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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-08-03 · 30 (3.8.1917) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
30 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 30 Dir. Blloch's Ausflug in die ganz herrliche Hochebeneluft von Harmannsdors Machten. um den Genuß, die Schützlinge in ihrem Glück beobachten zu können. Wie schwierig auch die Verpflegung dieses Jahr ist, und mit wie großen Kosten verbunden. dem „Pestalozzi" soll sein Werk nicht reuen; ich war für die Mühe des Ausfluges durch den Besuch der Kirche, eine der schönsten unseres Landes, und reichliche Ernte an Lebensmitteln belohnt und habe von der Bevölkerung den besten Eindruck gewonnen, deren von Antisemitismus reines Betragen ich. wirklich dem Grafen Wilczek als Genius loci — schlummern doch alle seine Ahnen in der herrlichen Kirche und bewohnt er bei Harmannsdorf sein geräumiges Schloß Sebarn — zuschreiben möchte. Dem „Pestalozzi" möge aber diese Krreg'ssomMerarbeit recht viel neue Freunde zusühren. damit er seine Kolonien auch in ruhigeren Zeiten ausbauen tann. Clotilde Benedikt. Der Landespräfident der Bukowina in Marienbad. Es wird uns berichtet: Sonntag, den 22. Juli, vormittags 11 Uhr besichtigte der Landespräsident der Bukowina,Herr k. k. Hofrat Graf Dr. Josef von Etzdorf in Begleitung des Herrn k. k. Bezirkshanptmannes Dr. Ritter Brechler von Troskowitz die Fürsorgeeinrichtungen für die hier untergebrachten Kriegsflüchtlinge ans Galizieri und der Bukowina. Am Eingänge zum Emilienhof wurden die Herren, bei denen sich auch der hier weilende Landtagsabgeordnete und Großgrundbesitzer Herr B. Ritter von Prnnkul aus Suczawa befand, vom Obmanne des Hilfskomitees für 'Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Marienbad, Herrn Fritz Buxbaum empfangen und begrüßt, wobei der Herr Landespräsident seiner Freude Ausdruck gab, den berühmten Herrn Buxbaum — wie er sich ausdriickte — kennen zu lernen. Nach Vorstellung der übrigen Komiteemitglieder wurde zuerst die Schneiderwerkstätte besichtigt, wo 15 Arbeiter beschäftigt waren, zunieist Leute aus der Bukowina. Der Herr Landespräsident sprach viele von ihnen .an und erkundigte sich nach ihren Wünschen. Sodann nahm der Herr Lmidespräsident den im 1. Stockwerk untergebrachten Frletknrs, sowie die 1. und 2. Klasse der Flnchtlingsschule in' Augenschein, wobei Herr Schulleiter Landau aus Zborow. derzeit in Marienbad, eine kleine Prüfung vornahm, . über die sich der Herr Präsident ftlr lobend aussprachl,Hiüäuflhegäb'en"sich die Herren"in diet cbenerdigeu Klassenzimmer, woselbst Herr Rabbiner Dr. Diamant die hier von ihm ständig unterrichteten Kinder einer kleinen Prüfung unterzog, deren Resultat von dem hohen Funktionär als geradezu glänzend bezeichnet wurde. Der Herr Präsident trug seinen Namen in das aufliegende Gedenkbuch ein, mit dem Zusatze, daß er sich mit Vergnügen von den ausgezeichneten Lehrerfolgen der Schule überzeugt habe. . Sodann wurde die Gemeinschaftsküche im Hotel Hoheneck besichtigt. Die Herren nahmen sämtliche Speiseräume» besonders aber auch die Küche in Augenschein, sahen der-Verteilung des Essens zu. interessierten sich für den Vorgang der Buchungen nsw. Bei dieser Gelegenheit erlegte der Herr Landespräsident einen Betrag von Kr. 100.— als Spende. Nachdem die Herren noch das Essen, das sich als vorzüglich erwies, einer Kostprobe unterzogen hatten, sprach Herr Obmann Buxbaum dem Herrn Laudespräsidenteu für die hohe Ehre des Besuches den Dank aus. Beim Abschied sprach der Herr Landespräfident nochmals seine tiefe Befriedigung über das Gesehene aus, das — wie er versicherte — in so mustergültiger Wcise von ihm nur in Marienbad angetroffen wurde. Rath an Rand. Gemeinschaftsküche für Kriegsflüchtlinge. Unser Marienbader Berichterstatter schreibt uns: Die Gemeinschaftsküche für Kriegsflüchtlmge im Hotel Hoheneck wurde schon wiederholt von hier anwesenden Kurgästen besucht, die die Einrichtungen dieses vom Obmanne des Hilfskomitees -für Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina Herrn Bankier Fritz Buxbaum in Marienbad , gegründeten und musterhaft geleiteten humanitären Unternehmungen in Augenschein nahmen und sich sämtlich äußerst lobend darüber aussprachen. Montag, den 16. Juli, erschien in der Küche Herr Reichrats-. abgeordneter königlicher Rat Hiesch aus Klausenburg mit Begleitung (Frau Apotheker Rohlich, Frau Kraus, Herrn und Frau Markowitsch. Herrn und FrauReiter, sämtliche aus Szatmar) und besichtigten eingehend alle Räumlichkeiten und Einrichtungen, über die er sich sehr lobend äußerte. : . _ Re d a kt ionelle Be m e r kun g. Wie wir erfahren, nimmt seit einer Zeit die israelitische Kultusgemeinde Marienbad Spenden von den Kurgästen für Kriegsflüchtlinge aus' Galizien und der Bukowina nicht entgegen. Wir müssen unser Bedauern gegen diese Handlung auf diesem Wege aussprechen. Wochenschrift Seile 495 Eine Papyroshandfchrift der Sprüche Salomos. ' In der philologisch-historischen Klasse der Königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften sprach Professor Dr. Georg Steindorff über eine von ihm und Professor Dr. Karl Schmidt in Berlin zu veröffentlichende Pavyroshandschrift der Königlichen Bibliothek zu Berlin, die dem dritten nachchristlichen Jahrhundert angehört und den * vollständigen koptischen, in dem oberägyptischen Dialekt Von Astniem abgesaßten Text der „Sprüche Salomos" enthält. Da die Zahl dieser Lite'raturwerke nicht gjroß ist und^ der vorgelegte Text zu den «ältesten uns erhaltenen Stücken der koptischen (ägyptischen) Bibelübersetzung gehört, ist seine sprachliche. lexikalische und literarische Bedeutung sehr groß. Gründung des staüenstchM Rabb'merverLandes. Man ist seit langem gewohnt gewesen, die Juden Italiens für rettungslos! der Assimilation verfallen , zu halten. Cs war bekannt. daß es in Italien kaum möglich war. Nach dem Mischen Gesetz zu leben und daß Interesse für indische Dinge bei den Juden Italiens kaum zu finden sei. Auch hier hat der Krieg belebend und anstachelnd auf die Juden gewirkt. Wir haben von der Organisation „Pro Jsraele" gesprochen und auch sonst manche Zeichen wiederbeginnenden jüdischen Lebens anführen können. Einen weiteren Fortschritt in dieser Rich^ tung bedeutet die ,Gr ü n d u n g eines italienischen Rabbineröerbandes, dessen erste Sitzung am 26. iirto 27. Juni in Bologna stattfand. Die Referate enthüllten ein trauriges Bild von den Zuständen in den jüdischen Gemeinden Italiens. Es wurde betont, daß hier nur auf eine Weise Besserung erzielt werden könne, nämlich! durch systematische, jüdische Erziehung der Heranwachsenden Generation. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde die Frage erörtert, wer' die Vertretung der jüdischen Gemeinden vor den staatlichen Behörden zu führen habe. Bisher wurde dies als Aufgabe des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens betrachtet, während die Räbbinerversamm'lung sich aus den Standpunkt stellte, daß diese Aufgabe den Rabbinern zustehen müsst. Zum Schluß der Verhandlungen beschäftigte sich die Tagung mit der Siellung zum> Zionismus. Man gab der Hoffnung Ausdruck, daß es durch das zionistische Ideal gelingen -werde, die denk Judentumentfremdete jüdische Jugend wieder für die Ideale ihres Volkstums zu begeistern. So scheint es, als wenn in der Tat auch die 50.000 Juden der >appenninisch«en Halbinsel den Weg zu ihrem Volke zurückfinden werden. Reaktionäre Umtriebe im revolutionären RuMand. Im „Djen" dom! 5. Juli schreibt B. Kantarowitsch^ daß die Reaktion zu ihrer in den Kämpfen des Zaris-Mps gegen das Volk gehärteten Waffe — dem Antisemitismus und den Pogromen — greift. Die Propaganda des Antisemitismus beginne eine soziale Gefahr für das freie Rußland zu werden. Eine ganze soziale Schichte, die der Kleinbürger, und zwar hauptsächlich die städtischen Kleinbürger, die sich, von der weiteren Entwicklung der Revolution bedroht fühlen, nährt und verbreitet die Bazillen des Antisemitismus. In den Straßenmeetings hört Man immer häufiger Hetzreden gegen Stellow und Trotzki als gegen die Juden Nachumkis und Bronstein die Beschuldigungen der Juden als die Ursache der Teuerung. Die Dorfgeistlichen halten PogroMreden in den Kirchen von der Kanzel herab. „Rjetsch" meldet, daß der Erste Staatsanwalt an den Justizminister ein Ersuchen gerichtet habe, unverzüglich

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