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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-13 · 27 (13.7.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
27 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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<&tiU 446 Nr. 27 Tr-. Bloch's Wochen schirrst Bevölkerung der Monarchie mit der Bitte, angesichts der notwendigen Vorarbeiten für die Feiertage' durch Gfld- oder Bücherspenden die Bestrebungen des Landeskomitees tatkräftig .zu fördern.« Sendungen werden erbeten-an eineder folgenden Adressen: Direktor Jacques Brichta/III., Esteg. 6; Rabbmer,Dr.- M. G runiv ald, II., Ferdinandsstraße 23; Hofrat Dr. Julius Schlaa, II., Obere Donaustraße 109; Rcichsratsrevisor Taustig, II., Zirkusg. 33. Alustiebuna der Mischen Flüchtlingslager. Die von uns nach einer Mitteilung des Herrn Abgeordneten Reizes gemeldete Aufhebung der jüdischen Flüchtlingslager foirdmi nahezu an erlösender Kraft einenr Allerhöchsten Amnestieerlast gleich. Denn die Leiden der jüdischen Flüchtlinge in einzelnen Barackenlagern waren himmelschreiend und die Aufhebung derselben must von jedem Menschenfreunde mit innigster Dankbarkeit begrüßt werden. Tagesblätter melden von einem „Zwischenfall im Flüchtlingsausschuß" des.Abgeordnetenhauses. Jnr Flüchtlingsausschuß, so heißt es in dem Bericht, ereignete sich ein aufregender Zwischenfall. Es wurden die Zustände in den Barackenlagern besprochen, wobei die Redner w aufregende Schilderungen gaben, dast der italienische Sozialdemokrat Abgeordneter Pittoni. sonst ein Muster von Besonnenheit und ZurmHaltung, in einen Zustand höchster Erregung, geriet, „mit den Fäusten auf den Tisch zu trommeln begann und sich in Worten schärfster Kritik gegen die anwesenden Regierungsvertrei er wendete": Pitton.r war so erregt,, dast ihn ein Schwindel befiel; er mußte aus dem Saale, gebracht werden. Er erholte sich dann wieder, nachdem er gelabt worden war. Die „Arbeiter-Zeitung" fügt dieser Meldung hinzu: . Aber viel interessanter als die Ohnmacht des Abgeordneten Pittoni sind die Tatsachen selbst, die im Ausschuß erzählt wurden. Man beriet schon seit gestern darüber, wie man die Erlässe über die Flüchtlingsfürsorge in ein Gesetz umwandest könnte damit die Flüchtlinge mehr Recht genießen und auch der Staatsbeitrag erhöht werde, während der Staat bisher bloß „freiwillig" Beiträge zu leisten. behauptete. Bei «dieser Gelegenheit iwurdei von verschiedenen Seilen die Lage der Flüchtlinge geschjlsoert. Namentlich Graf Lasocki erzählte schreckliche Tatsachen, wie auf einmal hunderttausende Flüchtlinge nach Westen geschoben wurden, wie die Zioilbehörden von dieser Maßregel der Militärbehörden gar nicht verständigt wurden und wie sie im. letzten Augenblick ganz ratlos waren. Eine Unterbringung, war nicht möglich, für Kleider und hygienische Vorkehrungen in den Lagern ebensowenig wie auf der Reise. Graf;Laso cki erzählte, wie zum Beispiel im Flüchtlingslager in Wag na bei Leibnitz in Steiermark eine entsetzliche Sterblichkeit der Kinder und Greise die Folge war: cs sind dort bei einem durchschnittlichen Jahresbelagraum im Jahre 1916 von 12,600 Flüchtlingen nicht weniger als 2600 begraben . worden. Jn> Chotzen 'in Böhmen wieder waren die Zioilbehörden so plötzlich überrascht und so uneingeweiht in die Tatsachen, daß sie in ihrer Angstvor der Einschleppung von Flecktyphus in ungeheizten Lokalitäten die Mädchen und Frauen sich entkleiden ließen; männliche Friseure, da es dort keine weiblichen gab, mußten den jungen Frauen die Schamhaare rasieren (als ob der Flechyphus in den Haarläusen und.-nicht in den Kleiderläusen seinen Träger hätte), die Frauen bekamen hysterische Anfälle...... - . Zwei Tage lang dauerten schon die Schilderungen, eine schrecklicher als die andere. Genosse P i t t o n i, der wirklich einer der ruhigsten Männer ist — hat er doch schon. Arbeiterelend" von Jugend auf genug gesehen! —, verlor plötzlich die Fassung. Er schrie: „Wer sind die Schurken! Das ist. schon -zu viel, wie (man uns martert!" Dann bekam er einen ^Herzkrampf und mußte hinäusgeführt! werden. Aerzte gaben ihm Umschläge und Injektionen, bis sich sein Herz ein wenig beruhigte. Wir haben bereits von dem Anträge des Abgeordneten Reizes Notiz genomvlen, die Regierung aufzufordern, eine Untersuchungbehufs Feststellung einzüleiten, welche Behörden für die widerrechtliche Einschränkung der persönlichen Freiheit und Freizügigkeit der Flüchtlinge verantwortlich sfnd. . Es wäre aber überdies dringend notwendig, auch jene Agenten und Geschaftelhuber. — leideru sind.«-es Juden —, welche die Not der in peil Barackenl a g e r n. c i n g e f ch loffenen F l ü ch t l i u g e gewinnsüchtig allsgebeutet haben, zur strafgerichtlichen V e rau tw o rtlichkeit zu zieh en. Ferner sollte man die Vorgänge in den Jnterniertenlagern beobachten und jenen Personen auf die Finger sehen, welche die Notlage der Konfinierten und Internierten gewi u n s ii: ch t i g a u s b e u t e n. Wie es in den Mitentiönmgskaigern. zügelst. Die. Abgeordneten Skaret und Genossen haben an den Minister des iJnnern folgende Interpellation gerichtet: Jll dem Internierungslager in Markt bei Waidhofcn an. der Thaya befinden sich derzeit etwa 1300 Zivilinterniertc, Männer, Frauen und Kinder russischer Staatsangehörigkeit, die bei Ausbruch des Krieges auf der Durchreise begriffen, seit drei Jahren dort festgehalteil werden. Waren die Zustände in diesem Lager-in den ersten Zeiten des Krieges rakfy halbwegs erträglich, so müssen sie jetzt seit Jahresfrist als unmenschlich bezeichnet werden. Abgesehen davon, dast den Internierten jede Bewegungsfreiheit genommen ist, läßt die Verköstigung dieser armen unschuldigenOpfer alles zu wünschen übrig. Obwohl auf der gemeinsamen Konferenz des Roten Kreuzes in Stockholm! festgelegt worden ist, daß die Verpflegsgebühr pro Person und Tag 51. 1.80 zu betragen habe, so kann doch, der Preis für die int Internierungslager in Markt gegebene Verpflegung mit höchstens 80 Heller für den Tag beMesfen werden. Das'.'kommt wohl auch davon, dast der Kaufmann Fürst von Waidhofen an der Thaya Menageverwalter und Lieferant in einer Person ist. Alle dagegen bis jetzt erhobenen. Einwände bei der Bezirkshauptmannschast Waidhofen blieben erfolglos. Als auf wiederholtes Verlangen eine. MenagekoNÄnission aus den Internierten endlich eingesetzt worden war, hatte'Man nichts Eiligeres'zu tun,, als diese Menagekommission, noch ehe sie ihre Tätigkeit beginnen konnte, in -das Jnternierienlage,r in Drosendorf abzuschicken. Die elenden Verköstigungsverhältnisse blieben dieselben.. Die Stellung des Kaufmannes'Für st in diesem Lager ruft bei allen Internierten.' nur die eine Meinung hervor, dast er der ausschließliche und uneingeschränkte Machthaber über dieses-Lager ist und über der Bezirkshauptmannschast Waidhosen a. d. Thaya steht. Die Verköstigung der Internierten in Markt besteht: aus ab gekochtem^ schmutzigem Wasser, das man nach Belieben entweder Tee oder Kaffee nennt, samt einem Stückchen Zucker. Zu Mittag, aus einem sogenannten Russen samt etwas Kraut und' 18 bis 20 Dekagramm Brot; letzteres bleibt häufig ganz aush 'Die4Entkräftuitg dieseT schmldlosen Opfer ist so groß, dast sie v>ielf'achan H ung er elend zu gr un de ge he n. Dazu kommt, dast die hygienischen Verhältnisse in bezug auf körperliche Reinigung innerhalb der total verlausten Unterkünfte alles zu wünschen übrig lassen. Angesichts dieser geradezu h e r a u s f o r d e r n d c n, n n m e n s ch - lichen^Zustände, denen schuldlose Frauen und Kinder ohne jeden vernünftigen Grund hingeopfert,,werden, ohne daß sie die Atöglichkeit haben, sich dagegen wehren zu können, wird der Minister des Innern gefragt, ob er be- Mit ist!, eine strenge Untersuchung! gegen die Schuldtragenden im Jnternierungslagsr in Markt einzüleiten und-im Dienste der Menschlichkeit das- Leben dieser schuldlos Internierten erträglicher' zu gestalten. '

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