Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 28 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022277--26160-3051503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 463 Nr. 28 Dir. Bkochi's Wochenschrift JDiM KriegsMM. Wien, am! 13. Juli 1917.! An ditz^ „Oesterr. Wochenschrift", Wien. Wie es^'bekannt ist, sind wir seit dem> 9. d. M. nach dreijährigem DurchhalLen als Minderbemittelte mit bunten Einkauss'karten beglückt worden, darunter selbstverst!ändlich als Gleichberechtigte auch wir Juden. Nun wundert es mich, sowie ganz bestimmt noch viele andere Leidenden, warum' bis heute nirgends von Maßgebender jüdischer Seite Andeutungen gemacht werden, wie sichl die rituelle jüdische Bevölkerung.betreffs Erlangung des billigen "Fleisches zu verhalten habe. Ich glaube Mt diesem Schreiben an Ihr gesch. Blatt beit Herzenswunsch! vieler Ausdruck zu geben, wenn ich m'ir die Bitte erlaube, die „Oesterr. Wochenschrift" möge in dieser Angelegenheit maßgebenden Orts etwas veranlassen, wodurch! auch jüdische rituelle Minderbemittelte der Wohlfahrt des billigen Fleisches teilhaft werden. Für vergangene Woche sind wir dieses Benefiz verlustig. Für diese Belästigung bitte ich um' 'Entschuldigung, aber sie mußte geschehen, und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Jakob Wischn owitzer, ' XX., Treustr. 10/131 Ter „legitime" Handel und der GemHe- und Obstwucher. Durch eine Mitteilung der Polizei erfährt rnan folgendes: : i! :! 1! I ‘ [! Das Kriegswucheramt der Polizei hat nun über die Ursachen der ausfälligen Märkischen der Wiener Küchengärtner Erhebungen eingeleitet. Diese Marktscheu trat offen zutage, als die Gemeinde auf der Strecke Kagran—Floridsdorf—Wien Sondernachtzüge der Straßenbahn bloß für Gärtner einführte, um ihnen bei dem Fuhrwerksmängel den Weg nach Wien zu erleichtern; bekanntlich, fuhr aber kein Mensch mit diesen Zügen. Das Kriegswücheramt hat nun sowohl auf den Zufahrtswegen von Kaiserebersdorf und Kagran nach Wien als auch in den einzelnen Gärtnereibetrieben Beobachtungen und Prüfungen angestellt. In Kaiserebersdorf wurden 14 Gärtner und 16 Erünwarenhändler der Preistreiberei überwiesen. In Kagran haben die Erhebungen vier Fälle von Preistreiberei bei .Gärtnern und sechs Fälle bei Grünwarenhändlern ergeben. Die Amtshandlungen sind aber sowohl in Kaiserebersdorf als auch insbesondere in Kagran noch -im Zuge. Es steht also fest, daß die Gärtner die Märkte nicht beschicken, weil die Zwischenhändler, die die Ware bei ihnen holen und den! Privatkundeitz, besonders, aber Wirten, für teures Geld verkaufen, die Ware überzahlen. Die Polizei hat auch erfahren, daß die Produzenten aus dem Marchfeld; die mit den Zügen der Landesbahnen bei her Endstation Augartenbrücke eintreffen, um Obst und Gemüse auf die Wiener Märkte zu bringen, bei der Endstation Augartenbrücke von Händlern geradezu abgefangen werden, die die Waren zu übermäßigen Preisen sofort im Bahnhof auflaufen und dadurch die Beschickung der Märkte verhindern. Es wurde deshalb der Bahnhof überwacht. Man sah dann in der Umgebung der Augartenbrücke ein marktähnliches Treiben, das nach dem Eintreffen des Abendzuges um halb 11 Uhr besonders stark und von Bahnangestellten insofern unterstützt wurde, als sie die Bahnhofswage zur Verfügung stellten. Nach Abschluß der Beobachtungen wurde am anderen Tage eingeschritten. Auch ßu dem Abendzug erschien ein Polizeikomnrissär mit' zehn Finanzwachorganen. Das Ergebnis war die Arretierung von nicht weniger als 22 Personen. Es wurden im ganzen 17 Anzeigen Wegen Preistreiberei, 6 Anzeigen wegen Abhaltung vom Marktbesuch, 13. Anzeigen wegen Mitwirkung; bei diesem, eine Anzeige wegen unbefugtem Hausierhandels erstattet. Mehrere Meterzentner Weichseln und Kirschen wurden beschlagnahmt und der Marktbehörde teils auf dem Karmelitermarkt, teils in der Großmarkthalle verkauft. Bei dem Einschreiten beim Abendzug waren Mich Organe des Marktamtes zugegen. Es wurden viele Käufer, die mit Handwagen und Butten beim Bahnhof erschienen, zum Verlassen des Platzes angehalten. Ungefähr 40 Verkäufer, die sich auf dem Platze nächst dem Bahnhof wie aus einem Marfte etabliert hatten, wurden unter polizeiliche Bewachung gestellt und um 4 Uhr morgens zum Karmelitermarkt gebracht, wo sie veranlaßt wurden, ihre Waren zum Höchstpreis zu verkaufen. Das ist eine uMtliche Mitteilung, an der nicht zu rütteln ist; sie hebt nur einen kleinen Gipfel der Decke ab, unter welcher der maßlose Wucher,' unter welchem die Konsumenten zu leiden haben, getrieben wird. Wie m!an sieht, verstehen es nicht nur die „Juden", aus \ die allein die „Reichspost" den Wucher und die Teue- ' rung schieben 'Möchte, sondern auch die Mt christlichen Wiener Gärtner und die „legitimen" Händler — alles recht getreue Wähler der Christlichsozialen —. den Konsumenten die Haut Mer die Ohren zn ziehen und aus der Not des Volkes reiche Gewinne zu schlagen. („Volksbote.") Folgende Anzeigen aus einer einzigen Prager Zeitungsnummer wurden notiert: DoMäne Saar, Hartobst. OttoMar Freiherr von Kl in ge r, Kosmanos» Hartobst. Domäne Wossek bei Strakonitz. Winterobst. Meierhof Albert R i t t e r in Oberdorf bei Ko- Motau, Obst von zwei Gärten. Fürstl. Schwarzenbergsche Herrschaft Cito li t, Winterobst, ungefähr 1000 Kilogramm Aepfel, 500 Kilogramm Birnen, 600 Kilogramm Zwetschken, 40 Kilogramm Walnüsse. Domänen Kopidler und Jieinoves-Koalis- Woksis, Hartobst. R. r& H. von Slerne ksche Gutspachtung H o r o- Meritz, Hartobst. Herrschaft Walt sch, Sommer- und Winterobst. K. u, k. Gutsverwaltung Ianc, Winterobst. Und da redet Man sich aus und noch immer ein. es werde Obst-zu menschlichen Preisen geben! Gin Abgeordneter als Preistreiber. Das Bezirksgericht Neuhofen an der Krems hat beinr Abgeordnetenhause ein Auslieferungsbegehren wider den Abg. Waldl wegen Uebertretung der Preistreiberei gestellt, das Kreisgericht Pilsen wider den Abg. Pik wegen Verbrechens nach! § 63 und 64 St.-G. SsSSLü»-.. - Die rituelle Küche der SttMMeillung des Jj.-R. Nr. 24 in Freudenthiat. Seit bald zwei Monaten besteht beim Kader des Jnf.-Regts. Nr. 24 in Freudenthal eine rituelle Küche, deren Eröffnung von der Mannschaft mit unbeschreiblicher Freude ausgenommen wurde, da sie manchen liebeln ein Ende setzte und sich seither in steigendem Matze als die Quelle unendlichen Segens für die israelitischen Soldaten erweist. Die Entstehung dieser so segensreichen Einrichtung ist in hervorragendstem Maße dem energischen Wirken des Wiener Kaufmannes S. Komet zu verdanken. Als derselbe im November 1916 nach Freudenthal zur Dienstleistung einrückte, da war man noch weit vom heutigen, jedes echt jüdische Herz mit Genugtuung und Freude erfüllenden Zustande entfernt. Die Mannschaft des Jnf.-Rgts. Nr. 24 besteht nämlich zum großen Teile aus jenen Orthodoren Galiziens und der Bukowina, die wegen ihrer strengen Religiosität bekannt sind und die lieber von kümmerlich-trockener Kost leben, als sich des Genusses nicht rituell zubereiteter Speisen schuldig zu machen; mangels eines eigenen Beihauses hatten sie auch nur die Wahl, in den Unterkünften, unter den Andersgläubigen; zu beten oder das Gebet gar nicht zu verrichten. Mit den Werken Hilsteicher Nächstenliebe wohlvertraut, merkte Komet sofort des Hebels Ursache und er ruhte nicht mehr, als er die so schwierige, aber unendlich ersprießliche Aufgabe der restlosen Erfüllung zugeführt hatte. Mehr als einmal wurde er um die Bewilligung der Errichtung der Küche beim Rapporte bittlich, versuchte er alle maßgebenden Persönlichkeiten, darunter den israel. Feldkurat in Olmütz. für die Sache einzunehmen und zu gewinnen, räumte die unüberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten aus dem Wege, sprach deswegen auch persönlich beim Leiter der Verwaltungskommission des Ersatzbataillons vor und verwandte auch bedeutende materielle Mittel auf das Gelingen dieser Aktion. Bald war der erste Erfolg erzielt und als die Osterfeiertage kamen, konnte dank der entgegenkommenden Haltung des Ersatzbataillons sowie infolge, der unablässigen Bemühungen Komets die einige, hundert Mann starke Mannschaft der Stabsabteilung mit ritueller Osterkost beteilt werden. Es war nicht nur in religiö-, sem, sondern auch in hohem Grade in rein menschlichem Sinne ein hoher Feiertag für die jüdische Mannschaft, als sie sich amt ersten Sederabend in einem großen, elektrisch erleuchteten Saale, der zugleich auch als Gotteshaus diente, an langen, rein gedeckten Tischen bei Kidusch und Mazzu zum Essen setzen Drunten. Der