Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-06 · 26 (6.7.1917) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
26 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022275--26117-3051458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

beite 422 Dr. WM'S Errdlich ist es Zeit, daß das niedergetretene Recht sich erhebe und daß dieses wie in einem wirren Traum' entstandene Rechtsverfahren, geimnnt Polnaer Prozeß» zumindest die zunt Teile versöhnende Rechtfertigung erfahre. daß einem! grundlos Angeklagten itadj 14 jähriger ..Probe" die Freiheit wiedergegeben werde. Denn vergessen wir nicht. d,aß sowohl in Kuttenberg, als auch in Pisek sowohl Staatsanwalt als auch- Vizestaatsanwalt Tr. Baxa als HanPtargument nicht deir erb'rachten Beweis, sondern die Erwartung ins Treffen geführt haben, daß Hilsner nach; Jahr und Tag sprechen werde! Hilsner hat diese Prophezeiung bisher nicht erfüllt, und wer nach zweifeln .könnte, deM muß dieses 14 jährige Stillschweigen bei täglich sich erneuerndem Rufe des unschuldig Verurteilten nach Gerechtigkeit deutlich genug sprechen." Vor wenigen Jahren sind die Briefe Leopold H i l sners, welche er aus der Strafanstalt Stein an seine Mutter und an Dir. Friedrich. Elbogen gerichtet hat, aus dem Nachlaß des Dr. Friedrich Ehhogen der Oesfentlichkeit Mergeben worden. Wir mochten einige Zitate auch aus diesen Briefen wiedergegeben: Hilsner schrieb am 29. November 1907 an seine Mutter: „Ich habe den Brief von Dir erhalten. Schreibe sofort an Herrn Dr. Bloch, er soll sofort sprechen mit Herrn Dr. Elbogen. er soll ein Gnadengesuch, richten an Se. Majestch oen Kaiser. Es sind schon bereits neun Jahre, daß uh unschuldig schmachten muß." Und später in demselben Briefe: ,,Liebe, teure Mutter! Du kannst Dir gar nicht vorstellen, was ich .Leiden und stummer davon habe, daß ichunschuldig meine jungen Jahre im Kerker verderben muß." Am 24. Juli 1908 schrieb er an Dr. .Friedrich Elbogen: , . „Ich ntöchte Sie flehend hitten, wenn schon meine Prozeßwiederauftrahme nicht zugelasseir wird, und ferner das sechzigjährige RegierungsjuvMum sein wird unseres lieben Kaisers, und. es werden ja, mehrere Begnadigungen stattfinden, möchten Sie, lieber Herr Doktor, die Gute haben, daß auf mich,, nicht vergeisen wird." Am 22. Januar 1909 schreibt er an Dr. Friedrich Elbogen eine rührende .Bitte, seiner notleidenden Mutter zu Hilfe jzu kommen, und fährt dann fort: „Es sind schon bald! zehn Jahre, wo ich unschuldig du Kerker bin und Hann au niemanden mich wenden, als an Ihre Wohlgebo'ren. Bitte, geehrter Herr Doktor, wenn mir die Wiederaufnahme nicht zugetassen wird, bitte, ein Gnadengesuch zu richten an Se. Majestät den Kaiser. Peschgk hat rnny nicht gesehen, er hat falsche Angaben genmcht an das- Gericht. Bitte, Herr Doktor, wenn mich! der Zeuge Peschak erkannt hat, so hätte er gleich die Anzeige gemacht, nicht in sechs! Monaten, und das gibt er selber zu, daß er von denen, die er sehen sollte, hat keinen im Gesicht erkannt. Ich bitte, Herr Doktor, das war eine gegen mich; angestiftere Sache vpn der jungtschsschischen Partes. Bitte vielmals, Herr Doktors ein Gnadengesuch zu richten an die K'abinettsharizlei, wann schon meme Prozeß- WiederausnahnE nicht zugelassen wird. Zehn Jahre unschuldig muß'ich iM Kerker verbringen, wo ich meiner alten kranken Mutter soll behilflich! sein" Am 20. Februar 1909 schrieb'er an seine Mutter und an feinen Bruder. Wir entnehmen den beiden Brie-- sen folgende Stellen: V .,Liebe, teure Mutter, ich; habe geschrieben an Herrn Dr. Friedrich, Elbogen, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien und habe mich! beklagt über meine Unschuld, daß man michj so gefangen hält wegen Polna. unschuldig, ich weiß nicht, warum. Und über das Mnadengesuch KMenWrift" j Nr. 26 habe ichj ihm geschrieben, und wegen Dir,' daß Du immer krank bist nur seine Hilfe. Liebe: teure Mutter! Sonntag, am 28. Februarj ist der 7. War, Jahrzeit des gv.ttfEHey7 Beters. .Ich 'werde betest Kadisch> und im Teinpel mit 'chrßezüMeteM 'Äichl, der Moritz soll Kadisch sagen, die einzige Pflicht, was^ man tun kann. . ' 7 , : . ' 7; ' I Liebe, teure Mutter! Bon meinem Prozeß hört man nichts! Zehn Jahre unschuldig in der Haft! Die Mörder tun sich nicht verraten in Polna." An seinen Bruder Moritz schrieb er :. „Lieber Bruder, Sonntag, am 28. Februar 1909, ist der Jahrestag des' gottseligen Vaters. Sage Kadisch im Tempel. Ich werde auch. Kadisch sagen. Das ist unsere Pflicht, .was wir tun können für unseren gottseligen Vater. Zehn Jahre bin ich unschuldig^ interniert in der Hast, wie nichts. Schreibe Mir, was Mit meiner Sache ist. ob doch etwas gemacht wird in Wien über meine Unschuld!" In all diesen Briefen Hilsners finden .sich, wie man sieht, stets die gleichen Beteuerungen seiner Unschuld. Neben der Sorge um das« Wohlergehen der Mutter kennt er keine andere als diese. Die Unschuld Hilsners wird heute von allen Kellnern des Rechtes anerkannt und hohe Justizfunktionäre haben wiederholt dieser Ueberzeugung!. Ausdruck Legeben. Es ist nun endlich an der Zeit/ dieses Justizverbrechen ungeschehen zu machen. . Wir richten unseren Appell an die Abgeordneten Mischer Konfession im österreichischen Parlament, sich zu eurer gemeinsamen Aktion zu vereinigen', yjn das Unrecht gegen H i l s n e r wieoer gutzumachen ■' und dem Opfer eines gesetzlosen Justizverfahrens zur Freiheit zu verhelfen. 7 Es gibt heute.kein politisches'Hindernis mehr, den Fall Hilsner endlich gerecht zu erledigen. r^... Die Parteien, Mr welche vor 17 Jahven ein Ritualmordprozeßein wirkfances Agit,ationsmittel war, fiubheute ernüchtert, sie haben auf derlei politische Betriebsmittel bereits '«verzichtet! ' ' . ' . Das neue Oesterreich kann nicht würdiger eingeleitet werden, als mit der Befreiung Hilsners, und die Abgeordneten, die sich! der Sache des so schmählich gebeugten Rechtes annehmen, werden sich> ein Verdienst nicht bloß unr das Judentum!, sondern auch um den Staat erwerben. Der Tag, an'welchem der unschuldig verurteilte Leopold Hilsner Mn Kerker verläßt, wär e ein Ruhmes tag für den österreichischen Kaifersta.at. G«gNschrs Komdar-lement de» Velbrrges. Aon Oberrabbiner W, Reich in Baden. Gleich, einer Bombe schlug die Nachricht von dem e n g l i s ch e n F l i e g erangriff ans den O e l b e r g bei Jerusalem in die Welt der Konfessionen ein.' Mit Recht bemerkt hiezu, die deutsche. Regierungspresse, daß; dieser Vorfall ein erneuter Beweis dafür sei, wie Dngland, ftchselbst Wer die -jedem! Christen« selbstverständliche Ehrfurcht vor den heiligen Stätten hinwegfetzt., Bald nachher erhielt dieser Bericht noch eine-schwerwiegendere Ergänzung. Das türkische Hauptquartier meldet von der Sinaifront, d,aß englische Flieger die den Mo h a mme d a ne r n und CH r i sten heilige Stadt I e r n s a l e m mit 50 Bomben- Geworfen' haben. •'< - In dem Hexenkessel, in' welchem dieser 'Weltkrieg gebraut worden, ist nun ein Neues Ingredienz hinAugekommen, das ihm noch,'- zur:' Anfwühlüng aster menschlichen Leidenschaften gefehlt hat; bisher brodelten in dem grausen-' Krater die häßlichsten politifchen, wirtschaftlichen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.