Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-08-10 · 31 (10.8.1917) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
31 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022280--26210-3051556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 51L Dir. BMi's Innern und das Auswärtige Amt die Ungerechtigkeit der betreffenden Maßregeln ein, wohl war deshalb auch die Aufhebung dieser Beschränkungen bereits in den letzten beiden Vertragsverhandlungcn mit Rußland von 1894 und 1906 eindringlich verlangt, aber fie war doch nur in beschränktem Maße für deutsche Staatsangehörige jüdischer Konfession zugestandcn worden. Nunmehr hat der Krieg und die Umwälzung im russischen Reiche gebracht, was in Fricdensjahren nicht zu erlangen war! Tier KftipMsuchj in Zloezow. Unsere Vaterstadt Zlochow erlebte aM 30. Juli einen der glücklichsten und denkwürdigsten Tage. Wir hatten das Glück, unseren heißgeliebten Monarchen innerhalb unserer Mauern zu sehen- Zur Begrüßung. Seiner Majestät fanden sich ant Bahnhof die Geistlichkeit aller Konfessionen sowie die Spitzen der staatlichen und kouwru,- iiülen Behörden ein. Von seiten der Kultus gemeinde erschienen Se. Ehrw. Großgrundbesitzer Rabbiner Doktor- Samuel Rap Pa Port mit dem Kultuspräsidenten Dr. Mittelmann. Bei der Vorstellung durch Bezirkshptm. P r s zbysla w s ki geruhte der Monarch, dem Rabbiner Dr. Rap.pa.port die Hand 'zu reichen. Nachdem der Monarch dem Rabbinex die Erlaubnis zuM rituellen Segensspruch erteilt hatte, verrichtete derselbe den Segen hebräisch und erläuterte hierauf denselben in deutscher Spräche. Hierauf zog der Monarch den Rabbiner iw ein längeres Gespräch!, erkundigte sich nach dessen Wirken und Tätigkeit und fragte nach! der Entstehung der verschiedenen Rabbinerseminare irr Deutschland. Auf die Bemerkung des RcLbiners, daß zuletzt auch! in Wien ein Rabbinerseminar begründet worden, ist, erwiderte der " Monarch: ,,GMißlL-Jch^tvM es, ..Hir, haLW jM^apch , Ln Wien ein Rabbinerseminar." Hierauf zog Se: Maje- Wt die anderen Herren der Abordnung ins Gespräch. Mit dem Kultuspräsidenten Dr. I. Mittelmann, dem der Monarch gleichfalls die Hand zu' reichen geruhte, sprach der Kaiser Mer die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde. Unter begeistertem Jubel der Bevölkerung zog Seine Majestät durch! die reichbeflaggte Stadt. Dieser Tag wird uns allen in ewiger Erinnerung bleiben. Au fru f Wr die Evakuierten in Palästina! - Tausende palästinensischer Juden, darunter zahlreiche Oesterreicher und Ungarn, bisher von Mangel und Seuchen heimgesucht, haben nun auch, ihr Obdach verloren. Unsägliche Not herrscht unter diesen Unglücklichen, die dem Flüchtlingselend und verheerenden Krankheiten preisgegeben sind. Nur sofort und kräftig eingreifende Hilfe kann von den Mischen Siedlungen im Heiligen Lande eine ernste Gefahr abwenden. ' Wer zur Erhaltung dieses' Kulturwerkes beiträgt, erfüllt eine Menschenpflicht, die nicht nur nach Auffassung maßgebender jüdischer Kreise, sondern auch leitender Staatsntänner dringend geboten ist. Bor allem, hilft er Tausende wertvoller Menscheirleben retten. .; v; MS; Kopf und Herz gebieten es, die Haltd zur Gabe zu offnen, '; Dre HilfskoMMisfion 1915 für Palästina, ' ' Wien, :4.. Bez., Frankerrberggasfe 14. Mr die MW-Wn. WttW» HMrntülder.s %, - Ostgalizien, und bannt; das ganze Land, ist vom Feinde befreit. In der Empfindungder -Genugtuung und?'der Freude jedes' Oesterreichers Mer diese Befteiung Heimat- Wochenschrist Nr.3i lichen Bodens mischt sich der dumpfe-Ton des Jammers und der Verzweiflung der beklagenswerten Opfer!, welche die Qualen der russischen Barbarei erdulden mußten. Sengench brennend und mordend verließ/n die Ko- .sakenhorden. die von ihnen, erlösten Gebiete, die überall die Spuren beispielloser Verwüstung aufweisen. Ganz' Ostgalizien gleicht einem rauchenden Trü!Mmerhaufen, die meisten Wohnhäuser in den Städte): wurden angezündet, ganze Dörfer niedergebrannt, viele.Einwohner erschlagen und! verschleppt.. Zu den zehntausend verlassenen Waisen Galiziens kommen weitere Tausende Kinder, die der Verelendung anheimfallen müssen, wenn ihnen nicht unverzüglich Hilfe gebracht wird. Für alle diese Kinder müssen Unterkunft. Nahrung, Kleidung, Wäsche und Schuhe beschafft und die -Erziehung sichergestellt werden, was unter den heutigen Verhältnissen ganz außerordentliche SuMmen erfordert. Ter Verein.zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina hat die Durchführung der Rettungsaktion für die jüdischen Kriegswaifen überno rühmen und läßt bereits vielen Tausenden solcher Waisen Hilfe zuteil werden. In seinem NaMei: richtet nun das gefertigte Präsidium an alle Menschenfreunde die dringende Bitte, ihn in der Erfüllung: stirer ungeheuren Aufgabe durch! Zuwendung von Spenden und lausenden Jahresbeiträgen zu unterstützen, da die vorhandenen Mittel bei . weitem nicht ausreichen, um' dem grenzenlosen Elend, dem diese unglücklichen Kriegswaisen preisgegeben sind, abzuhelfen. Nur wenn die gesamte Oeffentlichkeit sich^an diesen: Hilfswerke beteiligt, kann das Massensterben der Jugend dieses vom Kriege am! meisten heimgesuchten. Landes verhindert'- werden:^ Tii-ii-! Verein zur Rettung verlassener Mischer Kinder Galiziens und der Bukowina. Wien, 9. Bez., Universitätsstraße 4. IDr. Edmund Kohn, Präsident. Univ.-iProf. Dr. S. Eh r manch Frau Lisette G e l b e r, Vizepräsident. .. Vizepräsidentin. Tie Administration dieses' Blattes ist bereit, Beiträge für den Verein entgegenzunehmen. „JMeliten, ZiWner, Sonstige. . Das k. k. Ministerium des Innern hat, wie uns mitgeteilt wird, eine statistWe Uebersicht der mittellosen Kriegsflüchtlinge nach 'dem!. Stande voM 1. Juni 1917 angelegt. - - ■ ' Diese Uebersicht zeigt das Zahlenvbrhältnis der vom Kriege am meisten Betroffenen, d. h. der mittell o s e n Flüchtlinge.; Sie ist nach Kronländern und nach Nationalitäten geordnet, gleichzeitig auch in Hinsicht auf die Art der Unterbringung derFlüchtlinge, ob diese gemeindeweise oder in Barackenlagern erfolgt. Bei der Anfüjhrung der Nationalitäten ist die Reihenfolge , folgende: Deutsche, Polen, Ruthenen, 'Rumänen. Italiener, Slowenen, l Kroaten, Israeliten, Zigeuner. Sonstige. Die GesancksumMe der mittellosen Kriegsflüchtlinge beträgt 421.000, wovon 177.745, also mehr als ein: Drittel, Inden sind. Der Anteil der Juden am-;Flüchtln:gselend ist demnach beträchtlich größer, als das. so oft berufene . Prozentverh älmis -zur Gesamtbevölkerustg. / r -.: f In der Reihenfolge der amtlichen Statistik figurieren die Juden allerdings' an vorletzter Stelle vor den ,,Zigeunern und Sonstigen".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.