach dessen Ableben — der jähe Tod ereilte Ihn am 17. Juni 1899 wurde Bela Guttmann zuM Oberkantor ernannt, dessen tragisches Ende noch! in frischer Erinnerung ist. Seit dem 11. August 1911 bekleidet der ehemalige Sebastopoler Oberkantor Joses Morgenstern den Posten des Oberkantors. Ihm zur Seite wirkt als erster Kantor' der früher im Fünf- *) Bemerkt sei, daß mangels genügerrder Geldmittel eine dem Baue entsprechende innere Ausstattung unterblieb. Erst im Jahre 1698, unter dem Präsidium Heinrich Klingers, gelangte man dazu, diese Arbeiten mit einem Kostenaufwande von rund 80.000 fl. ausznführen.