Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 27 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022276--26139-3051481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 27 Dr. VloiH's Wochenschrift Seite 443 — manche Von Ihnen fast freiwillig — in den Tod gegangen. Als es bei einem unserer galizischen Regimenter zn wanken begann/ da liefen die-jüdischen Telephonisten nach Bergung ihrer Kistchen unaufgefordert mit der blanken 'Waffe dem Feinde entgegen, die meisten kamen nicht wieder. -Vom galizischen Jnf.-Reg. sind während der -letzten Jsonzoschlacht 5 Offiziere gefallen — samtliche Juden. Der Regimentskommandant Oberst Fd . . - sagte Mir wörtlich!, „alle fünf sind Helden, vor denen nran sich in Ehrfurcht beugen muß, wie über-. Haupt alle Ihre Glaubensgenossen bei meinem Regimeitte." Die Namen dieser braven Offiziere seien zum ruhmvollen Gedächtnis verzeichnet. Es waren dies die Leutnants Heinrich! P otl ak, Adolf Aksel r a d und Viktor Schulhof, die Fähnriche Josef Schöke und Elias Sch Muck. Von den anderen Truppenkörpern sind noch, keine Berichte eingelaufen. lieber die Haltung der jüdischen Offiziere und Soldaten äußerte sich Oberst Hermann F. . , vom. Jnf.- Reg. : „Sie hielten sich Wer alles Lob erhaben." Aehnliche Aeußerungen liegen auch von anderen hohen militärischen Persönlichkeiten vor. (Was sagt dazu die „Reichssvost", was der Abg. Jerzabek (et Consorten), der die auf genauen 2ß n ga b e n f u ß e n - den Ausführungen des Abgeordneten Reizes vergebens abzuschwächen versuchte? Anmerkung der Redaktion.) Zum Schlüssesei noch eine Feier geschildert, die bisher, nur selten in unserer Armee vorgekommen fein dürfte. Unser wackeres Infanterieregiment veranstaltete hart an der Front einen Dankgottesdienst aus Anlaß des glücklichen Verlaufes der zehnten Jsonzoschlacht. Das ganze Regiment ohne Unterschied des Glaubens, alle Offiziere mit dem Brigadier W . . an der Spitze waren versammelt. Nachdem >der katholische Regimentskurat euren Gottesdienst ‘mit Predigt abgehalten, verrichtete ich ein Dankgebet mit daranschließender Ansprache, zum Schlüsse sprach der ReginrentskoMmandant Oberst F ... Es war ein erhebender Moment in dieser schweren Zeit. Vielte ichit wird die Verbrüderung an der Front eine neue glückliche Aera in Oesterreich anbahnen. Mir persönlich geht es nicht besonders, die letzten Ereignisse haben meine Nerven hart niitgenoMnten', aber ich mag mich meiner Brüder halber', die ich inftüer Mehr lieb gewinne, nicht wegmelden. Es heißt weiter durchhalten. Viele Grüße cm Dich intb alle unsere Freunde dort. Beiliegend eine Photographie, darstellend einen jüdichen Feldgottesdienst unter meiner Leitung. H." Goldene Iapserkeitsmedaiü'e — nach dem Jode. Sigmund Blau, Schuhmacher tit Miskolc, erhielt, wie „Egyenlöseg" berichtet, vom . Kompagniekommando des Hon'vedinfanterieregiments Nr. das nachfolgende, äußerst bezeichnende Schreiben: „Sehr geehrter Herr'! Ein sehr trauriger und schmerzlicher Umstand veranlaßt mich,' Sie mit meinen Zeilen aufzüsuchen.. Die traurigste Pflicht, das schmerzlichste Gesühl ist es, >glailbe ich, wenn Man einen Vater und die nächsten Angehörigen davon verständigen Muß, daß sein gebebter Sohn, unser liebster K'aMerad Josef B iro, Fähnrich, aus demuFelde des Ruhmes für unseren König und für das Vaterland, Mit aufopferndster Tapferkeit kämpfend, den H e l d a n to d gestorben-ist. ' - Dies Ihnen zu berichten, schmerzt mich micht nur deshalb, weil ich weiß, welch Liefen Kummer Ihnen diese Paar Zeilen bereiten, sondern auchdeshalb, weil während der sechs Monate, wahrend welcher er mir zugeteilt war, sowohl ich als auch die übrigen Kameraden ihn lieben, schätzen lernten, Glicht wie ein Kamerad den andern, sondern wie Brüder einander zu lieben vflegen. Ich sollte Sie trösten, aber ich vermag es nicht, denn auch wir bedürfen des Trostes: war er uns doch so lieb. Gemeinsam kann uns nur der Gedanke trösten, daß er, für uns alle kämpfend, für das Wohlergehen unser aller sich schlagend, den Tod auf jenem! Platze fand, er seine Seele dort aushauchte, wo sein Andenken von ewiger Glorie umgeben ist, wo die tränen Hunderttausender die kleinen Hügel begießen, die unseren großen Heldin decken. Am 8. März, vormittags 11 Uhr, 14 Minuten, als er seine kleine Truppe zum Sturm führte, in die feindlichen Stellungen einbrach, auf der Spitze, des Marosberges, traf ihn die unerbittliche, mörderische Kugel, die seine linke Lunge durchbohrte. Während seine sachkundigen Honveds die anderen verbanden, feuerte er sie mit dem Rufe: „Vorwärts, Kameraden, das erste, ist die Pflicht!" zu weiterem edlen Kampfe an, wodurch es gelang, eine wichtige Höhe Mit geringen Verlusten dem Feinde zu entreißen. Nach seiner Verwundung ließ 'ich ihn sofort auf den Hilfsplatz tragen, von dort wurde er ins Divisionsspital gebracht und wir dachten schon, daß es sich um eine schwere, aber heilbare Wunde handle, als ich gestern vom Regimentskommando von der schmerzlichen Tatsache verständigt wurde, daß unser geliebter, guter Kamerad im Divisionsspital sanft entschlummert ist. Möge Ihnen der gütige Himmel Trost für Ihre schmerzhaste Wunde spenden. Wir alle beweinen, betrauern unseren verlorenen besten Kameraden. Ich will um; noch bemerken, daß ich den armen Jungen für sein hervorragend tapferes und heldenmütiges Verhalten für die Auszeichnung mit der goldenen Tapferkeitsmedaille in Vorschlag gebracht habe, welchen Vorschlag sowohl mein Bataillonswie auch mein Regimentskommando mit der größten Anerkennung und wänvsten Befürwortung weitergeleitet haben. Unsere aufrichtige Teilnahme wiederholend. Emil. Ho ras m. p., Kompagniekommandant, Desider Bedto-dißr u:>. p., Fähnrich, Franz Atexi m. v., Ladislaus Pantnt a nr. p." Nach dem Jode ausgezeichnet. Dem vor denk Feinde gefallenen Schlitzen Salauwn Distenfeld wurde die bronzene Tavferkeitsmedaille verliehen. Ärtur Sternfchein. Am 19. Juni l. I. fand ans denk Felde der Ehre den Heldentod der 19jährige Einj.-Freiwillige Artur Sternfchein, te; Sohn des Obmanres der Chewra- Kadischa in Linz Herrn Albert Stern schein. Der Gefallene war ein talentvoller Junge, der zu großen Hoffnungen berechtigte. Nachstehend das Schreiben, welches dem Vater des Gefallenen zuging: - Im' Felde, 24./6. 1917. Geehrter Herr Sternfchein! Nach schweren Kämpfen tritt an mich die traurige Pflicht heran, Ihnen Mitteilen 311 müssen, daß Ihr heldenmütiger Sohn am 19. Juni-1917 im Kampfe für das Vaterland gefallen ist. Jung, vielversprechend und mit den schönsten Charaktereigenschäften ausgestattet, war er das Muster eines braven Soldaten und infolge seiner Gutmütigkeit, Bescheidenheit und sehr guten Verwendbarkeit selbst in den schwierigsten Lagen sowohl bei den Offizieren als auch bei der Mannschaft der Kompagnie sehr beliebt. , . Tapfer -und schneidig bewährte er sich als eine? 'meiner besten Patroüillewkommandanten und erwarb sich hiedurch nicht nur, wiederholtes Lob meinerseits, sondern auch das seiner höheren Vorgesetzten. ' Im ^Trommelfeuer versah er infolge seiner Verläßlichkeit mit Kaltblütigkeit und. größter Selbstaufopferung freiwillig den gefahrvollen Dienst eines Beobachters und meldete sich, obwohl