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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-08-10 · 31 (10.8.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
31 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 508 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 31 zug wurde auch hier schonungslos geplündert. Autos fuhren <m und stellten sich quer in die Straße, so daß ihre Scheinwerfer die Auslagen und das Innere der Zu plündernden Läden besser beleuchteten! Die kau- Mische Eingeborenen-Brigade arbeitete hier^ die aus im Frieden nicht wehrpflichtigen Leuten besteht, die sogenannte TusMana-Division, die eigentlich! nur mit der Aussicht aus Plünderung im Kriege engagiert ist, das reguläre .Heer nenirt sie „Die Wilden". Der russische Heeresbericht nannte zwar jüngst die zu dieser Horde Zählenden als besonders bewährt, er verschwieg aber schamhaft die Leistungen in Stanislau. Als man mit dem Plündern ziemlich, fertig war, begann das Niederbrennen und da hatte die Stadt Stanislau Glück." Marinr KorLi üöer die Gleichberechtigung der Juden in Wußkand. Maxim Gorki.schreibt in seinem Blatte „Nowaja Schisn": „Die Gleichberechtigung der Juden ist eine der schönsten Errungenschaften der russischen Revolution. Indem wir den Juden als gleichberechtigten Bürger anerkannten, haben wir von unserem Gewissen einen schimpflichen, blutigen, schmutzigen. Fleck genommen. In dieser Handlung ist nichts, was uns das Recht gibt, stplz zu sein oder sich zu freuen. Endlich« hat man sich zu einer guten Tat ausgerafft, aber Man fühlt keine Freude. D e r' A n t i s e - mitisMus lebt und er beginnt wieder, sein Haupt zu heben und seine giftige Agitation wieder zu Verbreiten. Und warum geschieht dies? Weil unter «den ancharistisch gesinnten Bolschewiki sich zwei, drei oder sogar sieben Juden befanden und weil man fürchtet, daß diese sieben Juden Rußland vernichten werden. Also für die Sünden der sieben jüdischen Bolschewik soll das ganze jüdische Volk in Rußland bluten. Wenn Man so urteilt, so muß man Lenin als echt russischen Sünder anerkennen, und dann müßten, für die Sünden eines Lenin sämtliche Bewohner des Gouvernements SiMbirsk, aus welchem Lenin stammt, verant-. wörtlich gemacht werden. Der größte Teil der' Juden sind Menschewiki, aber die nationalistische Presse behauptet, daß alle russischen Juden Anarchisten sind. Ich habe zu nteinem Erstaunen festgestellt, daß die jüdische Rasse eine viel vernünftigere Liebe zu ihrem russischen Vaterland hegt, als viele Russen. . . . Ich glaube nicht an einen Erfolg der antisemitischen Propaganda, ich glaube, daß. der Verstand des russischen Volkes, fein Gewissen, sein ausb richtrger Drang nach Freiheit es nicht zulassen werden, daß man ein Volk drangsalieren und mißhandeln solle." Konferenz der deutschen Aeldraböiner an der Astfront. Am 3. und 4. Juli tagte in Wilna eine Konferenz der auf dem östlichen Kriegsschauplatz tätigen Feldjrabbmer. Anwesend waren außer Dr. Sali L e v i, der am Orte seinen Sitz hat, die Herren Dr. Baeck (Vorsitzender), Dr. Arthur Levy, Dr. Sonderling, Dr. Winter, Dr. Hanover und Dr. Tänzer. Als Gäste wohnten den Beratungen bei: Dr. Wilhelm LevY-Berlin (zurzeit Wilna) und Dr. Vogelstein aus Königsberg. Dre Verhandlungen galten der Beschlußfassung über eine Reche wichtiger, aktueller Fragen, insbesondere giber vorbereitende -schritte zur Regelung der jüdischeiFMilitärseelsorge im Frieden und die Rechtsstellung-der . jüdischen Feld- und Arineegeistlichen, Schaffung eines neuen jüdischen Fr-ldgebetbuches) da das bisher am meisten verbreitete, vom Verbände der Deutschen Juden herausgegebenesich auf Grund der bisher gesammelten Kr-fahrüngen als nicht mehr ausreichend und nicht genügend ÜMfassend erwiesen hat, und« die Befriedigung des Lesebedürftrissech btzKv. die Besorgung /geeigneten Lesestoffes für unsere jüdischen Krieger. Die Debatten waren alle, getragen voM Geiste der Befriedigung über ditz Erstarkung des jüdischen Bewußtseins und religiösen Verlangens unter unseren Kriegern. Björn Ajörnson und die galizischen Inden. Björn Björnfon, der bekannte skandinavische Schriftsteller, der in feinem kürzlich (bei Oesterheld L Co., Berlin) erschienenen Buch- „Vom deutschen Wesen" die Partei des deutschen Volkes gegen feine Feinde ergriffen hat,' schildert, u. a. (S.. 198—200) feine Erlebnisse auf einer Fahrt durch Galizien und knüpft an ein auf die dortigen Juden sich, beziehendes Stimmungsbild die folgenden Betrachtungen (S. 198—200): - V „. . . .- Und diese, klugen, armen, wunderlichen Menschen in ihren priesterlichen Kaftanen, die Philosophen zu sein wissen und das Leben mit Resignation.und meistens mit bescheidener Wehmut nehmen — so /spricht es aus ihren Augen —, sie find Uns iM Kchnpf ums Dasein überlegen — weil sie Geduld und Unrechtleihen gelernt haben — aus dem' stärksten Glauben heraus, der'stärksten Sehnsucht nach der neuen Offenbarung —. zu der sie wohl nicht mehr selbst, aber ihre Nachkommen, oder die nach ihnen, gelangen würden. — Ihre . Sehnsucht zählt nach Jahrtausenden. Wir sind alle Parvenüs in ihren Augen. Wir kamen lange, lange, danach angehuntpelt — und machten nufer Ideal nach Christus, der kein 'Gott für sie ist — sondern ein Jude — den die Welt anbetet. Sie sonnen sich in dem Gedanken.' . MrxstieMfhytten: die.'-Machte hie, mir .ja gegen sie jahrhundertelang mißbraucht haben — vor ihr mußten sie sich beugen — aber in ihrem Innern lachten sie uns aus — wir können ihr Leben auslöschen, das sie übrigens ungern hergeben — sie aber tragen ihr Ideal unter ihren schmutzigen Lumpen. Sie verachten uns — und sie feilschen mit uns — und sie besiegen uns fast immer. Und so gut tun sie das, daß wir oft nicht verstehen, wie sie daran gewinnen können — wie Isaak mit seinem 'Rittmeisterleben. „Welcher Gott hat die Christen gelehrt, so zu, sein," sagte ein polnischer Jude einmal zu mir in Oesterreich. „Nicht ihr Christus — denn er war ein Jude. Und keiner der Unsrigen hat diese Moral — Wenigstens nicht von denen, die nach dem Talmud leben. Und Christus kannte alles, was die Schriftweisen kannten." So denken sie. Die Mißhandlung durchs jene Namen — die der Beamtenstand unter Kaiser Josef II. ihnen aufgezwungen — ist die roheste/ die gegen Menschen verübt wurde — weil sie ins Seelische trifft, zu ewiger Verhöhnung — von Geschlecht zu Geschlecht. Pulverbestandteil/ 'Kußchaul, Darmgerasfel, ' Dreckfresser, Unterleibsgeschwür, Leibschleim — und noch entsetzlichere —, das sind NaMen, die Man sie als eigene anzunehmen genötigt hat. - Und sie tragen sie — und schweigen — und warten aus ihren Messias, der die Erniedrigung von / ihnen nehmen soll. Kommen in die Welt hinaus und machen, manchen dieser .lächerlichen-, und ekelhaften Namen ) berühmt. So viel Über die Aermsten, die' Edelsten — von beut auserwählten Volk — da draußen im Osten bis tief ins schwärzeste Rußland. . Als ich« jung, war — in den Siebzigerjahren — traf ich den Dichter Auerbach in Berlin. Und ich wußte.

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