Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 23 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Das Sinnen der Feinde vernichtet, wer die 6. Kriegsanleihe zeichnet Nr. 23 Seit< 382 Tr. Bloch'! Wochenschrift rat nicht zu wählen, verzichteten die Liberalen, auf die Annahme der verlassenen Stadtratsmandaie. Numnehr ist die Situation der christlichsozialen Partei infolge der Finanzw irisch aft derart, daß. es ihr ersprießlich erscheint, die Opposition zur Teilnahme an der Verwaltung und an der Verantwortli ch Feit heranzuziehen, und so wurden demr in der Sitzuilg vom 12. Juni drei Mitglieder der Opposition in beit Stadtrat gewählt und unter diesen auchder Obmann des fortschrittlichen Parteiverbandes Dr. Oskar Hein. Gemeinderat Dr. Oskar Hein vertritt seit vielen Jahren den Bezirk Innere Stadt. Schon als Bezirksrat hatte er Gelegenheit, sich! auf kommunalem Gebiet eifrig und erfolgreich! zu betätigen. Als Gemeinderat griff er fast bei allen größeren Angelegenheiten in die Debatte ein. und seine von gründlichem Wissen und strenger Objektivität getragenen Ausführungen verfehlten auch nie den Eindruck^bei der Majorität. Schon vor vielen Jahren wurde Dr. Hein zum Obmann des fortschrittlichen Parleiverbandes im Wiener Gemeinderat gewählt. Seit Beg.nn des Krieges wirrt er in der Olnnännerkv.rf' .cnz außerordentlich verdienstlich. Gemeinderat Dir. Alfred Mittler. Gemeinderat Dr. Alfred Mittler ist aus dem Leben geschieden. Der Tod dieses uberzeugungstreuen, hochbegabten und energischen Verfechters der Ideen des deutfchfortschrMicheU Bürgertums wird in der Wiener Oessentlichkeit aufrichtig betrauert. Dr. Alfred Mittler. der nicht viel Wer als 60 Jahre geworden sein dürfte, war von Beruf Advokat. Bereits in jüngeren Jahren nahm er an dem Parteileben Wiens lebhaften Anteil. . In zahlreichen politischen Prozessen fungierte er entweder-als AnNäger oder als Verteidiger. - und seine teniperamentvolle. scharf pointierende Art zu sprechen, feine Schlagfertigkei. nicht zuletzt der ihm eigene ätzende Sarkasmus verfehlten selten chre Wirkung auf die Geschwornen. Auch in politischen Versammlungen trat Dr. Mittler häufig als Redner hervor und im April 1893 erfolgte seine Wahl in den Wiener Gemeinderat. Seither gehörte er dieser Körperschaft ununterbrochen an. Zuerst vertrat er den zweiten Wählkörper der Inneren Stadt, um nach der letzten Aeriderung der Gemeindewahlordnung in den ersten WahWrper zu überfiedeln. Im Gemeinderat gewann er bald eine hervorragende Stellung unter seinen Parteigenossen und manche seiner Reden wurden selbst in der Zeit der heftigsten Parteikämpse innerhalb der Stadt-Vertretung auch von den Gegnern mit großer Aufmerksamkeit angehört. Cr war ein t r e u e r I u d e, der für seinJudentum offen und mutig den Kamps geführt. Dr. Mittler war ein schärfet und entschiedener Gegner jedes Opportunismus, ein guter Hasser, der es auch als selbstverständlich empfand, wenn er anderseits der Gegenstand der heftigsten persönlichen Angriffe, wurde. In der Aera Lueger fungierte er unter den Obmännern Dr. Vogler, Dr. Nechansky und Dr. v. Dorn als Schriftführer des fortschrittlichen Parteiöerbandes. Mit besonderem Eifer vertrat er die Interessen der Beaniten- und Lchrerschast und er war ein vorzüglicher Kenner der einschlägigen Materien. Sein Hinscheiden bedeutet. einen enchfindlichen Verlust für das freiheitliche Bürgertum Wiens. Cr Unterläßt eine Witwe, einen Sohn, Leutnant Mols Mittler, und zwei Töchter, -deren eine an Hauptnränn Emil Sommer verheiratet ist. Das Leichenbegängnis fand Sonntag mrter ungemein großer Beteiligung weiter Kreise statt. Äußernder Witwe Frau Jda M i t t l e r. heu Kindern und den übrigen Verwandtem des Verblichenen waren ZNr Trauerfeier erschienen: in Vertretung des Bürgermeisters VizeMrgermeister Hierha in iner init dem Magistratsdirektor Dr. N ü ch? t e rn und dem. Präsidiälvorstand Magistra^srat F o r m a n e f, dann Oberst Husserl, Oberstabsarzt Dr. Kolischer, Majorauditor Dr. Waffing, Reichsratsäbgeordtteter Dr. Wilhelnl. Neu mann, der Obmann des Verbandes der bürgerlichen freiheitlichen Vereinigung int Gemeinderate Dr^Oskar Hein mit den Gemeinderäten Dr. Ritter v. Dorn. Eder, kais. Rat Fischer, Hohen sin ne r, Medizinalrat Dr. Löwe-n stein, Löhner, Melcher, N e u st a d t l und.. Dr. S ch! w arz - Hille r, viele Bezirksräte, der''Obmann des Vereines der Fortschrittsfreunde! Konstantin Noske mit allen Vorstandsmitgliedern, der Obmann des Döblinger Wählervereines Alex. Wilhelm N e uma n v, Kultusvorsteher Brod, Mitglied des niederösterreiichicheu Landesschulrates Dr. Markus S p i tz e r, die Schriftsteller Adolf Gelb e r. Dr. M. Löwy und Leopold Mandl, eine Abordnung des Ausschusses der niederösterreichischen Advokatenkammer, eine große Anzahl Wiener Hof- und Gerichtsädvokaien sowie viele Freunde der Familie. Nachdem! Vortrag der Trauergesänge des Rituales durch Oberkantor Morgenstern hielt Rabbiner Dr.'Grün Wald die Grabrede, in-der er Dr. Mittler als Muster eines Volksvertreters, als Kämpfer für die Ehre des Judentuins. als Anwalt für! Fortschritt. Freiheit und Volksrecht pries. Daun ergriff VizebürgerMeister Heinrich Hierh amnier das Wort zu eineNr der: Verblichenen ehrenderi Nachrufe, in dem er ungefähr folgendes ausführte: ,,Jm Namen des Bürgermeisters der Reichshanpt- und Residenzstadt Wien und inr Namen der Majorität des Gemeinderates bin ich hier erschienen, um Abschied zu nehmen von einenr Kollegen im Gemeinderat. der durch, vierundzwanzigi Jahre mit Ueberzeugmrg und in rastloser T;ätig?eit im GemeiMerat gewirkt hat.. Er war zwar unser politischer Gegner, der eine schärfe Klinge geführt hat. und wenn ihmitim der Tod diese Klinge entrissen, so senken wir die ünftige voll Ehrfurcht und Hochachtung vor denk toten Kollegen. Er war unser politischer Gegner, blieb aber imrner treu seiner Ueberzeugung, die er hochgehalten, und seine Gegnerschaft ist niemals in Feindschaft ausgeartet. Der Tod gleicht alles aus. und so z'ollen wir ihn: unsere Hochächtrmg. In einenr waren wir aber vereint: in der Liebe zu unserer Vaterstadt Wien und zu der geliebten.Heimat für die Pr sein Mstes geleWt Mt. Wir ävisftn nsthL wie rasch einer von un's Nachfolgen wird, und! wenn wir droben mit ihnt züfamvrenkomvren werden, werden wir ihm die Hand' reichen; denn er war nicht unser Feind, sondern nur unser politischer Gegner." Dann nahm Obmann Gemeinderat Doktor- Oskar Hein namens des Verbandes der büraerlichen freiheitlichen Vereinigung von Dr. Mittler Abschied. Zum Schluß sprach Obmann Noske im Namen des Vereines der Fortschirittsfreunde. In der letzten Sitzung des Gemeinderates widmete Bürgermeister Dr. Weiskirchner dem verewigten Gemeinderat einen ehrenden Nachruf'Voll aufrichtiger Teilnahme. Vor Beginn .der Sitzung wurde am Platze des verstorbenen Gemeinderates Dr. Mittler ein Lorbeerkranz niedergelegt, dessen Schleifen die Wckminng tragen: „Der 'Verein der Fortschrittsfreunde — Im liebevollen Erdenken". —— A,n die Herren ReligiMslehrer! Wir richten mr die Herren Religionsleh'rer die herzliche Bitte, in der letzten SÄinde deZ GchüljÄhres sowie in der SchliuGePUrle den Schülerü die Arrvegung - zu geben, in den Ferien für die Armen in Palästina, die traurigsten Opfer des Krieges', bei ihren Bekannten Spenden zu santnteln. Blocks und> Erlagscheine , stellen wir gern zur VerWiMtz> Jede SpenM: wird öffentlich! äüsgewiefen. Die ..HrlMom'misfion 1916' für Pülästifiä".