Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 27 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 442 Nr. 27 Dr. Blo'ch'S Wochenschrift" Aus der Kriegsgefangtuschast au die Krönt. Mendel Lug;er, 23 Jahre alt, aus dein Dorfe Tiszakaracsfal-va im Mannaroser Komitat, hat, ivie wir im „Egyenlöseg" lesen, eine sehr bewegte Kriegerlaufbahn htzrter '-sich; die mit seiner völligen Invalidität endete. Laut Mitteilung des Feldrabbiners H offmann an das genannte Blatt, hat Mendel Lu ge r beim . Honv.- JnsanteriereaLmeur gedient und kam bereits 1914 au die russische Front/ Int Januar 1915 geriet er in russische Gefangenschaft. Dem kampflustigen, und wagemutigen jungen Soldaten behagte jedoch! das Gesangenenlos in keiner Weise. Seine Gefangenschaft war denn auch nicht von langer Dauer. In einer galizis-chen Grenzstadt, die damals in russischen Händen war, verschaffte er sich mit Hilfe eines Judenmädchens Zivilkleider, in denen er aus der russischen Gefangenschaft flüchtete. Unter großen Mühsalen und Fährlichkeiten erreichte er schließlich unsere Schwarmlinien und meldete sich dann beiin Kommando in Kassa. Hier erhielt er eine Geldbelohnung. Uebcr eigenen Wunsch- - kam er abermals an die russische Front und hier wurde ihm von einer russischen Kugel das linke Bein zerschossen. Der nunmehr völlig , invalide Soldat Mendel Luger wird gegenwärtig in einem Budapester Re'servespital gepflegt. Aas Keldgeschenk des Erzherzogs Iriedrich. Feldrabbiner Hossmann erzählt im „Egyenlöseg" die sollende hübsche Geschichte: Joses Rotter aus Benedek im Bereger Komitat war Talnmdist. Das schwächliche dürre Männchen hat von seiner zarten Jugend an in unseren heiligen Büchern gelernt und war u. a. auch jahrelang Schüler des verewigten berühmten. Pakser Rabbiners SusMdnn Soser. Auch jetzt noch strahlt das Gesicht des fromMen Mannes, wenn er in einer stillen Nische des Militärspitals sich andächtig in den Talmüd vertiefen kann. Dieser Frequentant der Jeschiboth hat auch in heißen Kämpfen, in tausend Gefahren seinen Platzwacker ausgesüllt. IM vorigen Jahre kämpfte er an der russischen Front und bot sich oftmals auch zu Patrouillengängen freiwillig an. Da jedoch! seine Kameraden, die mit ihm an den Patrouillenstreifen teilnahmen, der deutschen Sprache nicht mächtig waren, mußte er . auchfür seine Kameraden die wichtigen Meldungen erstatten.! Zweimal hörte der - damalige Oberkommandant unserer gesamten Streitkräste. Erzherzog Friedrich-, persönlich die Meldung des vom Patrouillengang zurückkehrenden jüdischen Soldaten an und ließ sich den Namen des wackeren Soldaten notieren. Joses Rotter wurde seitdem an der Front lungenkrank und kam in das Budapester Kriegsspital auf der Sonksarerstraße. Wer Erzherzog Friedrich! vergaß nicht des einfachen Soldaten. Im April dieses Jahres gelangte eiue größere Geldspende in das Kriegsspital. Das Geld, welches Erzherzog Friedrich gesandt hat, wurde vom Spitalskommandanten feierlich dem Joses Rotter überreicht. Der tatmudistische Soldat ist seitdem mitsamt seinen Folianten in das Reservespital Nr. 4 übersiedelt. Unsere Kekden am Zsonjo. (Aus einem Briese bes -Feldrabbiners Dr. Hausn er.) „Du wirst mir, lieber Freund, mein Stillschweigen sicherlich-nicht .übelnehmen, lagen wir. ja alle tagelang so ziemlich unter der Einwirkung der feindlichen Geschosse. Meine. Hütte zitterte Taa^-und Nacht, die Felsen bebten und die Berge schienen sich vom Orte verrücken zu wollen, so arbeiteten die vereinigten Geschütze der Engländer,/ Franzosen und Italiener, in welche sich die Antwort der unsrigen fleißig mischte. Anfangs war von Ruhe keine Rede. Später siegte das Gefühl der Ermüdung, wir schliefen für eine Weile ein, aber es war eilt nervöser Schlaf, abgehackt, er goß in die Adern keine- Ruhe; nur bleischwere Müdigkeit. Ich halte mich hart annder Straße auf., Was in die vorderste Reihe geht mtb; boit dort kommt, Muß an mir, Vorüber. Es. isMein einziges, kaum wiederzugebendes Bild, das.sich! einem bietett-Da kommen sie, die neu heran gezogenen Truppen, grimmig ziehen sie dein Welschen entgegen, dessen Linie vom nächsten Hügel schon sichtbar ist/ gekennzeichnet durch die Feuerzunge und Schrapnellinien. Ich erkenne unter den Vorüberziehenden viele meiner früheren Schüler, .Bekannten und Freunde. Bald tritt aus der Reihe ein sch lich (er Soldat, er bittet um den Segen vor der Schlacht, ein anderer verlangt ein Gebetbuch. Die Leutnants W. und .I.,, beide Christen, eilen an. mich; heran, halten es als gute Vorbedeutung, daß sie mich hier, so nahe treffen; leider war der zweitgenannte zwei Stnnden später schon eine Leiche. Ein anderes Regiment kommt' gegen Abend, plötzlich! steht vor mir der Einjährig-Freiwillige P... . Vor einigen Jahren hat er in jugendlicher Unüberlegtheit den Glauben der Väter verlassen, nun tritt er an den Feldrabbiner heran, tränenden Auges. Ich verstand alless strie ganze Tragödie las „ich aus, seinem Blicke. Alles - verziehen , vergessen, mein Eduard, und er lispelt mir nach/. „Vergessen die Sünde meiner frühen Jugend, ich bin ganz Euer, jetzt ist es mir klar geworden, wohin ich gehöre." Wir umarmen uns, stumm zieht mein gewesener Schüler dahin, 'woher viele nicht mehr .znrückkoMMen, wird er es? Jetzt kommen die ,,Brummer", schwere und leichte Geschütze, Train, Munitionskolonnen ustv. Und was rasselt da oben? Feindliche Flieger, sehen oder ahnen sie, was hier unten vorgeht — doch gleichvieles kracht sechsmal hintereinander.^ Pomben! Ringsum nichts, als Rauch. Zuist, Glück kein Sachschaden, einige Menschenopfer 'und -mehrere Pferde. Nach einer Weile ist die Straße bereinigt,-keine Spur von dem> was sich zugetragen hat. Es wird dunkel, da hast Du ein anderes Bild. Sie kehren zurück, die ihre heldenhafte Pflicht' erfüllt; haben. Zn Fuß oder in Sanitätswägen, leicht, oder schwer verwundet, und dann rückwärts, ganz zugedeckt, jene, die nicht mehr klagen. Wer könnte da die Schauer des Krieges ganz auss-chöpsen? Ich habe-viele Bilder gesehen, die den Krieg versinnbildlichen, nein, bter Wirklichkeit ist tausendfach ärger. Ich mag nicht müßig' zusehen, mit meinem braven Burschen Helfe ich, soweit möglich; reiche Wasser, Zigaretten, und dennochüberkomMtt mich ein, Gefühl der Ohnnm-cht gegenüber dem endlosen Leid und Unglück. Meine Vorräte sind erschöpft und mir bleibt nichts, als einige herzliche Trostworte. Wie ein Echo schallt es aus dem Munde-ber-verwmrdeten Helden, auf die Frage, ob wir die Linie halten: „Ja,, wir halten und unsere werden sie halten." Die, Helden, die Unbesiegt baren mit dem zerbrochenen Bein, dem zerschossenen Arm, sie haben bloß einen Wunsch: die Unsrigen möchten die Linie halten. ' . Gegen Morgen kommen 1400 italienische Gefangene, darunter viele Offiziere. Sie sind nicht wenig erstaunt über die humane Behandlung die ihnen seitens der Unsrigen zuteil wird/ auch wundern sie -sich über das ihnen dargereichte Brot, da ihnen zu Hause ganz andere Geschichten über unsere Verhältnisse ausgetischt wurden. Die. Offiziere sind zurückhaltenh. in ihren Äußerungen, die Loldaten rufen: -„basta laguerre", wir-lassen uns nicht mehr nie.d.erschießen, genug des Guten. Soll ich Dir. auch schreiben, wonach Du mich fragst? Es .fällt-mir schwer, führ schwer, denn gar vieleimnserer . Glaubensbrüder hat uns chiese Offensive entrissen. Biele meiner mir liebgewordenen Kameraden, viele schlichte -Soldaten, in deren- Brust ein Heldenherz schlug, sind