Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 31 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 506 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. si die irdischen Reste des Helden auf dem israel. Heldensriedhof Au Budapest unter großen Ehren vor kurzein bestattet wurden. Deut Bader/ Herrn Hermann Du> katenzäh ler, und. seiner oben geirannten Gattin kamen viele Teilnahmsbezengmrgen zu. Ernennung eines Jeldraööiners. Zum Feldrabbiner i. d. R. wurde crnamrt der ifr. Seelsorger Michael Duschi nz 1 y, Platzkdo. Budapest. Aach dem Tode ausgezeichnet. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franiz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration und den Schwertern für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten den vor denk Feinde gefallenen Regimentsärzten D,r. Bernhard Mund und Dr. Lazar Stern, beide bei demselben Ldwreg>, Es^ waren die ersten Militärärzte, die noch! irä August des Jahres 1914 während der Ausübung ihrer Samariter-Pflicht den Heldentod erlitten haben; beide sind auf dem jüdischen Friedhof irr Lemberg bestattet. Ferner wurde dent vor dem Feinde gefallenen Fähnrich! Dr. Salomon Cypres, J.-R., die silberne Tapferkeitstnedaille 2. Klasse verliehen. Ir. Wruno Aechl. Die KriegWeschWite «eines jungen Juden. Dieser Tage wirb es ein Jahr, daß, Dr. Bruno Recht für Kaiser und Vaterland sein teures Leben ließ. Ein idealer, junger Jude, nicht nur wie meiner der vielen Tausenden von Juden,, die, (dent .eisernen Muß, der Zeit gehorchend; in Reih und Glied mit ihren christlichen Genossen die Grenzen Oesterreich-Ungarns mit Holzkreuzen und Grabmalern unHäunten und festigten. Dr. Recht ist als Jude ins Feld gezogen, wollte als Jude Wuchsen, hat aD Jude den Heldentod erlitten. Der älteste Sohn des in ganz Deutschböhmen bestbekannten Wis. Rates Alfred. Recht in Pilsen, war er mit seinen juridische Studien, die er mit Auszeichnung ablegte, fertig geworden und« hatte in einer Kanzlei An Allung gefunden, als der Krieg ausbrach. Schon früher hatte er im! Umgänge mit. jungen Glaubensgefnossen eine glühende Liebe zur nationalen Idee gefaßt, die sich! bei chm zu einem leidenschaftlichen Interesse für alles Jüdische in Geschichte, Kunst und! Leben vervielfältigte. So kam er bei dem Umtausch! der böhmischen und ungarischen Regimenter im Sommer 1915 nach Szekessehervar (Stuhlweißenburg), wo ihn ein im gewissen Sinne andersgeartetes Judentum umgab. Der Einjährigj-Freiwillige, der fast alltäglich! den fünf Kilometer langen Weg von den Baracken zur Synagoge zurücklegte und dort, äbsefts vvn den anderen, andächtig, in sich versunken sein Gebet verrichtete, erregte bald Interesse. Mit der Zeit wurde der bescheidene Jüngling mit einigen Herren der Mischen Intelligenz bekannt, die nicht 'genugstaunen Wnnten Der das verblüffende Wissen, das der junge Rechtsanwalt in der jüdischen Geschichte Ungarns ebenso wie in der anderer Länder an den Tag legte und chabei, nicht müde wurde, auch nach den scheinbar unbedeutendsten Riten und Gebräuchen zu fragen und zu forschen, die ihm unbekannt in den Weg traten. Und als Dr. Recht nach mehrmonatlicher Ausbildung den Marschweg ins Feld antreten mußte, da hatte die ganze Gemeinde ihn ln ihr Herz und Gebet geschlossen und der Abschied — als der Krieger nach öffentlichem Gottesdienst den Segen des Rabbiners erbat — wird vielen unvergeßlich bleiben Im Februar 1916 zog er ins Feld als Tit.-Feldwebel des Infanterieregiments Nr. Frhr. v: Sterneck. Mit festem Willen und starkem Pflichtbewußtsein erträgt er die ihm ungewohnten Eirtbehrungen körperlicher und seelischer Natur, die das Lagerleben mit sich bringt, aber hie und da 'klingt doch aus seinen Briefen die Sehnsucht nach GlaubensbÄüjdern, die er im EtapftenrauMÄöhl auch aufgesücht haben Mag. Am 21. März gehts an die Front, wo ihm durch! die ihm anvertraute Führung eines Zuges neue Pflichtest und> Verantwortlichkeiten erwachsen. Er ist stets heiter und voll Gottvertrauen; bloß vor hem Pessachfeste beschleicht Hn Besorgnis, ob und wo er das Fest werde feiern .können. Und (glückselig meldet er: „Knapp vor den Feiertagen war meine Kompagnie in Reservestellurrg in einem galizischen Städtchen einquartiert. Leider nrüßten wir schon am ersten Ostertage in die Stellung Marschieren, hatte aber doch die Freude, den ersten Sederabend bei einer jüdischen Familie zubringen tzu Wunen, deren' Sohn wieder in Mährerr eingerückt ist. Einige Mazzos und einen kleinen Vorrat von Eiern habe ich in die Stellung mitgenourmen, so daß ich! wenigstens kein Brot essen mußte/' — „Hier draußen lernt Man es erst richtig einschätzen, wieviel Erhabenes und Erquickendes in unseren Festen liegt, an denen man leider sonst gleichjgUtig! vorübergeht. Im übrigen ist unser Leben, gleich! dem der vielen, die hier Mtt.uns sind." Anfangs Juni wird es an der Front lebhaft: „Wie Sie. in dem Generalstabsberichte vom 4. d. M. gelesen haben, hat es schon rrördlich von uns Kämpfe gegeben, die wir von unserer Stellung teilweise verfolgen konnten." Die erhöhte Spannung läßt ihn jetzt seltener schreiben, bloß die -Eltern erhalten täglich! ihre obligate Karte. Und wie denkt der — wahrlich ebenso heldenmütige — Vater in solchen Zeiten? „Wenn mich auch schon schwere Sorgen beschleichen; daß -meinem lieben Sohn ein Unglück in diesen gerade jetzt so schweren Kämpfen treffen könnte — Gott verhüte es! —, ich! tröste mich damit, daß wo Millionen täglich! ihr Leben preisgeben, das Leben des einzelnen nicht in die Wagschale fällt. Er steht in Gottes Hand — sein Wille entscheidet." Wirklich! werden die Kämpfe verhängnisvoll für den braven Kämpfer. Lapidar 'schildert er die Vorgeschichte: „Einige Kompagnien unseres- Regiments hatten die eingebrochenen Rüssen in einem glänzend' durchgeführten Sturm geworfen und fast sämtliche gefangen genommen. Diese Kompagnien wurden durch mein Bataillon abgelöst und nun halten wir die Einbruchsstelle." . — Tie Kriegsereigniffe folgen sich! nun ohne Unterlaß; bis der 28 jährige Jüngling am 14. August 1916 beim Meierhos Czecowa bei Zloczow seinen Heldentod fand. Ergreifend und in ihrem edlen Idealismus das ganze Judentum, ehrend sind die Zeilen des Vaters: „In Meinem unermeßlichen Schmerze gereicht mir bloß das eine zur Genugtuung; daß das innigstgeliebte Kind, getreu seinen Idealen, gegen den despotischen, Moskowitischen Gegner an der Spitze seines Zuges kämpfend, für das Vaterland, das er Mer alles! liebte, ftel, und zwar angetan mit deM Iüsignien des In d enturn§■• (denn es war bereits die Morgenstunde)." — Dias^ Schicksal hat einen der Besten auserkoren, einen im Werden begriffenen Mann, der noch vieles dieser Welt zu sagen hatte und sichberufen fühlte, es auch zu tun. — „Wenn meine Tränen fließen, so hat er sie verdient; aber ich! beuge mich! vor Gottes- Hand, die er mir auch in der tieffen Trauer nicht entziehen nr-öge, und gleichunserem Stammvater Abraham; der sein. einziges. Kind zu opfern bereit war, sage auch ich: Hier bin ich!" . Djäs eben jetzt wieder heftig umtobte Grabdes jungen Kadetten, der nach dem Tode mit der großen silbernen TapferkeitsmedallW ausaezeich-net wurde, ist von seinen Kameraden mit einem steinernen Denkmal und Blumen