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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-27 · 29 (27.7.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
29 (27.7.1917)
Date
1917-07-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 476 Dir. Blpch's Im eigenen. Namen wie auch; nn Namen der Offiziere, die ih'm> das letzte Geleit gegeben, bitte ich Sie. hochgeehrte Frau, den Ausdruck tiefempfundenen Beileids entgegenzunehmen. Der Allmächtige tröste Sie und gebe Ihnen die Kraft, den großen Verlust mit Ruhe und frommer ErgÄbüng zu ertragen. Zum Schluffe teile ich noch, Mt, daß der Tod infolge Kopfschusses Mittwoch, den 13. Juni, um! 2 Uhr früh, eingetreten ist. Das Grab ist auf Meine Veranlassung durch! eine unseren religiösen Vorschriften entsprechende Holztafel bezeichnet worden und ist eine Exhumierung nicht ausgeschlossen, falls eine solche von den Angehörigen verlangt wird. Indem! ich Sie, gnädige Frau, wiederholt meines innigsten Mitgefühls versichere, bin ich Ihr hochachtungsvoll ergebener / Dr. Michael Hal b e r st a m m. p., k. u. t Feldrabbiner." Are Idee eines jüdischen SotdaLenraLes in Hlußtand. Zwecks Organisierung der vielen Tausende jüdischer Soldaten, die im russischen Heere zerstreut sind, wurde in Moskau ein „Verein der jüdischen Soldaten der Moskauer Garnison" gegründet, der am 3. Juni eine Versammlung! der jüdischen Soldaten, Offiziere. MilLtärarAte und Sianitzätsmiannschjasten abhielt. Der Militärarzt SchilMann machte in seiner Einleitungsrede die Versammelten, darauf aufmerksam, daß der jüdische Soldat Aufgaben und. Bedürfnisse hat, die der allgemeine Arbeiter- und Soldatenrat nicht befriedigen kann und die die Existenz einer besonderen jüdischen MilitLrorganisation erfordern. Er zeigte, ' daß hier und da antisemitische Tendenzen im Heere sich bemerkbar machen, z. B. wurden in T a r n o P o l jüdische Soldaten Mißhandelt, in einer'anderen Stadt faßte eine Kompagnie den Beschluß!, keine jüdischen Offiziere zu dulden usw. Wohl kämpfe auch das progressive Rußland gegen den Antisemitismus, dieser Kampf sei > aber naturgemäß vvr allem die Ausgabe der Juden selbst und Müsse von einem jüdischen Soldatenrat geführt werden. Noch! wichtiger . sei aber die zweite Aufgabe, die k u l t u r e l l e. Der allgemeine Arbeiter- und Soldatenrat kenne die KulturVedürfnisse des jüdischen Soldaten nicht und sei nicht berufen, eine Mische Kulturtätrgkeit, die zweifellos nottue, zu entfalten. .Dazu komme nocheine Reche vvn Neoenfragen, die eine Organisation ' jüdischer Soldaten erforderlich! erscheinen lasse. . Der Vertreter des Moskauer Arbeiter- und Soldatenrates H i l l m a n n begrüßte die Versammelten und gab der Freude Ausdruck, die die Führer' der russischen Revolution Wer die Mischen Soldaten empfänden, unter denen keine Spuren einer Gegenrevolution zu merken seien. Er hielt aber die Grundidee der Bildung eines jüdischen Soldatenrates;pjr verfehlt. Der Kampf gegen den Antisemitismus! werde vvM allgemeinen Rat der 'Arbeiter- und Soldatendeputierten geführt, weil der Anti- ' semitismus eine Gefahr für die Revolution darstelle. Eine speziell von . Juden ausgehende Bekämpfung des Antisemitismus sei daher überflüssig und wenig zweckmäßig. Wohl wisse der Redner, daß das' Verlangen des Mischen Soldaten nach einer eigenen Armee nicht dem Streben der Ukrainer und Litauer gleich: sei, die auf düse Weise chre nationalen Armeen aufzustellen bezweckten. Trotzdem! halte er es seitens der Juden für taktisch verfehlt, eine besondere Militärische OrganisäLion zu bilden. Was die Kulturarbeit betreffe, so könne der jetzige Uebelstand durch, die Bildung einer Mischen Knltursektion beim allgemeinen Rat der Arbeiter- und Soldatendeputierten .'beseitigt werden. ' Wochenschrift Nr. 29 Die Rede rief eine heftige Debatte hervor. Zum Wort Meldeten, sich. 25 Redner. Die Bu n d i st e n unterstützten die Ansicht des Vertreters des Rates! der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Die Vertreter der Poale-Zion und der SejMisten dagegen entrolltem'ein buntes. Bild, der speziell jüdischen Bedürfnisses die nur durch eine Mische Soldatenorganisatiön befriedigt werden könnten. Die Frage wurde von' den Versammelten ini. Sinne der Gründung! eines Mi'sch>en Soldatenrates entschieden, und die ersten Punkte der Statuten wurden angenommen. Aus Mangel an Zeit mußte sich! die Versammlung auf die Wahl eines provisorischen Präsidiums - beschränken, das aus 12 Personen, darunter Militärärzten. Fähnrichs und Soldatenbesteht. Aie Autonomie der ungarischen Juden — ein Mogrammpunkl der Uegierung. Ans Budapest wird uns berichtet: Der ungarische Minister a. latere Graf Theodor. Batthanyi gab' im Rahmen seiner ProgramMrede, die er anläßlich seiner Wiederwahl als Abgeordneter in- S.z e k s z a r d gehalten hat, sehr wichtige' Erklärungen bezüglich der Autonomie der Inden in Ungarn ab. Der Minister erklärte den Führern der Szekszarder israelitischen Kultusgemeinde, daß er „mit Leib und Seele ein Anhänger der gesetzlichen Inkorporierung der Autonomie der jüdischen Konsession fei, wozu die vaterländische Judenschaft, die aus hohem Kulturniveau steht und zu allen Zeiten begeisterte 'Empfänglichkeit füx die Ideen des Fortschrittes bekundet hat, einen berechtigten Anspruchs habe. Die neue Regierung, welche gewillt ist, den Gedanken der Rechtsgleichheit und' Rechtsverbreiterung zu verwirklichen, wird bestrebt sein, auch! diese Reform ehemöglichst durchZuführen. Ueberdies erklärte der Minister, daß.»die . Regierung. M sich zur^ Aufgabe gestelltz.hat,-die^AutanMie der katholifchjeü und dievlsräelitrschen Konfession nach dem Grundsätze 'der. vollen Rechtsgleichheit und Parität!sin die Tat ümzüsetzen. Juden in der Morberertungskommisston für die Konstituante. An der „besonderen Beratung" der Kommission, die zu der Vorbereitungstätigkeit für die Konstituante eingesetzt wurde, nehmen nach! „Nowoje. Wremja" folgende Inden teil: Ws Vertreter der Mischen Parteien: N. M. F r i e d M ja n n, O. O. G r u s e n b e r g und W. A. Kantorowicz. Als Vertreter russischer Parteien: L. B ra.Ms o n, M. M. Doblranitzki und N. W. Swiatitzki (Arbeiter- und Soldatenrat); dann M. M. Win o w e r (Kadetten-Partei); I. A Zeder b a u m, W. N. Kr och Mal (Sozialdemokratische Arbeiterpartei); M. W. Bern st:a M m (Nationalsozialisten); M. W. Wifchniak (SoMlrevvlütionäre) und schließlich jurtstische .Sachverständige A. I. Halpern und W. M. Gesten. ' Ausweisung österreichischer Juden. Aüs Posen und Oberschlesien. ' Diesozialdemvkratischen Abgeordneten Ba u e r und ScheideMannhaben an den 'Reichskanzler folgende Anfrage gerichtet: , Seit längerer Zeit werden aus der Provinz Posen und aus dem' Regierungsbezirk Opp.e l n, in der letzten Zeit auch aus deM Regierungsbezirk Breslau die ö st e r r e ichi sch e n Staatsangehörigen -. - W d i s ch e n Glaubens, ungeachtet ihrer jahrzehntelangen./Ansässigkeit, tadellosen Führirng und 'bestgeordneten'" Daseins- Verhältnisse, a u sg e wie s e n. Sind deM Reichskanzler diese Zustände bekannt? Denkt er dagegen einzuschreiten?

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