Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 23 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022272--26075-3051413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 383 Nr 23 Dr. Block s Wochenschrift" .Ms JDische Archiv', Wien, II-, Praterstrasze 43, muß. uns die Waffen liefern, mit denen wir uns wehren w ollen gegen die Angriffe des Antisemitismus. 'Kein Zweifel, der Feind rüstet! Und wehe, wenn wir nicht vorbereitet sind! -Wir haben in vollen: Umfänge unsere Pflicht gegen das Vaterland erfüllt. Verblendete, von Haß erfüllte Judengegner arbeiten aber in größtem Maßstabe daran, unsere Verdienste nicht etwa zu verkleinern, nein, vielmehr unsere Wer allen Zweifel erhabene staatstreue Gesinnüng zu verdächtigen. /Den Verleumdungen können wir nur entgegentreten, wennwir auf ein reichhaltiges, zuverlässiges Tatsachenmaterial Verweisen können. Die amtlichen Quellen werden noch lange geschloffen bleiben. Wir aber haben keine Zeit, zu warten. Es muß private Arbeit den Stoff liefern, dessen Kenntnis wir nicht entbehren können, um den phantastischen, bis in die Einzelheiten erlogenen Berichten der Antisemiten den Boden zu entziehen. . - Juden! Haltet diese Angelegenheit nicht für gering! Es gilt Euer Sein! Unsere Aufgabe ist nicht leicht. Helft uns, sie zu erfüllen. Wo immer Ihr seid, Verschafft uns die Daten Eurer Geschwister. Freunde und Bekannter: int Kriege. Jeder verständige uns unverzüglich! über die Zahl der Eingerückten. Freiwilligen, Kämpfenden, Vertvundeten. Gefallenen und Ausgezeichneten in Familie, Haus und 'Gemeinde! Fragekarten sicher: jedermann, der sich für diese Volkssache interessiert, kostenlos zur Verfügung. Die Stunde der Gefahr ist da! Versäurnt nicht Eure Pflicht! . , Das Kriegstvaiseuheim in Ernsdorf. An: Sonntag, der: 20. Mai d. I.' hat in Ernsdorf bei Bieliß die feierliche Einweihung des Waisenhauses (Sintachowitzk-Stistrmg) stattgefunden. Dieser Tag bildet einen Markstein in der Entwicklung der Kriegswaisenfürsorge des Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens' und der Bukowina in Wien. -.Denn neben den zahlreichen, genteinsam mit dein Zentralkomitee für jüdische Waisenfürsorge in Galizien errichteten . Waisenheimen. Tagesheimstätten und dergleichen ist die Waisenanstalt in Ernsdorf die erste derartige Schöpfung des Vereines außerhalb Galiziens. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß, hier kein Provisorium, sondern eine dauernde Institution zu schaffen war. hat der Verein alles daran gesetzt, bei der Durchführung des Projektes das praktischste und vollkommenste, natürlich ::nter Beobachtung der durch die Verhältnisse gebotenen Sparsamkeit. zustande tzu bringen. Dies ist ihm' auch glänzend gelungen, so daß 'Ernsdorf mit Recht als Müsterinstitüt in: besten Sinne des Wortes bezeichnet werden kann. Nachdem das Eh-epaar Berthold Simachowitz in hochherziger Weise das Gebäude dem' Bielitzer Frauenvereine zur Verfügung gestellt hatte, führte der Vorstand des Vereines -zur Rettung verlassener jüdischer Kinder unter dem Präsidium des Herrn Dr. Edmund Kohn und unter fachkundiger Leitung der Mitglieder seiner Exekutive, von denen die Vizepräsidentin Frau Doktor Gelber und Herr Dir. Alexander Hecht sich.besonders hervorragend betätigten, gemeinsam' mit dem Kuratorium die zweckentsprechende Adaptierung und Einrichtung des Hauses durch? und besorgte die Beschaffung der Ausstattung des Heimes- und' der BeKeidung für dm Kurder; hiebei waren; abgesehen von den Kosten, die der Verein auf sich nahm infolge der außerordentlichen wirtschaftliche:: - Verhältnisse große! Schwierigkeiten zu überwinden, was auch dank der besonderen Fürsorge, die der Vorstand diesem Werke widmete, vollkommen gelang. Die Stiftung wird vom Kuratorium in Bielitz. dessen Ob- ' mann Herr Rabbiner Dr. Steiner ist, und dem eine Anzahl Mitglieder des Bielitzer Frauenvereines sowie vom Vorstande des Vereines der Präsident Herr Doktor Edmund Kohn. Vizepräsidentin Frau Dr. Gelber und Herr Direktor Alexander Hecht angehören, verwaltet; die Leitung des Heimes liegt in den Händen des Direktor Thieberger. Zurzeit sind im Waisenhause sowie in der angeschlossenen Kolonie 180 Kinder untergebracht. Zur Eröffnungsfeier hatte sich eine große Zähl geladener Gäste eingefunden. Es waren anwesend: der Ehef der politischen Behörde Herr Bezirkshanptmann Ritter von Podczaski. Herr Bürgermeister Eichler (Bielitz), Herr Vizebürgermeister Kart Ochsn er (Biäla), Herr Militärstationskommandant Oberst Tredl. Herr Oberst Csaky vom FeldgendarMerie-Kommando in Bielitz.Herr Oberst Doskal vom Ersatzbataillon 55. Bähnhofkommandant Herr Oberleutnant Dr. B r o d e r, der Bürgermeister von Ernsdorf, der katholische und der evangelische Pfarrer von Ernsdorf. Herr Ortsschulrat Joni.ee, sowie viele Vertreter von Wohltätigkeitsvereinen nsw. Mit dem Liede . Gott grüße dich" eröffnete der Kinderchor der Zöglinge die .Feier. Alsdann begrüßte der Präsident des Kuratoriums. Herr Rabbiner Doktor Steiner, die Ehrengäste. Deputationen sowie alle zur Feier Erschienenen und gab hierauf in längerer Rede eine Schilderung der Gründung und des Werdeganges der Anstalt. Namens des Frauel:-Wohltätiakeitsoereines sprach die Präsidentin Frau Riesenfeld und im Anstrage der israel. Kultusgemeinde Bielitz Herr Braunberg. Fräulein Eveline Klärmann vom,.Exekutivkomitee des Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder überbrachte die Grüße des Vereines und Herr kais. Rat Prof. Dr. Feuerstein sprach im Namen des Verbandes der .Jsr. Humanitätsvereine „B'nai B'rith". Für das Zentralkomitee für jüdische Waisenfürsorge übermittelte Herr Präsident Dr. Emil Parnaß dem Kuratorium den wärmsten Dank. Herr Bezirkshauptmann Ritter von P o d c z a s k i sowie. Herr Bürgermeister E i ch l e r versprachen chre Bereitwilligkeit, das Waisenheim auch in Zukunft zu fördern. Mit dem Vortrage eines Dankgedichtes durch einen Zögling und eines Psalmes durch Hern: Oberkantor Goldmann endete die erhebende Feier, an die sich ein Rundgang durch die Anstalt anschloß. Es ist zu hoffen und zu erwarten. daß die Waisen in Ernsdorf in der Obhut sachkundiger und liebevoller Fürsorge gedeihen und' in ihrem neuen Heime Ersatz für die alte Heimat finden werden. Annähernd 4000 jüdische Kinder Galiziens sind bis jetzt in Heimen untergebracht. Weitere 4000 erfreuen sich wohl der steten Obsorge des Vereines unter tatkräftigster Mitarbeit der Sektionen 'Krakau und Lemberg des Zentralkomitees^ jedoch ist dies nur ein Notbehelf. Es ist nötig, die Heimerziehung auf viele ta::sende Kinder auszudehnen. um der unverhältnismäßig großen Sterblichkeit derKriegswaisen und dem zunehmenden moralischen Verfall Einhalt zu tun! klm dies zu ermöglichen und den enormen Anforderungen gerecht werden zu können. müssen dem Vereine weitere große Mittel zugewendet werden. Darum ergeht der Ruf an alle Glaubensgenosse:: um Förderung der eminent wohltätige:: Zwecke des Vereines: Rettet die Waisen eurer Schwestern und Brüder, die den Heldentod für das Vaterland gestorben sind, lasset sie nicht untergehen, denn sie sind für euch bei der Verteidigung eurer Heimat und eurer Existenz zu Waisen geworden.