Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 25 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtr. 25 Wr. BloH'S WoWenWrift" Seite 411 Sohn des verstorbenen, 1866 mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichneten Husarenmajors Wolf BardaH Edlen V.Chluinberg, wurde mit" 18 Jahren aus der .Kavalleriekadettenschule Mährisch-Weißkirchen ausgemustert. Seit Kriegsausbruchs kcnn'pste er fast ununterbrochen auf verschiedenen Kriegsschauplätzen und wurde für. tapferes Verhalten vor dein Feinde zweimal, 1914 mit dein! Signum laudis> 1916 mit dem Militärverdienstkreuze ausgezeichnet. Am 15. Mai 1917 wurde er nach freiwilliger Meldung in die Fliegeroffiziersschule kommandiert, wo ihm knapp vor Beendigung seiner Ausbildung, der Fliegertod ereilte. Die Leiche wurde ctiit 15. d. M. mit allen Militärischen Ehren unter großer Beteiligung, seiner Vorgesetzten, Kameraden und der Zivilbevölkerung nach! Wien überführt. In den Lüften gaben Flieger, den Trauerzug umkreisend, ihrem toten Kameraden das letzte Geleite. Die Beisetzung in Wien erfolgte Sonntag, den 17. d. M. auf dem Zentralfriedhofe (isr. Abteilung) in aller Stille, bloß in Anwesenheit der engsten Angehörigen, des ehemaligen Kavalleriedivisionärs des Verstorbenen,, FML. Baron Peteani, der Abordnungen des Husarenregiments Graf Radetzky und der Fliegeroffiziersschule sowie einiger Kameraden und Freunde, in einem von der israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Heldengrabe. Oberleutnant Maximilian Bardach Edler v. Ghlumbergwar in Sportkreisen als erfolgreicher Herrenreiter sehr bekannt, hatte bei verschiedenen lMalleristischjen Vera, tstaltungen als Preisspringer Preise erworben und tvar wegen seines Frohsinnes, seiner Kameradschaftlichkeit und Liebenswürdigkeit außerordentlich beliebt. - Herr Fritz Steiner, Leutnant bei einer Fliegerkonwagnie, Besitzer des Signum laudis mit den Schwertern und der silbernen Tapferkeitsmedaille erster Klasse, fand am 20? d. M.^ L4''Jahre'- 'alt,'?Müf' dem nördlichen' Kriegsschauplatz den Tod iit den Lüften. Aus der italienischen Gefangenschaft. Eassino, 29. April 1917. Sehr geehrter Herr Rabbiner! Mit bestem Dank. bestätige ich Ihnen den Erhalt Ihrer werten Karte vom' (?'), .die uns alle sehr erfreut hat. ■ Ihrem werten Wunsche Folge leistend, gebe ich Ihnen nachstehend einen etwas genaueren Bericht über unser Befinden. Dem h. o. Gefangenenlager gehören jetzt 56 Juden an; 8 befinden sich schon an Arbeits'abteilungen,. .-die aus.unserem'Lager.gebildet.lvorden sind. 48 sind noch anwesend, aber 28 sind schon in Arbeitstransporte entgeteilt, die demnächst, von hier abgehen. Ich selbst bleibe, auch weiter hier, denn ich bin in der Gefangenenkanzlei als 'Schreiber und Dolmetsch beschäftigt. Ich habe deshalb auch die Möglichkeit, chie Post für' unsere Genossen weiterzuleiten und stehe mit ihnen, in fortwährendem Kontakt. Daß das Leben in der Gefangenschaft viel zu wünschen übrig läßt, ist selbstverständlich, doch-muß ich betonen, daß wir in jeder Beziehung gleichwertig betrachtet und behandelt werden. Zu Ostern haben wir von der jüdischen Gemeinde Roms durch Vermittlung des Divisionskommandos 75 Kilo Mazzochi (Osterbrot) bekommen. Ich. habe auch beim' hiesigen Kourmando vorgesprochen und erreicht, daß man uns für. die Dauer vlon 9 Tagen .eine separate Küche bewilligte. Einen besonderen Küchenräum, neues Kochgeschirr, ein genügendes .Quantum Kartoffeln, Rindsfett usw. war uns' zur Verfügung gestellt, so daß unser eigener Koch uns rituelle und schmackhafte Kost zubereiten konnte. . Gestern haben wrr das Vergnügen gehabt, den verehrten Herrn Obervabbiner aus Rom hier als unseren Gast empfangen zu können. Er bekleidet den Rang eines Hauptmannes und ist im Aufträge der italienischen Universita Jsraelitica gekommen. Dieser Besuch hatte einen moralischen Erfolg. Er versprach, uns vierzig Gebetbücher und zehn Paar Tefilin zu schicken. Unser Bedürfnis nach entsprechendem Lesestoff konnte er leider nicht befriedigen, denn Bücher in jüdischer oder deutscher Sprache stehen ihm.nicht zur Verfügung. Von Seiner Ehrwürdeu erfuhr ich auch, daß unter den österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen sich derzeit 2200 Juden befinden. Ich habe Herrn Oberrabbiner vorgeschlagen, eilte Statistik über diese 2200 Juden dprchznführen, was hoffentlich auch geschehen wird. _ Im nächsten Briefe folgen die Adressen unserer Angehörigen und sonstige Wünsche.. Inzwischen verbleibe ich mit Hochachtung und besten Grüßen Ihr ergebener I. Kamter. Obgenannter bittet für seine kriegsgefangenen Kameraden um Liebesgaben, Kaffee. Tee,- Zucker und Zigaretten, jüdische Bücher, und zwar: Erzählungen von Schalom AlecheM, Reisen, Perez,- Mendele, einige Exemplare „Die Muttersprache" von Reisen, „Die jüdische Schule", „Der jüdische Lehrer" von Krinski itnd einige beliebige Talntudtraktate. Spenden übernimmt zur Weiterleitung die israelitische Subsidiarseelsorge des Roten Kreuzes, Wien, I., Milchgässe 1 III. __ Die Amerikaner in Stockholm. Die Vertreter der amerikanischen Sozialisten, bestehend ans Max Goldfarb, Vertreter der amerikanischen Sozialistertpartei. Boris Re in stein von der sozialistischen Arbeiterpartei von Amerika und Davidow itsch von der sozialistischen Landespartei der jüdischen Arbeiter in Amerika, haben einen weit ausgreifenden Plan des Pazifismus entwickelt. Der Repräsentant der jüdischen Arbeiter Davidow itsch sagte, daß seine Partei die genannten Vorschläge 'billige und legte gewisse Sonderwünsche der Juden dar, u. a. Aufhebung der bürgerlichen, politischen und nationalen Beschränkungen der Juden und Gefährdung der nationalen Autonomie an das jüdische Volk in den Ländern, wo es in kompakten Massen lebt, sowie freie Judeneinwan.- dexung und Jndenkolonisation, besonders in Palästina. Diese "Forderungen seien auf dem jüdischen Arbeiterkongresse in Newyork am 5. und 6. September des Vorjahres aufgestellt worden und würden auch von der Socialist Party of America unterstützt. Die amerikanische Delegation in Weterskurg. Das Jüdische Korrespoudenzbureau. Haag, meldet: Oscar S. Strauß und. Henry Mpr gentham beide ehemalige Gesandte der Bereinigten Staaten in .Konstantinopel, zählen zu den Delegierten bei der offiziellen Kommission des amerikanischen Volkes zur Begrüßung der neuert russischen Regierung. Iw Zeichen des jüdischen Kongresses. Das Jüdische Korrespöndenzbnreau, Haag, meldet, daß die Berichte, die aus den Vereinigten Staaten kommen, alle int Zeichen des kommenden'jüdischen Kongresses stehen. Das ganze amerikanische Judentum sieht mit Spannung dem" Tage der Eröffitung desselben entgegen, auf dem die jüdischen Forderungen an der Friedenskonferenz festgestellt werden sollen. Die letzten Wochen haben die Hoffnung verstärkt, daß Präsident Wilson