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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-06 · 26 (6.7.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
26 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 Tr. Vlsch'S Wochenschrift" Zllle 429 üttd Organisatoren, die sich mit nie erlahmender Hingebung der körperlichen Ertüchtigung der Jugend und des Volkes widmen., Reiche. Erfahrung, gediegenes Wissen ilnd Vertieftes Verständnis führten zu seiner Berufung in -.sene KürPerschäften, welche die österreichische Sportbewegung als oberste Verbände leiten. Auch dort erfreute er "sich bald solcher Wertschätzung, daß ihm in mehreren derselben die Stellen des Vizepräsidenten, als welchem ihm oft die Geschästsftchrüng des Verbandes oblag, anvertraUt wurden. Die österreichischen Sports beklagen deshalb Siegfried Grass Tod als schweren Verlust und einzelne von ihnen, wie der Oesterreichische Leichte athletenverband, haben bereits beschlossen, zur Ehrung des Andenkens des Gefallenen seinen Namen tragende Wanderpreise für sportliche Wettkämpfe zu stiften. — Gramgebeugt beweinen seinen jähen Abschied nicht nur seine Eltern, sondern auch seine schwergeprüfte Gattin mit vier Kindern sowie drei Brüder. Wrief aus russischer Gefangenschaft. Astrachan. 7. April 1917. Heute haben wir den ersten Osterfeiertag und sind wir dank der Bemühungen des hiesigen R a b b i n e r s und des hier gefangenen Feldrabbiners in der Lage, die Feiertage unseren Traditionen gemäß zu verleben. Irr einem Pripathause hielten wir jüdischen österreichischungarischen Offtziere gestern den ersten Sederabend unter dem Vorsitz eines gefangenen jüdischen Hauptmannes und des Feldrabbiners. Daß unsere Gedanke:: den ganze:: Abend zu Hause bei unseren Liebsten weilten, ist doch nur allzu selbstverständlich. Dazu hegen wir die Hoffnung. daß! wir das nächste Jahr unseren Sederabend wieder zu Hause am Familientische feiern können unter anderen^ Verhältnissen, dann wird es ja so ganz .anders sein.^ ■!■■ ■* - -j-j 1 [#| Zwei Mrüder. Aus einer Feldpostkarte, die aus Orenburg im fernen Rußland der Fähnrich Jmre Antscherl an seine Eltern in Budapest am 6. April d. I., an „Erew-Pessach", schreibt und die erst jetzt von dem gefangenen Helden hierher gelangte, entnehmen wir folgendes: ,,Bin mit Gott wohl und munter. Heute arbeiten wir Offizierskameraden jüdischer Konfession den ganzen Tag. um das heute Abend bei uns einziehende Pessachfest würdig zu begehen. Von der . hiesigen Gemeinde haben wir für acht Tage alles Notwendige erhalten. Mit Tränen in den Augen und aufgeregtem Eemüte stoßen wir die Mazzoihs in großen hölzernen Mörsern zu Gries, um daraus die traditionellen MaUothklösichen anzufertigen. Tiefe Sehnsucht nach dem Famitien-Sedertisch beschleicht uns und. wenn wir heute den Sederabend festlich begehen und die uralten heiligen Lieder anstimmen werden, dann werden wir — weit, weit vom geliebten Ellernhause — den Auszug aus Aegypten feiern, dann werde ich, auf Gottes Hilfe fest vertrauend, den Allvater anrufen, daß er auch uns baldige Befreiung aus unserem Eril gewähren und den goldenen heiligen Frieden überall einziehen lassen wöge." Der jüngere Bruder des Schreibers dieser Karte, Theodor, Einjährigfreiwilliger, 19 Jahre alt. hat die zehnte Jjonzoschlacht gottlob glücklich ■ durch ge macht, wurde außertoürlich zum Fähnrichs befördert, bekam mit belobender Auszeichnung die dritte Medaille. matiker David Kimchi (lebte Anfang des 13. Jahrhunderts) : „Es soll dies als Zeichen den widerspenstigen Kindern Israels dienen, daß sie während der Belagerung diese Mischung der verschiedenen Arten, durch die Hungersnot gezwungen, essen werden, daß man sich nicht reinen Weizen für die, Herstellung des Brotes werde ausmahlen können, sondern ihn :nit minderwertigen Arten, wie Bohnen und Linsen, aus denen nrar: sonst kein Brot backt, sondern sie nur in äußerster Not für die Brotbereitung verwendet. werden mischen müssen." Diese Erklärung ist sicherlich zutreffend; demnach hat es schon, da die genannte symbolische Handlung aus der Anschauung einer Tatsache hervorgegangen wäre. Kriegsbrot vor mehr als 2400 Jahren gegeben. Wollte nran dies aber nicht anerkennen, so muß es dem vor 700 Jahren lebenden Erklärer bekannt gewesen sein. Aas älteste Kriegsvrot. Man liest in der „Frankfurter Zeitung": Der Prophet Ezechiel (4, 1'ff.) erhält den Auftrag, dem Volke Israel den Untergang der Stadt Jerusalem zu künden und, uM seine Worte wirksamerzu machen, auf einen Ziegelstein das belagerte, von Wällen eingeschloffene und von Sturmblöcken bedrohte Jerusalem zw zeichnen.-Daran -schließt sich nun der Befehl: „Nimm dir. Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen/ Hirsen und Spelz und fülle damit ein Gefäß an und backe dir Brot." Dies soll offenbar bedeuten, das Elend, dem eine Belagerung ausgesetzt ist. dem Volke zu demonstrieren. Es bemerkt in der Tat dazu der Schristerklärer'mnd Gram¬ Zer ehemalige russische Zustizminiller Schtscheglowitow angektagt. Die nahezu abgeschlossene Untersuchung über die. Tätigkeit des früheren Justizministers Schtscheglow i t o w. der während der ersten Revolutionstage in - Petersburg verhaftet wurde, führt der „Rjetsch" zufolge zur Erhebung der Anklage wegen Mißbrauches der Amtsgewalt. Urkundenfälschungen und Verheimlichung eines Mordes. Die letzte Anschuldigung, die weitaus am schwersten wiegt, gründet sich darauf, daß 1911 in Odessa auf ausdrücklichen Befehl des damaligen Genevalgouverneurs Tol matschem ein unschuldig verhafteter Jude namens Motel Ischer von der Polizei uM gebracht wurde; die Akten über diesen Vorfall forderte Schtscheglowitow ein und ließ dann auf G-rund eines völlig entstellten Jmmediatberichtes die Untersuchung durch den damaligen Zaren Niederschlagen. Die Untersuchungskommission hat wegen der engen Verbindung Schtscheglowitows mit dem „Bunde echt russischer Leute" auch die Nachprüfung der Akten über die Ermordung der Abgeordneten zur ersten Duma I o l l o s und H erzen stein angeordnet, um festzustellen, ob Schtscheglowitow auch an diesem Verbrechen beteiligt war. Verhaftung jüdischer Sokdalen. Aus Zürich wird telegraphiert: Nach einer Meldung des „Djen" wurden ans Befehl des Bataillonsausschusses beim russischen Regiment Nr. 618 in der. von Rüssen besetzten galizischen Stadt Tarnopol sämtliche 172 jüdische Soldaten. Unteroffiziere und Aerzte, verhaftet und znn: Train versetzt. Wessen man sie bezichtigt, wird nicht mitgeteilt. Zurück zum Judentum. Ein Telegramm der „Wiener Mittagszeitung" meldet, daß die russische Regierung festgesetzt hat. jeder Volljährige könne feine Religion beliebig ohne Zustimmung und ohne nachteilige Rechtsfolge wechseln. Diese Bestimmung hat zur Folge, daß sich Massen getaufter Inden in den Kanzleien der Petersburger und Moskauer Rabbiner drängen, die zu ihrer angestammten Religion zurückkehren wollen. Es kamen einzelne Personen und ganze Familien, die unter der alten Ordnung der Dinge gezwungen waren, zum orchodoxen Glauben überzutreten. Unter ihnen befanden sich sehr viele Akademiker, zwei Professoren der Moskauer Universität und' einige hohe . Regierungsbeamte. Die Zahl der in den Schoß des Judentums Zurückkehrenden soll einige Tausend betragen. — Diesen modernen Marannen ist ernstlich an ihrem Judentum gelegen. unsere russischen Brüder gewinnen hoffentlich aktive Kräfte an ihnen zurück.

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