Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 27 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Gene 451|| Nr. 27 £tr. Bloch'S WoHenfchrift Anerkennung zu empfangen. Wir sind demnachin die- . fern Artikel sehr Zur Genügsamkeit erzogen worden. — Aber deshalb keine Anklage. .Doch kehren wir wieder zu den Unterrichtsfragen zurück: Was uns im Unterrichte die 'Hauptsache zu sein schien, das war: gründliche Kenntnis der Geschichte unseres Volkes, und ihrer Quellen. Gerade in diesem Fache haben unsere Volksgenossen älterer Generation gerade lUjCfjit Hervorragendes geleistet. An der Hand der Geschichte lassen'sich aber sehr leicht andere Disziplinen unseres Religionsunterrichtes behandeln. Die Geschichte unseres Volkes war gleichsam der Brennpunkt, von dem aus wir alles, was das Judentum von uns verlangt, betrachteten. Von -der ersten bis zur achten Klasse des Gymnasiums verfolgten wir sie in aussteigender Richtung, dem jeweiligen Gesichtskreise der Schüler gemäß. Ausblicke werfend auf die Entwicklung unseres Volkes unter den verschiedenartigsten Umgebungen und mannigfaltigsten Verhältnissen. Dankbar gedenken wir der Aufmerksamkeit der Schüler, die den Ausführungen des Lehrers willig folgten. Oft mußten wir zu dieser Willigkeit die Schüler erst erziehen, machten aber die befriedigende Erfahrung, daß die meisten der Schüler dem Vortrage mir Interesse folgten. Und daß wir auch bemerkenswerte Resultate auf diesem Gebiete erzielten. Warum sollten wir in allzuweit getriebener ° Bescheidenheit dieses Bekenntnis nicht ablegen? Diese innere Befriedigung gilt uns mehr als die Anerkennung Fremder. Ein anderer Gesichtspunkt leitete uns bei unserem Unterrichte, dem wir am besten wohl Ausdruck 'verleihen mit den Worten eines der größten Denkers des vorigelt Jahrhunderts. Es ist Ludwig Feuerbach, der den Satz prägte: „Das Beste, was der Mensch zu leisten 'vermag, besteht nicht, in dem, was er tut. sondern in dem, was er in edlen und tüch!- tigen Geistern anregt." Es war unser Bestreben, anregend auf die Geister der Jugend zu wirken, und mag sie auch nicht immer Mer tüchtige Geister verfügen, so sind sie' doch zugänglich, gleichen dem Acker, der das Samenkorn willig aufnimmt. Wir haben nach dieser Richtung keine schlechten ' Erfahrungen gemacht. Unsere Schüler interessieren sich für alle Fragen des Lebens, wenn nlan es nur versteht, dieses Interesse zu ermecken und wach zu halten. Trockene Formeln tun es nicht,, man komme ihnen auch nicht mit ödem, grammatischem Kram oder mit salbungsvollen Sittentehren. Wie sagt und singt Abraham ibn Esra: O dringt nicht in den gehn Jahr Alten Mit Sittenlehren, klugen, kalten; ■ Genug noch lernt er Zucht im Leben, ' Jetzt möge Sanftmut ihn erheben. Nach unseren Erfahrungen ist es notwendig, die Lehren unseres Judentums, unsere Geschichte und unsere Literatur Mit den gleichen und ähnlichen Lehren und Erscheinungen anderer Völker und Bekenntnisse in Vergleichung zu bringen, zu zeigen, wie sich auf den verschieoenartigen Denkgebieten immer dieselben oder ähnliche Vorgänge wiederholen.: Die vergleichende Religionswissenschaft gibt uns mannigfaltige Mittel an die Hand, das Denken der'jungen Leute anzuregen und insonderheit hatzulegen. wie unsere Religion nicht isoliert dasteht, vielmehr als ein herrlicher, fruchttragender Baum prangt im wunderbaren Garten der Menschheit. Auch unser Zeremonsalwesen, als ein Ring in der großen Kette der religiösen Entwicklung aufgefaßt, kann, so sehr dies auch von manchem geleugnet wird, Gegenstand besonderen Interesses werden, selbst für Schüler, die ihm vielleicht schon etwas ferner stehen. Denken wir nur an die Erklärung unserer Festzeiten. Wie jeder Religionslehrer' weiß, ist dies ein schwieriges Kapitel. in unserer Zeit, in der-unsere Feste —’ nicht gefeiert werden. Und doch bekommen sie sstr unsere Schüler erst ähre richtige Bedeutung. wenn wir sie nicht nur geschichtlich erklären, sondern sie auch in Zusammenhang bringen mit den natürlichen und astronomischen Vorgängen, mic Tag- und Nachtgleiche und den Sonnenwenden. „Den Sinn in klare Worte kleiden," die goldene Regel von Salomo ibn., Gabirols „Lebensweisheit", leuchtete uns im. Unterrichte immer voran, nichts Geheimnisvolles, nichts Abstraktes, nichts Unverständliches lehren, war immer unser Ziel. Und wie sagt Gabirol weiter: i „Die Erde als den Weg betrachten, Der in das wahre Leben führt, Die Sternenwelt als Schmuck beachten, Womit die Ewigkeit sich ziert." Das war der Grundsatz, der uns leitete, wenn wir unsere Sittenlehre vortrugen. Es geschah dies an der Hand des besten aller Religionsbücher, der Bibel. Daher wurden nur jene Kapitel des Buches aller Bücher von uns gelesen, welche die.ewigen Grundsätze des sittlichen und sozialen Lebens enthalten. Soweit es notwendig war. wurden die häufigst vorkommeudeu Erscheinungen der Grammatik besprochen, aber das Hauptgewicht wurde aus' die Erfassung des ethischen Edelgehalts der Bibel gelegt, vom Baum des Lebens selbst sollten dessen goldene Früchte gepflückt werden. Wir ließen es uns viele Mühe kosten, unserer Jugend. Ehrfurcht vorunserer einzig dastehenden Literarur. vor den Helden und Heldinnen unserer Geschichte, vor unseren Denkern und Dichtern, Pro- - pheten und Priestern einznslößen und. warum es leugnen, unsere Mühe war doch nicht so xesulatlos, svie sie der katholische Kollege in pessimistischer Anwandlung schilderte. Und es waren uns die liebsten .und .schönsten Stunden, wenn wir von der Jugend mit Fragen bestürmt wurden und sich eine regelrechte Wechselrede über diese Fragen entwickelte, die nicht selten. zur Klärung suchte, aber auch Manche 'Anregungen darbot. Wir besitzen Zuschriften von ehemaligen -Schülern, die darum, daß die^im Religionsunterrichte gepflanzte Saat zur schönen Frucht reifte und die in ihm gegebenen Anregungen im späteren Leben weitere Kreise zogen, s Welche Anerkennung, Belobung könnte dieser an die Seite gestellt werden? Großes Gewicht legten wir auch auf die Vorträge im Gotteshause. .Auch hier ist manches Körnchen aus keinen steinigten Acker gefallen. Es war schwere Arbeit zu leisten. Manche Widerstände, und nicht allein von seiten der Schüler, waren zu überwinden. Das ist ein Kapitel, über das viel zu sagen wäre, und das besser im Interesse der Sache im stillsten Herzenswinkel verborgen bleibt. Denn wir schickten es voraus: wir wollen niemand unklugen oder herabsetzen. Es genüge, zu bemerken: wir fanden gerade aus diesem Tätigkeitsgebiet wenig Unterstützung. dafür viele Hindernisse und uns in den Weg gelegte Schwierigkeiten. Auch diese Zustände besserten sich in den letzten Jahren. Die Jugend folgte dem Lehrer aus dem von ihm gewiesenen Pfade und so blieb auch diese Arbeit nicht ganz resultatlos. Ein Lob 'der früheren Zeiten vermögen wir. wenn wir noch einmal aus den zurückgelegten Lebensabschnitt blicken, nicht anzustimmen. Es würde jedoch im Religionsunterrichte, wenn nicht alles, so doch vieles besser, und mit gutem Gewissen können wir sagen, daß wir guten Willens > waren, nach Gabirols Worten zu wirken: Zu schaffen treu im kleinen Kreise, Wie still der Keim im Erdengrund, Auf daß erblühe sicher, leise, ü Was Du vertraut der treuen Stund.; * Das ©ute, Wahre nicht erstürmen Und nichts verachten, rveil es alt; i/ - Und Höhen nicht auf Höhen türmen, Koloß zu werden mit Gewalt. Am Schlnßtage des Schuljahres 1917. D-r. M. Grünfeld.