Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 31 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite .509 Nn 31 Dir. Mqch's Wochenschrift wie unsagbar er unter der Bewegung des Antisemitismus litt, .die dcttn'als in Deutschlarrd ziemlich neu war. In einer Gesellschaft'— erzählte er mir selbst — hstte ein tÄtloser Herr sein Glas erhoben und zu ihm Magt: „EKMäre schön, Herr Auerbüch. wenn alle Juden so wären wie Sie." „Aber da nahm ich mein Glas," sagte Auerbachs „und entgegnete: ,,Ja, es wäre schön — wenn olle Christen so wären wie ich." . /'Die Fehler der Juden liegen offen zutage und sind genau so unbeliebt bei den Besten ihrer eigenen Rasse, wie bei den Christen. Die weniger Bemittelten von den Juden, die unter uns Christen um ihre Existenz kämpfen, zeigen oft eine Unermudlichleii, die wir aufdringlich nennen. Und führt ihre Tätigkeit sie außerhalb Deutschlands — besonders ihre Handlungsreisenden —, so sollten sie vorsichtiger in ihren Formen'sein, als sie oft sind — denn sie schaden dem' Volke, dem sie an,gehören. Bewahre*— tch habe sogar sehr Gebildete unter diesen Handlungsreisenden getroffen — und zeige daher in doppelter Wsicht Mit dem Finger auf diejenigen, die so ungünstig wirken. Aber wenn die' Christen sich aufs hohe Pferd setzen und sagen: Wir sind nicht wie sie — und meinen die Juden im allgemeinen, da sollten besonders die deutschen Christen in dieser .Zeit einsehen lernen, wie ungereimt sich so etwas ansniMmt. Denn es ist genau dasselbe, was ihre Feinde heutzutage ihnen gegenüber tun." Der Kongreß der Arbeiter- und Sokdatenräle über das nationale und jüdische Moblem. , Inder Sektion des K o n g r e s s e s der Vertreter aller A r b e i t e r - und S o l d a L e n r ä t e des russischen Reiches vertraten Wojtinski in einem Referat ''übe'r die Lösung' dbt"Rationalen^Frage ^in^ Rußland und M. Lieber' als Mitglied des Präsidiums in seinem Korreferat die Forderung der K u l t u r a u t o n o m i e. Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: „Nur die Konstituante, die die Grundlagen des demokratischen Rußlands schaffen wird, wird auch die Unerschütterlichkeit der Rechte aller Nationalitäten garantieren. Um aber die Errungenschaften der Revolution zu befestigen und die Arbeitsdemokratie aller Nationalitäten zusamMelHuschließen, muß das revolutionäre Rußland s o so r t den Weg der D e z e n t r a l i s i e r u n g der Verwaltung betreten, .die der Selbständigkeit uüd Entwicklung der Bolkskräfte aller Nationalitäten freie Bahn öffnet. Der Kongreß schlägt daher der Provisorischen Regierung vor, sofort, bevor die Konstituante das nationale Problem endgültig löst, folgende Maßregeln durchzuf'ühren: 1. die Veröffentlichung eines Dekretes Wer das freie Rocht aller Nationalitäten Rußlands auf Selbstbestimmung (selbst bis zur Trennung), die'auf Grund eines UebereinkoMmens mit der Konstituante verwirklicht werden wird; 2. die Veröffentlichung eines Dekretes Wer die Gl e i ch b e r e ch t i g u n g Rer Sprachen, wobei die russische Sprache das Recht der Reichssprache behält, und 3. * die Bildung eines Rates für nationale Angelegenheiten bei der Provisorischen Regierung^ der aus den Vertretern aller Nationalitäten Rußlands zu bestehen hat." .-/Dieselbe Sektion nahm auch einen ausführlichen Bericht entgegen Mer a. nt i s e m i t i s.ch e Exzesse, die wiederholt im Reiche auftraten und oft mit der extremsten sozialistischen und revolutionären Phraseologie ver- - brämt werden. Die Sektion faßte eine Resolution, die später in der Plenarsitzung des Kongresses von dem Sozialdemokraten R o s h d e st w e n s k i Mt einer einleitenden Rede vorgelegt und vom! Kongreß einstimmig angenommen wurde. Die Resolution lautet: „Die Rechtlosigkeit der Juden in Rußland, die^ Generationen lang gedauert, und die antisemitische Hetze, die die alte Regierung seit jeher, insbesondere während des Krieges, geführt und gepflegt hat, sind die Ursache, daß der" Menschenhaß und das Mißtrauen gegen die Juden tiefe Wurzeln in den Volksmassen geschlagen haben. Die Konterreovlution, die nicht imstande ist, durch einen offenen Kampf das gestürzte Regime wiederherzuflellen, sucht sich den Werglauben der Masse zunutze zu machen, die Aufmerksamkeit des Volkes von den wahren Gründen der Krise äbzulenken und den Zorn der Massen auf die Juden zu entladen. Diese antisemitische' 'Agitation, die sich durch radikale Forderungen verschleiert, stellt eine große Gefahr für das jüdische Volk und für die Sache der Revolution dar. Es droht die Gefahr, die Volksbefreiung in Bruderblut zu ertränken und einen schwarzen Fleck auf die gesamte Volksbewegung zu werfen. Die Interessen der Volksmassen und die Ehre der Revolution fordern daher von der gesamten revolutionären Demokratie, jeden Versuch! einer judenseiltdltchcu Hetze auf das energischste zu bekämpfen. Der rußländische Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ruft auch alle lokalen Räte auf, aufmerksam! die Tätigkeit der antisemitischen Grtrppen und Agitatoren zu verfolgen, eine unermüdliche Ägitatidns- und Aufklärungsarbeit unter den weiten Volksmassen gegen jede antijüdische Hetze zu führen, und regt beim Zentralkomitee an, die nötige. Literatur wegen der Judenfrage herauszugeben. Der Kongreß sendet seinen brüderlichen Gruß denr jüdischen Arbeiter st a n d, der in den Reihen der Revolution kämpft, und ersucht ihn, in die jüdischen Volksmassen die feste Ueberzeugung zu pflanzen, daß die ganze organisierte revolutionäre Demokratie jeden Versuch, einer Gewalttat gegen die Juden, mit ihrer Brust zu verteidigen bereit ist." In der letzten Sitzung des Kongresses wurden ^Begrüßungsreden gehalten. Im Namen der jüdischen Soldaten der Nord- und'Westfront überbrachte^ein jüdischer Delegierter dem Rat der Arbeiter- und Ävldatendeputierten den' Ausdruck des stärksten Vertrauens. Der Redner schilderte dann die Hoffnungen, die die Juden, wie die anderen nationalen Minoritäten, auf ein demokratisches Rußland setzen, und 'schloß seine Begrüßung ntit den Worten: „Wahrend alle Nationalitäten Rußlands ihre Rechte ans bestimmtem territorialem Gebiete fordern, sind wir in unzähligen Teilen unter aller Herren Länder zerstreut. Ich glaube fest, daß die russische Demokratie die Judens'r.age in ihrer ganzen Tiefe erfassen und während des Friedenskongresses die Forderung aufstellen wird, dem jüdischen Volk das R e ch t a u f P a l ü st i n a, mit dem es seit 4000 Jahren unlösbar verknüpft ist. zu zu er kennen." Der Kongreß antwortete auf diese Begrüßung ntit lebhaftem Beifall. Ruffische Paßfragen. Die „Post reisender Kaufleute" in Leipzig schreibt: „Die Rechtsbeschränkungen für Juden und Fremdstämmige in Rußland sind durch einen vom Justizminister . Kerenski dem Ministerrat vorgelegten, einstimmig angenommenen Gesetzentwurf aufgehoben worden. Die Maßnahme ist nicht nur für das innere Rußland, sondern in Zukunft auch für Deutschland von Bedeutung, denn die bisherigen Beschränktmgen namentlich für Juden machten sich für den großenteils ja in jüdischen Händen liegenden- Verkehr der deutschen Geschäftswelt in Rußland sehr lästig geltend. Unsere Mitglieder werden sich erinnern, daß deshalb der Bund-reisender Kaufleute Deutschlands in wiederholten Eingaben an die maßgebenden Behörden für eine Gleichstellung aller reisenden Kaufleute in Rußland nachdrücklich eintrat, aber leider bislang noch nichts erreichen konnte. Wohl sah auch das Reichsamt des