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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-27 · 29 (27.7.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
29 (27.7.1917)
Date
1917-07-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29 . Tir. Bkoch's Aum Andenken des unvergeßttchen KekdravSiners Ir. Kelemen. .. Ueber,-die Persönlichkeit des auf dem Felde der Ehre mr Dienstedes Vaterlandes verstorbenen Feldrabbiners Dr. Kele,rnen entnehmen wir den Mitteilungen von vtzr Frontr . ' * . Dr. K e l ent en wirkte an 30 Jahre als Rabbiner in Gyöngyös, Mggyatad, Pancsova, Nyiregyhaza und Fogaras, war unermüdlich bemüht, Licht und Aufklärung zu verbreiten und Haf sich um den konfessionellen Frieden große .Verdienste. erworben... Er war Schulstuhlpräsident, der israelitischen.Gemeinde .und Vorstandsmitglied der Staatsschulen. An der kgl. ungarischen höheren Handelsschule in Pancsova hätte er in den Jahren 1895, •- 1896 und 1897 mit; ministerieller Betrauung außer Religion auch Französisch unterrichtet. Seit 12 Jahren wirkte er als bereits zum drittenmal einstimmig gewähltes Mitglied der Komitatskongregation Fogaras und ebenso oft und einstimmig gewähltes Mitglied der kgl. Freistadt Fog ar a s. Ebenso war er Mitglied des K o m i t a t s - Ausschusses. Dabei literarisch tätig, saß im Ausschuß des Israelitischen Ungarischen Literaturvereines, sein Name kommt auch im neuesten Revay-Lexikon vor und um die Mägyarffierun-g der Wischen Kanzel in Pancsova, Nyiregyhaza und Fogaras hat er sich Verdienste erworben.- AnNßlich des Millenniums weihte er mit einer ungarischen Rede die Stadtfahne der königl. Freistadt Pancsova auf Verlangen säintlicher Konfessionen und des Stadtrates ein. und im Jahve 1896, als Baron- Ernst D,anie l Minister wurde, war er der Redner im Namen der Freistadt anläßlich der Uebergabe des Reichstags- Mandats. .Als der große Dom in Nyiregyhaza durch seinen munifizenten Spender, den Kardinal-Erzbischof von Eger^Mrläü),-Josefl;ch>. Sam a ssa eingeweiht wurde. wurde Dr.;. K e l e m e n die - Aufgabe, die ■ Deputation der großen Nyiregyhazaer Statusquo-Gemeinde mit der dortigen orchodoxen Gemeinde vorzuführen und. diesen Kirchenfürsten im Rahmen der übrigen Konfessionen zu .begrüßen: - -. Er wirkte an der Front vom 18. Oktober 1914 bis. zum 22. Mai 19^.5. Von Mitte Dezember bis zum 5. Januar mußte , er sich einer Kur in Karlsbad unterziehen.; Mährend der Zeit seines.Felddienstes hat er im Schützengraben am 2.- Mai bei den 32. Honveds und bei dem 72. k. n. ,k. Regiment, Kompagnie , unter dem HauptMann ClMär vt F o d o r in der 592. Anhöhe der Karpathen und in der Anhöhe 803 der Karpathen - Gottesdienst mit Predigt abgehalten. (Siehe Silage des „Pester Lloyd", Morgenblatt vom 10. Mai.) Vom 25. Mai war er zu Lokaldien ft eingeteilt, bis zum 7. August (s. Streffleur) im Nagyszebener Garnisonsspital. Die Liebe und Verehrung zum, Dienste hatte ihn dazu gedrängt, als ein im 56. Lebensjahre stehender Priester beim königl. ung. HonvedMinister um seine Reaktivierung anzusuchen, und er war überaus glücklich. imFelde dienen zu können. Es wäre chM leicht gewesen, im Hinterland Verwendung zu finden, allein sein Pflichtgefühl drängte ihn zum Frontdienst. ' ' - -81 duo facuent idem, non est idem. „Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe." sagt mit Recht ein altes lateinisches Sprichwort. Das kann.man bei ,jeder Gelegenheit bemerken und das bekommen wir Juden gllAuost und schmerzlich zu fühlen. Wochenschrift Seite 477. Das „Prager Tagblatt" vom 13. und die „Arbeiter- Zeitung" vom 20. d. M.. bringen, natürlich ohne jede weitere Bemerkung, folgenden Bericht: Tie Kirche als Getreideversteck. Am 23. März wurde im Pfarramt in KroiIitz bei Schlau eine Requisition vorgenommen. Da der Pfarrer Franz Sir offensichtlich;unro ah re Anga-ben über seine Getreibtzvorräte Machte, wurde eine Hausdurchsuchung vorgenommen.. Jetzt lwurden in der Kirche jgrotze Getreideoorrät«: entdeckt. In den O r g e l n waren neun Säcke mit Getreide-, andere in verschiedenen anderen Verstecken. Es' wurden insgesamt 548 Kilogramm Weizen, 298 Kilogramm Korn, 452 Kilogramm Gerste und 194 Kilogramm Hafer gesunden und beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Pfarrer Sir die Anklage wegen Verheimlichung von requirierten Eetreideoorräten und wegen unwahrer Angaben vor dem Requisitionskommisfär. Der Pfarrer verteidigte sich damit, er habe gar nichts von dem Getreide gewußt. Alles habe seine Wirtschafterin Marie Marsch a l e k jverschuldet. Deshalb wurde auch die Marchalek angeklagt. Das Bezirksgericht Schlan verurteilte nur die Wirtschafterin zu hundert Kronen Geldstrafe. Der Pfarrer wurde freigesprochen. Was wäre wohl geschehen, wenn 'zwei Wörter in diesem Berichte anders lauten würden, wenn nämlich anstatt „Pfarrer" das Wort „Rabbiner" stünde und anstatt „Kirche" das Wort „Synagoge"? Hätte sich nicht die ganze antisemitische Preßmeute und ihre teils verschämten. teils unverschämten Schleppträger aus diesen ihnen so willkommenen „Fäll" gestürzt? Wären nicht Leitartikel mit fetten, auffallend gedruckten, weithin sichtbaren Aufschriften „E i n j ü d i s che r Rabbiner als Getreid ehnMster" oder „Die Synagoge als Ausbewährungsort für verheimlichte G-etreidevorräte" oder „Warum hungert das ..christliche Volk?" erschienen, oder gär noch eine sensationellere Üeberschrist? Denn eines muß der größte Gegner den- Antisemiten und ihrem ganzen Troß zugestehen: eine blühende, erfinderische Phantasie. In diesen Leitartikeln würde aber nicht nur der eine „Fall" des langen und breiten erörtert werden, '.-es würde auch der Verdacht und die Vermutung ausgesprochen werben, daß nicht nur an dem einen Orte und von deM einen Rabbiner ein solches Vergehen begangen wurde, sondern .auch an anderen Orten, und würden mit ihren Rusen nach dem Staatsanwalt und ihren Denunziationen nicht ruhen, bis auch an anderen - Orten die Wohnungen der Rabbiner und die Synagogen nach dort verborgenem Getreide oder anderen Nahrungs- . Mitteln' durchgeführt würden. Die Bevölkerung aber in jenem Orte, in dessen Umgebung und auch anderwärts würde systematisch gegen die Juden aüfgehetzt. und es ist nicht ausgeschlossen, daß es zu Unruhen, selbst zu Gewalttätigkeiten gegen dieselben gekommen wäre. Zum Glück für uns handelt es sich aber nur um einen Pfarrer und eine Kirche und ich, bin bjer festen Ueberzeugung, daß die „Reichspost" und ihr ganzer Heerbann, die so leicht in tugendhafte Entrüstung geraten, wenn es sich üM jüdische Vergehen, seien sie noch so klein und geringfügig, handelt, über diese Angelegenheit ihren allerdings schon sehr zerschlissenen und fadenscheinigen Mantel der .... Nächstenliebe decken werden, die Sache höchstwahrscheinlich entweder totschweigen oder nur den Tatbestand ohne jede weitere Bemerkung abdrucken werden. . Sie werden bei dieser Gelegenheit ihr leichtgläubiges und gedankenlos alles hinnehmende Lesepublikum gewiß nicht darauf aufmerksam machen, wie milde das Schlauer Gericht geurteilt hat, indem! es die „Wirtschafterin" zu 100 Kronen Geldstrafe, eventuell zwei Tagen Haft verurteilte, den Pfarrer aber, der natürlich nichts davon wissen konnte, daß seine Wirtschafterin:

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