Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 27 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Niger 1× ep/1824046
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Tr. BlochS Wochcnschrttt Sette 445 Nr. 27 an meinem Ehrenschilde kein Makel zu finden sein wird!! Ich habe keine Gefahr gescheut, ja ich war bisweilen unvorsichtig, daß ich mitunter in der Stellung herumging, ohne mich ein wenig zu decken, das mutzte ich aber, denn wo bleibt das Beispiel für die Mannschaft? — Jetzt sehe ich, daß meine gottselige Mutter, richtig schriebst Du, meinen Schritten behütend folgte. —^ Geld brauche ich vorläufig nicht, da ich monatlich 100 Lire bekomme, davon werden wohl für die Offiziersmenage täglich L. 2.10 abgezogen, auch mutz ich mir alles, von der Wäsche augefangen, neu besorgen. — Ich bitte nur noch um die Adresse einer meiner Onkels oder kan-er aus Amerika, Jusius Adresse, ebenso werde ich Marie schreiben. - Ich bin gesund. — Wo ist Bubi? — Hier bleibe ich blotz 14 Tage, dann geht's weiter. — Kuß. Dein treuer Sohn. P. S. Mit mir ist auch unter anderen: Leutnant Sommer, Oberleutnant S t o r f e r. _ Kegen den Antisemitismus. Eine ENtWlieWng des Arbeit erratcS. Die Versammlung des Arbeiter- und Soldatenrares hat. eine' Entschließung, betreffend beit K a nt* p f g ege it deit Antise mit isMus angenommen. . In der Entschließung wird die gegen die Israeliten gerichtete Bewegung getadelt und darin eine Gefahr für die revolutionäre Bewegung erblickt: /Die gesamte Demokratie^ wird zur tatkräftigen Bekämpfung aller Versuche einer antisemitischen Hetze sowie zur Unterdrückung jeder Propaganda dieser Art aufgefordert. Desgleichen hat die provisorische Regierung beschlossen, alle Dokumente des BieilisprvzesseÄ von Kiew nach Petersburg zu schassen. Aus Befehl des. Jnstizministe- . rinins werden die Akten revidiert, um die Urheber des RituBmvrdfkandales zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. _ Saööatruhe und Sonntagsruhe. Die russischen Handelsanaestellten haben in Moskau auf, ihrer, Versänkmlüng. im Gegensatz, zu der von Warschau beschlossen, daß der Sonntag für Christen -der Ruhetag sein soll, dagegen für Juden und Mohammedaner Sabbat, bezw., Freitag. AerjAusschluß derMenegaten aus den Gemeinden. Die „Jüdische Rundschau" meldet aus Petersburg: Oie aus den Vertretern aller jüdischen Parteien, Organisationen und Synagogen zusammengesetzte Organisation zur Festlegung der Grundprinzipien für die Schaffung einer einheitlichen Gemei n.de Organisation in Petersburg hielt ihre erste Sitzung ab. Das einleitende Referat hielt dey Vertreter der Zionisten, S. K. G e p s t e i n. Der Redner gab der allgemeinen Ueberzeugung Ausdruck, daß die neu zu schaffende Gemeindeorganisation nicht einen konfessionellen Charakter tragen dürfe, sämtliche Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung der Stadt umfassen und jeden Juden als Mitglied aufnehmen müsse, der sich nicht offiziell vom Judentum losgesagt hat. Eine Debatte rief die Frage der Zulassung der Renegaten zur Gemeindewahl hervor. Der Referent bezeichnete die Renegaten als aus der jüdischen Gemeinschaft Ausgeschiedene und sprach ihnen daher das Recht ab, in der Gemeinde zu verbleiben. Die Vertreter der 8. 8. und des »Bundes*, beantragten dagegen die Zulassung der Renegaten, falls sie sich als Mitglieder der jüdischen N a t i o n bezeichnen wollen. Einen ähnlichen Standpunkt vertrat auch S. Niger, der zwar nicht allen Renegaten, aber denen, die aus rein religiöser Ueberzeugung ihre Konfession geändert haben und dabei ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Nationalität bewahren wollen, das Recht zu gewähren beantragt, in der Gemeinde zu bleiben. Diese Verteidigung der Renegaten rief die Entrüstung der anderen Teilnehmer hervor. Gegen die Behauptung des Vertreters der S. S., die Zulassung der Renegaten sei eine logische Folge des nationalen Charakters der Gemeinde, trat schroff der ehemalige Führer der 8. 8., B a r t h o 1 d i (Laazki), auf, der vor kurzem aus dieser Partei ausgeschieden, ist und sich der demokratischen Vereinigung abgeschlossen hat. Mit einer überwiegenden Mehrheit wurde die von den Zionisten vorgeschlagene Resolution angenommen, die die Zulassung der Ren egaten in die Gemeinde ablehnt. Dieselbe Frage erregte die Gemüter auch auf der Sitzung einer ähnlichen Gemeindeko mm ission in Moskau. Auch dort waren es die Vertreter des »Bundes« und der 8. 8., die als Garantie für den unkonfessionellen Charakter der Gemeinde die Zulassung der Renegaten verlangten. Ebenso wie in Petersburg gelang es ihnen auch in Moskau nicht, ihre Forderung durchzusetzen. Selbst die Vereinigung der sozialistischen Parteien wollte diese Forderung nicht verteidigen. Der Vertreter der Poale-Zion und der Vertreter der Sejmisten schlossen sich den anderen jüdischen Parteien an und mit einer überwiegenden Mehrheit wurde eine Resolution gefaßt, die der Petersburger analog ist. Die Amnestie. Nach einer Meldung der „Reichspost" haben die christlichsozialen Führer, die Abgeordneten Hauser und Fink, in ihrer letzten Besprechung beim Ministerpräsidenten Dr. von S c idle r jauch verlangt. daß die Amnestie auch jenen bisher Unbescholtenen, die während des Krie- . ges wegen geringfügiger Ursachen gerichtlich abgestraft wurden, wenigstens bezüglich der Rechtsfolgen zute'l werde. Wir möchten uns die ergebene Anfrage erlauben, ob diese Gnade bloß christtichsozialen Parteigenossen zugute kommen soll? Sesterreichisches Landeskomitee vom „Roten Moaen DVVw". Aus dein Arbeitsbericht, den der Geschäftsleiter des Komitees i. E. Herr Rabbiner Dr. Grunwald am 25. Mai d. I. den Komiteemitgliedern vorlegte, ist zu ersehen, wie notwendig die Gründung dieser österreichischen Zweigstelle der Schweizer Zentrale, vom ..Roten Mögen David" war. Unablässig liefen ans den Kriegsgefangenen- und Jnterniertenlagern sowie von Konfinierten in der Monarchie bei der Wiener Geschäftsstelle (2. Bezirk, Ferdinandsstraße 23) Bitten oder Beschwerden ein, deren wunschaemäße Erledigung zum großen Teil gelang. Meist handelte es sich um-die Beschaffung ritueller Sveisen und von Kultusaegenständen sowie von Lektüre, die das Komitee znM Teil auf eigene Kosten, zum geringeren auf die der Besteller besorgte. Zu Sukkoth vorigen Jahres lieferte die Schweizer Zentrale eine Anzahl Feststräuße. Am vergangenen Pessach wurden 2500 Kilo Mazzoth gleichfalls aus der Schweiz bezogen. Es waren etwa 5000 Personen zu beteilen. Angesichts der in diesem Jahre obwaltenden besonderen Schwierigkeiten der Pessachkostbeschafsung verdient rühmende Erwähnung die Leistung des Wiener ..Fürsorgekomitees für russische Zivilinkernierte". welches dem Landeskomitee zuvorkommend in der Durchführung seiner Aufgabe wertvolle Hilfe angedeihen ließ. Uelber den Verbleib und das Befinden von Kriegsgefangenen und Internierten in der.Monarchie wurden von ihren Angehörigen in der Heimat an das Landeskomitee Anfragen gerichtet. Die zur Beantwortung erforderlichen Erkundungen erfolgten vielfach durch Vermittlung des ..Patriotischen Vereines vom Roten Kreuz".. Herr Beta Fischer, israelitischer Seelsorger beim Roten Kreuz, und die Herren Feldirabbiner, m deren Svrenael Kriegsgefangenen- oder Jnterniertenlager sich befinden, gingen in dankenswerter Weise an die Hand. Neben diesen Arbeiten, die sich aus das Gebiet der Monarchie erstreckten, lief varallel die Fürsorgetätigkeit für österreichische und ungarische Kriegsgefangenen und Zivilinternierte in Italien und Rumänien. Das Komitee konnte bald Ritualien (Tefiltin und Zizith). bald Geldbeträge liefern, bald mit Unterstützung unseres Auswärtigen Amtes Auskünfte erteilen. Unter den Spenden. die für unsere Kriegsgefangenen in Italien entliefen. ist auch eine Vom Roten Kreuz zu verzeichnen. Der Bericht wendet, sich zum Schluß an die jüdische