Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 23 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Seite 387 Nr. 23 Dir. BlKch'S Fremde Kpvachen in indischer Schrift. Von Matthias Mieses. 0) Französisch und Provenzalisch. Einst WA es auch einen in bezug aus Schrift gesonderten Wischen Mitläufer der französischen Literatur, der jedoch, als %n Beginn des 14. Jahrhunderts die Juden aus dem Reiche der französischen Könige vertrieben wurden und die französische redender: Bekenner des Mosaisunis bald in den Judenschafterl anderer Länder, speziell in der WestdeutWauds ausgingen, ein rasches Ende nahm. Wochenschrift In der Baseler Bibliothek soll sich eine altfranzösische Uebersetzung der Sabbatlektioner: in jüdischen Buchstaben befinden? ^) Wie es scheint,-, waren einst auch jüdischem nzösische Kriegserzählungen,- ,.chansons de gefte", in hebräischem Alphabet vorhanden. So geht es mindest aus den Worten eines altfranzösischen Rabbiners, hervor?^) Auf gallischem Boden fand das Hann -aus dem Frankenlande vertriebene Judentum im päpstlichen Avignon Zuflucht. In dieser kurialen Enklave des französischen Südens redete:: die Juden prov'enzalisch und produzierten in der Sprache der Troubadouren literarische Erzeuge nisse ir: hebräischer Schrift. Erhalten aus früher Zeit von dieser Literatur hat sich ein Poem im oktosyllabischer: Vers x,roman du Esther" von Crescar de Caylar (Caslari) aus dem Jahre 1322/3) wie einige Verse, Versprengte Ueberreste der Literatur der ehemaliger: französischer: Judenschast in französischer Sprache sirrd mehrere vorhanden. Bor ällern die im Vatikan sich befindende Elegie aus den: Jahre 1288, die anläßlich des Märtyrertodes von dreizehn Inder: ir: Trecis versaßt wurde und bereits ,älterer: Biographen tvegen ihres hybrider: Schriftcharäkters ausgefallen ist. Bartolocci nt seiner Bibliotheca rabbinica erwähnt im Jahre 1693 diese ^Lümentatioues". die „lingua. quidem gallica, sed chara'kteribus hebraicis" geschrieben sind. Eine Umschrift und sprachliche Analyse dieser Elegie,- ..die so wegen der Einfachheit und der Naivität des Ausdrucks,- wie wegen der in ihr enthaltenden Gefühlseuergie bemerkenswert ist"^ veröffentlichte Darmstetter.^) Dann befindet sich, noch ir: der Berliner Kgl. Bibliothek eine judenfranzösische medizinische Abhandlung über das Fieber mehr weniger aus demselben Zeiwbschnitte?») Ueber diese kuriose Produktion eines jüdisch-altfranzösischen Adepten Aeskulaps erstattete Steinschneider. in Virchovs Archiv fijr Pathologische Anatomie Bericht?^) Trotz des literarischen Separiertseins steht diese Studie arrf der wissenschaftlichen Höhe ihrer Zeit. In der Disposition wird der Typus von Galen beibehalten. Tie Belegqueller: fiitb erstklassig arabische und griechische (Dioscorides,- Galen, Constantir: Platearius. Alrstansor. Avicenna). Größere Partien schließe:: rnit gereimten Versend) JudaosranMische Glossare sind in den verschiedensten Bibliotheken zahlreichj vertreten. Im Britischer: Museum befindet sich eine französische interlineare Uebersetzung des Buches Genesis in jüdischer Schrift?^) Eines der altfranzösischer: Glossare ir: jüdischen Charakteren wurde vor ein paar Jahren durch Neudruck der weiten Öffentlichkeit zugänglich gerrracht.os) Französische Glossen^ kurze Erklärungen,- Bewdrkungen ir: hebräischer Schrift auf alten Handschriften gibt es eine unübersehbare Menge. Darmstetter schätzte ihre Zahl auf hunderttausend wovon 2500 bei Rasch:,- die ein seltenes Monument der Sprache von Champagne des 11. Jahrhunderts darstellend) Linguistisch interessant sind auch die jüdisch-französischen Glossen des berühmten Rabbiners Gerson aus Metz, die neulich Brandin wissenschaftlich bearbeitete (Paris 1902). 60 Darmstetter: Romania, III, 460 - R* cu.-:l trimestriel jjubiiö par Paul Meyer et Gaston, Paris». 65) StKnWneider: Hebräische Handschriften der Berl. König!. . BMiotbek. Il, 85. .. . . Armt.. Bd. 136, Jahr 4894. . 67j Oesterreicher: Beiträge zur Geschichte der jüdisch-französischen Sprache und' Literatur, 4" (22. Jahresbericht der griech.-orth. Dberrealschule), Czernoioitz 1896. 68) Margolioutb.' Catalogue l. 80. 69) Lambert & Baudin: Glossaire hebreu-franeais du XLIe siecie. Parts 1905. ' 70) Darmstetter: „Romania", 1, 176. 71) 3u»3- '.Gottesdienstliche Vorträge. 442, Anmerkung bei . Perl., 1632. ' die der Parodie des Maitre Leon de Bagnols (1319 bis 1322) folgen?^) Ein ftrdäoprovenzalisches Geschästsmanuslrivt ^Geschöstssührungsbücher des Mardoche Joses Banqulers und Kaufmanns in Marseiile" aus dem sechzehnter: Jahrhundert,- in 48 Blättern bestehend, bildete unlängst den Gegenstand eines Referats vor: M. Schwab auf einer Sitzung der Acadömie des Jnfkriptions et belles Lettres in Paris?-'') Ein Buch im avignoveuischen Dialekt in hebräischer: Charakteren erwähnt auch der frar:zösische Gelehrte Josef Scäliger. der im 16. Jahrhundert lebte.70) Tie jüdisch?-vrovenzalische Sonderliteratur wurde von der modernen erttkonfessionalisierenden Kultur der Vergessenheit und Zerstörung preisgegeben. Demwch ist Glaubenszähigkeit oft stärker als die Erfordernisse der Artpassung. In manchen Gemeinde:: der Provence Haber: Reste der charakteristischen jndäoprooenzalischen Literatur noch heute aktuelle Bedeutung. Be: gewissen Feierlichkeiten und Zeremonien (z. B. Beschneidungsfest,- Purim) sind noch in -der Gegenwart bei der: provenzalischer: Juden gewisse Lieder in Gebrauch,- in denen abwechselnd ein Vers hebräisch und der andere provenzalisch in jüdischer Schrift läuft. Don Pedro II. d'Alcantara, Kaiser vor: Brasilien,- hat einige ..dieser naiver: Gesänge für Familienfeste, die an die Weihnachtslieder. (noel's) der katholischen Kirche erinnern," und aus den: 17. oder 18. Jährhurrdert stammen^ veröffentlicht?^) Maruhes neuere jüdisch-provenzalisch e Lied publizierte auch Sabotiere.^) . ' (Fortsetzung folgt.) gtiecofatr. Friedrich v. Fellner. ,,Das Volkseinkommen Oesterreichs und Ungarns". Sonverabdruck aus dem September-Oktoberheft der Statistischen Monatsschrift. 21. Jahrgang. 1917. Manz'sche k.u.k. Hof-, Verlags- und Universitäts-Buchhandlung. 72) Juda Sir Leon: In Tosphot zu Sabbat. 112 a..?3) Romania: XXI, 196—227, 1892. Histoire Litteraire de la France XXXI, 649, Paris 1893. 7i) Romania: XXI. 195.. ,75) Orientalische Literatur-Zeitung: XVI. 324. I. 1913. 76) Wagenseil: Belehrung der Jüd.-Teutfchen Rede- und Schreibart. Fürttag. 77) Don Pedro II. usro.: koesies bebrsico provereaies. Avignon ^91. 73) E. Sabatiere: Lbansons bebraico proven«-a!es. Rimes 1874.' f