Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 32 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 32 Seite Z21 . Dir. Bloch's Die russische Konstituante und die Juden. Dem Jüdischen KorrespondeiHLurean im Haag wird uns Stockholm berichtet, daß in Rußland alle Vorbereitungen fürdie Wahlen zur . Konstituante getroffen werden. ^Man erwartet, daß die Konstituante 2—3 Jahre tagen wird, da vor dem neuen Rußland "eine Reihe rer allerkompliziertesten Probleme, wie die Verfassungsfrage, Lus Rationalit-ätenproblem und' die Agrarfrage, gelöst werden muß. Die Vorarbeiten für den geplanten Kongreß der russischen Judenheit sind noch nicht so weit gediehen, als daß er noch, vor der Eröffnung der Konstituante durchigeführt werden könnte. Er dürste etwa drei Monate nach, dem Zusammentritt der Konstituante Zustandekommen, bevor die Nationaliwtenfr-age in Angriff genommen wird. Uogromgesehe in Z^ußkand. Dem Jüdischen Korrefpondenzbureau im Haag wird aus Stockholm telegraphiert, daß, der Gerichtshof von Petrograd bei Kerenski vorstellig geworden ist,, auf Verordnungswege gesetzliche Bestimmungen gegen Pogromagitationen zu treffen, da der Pöbel in vielen Städten Zu JudenMorden aufgereizt wird und die bestehenden Gesetze keine Handhabe zum Einschreiten bieten. Hlrrßtand als Weschüher der Juden. Wie das Jüdische Korrefpondenzbureau im Haag nttrtellt, hat die fremidenfeindliche Stimmung, die in Frankreich, und England vor allem gegen die .Juden herrscht, die Komitees zum' Schutze des Asylrechtes in London und Paris zur Entsendung einer speziellen Deputation an die russische Regierung veranlaßt, um ihre Intervention,, bei den Verbündeten zu erwirken. Die Zudensrage im finnkändischen Seim. Ende Juni fand iM finnländischen Sajm die erste Besprechung des Gesetzentwurfes, betreffs der Gleichberechtigung der iw Finnland ansässigen Juden statt. Einleitend gab der Vorsitzende der schwedischen Partei, Dr. Lilie, einen' historischen Ue'berblick über die Judenfrage in Finnland schilderte die ungeheuren Leiden, die * ffe unter der russischen Regierung erlitten und die auch die Finnländer vor der.ganzen Welt in Mißkredit gelrackit haben. Dr. Lilie protestierte auch gegen den ein gebrachten Antrag, gleichzeitig mit der Judenfrage die Schachtsrage zu 'behandeln und mit der Erteilung der Gleichberechtigung zugleich auch' das Schachten zu verbieten. 'Er vertrat die Ansicht, daß die Schächtfrage zuerst von berufenen.Fachleuten behandelt werden müsse, um vor.der 'Regierung hierin Beschlüsse fassen zu können. Auch andere Redner schildern in grauenvollen Bildern die traurige Lage der finnländischen Juden und'fordern ebenfalls ihre Gleichberechtigung. Rur eine Vertreterin der altfinnrschen Partei meinte, daß das - finnisch e Volk leine fremden Juden. ausnehmdn dürfe und führte als Beispiel einige Ortschaften in. Rußsand und Polen an, deren BevöKrung von den Inden gelitten haben sollen. Aber auch-sie sorderte. Gleichberechtigung für die' in Finnland ansässigen Juden. Herr L a u t o (Agrarpartei) besürwortete dagegen die Einwanderung ausländischer Juden nach'Finnland,' zum 'Zwecke der Beschäftigung mit Bodenkultur und Viehzucht. ' Zuletzt wurde sestgestellt, daß sämtliche Parteien für die 'Weich,berechLigung. der in Finnland ansäss'igen Juden eintraten, aber die meisten Parteien sich, gegen die Gleichberechtigung' der RuUand) eingewanderten Juden au§- sp rachen. Wochenschrift Ter Gesetzentwurf wegen der Gleichberechtigung der in Finnland ansässigen Juden wurde vom' Sajm daraufhin an ge-noMMen. . l. . ' Mach attrussischem Muster. Als die Russen Tarnopol verließen,, schleppten sie auch den jüdischen Advokaten Dr. S ch w a r z nrit. Dr. Schwarz war während der ganzen Russenzeit in Tarnopol und hat während dieser Zeit viel für die Bevölkerung dieser L>tadt geleistet. Den Russen war seine österreichtreue Gesinnung bekannt und sie ließen ihn ständig aufs schärfste 'bewachen. Er war den größten Schikanen ausgesetzt. Als die Russen abzogen, wurde er unter starker militärischer Eskorte mitgenommen. Er soll mit noch zwei Personen, die gleichfalls mitgeschleppt wurden. zunächst ngch Moskau gebracht worden sein. Jas Ktend unter den russischen Juden. Die Pariser Ausgabe des „Newyork Herald" meldet aus Petersburg: Unter den r u s s i s ch e n I u d e n herrschtgroßes Elend. Die Juden haben zwar durch die Revolution Freiheit erlangt, aber es fehlt ihnen an den notwendigsten Barmitteln, um sich den dringendsten Lebensunterhalt zu verschaffen. Man wird sich wahrscheinlich a n a m e r i ka n i s ch e Bankie r s iv enden, um 12 Millionen Rubel zur Bekämpfung der schweren Not zu erhalten. Die Aufhebung des Krnudbcjiherwerbsuerbotes i» WuMch-Foken. Der polnische Staatsrot hat beschlossen, die bisher noch geltenden russischen Vorschriften auszuheben, welche den Juden den Erwerb von Grundbesitz unmöglich machten. Auf die Vorstellungen der polnischen Juden, daß das noch bestehende russische , Hypothekengesetz ihnen den Grunderwerb verbiete, hat im Aufträge des Staatsrates der Kronvizemarschall, Professor Milukowski- Pomorski, den Beschluß öffentlich ergehen lassen, daß der Staatsrat die Beschwerden der israelitischen Bevölkerung geprüft, für berechtigt befunden und dem Anträge auf Aushebung der bisher noch geltenden russischen Vorschriften und Bestimmungen über den Grunderwerb in Polen stattgegeben hat. Hiedurch glaubt dev Staatsrat lediglich im allgemeinen Interesse gehandelt zu haben, weil das polnische Volk wie früher so auch jetzt von der austichtigen Absicht beseelt sei, allen Bürgern gegenüber ohne Unterschied des Bekenntnisses, das gleiche Recht walten.zu lassen. Das dürfte ihm wegen der Gleichstellung der. israelitischen Bevölkerung nicht nur Anerkennung vor der Geschichte, sondern auch die aller Nationen Europas einbringeu. Daher hofft auch der Staatsrat, daß für die Israeliten eine Epoche, der Freiheit beginne, die ihnen sowohl wichtige Rechte bringe als auch die Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten ermögliche. In der IunkeMammer der Aotscherviki. Dre bürgerliche .und sozialistische Presse in Rußland .machte bereits wiederholt aus die dunkeln Kräfte ausmerksam, die sich, unter den Balschewiki befinden und unter dem Mantel des extremen Radikalismus gefährliche, im Grunde genommen konterrevolutionäre Lesungen verbreiten.. Obwohl die führenden Kreise der Bolschewiki von Juden, wenn auch durchwegs dem Judentum Fernstehenden, durchsetzt sind, betonten die ' bvlsche'wistischen.pRedner dennoch vielfach in- .Versammlungen und bei StraßendeMonstr.atiönen, daß die.Juden deswegen der R evo l u t i o n u n t r eu geworden seien, weil 'sie ihr einziges Ziel in der Revolution — die Emanzrvation — bereits erreicht, hätten. Diese Agitation nimMt immer rohere Formen an. Bei einer Straßendemonstration in Petersburg nvurde die Fahne d e s „Bu n de s", der bekanntlich den Menschewiki an-