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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-06 · 26 (6.7.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
26 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lentralorgan kür die gesamten Mteressen des Judentums. Dr. Bloch’s ^ayrgang Wien, 6. Juli 1917 Lrscbetnr jeden jfreitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OQ O ---OQ Vrrussxrrv» fiir Srstrrrrich: C* Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für da» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal tene Petttze'cke 48 Heller. _ nO - Qo Q L»-- ■ -^30 p M. kr. Postsparklässenanlt 2learlng--Verkebr Mr. 610.976. Redaktion und Administration: .Wien \ © II/i, Praterstraße 9. | j Telephon 45,359. nO - -Qo Inhalt: Leitartikel: Ein Gnadenakt Sr. Majestät des Kaisers. —>Englisches Bombardement des Oelberges. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere nnd Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Zürn zweitenmal ausgezeichnet. — Hohe Auszeichnung vom Roten Kreuz. — Wacker am Posten. — Das Zeugnis des amputierten Helden. — Die Heldentaten des Fähnrichs Armin Weisz. — Jüdische Familien im Felde. — Der Sohn des eingcwandcrten Kantors. — Aus dem Ehrenbuche. — Siegfried Graf — gefallen. — Brief aus russischer Gefangenschaft. — Zwei Brüder — Das älteste Kriegsbrot. - Der ehemalige russische.Iustizmiuister Schtscheglowitow angeklagt. — Verhaftung jüdischer Soldaten. — Zurück zum Judentum. — Korrespondenzen: Wien. — Flüchtlingssürsorge. — Krakau. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem "Werdegang des Ministers Vnzsonyi. — Literatur. — Reue Bücher. Briefkasten. — Notizen.— Inserate. Gin Gnadenakt Kr. Mafestnl des Kaisers. . Zur Befreiung Leopold Hilsners. Se. Majestät der Kaffer Karl. I. hat einen Gnadenakt erlassen. der zugleich ein Akt hoher politischer Weisheit ist und ein Zeugnis reinster Herzensgute bildet. Ueber all das. was geschehen ist, geschehen ist noch vor dem Kriege und auch! während des Krieges, über all diese politischen Verirrungen will der Kaiser, wie es in dem Handschreiben an den Ministerpräsidenten heißt, den Schleier' des Bergessens breiten. Die Dankbarkeit jedes Menschenfreundes ist dem Kaiser sicher, in zahllosen Familien wird . sein. Name mit Segenswünschen genannt werden. Manche Kerkertnren werden sich jetzt öffnen, mancher, den man schon zu den politisch und sozial Toten gerechnet hatte, wird wieder auferstehen, und der oder jener, über dessen Verschlungen noch die Untersuchung schwebte, wird keine Anklagle mch!r zu gewärtigen haben, sondern jetzt ,, schon 'völlig frei gehen. Aller Schuldigen gedenkt der Kaiser und erläßt chnen' in seiner Hochherzigkeit ihre Schuld., Wäre es nicht an der Zeit, auch des Unschuldigen zu 'gedenken, des Leopold Hitsner, der ein notorisches' Opfer eines Justizmordes war. . '- ' Am 11. Dezember 1916 schrieb Leopold Hilsner aus der Strafanstalt Stein an seine Schwägerin folgende -Morte: •; ‘ * =-■ - „Liebe Schwägerin! Ich bitte Sie -gefälligst, nach den neuen großen Ereignissen, der geeignete Zeitpunkt eingetreten ist, für mich ein Gnadengesuch einzubringen, um mich als unffchnldi g im Kerker Schmachtenden . zubefreien Und Hu erlösen? daß Sie gefälligst Herrn Dr. Bloch — „Oesterr. Wochenschrist"/in Wien — schreiben wollen: Vielleicht , kann diesmal die Zeit kv Mimen? wo eitt Gesuch um Gnade .für. einen Unschuldigen einen Erfolg bringen kann. Ich hoffe, liebe-Schwägerin, daß Sie meine Post ausrichten und diesen Brief an die „Wochenschrift" senden werden." Dieser Schrei eines unschuldig im Kerker Schmachtenden sollte in dieser schweren Zeit nicht ungehört verhallen. ,; i ' Zahllosen Schuldigen leuchtet die Sonne kaiserlicher Gnade; möge auch ein Strahl dieser kaiserlichen Sonne in die Tiefe des Kerkers jenes Unglücklichen dringen, der die Schuld Anderer zu büßen hat. Wir zitieren die Worte des Hof- und Gerichtsädvokaten Dr. Schneeberger. die er am 21. Januar 1913. gelegentlich der Verhandlung, über unseren Einspruch wegen der erfolgten behördlichen Beschlagnahme der Nr. 48 unseres Blattes. Jahrgang 1912, vdr einem Senate des k. k. Landesgerichtes Wien ausgesprochen hat. Der konfi^ierte Artikel war vom „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" gezeichnet, hatte-den Zweck, die obersten Justizbehörden eMich zu einer erlösenden und sühnenden Tat zugunsten des unschuldig im Kerker schmachtenden Hilsner anfzurütteln. D-r. Schneeberger ergriff die Gelegenheit, als Vertreter der „Oesterr. Wochenschrift" vor dem Fojrum des Wiener Landesgerichtes das gegen Hitsner verübte Justizverfahren gebührend zu zeichnen und am Schlüsse hat er konstatiert: „Die ganze österreichische, deutsche und französische Strafprozeßliteratur haben einhellig die Angelegenheit Hilsner als einen groben, fahrlässigen Mstizirrtum bezeichnet. welcher nicht bloß von den Geschworenen, sondern auch von den Gerichtsstlnkcionären. und insbesondere von den beiden Staatsanwälten mitverschnldet worden ist. -Mute. , wo dieses Urteil trotz der nun seit 14 Jahren andauernden Vollstreckung in den Augen aller, welche den Fall kennen, gerichtet ist, ist es wohl gleichgültig, ob man diese Affäre mit einem! herberen oder milderen Worte bezeichnet. Die Wahrheit wird sich, doch nicht aushalten lassen!

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