Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 30 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022279--26193-3051538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 494 Dr. Blvch's Was den Krieg anlangt, ist die Loyalität der Inden über allem Zweifel erhaben. Seit Beginn des Krieges treten sie voll und ganzfstr die Sache der Entente ein. Tic Armee zählt eine Unmenge Mischer - Kriegsfreiwilliger in ihren Reihen. Die junge russische Intelligenz strömt den Militärakademien zu, wo sie bisher verpönt war. Die rege Beteiligung der Juden an den Kriegsanleihen und der Mgsten Freiheitsanleihe ist allbekannt. T-re enge Verbindung mit den großen westlichen Demokratien laßt die Sympathien der jüdischen Massen für den Krieg erklärliche erscheinen." Morrespondenzen. Häufet nur Ethrogim aus Eroz-Fisroel! Das Schicksal der Mischen Siedlungen in Palästina hat allgemeine Teilnahme geweckt. In seltener Eintracht, sehen wir die verschiedenen Kreise innerhalb der Judenheit bemüht, dieses Kulturwerk, schon heute stattlich, für die Zukunft vollends ungeahnte Werte verheißend, vor dem Untergange zü retten. Die Hilfsbereitschaft zu betätigen, bietet sich! ein sehr naheliegendes Mittel: Die Ethrogim für d.as bevorstehende Sukkosfest müßten sämtlich aus Palästina bezogen werden! Zahlreiche Kräfte im Heiligen Lande würden daran beteiligt sein, und in dem Erlös eine immerhin, nennenswerte Summe nicht allein den gegenwärtig notleidenden Pflanzern, sondern auch ein erheblicher Betrag den gänzlich Unbemittelten zu fließen. Ein solcher Plan lag hier in Wien fertig vor. Er durfte um so eher Erfolg, verheißen, als Griechenland, aus dem bisher Mit unerklärlicher Beharrlich,- keit die Ethrogim.bezogen wurden, nunmehr zu unseren Feinden zahlt. Es mußte schon längst jeden 'Juden von Selbstgefühl der Gedanke verletzen, daß Jahr für Jahr, selbst nach den Judenmetzeleien auf Korfu usw., es immer wieder fast ausschließlich nur griechische Ethrogim waren, die man hier zu kaufen, bekam, daß jüdisches Geld in die Hände floß-, die sich mit jüdischem Blute befleckt hatten. Doch die Händler entschuldigten sich damit, daß die griechische Wäre billiger als die aus Palästina sei. Diesmal liegen die. Dinge wesentlich/anders. Griechenland hat sich, gleichviel, unter welchen Umständen, der Entente angeschlossen. Für das Gold, das für Ethrogim dorthin geht, werden Kugeln gegen unsere Truppen gegossen. Auch heuer Ethrogim. dorther zu beziehen, diese Absicht sollte gar nicht erwogen werden dürfen. Zu unserem Erstaunen hören wir aber aus zuverlässigster Quelle, daß . ein ungarisches Konsortium, trotzdem chm Schritte bekannt waren, diesmal den Bedarf an Ethrogim ausschließlich nur aus Palästina zu decken, wiederum griechische Ware auf den Markt bringen will, ja sogar Goldausfnhr von den Behörden bewilligt habe. Wer kann dies fassen? Wer es rechtfertigen? Soll es ein planmäßiger Schlag gegen unsere armen Brüder in Palästina sein, die jetzt den Gegenstand allgemeiner Teilnahme auch in nichtjüdischen Kreisen bilden. Sollten auch hierin wieder innerpolitische jüdische Gegensätze sich austoben? Wahrlich, der Zeitpunkt dafür scheint Uns nicht glücklich -gewählt, und noch weniger das Opfer dieses unwürdigen RänKspieles> die hllflose Jüdenschaft im Lande der Vater. Und welcher Patriot könnte diese Unterstützung feindlichen Handels billigen? Un^irrt durch solches Vorgehen, fordern wir alle Mischen Gemeinden und Privaten ans, heuer nur p a l ä st i n e n s i schj e E t h r o g i m zu kaufen und ihren Bedarf bei der Redaktion dieses Blattes anzumelden. Je Wochenschrift Nr. so zahlreicher die Bestellungen, um so günstiger werden die Bedingungen fein, unter denen wir Ethrogim aus Palästina beziehen können. Mit jedem aus Palästina /bezogenen Ethro.g wird zugleich den Evakuierten' Hilfe geleistet! i;: Spaziergänge durch die KrsMaMonen der Vereine der „Weiblichen Mrsorge". (Fortsetzung der Artikel aus dem Jahre 1915.) Die Ferienkolonie d.es .Elternvereines „Pestalozzi" in Harmannsdors. Vor immer neue Aufgaben stellt der Krieg unsere Vereine; immer Mühsame neue Wege müssen die Vereine gehen, um ihnen gerecht zu werden. Man weiß, wie unendlich schwierig es selbst den Reichen und Wohlhabenden im vierten KriegssoMmer ist, ihre Kinder auf dem Lande unterzubringen. Der so rührige „Pestalozzi" wollte aber seine Ausspeifnngsschützlinge nicht der Gasse des Werd allein zur DomMerfrische janvertranen. Durchs gültige Vermittlung der Frau Piowatti hat der „Pestalozzi" in einer der gesündesten und fruchtbarsten Gegend unseres Riederösterreichl, wo . der gute Geist des' Patronatsherrn Grafen Hans Wilzcek und die Erinnerung an die alten liberalen Gutsherren^ die' Freiherren von Reisch ach und Gundaker, und Berta Suttner noch merkwürdig waltet, so daß der Aufnahme einer jüdischen Ferienkolonie nichts im Wege stand, eine brave Familie, Inspektor Riedl und-Frau Anna, die Tochter des dortigen Oberlehrers^ ausfindig gemacht.- In de rem wohnlichen Hanse, das einen ebenso hübschen Zierals behäbigen, breiten Obstgarten, Liegestätten und Lufthüllen im Freien besitzt, hat der „Pestalozzi" 25 Kinder — zweimal Mädchen, einmlal Knaben — im dreimaligen TüMus uptetzbripgen können,./Die alle Frage Zbon, uns.!, Vereinen, vb die Unterbringung in ländlichen Familien, ob die in eigenen Heimen den Vorzug verdient — als Vorsteherin des „Frauenhvrtes" habe ich diese Frage nach allen Richtungen ventiliert,, da mir Nachteile und Vorzüge beider Arten durch! meine Inspektionen in unseren ehemaligen Kolonien und dann in unserem! schönen Heim in Seebenstein sehr 'klar zutage traten — kam mir wieder in den Sinn. Ich! konnte wieder beobachten, daß die Schützlinge selbst sichbei der Familienunterbringung viel wohler fühlen, und gewiß ist es erzieherisch" von großem Wert, wenn' unsere jüdischen-Knaben, dem Naturleben ganz entfremdet, Gelegenheit haben, sichganz in ein ländliches' Anwesen einzufühlen. Ich sah auch, mit welchem Interesse und. welcher Liebe die Kinder schon, an. dieser Natur, an den Häustieren und Pflanzen hängen, wie rasch! sie sich in den Verkehr mit-der übrilgen, ganz selten intelligenten und liebenswürdigen Bevölkerung gewöhnt haben, wie sie mir hochwillkommene Gemüseankäufe vermitteln konnten. Daß die UnterbrM gung weniger elegant, weniger hygienisch! sein kann als in einem eigens zu diesem Zweck erbauten Heim, daß die pädagogischen Behelfe eines Tifchnowitz, .der wertvolle Drill und die Erziehung fehlen, da die ganze Aufsicht nur von der dortigen Familie geführt wird, , ist selbstverständlich-;. aber auch dieses vollkommene Ausspannen von jeder Schüldisziplin, die liebevolle Familien äüfsicht statt der konsequenteren beamteten, haben ihren Reiz - und ihren Vorzug,, und wo objektivgewiß in eigenen Heimen mehr geleistet werdien Hann, Kühlen, sich subjektiv die Kinder. - in Familienpflege, die so empfehlenswert ist, daß der' rührige Präsident des „Pestalozzi" seinen eigenen Knaben der Familie mitanverträute, äußerst wohl. So werden doch- 75 . Kinder mit Wonne an diesen Z Aufenthalt zurückdenken und wir beneiden alle Kinderfreünde, welche der freundlichen Einladung des „Pestalozzi" folgend, den