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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-20 · 28 (20.7.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
28 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 28 Dir. Molches Wochenschrift Seite 467 auch des ,,Bukowinaer Fürsorgekomitees" in mehr als 4000 Fällen malige Invasion betroffenen Bevölkerung. Auch Gegensätze kon- .100,000 Kronen gewährt. Die Wohnungsverhältnisse entsprechen fessioneller und nationaler Hinsicht sind nicht zuletzt die Ursachen in den meisten Fällen sowohl, den sanitären als auch den hygienischen für eine, wenn auch nicht feindselige, so doch gleichgültiges Ver- Anforderungen und wo das nicht der Fall gewesen, wurde über halten den Flüchtlingen gegenüber. Erfreulicherweise gehören Fälle Anregung , des genannten Komitees Remedur geschaffen. Die Apdieser Art unfreundlicher Besinnung zu den Ausnahmen. Sehr provisionierung der Flüchtlinge ging zu Beginn deren Unter-, warm nehmen sich in vielen Fällen die Pfarrer, Bürgermeister bringung mit Rücksicht auf deren weit zerstreuten Wohnungen gut und Lehrer der Flüchtlingsinteressen an. So sehr die staatlichen vonstatten, lieh aber infolge der allgemeinen Lebensmittelknapp-. Zentralbehörden bestrebt sind, das große Leid der Flüchtlinge zu heit viel zu wünschen übrig. In diesem Sinne war das Komitee bemüht, fast in allen oberösterreichischen Bezirken rituelle.Fleischbänke zu errichten, um so den Flüchtlingen den Fleischgenuß zu ermöglichen. Im Durchschnitt stellte sich ein' Kilogramm Fleisch auf Kr.. 4.60. Eier und Milch ersetzen den 'Flüchtlingen die fehlenden Lebensmittel. Freilich können sich nur wenige solche Lebensmittel gönnen, reicht doch die Flüchtlingsunterstützung hiezu lange nicht aus. Besonders schwierig gestaltet hat sich die Approvisionierung -zur Osterzeit. Durch den. Ankauf von Speiserüben und Kartoffeln sowie durch Erwirkung der Fettfreigabe und der Beteilung mit einer entsprechenden Anzahl von Eiern ist dem llebel für die Osterzeit wenigstens zum Teil gesteuert worden. Seit der Errichtung der Bekleidungszentrale Kn Oberösterreich haben nach und nach die Klagen der Flüchtlinge in Hinsicht auf deren Bekleidung aufgehört. Wo eine Beschwerde in dieser Beziehung vorliegt, schreitet das Komitee und zumeist mit Er-, folg bei den staatlichen Behörden ein. Wie sehr ungern die Flüchtlinge zu Beginn die vom Staate erhaltenen Schuhe mit Holzsohlen trugen, so sehr sehnen sie sich jetzt nach solchen, sind doch _ andere Schuhe für ihre «Verhältnisse nicht zu erlangen. Durch die Errichtung von Nähstuben in'fast allen Bezirken ist den Mädchen und Frauen die 'Möglichkeit einer Arbeitsbetätigung gegeben worden. Auch sonst ist das Komitee bemüht, an einzelne Flüchtlinge Arbeit zu vermitteln. Fast in sämtlichen von den Flüchtlingen bewohnten Gemeinden wurden deren Kinder kn den Volksschulen eingeschult und sind die Schulleiter wie die . Lehrer voll des Lobes über das Talent der Kinder, denen sie, dem äußeren Aussehen nach, eine solche Geistesschärfe niemals zugemutet hätten. Ueberdies wurden durch das Landeshilfskymitee auf Initiative ihres. bewährten Obmannes Herrn Benedikt Schwager mehr denn 120 hebräische .Schulen, sogenannte „Ehedurim", errichtet, in welchen den Flüchtlingskindern sowohl der Religionsunterricht als auch der Unterricht in der hebräischen Sprache erteilt wird. Hiedurch ist erzielt worden, daß die Kinder >diy freie Zeit nicht zum Herumlungern benützen, im Gegenteil, sich während derselben die Kenntnisse des Religionsunterrichtes und der hebräischen Sprache aneignen. Die Seelsorge wird von acht vom Staate bestellten und aus dessen Mitteln honorierten Rabbinern versehen,, welchen aber nicht nur die Sorge für das Seelenheil der Flüchtlinge zufällt, sondern auch die Vermittlung deren - Wünsche, entweder bei den Behörden direkt oder im Wege des Landeshilfskomitees obliegt. Diese wie jene Aufgaben erfüllen die Seelsorger zur besten Zufriedenheit sowohl der Flüchtlinge als auch des Staates. Wo sich mehrere Flüchtlinge in einer Gemeinde 'aufhalten, wurde ein Vethaus errichtet, woselbst die Flüchtlinge täglich durch Gebete zu Gott in ihrer hart bedrängten Lage Trost suchen. Im übrigen wurden den religiösen Bedürfnissen der Flüchtlinge auch dadurch Rechnung getragen, daß sie mit Ritualien, welche mehr denn 10,000 Kronen erforderten, beteilt worden sind. Vielen Flüchtlingen wurde «ermöglicht, den Aufenthalt ihrer vermißten Angehörigen zu erfahren und sich sodann . mit denselben zu vereinigen. Dev- Krankenpflege der Flüchtlinge wird ein besonderes Augenmerk zugewendet, welcher nebst Frau Marie Heller ganz besonders Frl. Anna,Friedmann großes Interesse entgegenbringt und den kranken Flüchtlingen mit -Rat und Tat , beisteht. Männer - gibt .es unter den Flüchtlingen sehr wenige, weil diemeisten Kriegsdienste leisten. Um so mehr bedürfen hie Frauen der.Hilfe, die das Komitee in jedem Falle gewährt, vorausgesetzt, daß deren Wünsche nicht mit den Bestimmungen . der.« für Flüchtlingsfürsorge herausgegebenen staatlichen. Normen im Widerspruche stehen. Die, Stimmung der oberösterreichischen Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen ist nicht einheitlich. Leider besitzeneinige der Gemeindevorsteher und - Gemeindesekretäre nicht das richtige .Verständnis für das unsägliche. .Elend einer durch dreimildern, verblaßt das Interesse hie für stufenweise bei den untergeordneten Behörden imme.r mehr, um schließlichsbeivielen B ürgermeistern aufzuhören und hier ist es stets Aufgabe des Komitees, die Vollziehung der die «Interessen der Flüchtlinge betreffenden Erlässe der staatlichen Behörden durch die Gemeindevorstehungen zu erzwingen. Vielen Dank schulden die. Flüchtlinge dem Referenten der k. k. Statthallerei,' Herrn r. k. .Oberkommissär Dr. ■ Kinninoser> der mit aufrichtig väterlichem Interesse sich der Flüchtlingsfürsorge widmet. Ebenso gebührt Dank den Herren Bezifkshauptmännern und Flüchtlingsreferenten -der einzelnen Bezirke für das warme Interesse, welches sie den Flüchtlingen gegenüber stets bekunden. War schon die Fürsorge für die Flüchtlinge bei den zur Hilfe berufenen Faktoren eine rege, so wurde sie noch mehr belebt durch die seinerzeit persönliche Fürsprache des Herrn Delegierten Abgeordneten Dr. v. W eis selbe rger. Einem ihrer besten Fürsprecher, dem aufrichtigen Menschenfreunde, der jederzeit jedem Notleidenden zu helfen weiß, dem Abgeordneten Herrn Nikolai o. W a s s y l k o, haben die Flüchtlinge den Dank dadurch beendet, daß sie; anläßlich feiner Erftanlftng in 1'60 Gemeinden Oberösterreichs Betgottesdienste für die Erhaltung dessen Gesundherh abhielten. Bewundernswert ist die von Liebe und Güte stets getragene Tätigkeit des Konnteeobmannes Herrn Benedikt Schwager, welcher seine Interessen jenen der Flüchtlinge weit zurückstellt. Unverdrossen ist dieser Ohmann stets bestrebt, das Flüchtlingselend zu mildern, und je größer die Not wird, desto mehr spannt er die Kräfte an, um die bestehenden Uebel aus dem Wege zu schaffen. Seine Tätigkeit wird den Flüchtlingen ewig unver4 gessen bleiben. Nicht zuletzt gebührt Dank dem Herrn Maximilian Tandler, welcher um die Flüchtlingsfürsorge sich viele Verdienste erworben hat. Wenn die Flüchtlinge auch wissen, daß sie bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat diese verwüstet, ihre- Häuser zum größten Teil vernichtet vorsinden werden, ist es dennoch ihr sehnlichster Wunsch, möglichst rasch chren Heimatboden zu betreten. Möge dieser Wunsch nur allzubald in Erfüllung gehen. Linz>- im Juni 1917. Kiteratrrr. Tr. Alois Heilinger, Mitglied des österreichischen Abgeordnetenhauses. Recht und Macht. Das Prinzip der vier Elemente dey Gesellschaft. Zweite unveränderte Auslage. Wien 1917. Manz'sche k. k. Hof-, Verlags- und .Universitäts-Buchhandlung. 1. Bez., Kohlmarkt. Die Theorie des Rechtes als geseNschaftliche Macht, dieser Verfasser in der vorliegenden Schrift im Jahre 1869 niedergelgt hat, wirkte revolutionierend in der juristischen Welt und die hervorragend-» sten Rechtslehrer sahen sich gedrängt, zu den Ideen Heilmgers Steltlung zu nehmen. Die Lehre, daß das objektive Recht der Wilke der leitenden Kreise, das subjektive Recht der der einzelnen Person durch diese Kreise zukommende Anteil an der Macht der Gesellsschast ist, hat sich im Rechtsleben als Regierungsmarime durchgedrungen, bedeutsame, grundlegende Umwandlungen der Anschauungen auf dem Gebiete der Nationalökonomie hervorgerusen. Die Schrift, von welcher bereits in verschiedenen Sprachen Uebersetzungen eri-, stieren, ist im Buchhandel seit Jahren vergriffen, und Herr Dr. A. Eroßmann, der eine zweite Auslage veranstaltete, hat . sich ein Verdienst erworben. „Neue Jüdische Monatshefte". Zeitschrift für Politik; Wirtschaft und Literatur in Ost und West. Verlag Berlin-München. 1. Jahrgang. Heft 18, 25. Juni 1917. Inhalt: Prof. Dr. Franz Oppenheimer: Die Ideologie des polnischen Antisemitismus. — Nationale Gleichstellung der Juden in Oberösterreich. — Else Marquardsen-Kamphövener: Judentum unb Js-7 lam in Vergangenheit und Zukunft. — Dr. Z. Schabad: Sterb-

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