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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-20 · 28 (20.7.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
28 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 462 Dir. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 waren nicht die Gefangenen einer Beamtenwillkür, die ihre Unfähigkeit zu verbergen suchte durch die Entrechtung freier, loyaler und opferwilliger Bürger, die sie verschwinden lassen wollte, denn der StürgHsche Absolutismus hatte es ihnen leicht gemacht. (Rufe: Sehr richtig l) Wie eine wilde Halluzination ist mir die Erinnerung meiner Besuche im. Lager von Nikolsburg, auf denen ich von dem Wiener- Schriftsteller Emil Kläger begleitet war, der den tiefsten Anteil .an dem gesamten Flüchtlmgselend nahm. Noch steht mir der Eindruck seiner schweren Bestürzung vor Äugest. Ein Versuch Gmil Klägers, wegen des Geschauten, Furchtbaren in der „Neuen Freien Presse" Vorstellungen zu erheben, wurde natürlich von der Zensur so gründlich unterdrückt, -atz kaum ein paar abgerissene, zusammenhanglose .Sätze gedruckt werden konnten. Das Parlament war totgeschlagen, die Presse stumm und kein Laut konnte aus der Hölle dieser Verwaltung hinausdringen, die nach dem Ermessen ihrer Wilhkür, wen sie wollte, zu tüibeigenen machte. Es wäre zum ewigen Gedächtnis, wenn die Ge-, fängnistüren der Flüchtlingslager sich öffnen, die Flüchtlinge her- . zuführen und in den Straßen. der Residenz im langen Zuge, in endlosen Zügen sie zu zeigen, die gelitten haben um ihr Vaterlands damit auch jene still werden, deren eingeborener politischer Hatz nicht haltmacht vor heiligem, menschlichem Unglück. (Beifall und Händeklatschen.) Ein MtiseimMschssr Ajütrug der polüisckM Volkchartei. In einer der letzten Parlamentssitzungen brachte der Abgeordnete Banns u. Gen., Mitglieder der dem«Polenklub einverleibten polnischen Vol'kspartei, einen Antrag ein, dessen Sinn Uteistens daraus hinausgeht, die Regierung möge dem Hause ehestens eure genaue statistische Zu'sanrmenstellung> betreffend die Beteiligung der Bevölkerung au den Kriegslasten und! Lieferungen, geordnet nach) Provinzen und Bevölkerungsklaffen, mit besonderer Berücksichtigung der Bekenner . des Mosaischen Glaubens inr Verhältnis %u den Bekennern der übrigen Konfessionen nach dem Stande vom 1. Juli 1917 vorlegen. Dadurch sollen Zunächst verschiedene Klagen über die ungerechte Behandlung einzelner Delle der Bevölkerung, wie oies- A. B. letzthin seitens! -des Wgeordneten Refzes geschah, der HLebei Ms die biielen Tausenden den Heldentod ' gestorberren jüdischen SoKaten hinwies, auf ihre Stichhältigkeit geprüft werden. Der Antrag verlangt die Beantwortung nachsteherrder.,Fragen:. .l.- Anzahl der Gefallenen, 2. der in Gefangenschaft Geratenen, 3. der Vermißten, 4. der Invaliden, 5. der gegenwärtig als Verwundete gepflegten Offiziere und Soldaten, 6. die Zahl der in Etappenraum-, Frontdienst- und bei Hinterlandssorstnationen ellrgeteilten Offiziere und Soldaten, 7. die Anzahl der Enthobenen, 8. die Beträge der KriegslieferUngen. , Zu obigem' Anträge sei nachstehendes bemerkt: Der reichsvätliche Polenklüb galt bis vor kürzer Zell als das Muster eurer streng disziplinierten, wenigstens nach, außen hin nacheinheitlichen Gesichtspunkten gelelleten Parlamentspartei. Wehe dem Wgeordneten, der es'gewagt hätte, in einer ihm kroch so' wichtig erscheinenden Angelegenhell ohne Bewilligung des Klubs Anträge oder Interpellationen einzub'ringen, oder gegen den Klübbeschluß zu stimmen. Nicht einmal mußten es insbesondere die jüdischen Wgeordneten aus Galizien erfahren, wie schwer es sei, als Mitglied des' Polenklubs die Interessen ihrer fstdischeu Wähler zu vertreten. / Tempora mu tan tu r. Wie so manches, im Weltkriege, ist auch diese strenge Klubsolidarllcll allmählichzur Theorie herabgesunken, inierkvürdig genug, daß! jedoch auch diese 'Wandlung, in erster Reihe uns Juden zum Schaden gereichen sollte. Wir haben es hier mit eurer unter Mißbrauch der PaÄcfmentstribüne in Szene gesetzten Verhetzurrg weiter Volkskreise gegen die Angehörigen einer gesetzlich! .airerkannten Glaubensgemeinschaft zu tun, deren MllKieder während des Krieges unaufhörliche und hoherrorts wiederholt gewürdigte Beweise patriotischer Opferwilligst.geliestrt -haben. Es' sei vor allein festgestellt, daß die Herren Abg. Banas und Genossen Mt der Stellung dieses Antrages der offiziellen antisemitischen Partei im Abgeordneteirhause den Rang abgelaufen haben. Ob sie damit ihren Volksgenossen; gerade in diesem historischen Augenblicke einen besonderen Liebesdienst erwiesen, haben, muß die Zukunft lehren. Die Juden Müßten jedoch dem Herrn Banas und' seinen Klübgenossen vvm Herzen dankbar sein. Wir wünschen nichts, -als die Feststellung des! realen Zisfermaterials. Jawohl, Herr Abgeordneter, wir ivollen vor aller Welt all das festgestellt wissen, was sin gehren Fragen enthalten ist. Es sei uns jedoch gestattet, diesem angeblich so objektiv zusauunengestellten Fragebogen einige weitere . Fragen hinzuzufügen, so nebst vielen anderen 1. Wieviel Juden befinden sich! unter den vom Heeresdienst enthobenen Beamten der staatlichen, Laudes- und städtischen Behörden in Galizien? 2. Wieviel Juden befinden sich unter den ebenfalls enthobenen Beamten der halb' amtlichen Anstalt zur Erhebung und GutMachustg von Kriegsschäden (mit dem Sitze in Krakau), wieviel jüdische Beamte zählt diese Institution überhaupt? /!3.! In welchem Ausmaße hat sich die jüdische Bevölkerung im Verhältnis zur übrigen an den bisherigen Kriegsanleihen, ferner -an den Spenden für Kriegs fürsorgezwecke u. dgl. beteiligt? . . 4. Wie'viel Juden wurden im Lause der drei Kriegsjahre wegen.Verbrechens der Spionage, Hochverrat u. dgl. - verurteilt, wieviel Juden endlich als politisch verdächtig interniert? Hoffentlich! werden die jüdischen Mitglieder des Polenklubs das ihrige, dazu beitragen, damit gelegentlich der Beantwortung des Antrages Banas und Genossen seitens-der Regierung auch obige Zusatzfragen chrer Erledigung Angeführt werden. Wir bllten uM Wahrheit und! authentische Ziffern, davor bängt uns aM allerwenigsten. - Veritas. . RafseMefLNWNheit bei der Rekloratswahk.. Schweizer Blätter/Melden: Vor. kurzem ist zum Rektor für das. nächste Studienjahr an der Wiener Nniverflläl Professor Dr. Hans Horfl;Mayer gewählt worden, der den Ruf hat, der bedeutendste Pharmakologe der Welt zu fein. Während! sich! sonst die Rektorwahlen für die Universität als! reine Formalität in aller Rühe abzuwickeln, pflegen, gingen der diesmaligen Wahl lebhafte und peinliche Auseinandersetzungen voraus. Diesmal hatte die medizinische Fakultät den Rektor zu stellen, und Hans Horst MaY erwar von dem medizinischen ProsessorenkollegiuM einstimmig aufgestellt worden. Als nun bei der Wahlsitzung dieser bedeutende 'Gelehrte reichsdeutscher'WstimMung vorgeschlagen wurde, erhoben (zur allgemeinen Ueberraschung Herren von der philosophischen und theologischen Fakultät Einspruch und erklärten, die Wahl Mayers wäre nicht ratsam, da er nicht rein arischer, sondern großviLte'rlichersells semitischer Abstammung fei. Trotz des erregten . Widerspruchs der Mediziner, welchensich auch die Meisten Juristen am , schlossen, wurde tatsächlich beim ersten Mahlgang Prof. Wagner-Jauregg gewählt. Dieser lehnte selbstverständlich die Wahl ab; es 'bedurfte dann üben noch eines zweiten und dritten Mahlganges/.uM Ha n s H o r st .Mayer als Rektor hervorgehen zu lassen. . In Wiener Gelehrtenkreifen hat das absolut untraditionelle Vor- . - gehen einzelner Herren bei dieser-Rektorenwahl peinliches 'Befremden hervvrgerufen, und es ist möglich,, daß noch ein. akademisches Nachspiel erfolgt.

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