Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 23 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Gerte 381 Nr. 23 Dr. BlM'S Wochenschrift" Die erhebende Feier wird sicherlich all b’eitcu. die au derselben teikgenonrmen, in dauernder Erinneruitg bleiben es war eine herrliche Schwuothfeier. Gestärkt itiib erbaut verließen wir das Gotteshaus. - / , ' Samuel Goldsand. Zulassung zur Stockholmer Konferenz. Der „Vorwärts" meldet aus Stockh o l in: Der Haager Verband der sozialistischen Zionisten ersuchte das Stockholmer Konritee um Zulassung zur Konferenz, um hier anck) die I u d e n f r a g e -in Polen. Rußland und der Türkei möglichst gleichzeitig mit den Russen zu verhandeln. Warnung vor unlauterer Htektame. . Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen schreibt der „Münch, nted. Wochenschrift": Der Pfarrer Ludwig Neumann in Elbersroth in Bayern ist Erfinder Zahlreicher Mischungen, die nach seiner Angabe als Heilmittel gegen allerhand Krankheiten die wunderlichsten Erfolge erhielt höben und erzielen sollen. Zum Vertriebe seiner Mittel hat er eine besondere Firma „Ludwig Neumanns Vertriebstelle der Pfarrer Neumannschen Mittel" in Nürnberg begründet, deren alleiniger Inhaber er selbst ist. Von dieser Vertriebstelle wurde die nmrktschreierischste Reklame in die Welt gesetzt. Au) Betreiben der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen verschwanden die unlauteren Anzeigen aus einer Reihe von Zeitungen und wurde gegen N e n m a n n selbst ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft in Berlin eingeleitet. Leider zagen sich die umfangreichen chemischen Untersuchuirgen der Wundermittel des Neumann derart lange hin, daß inzwischen die Strafverfolgung verführte. Es ist aber Vorsorge getrosfen worden.' däß Me Untersuchungsergebiriss e so so rt Verw eir-. düng finden können. wenn Anzeigen des N c u m a nn - ans nicht rechtsverjählrter Zeit beigebracht werden. Die Zentralstelle bittet, die Tagespresse auf die Anzeigen des Neumann hin zu verfolgen und ihr geeignete Zeitungsnumnwrn aus neuerer Zeit unzerschnitten zu übersenden. Minister Wilhelm Vazsonyi. Minister Wilhelm Vazsonyi. In Ungarn wurde Graf Moritz Esterhazy mit der Bildung eines neuen Ministeriums betraut und zum Ministerpräsidenten ernannt. Sofort nach feiner Designierung hat der neue Ministerpräsident dem Abgeordneten Wilhelm Vazsonyi einen Besuch abgestattet, einen Ministerposten angetragen und derselbe wird voraussichtlich die Leitung des Justizamets Mernehmerr. Der neue Ju.stizminister Vazsonyi ist nicht bloß der erste jndische Minister in Ungarn, sondern a u ch i n d e r M o n a r ch i e. Minister V a z s o n y i ist ein ülNigfühlender Jude, hat seine Zugehörigkeit zum Judentum stets äffen und freimütig bekannt und sich jederzeit den Judenfeinden mit offenem Visier gestellt. Seine glänzende. Karriere begann er vor 25 Jahren als Mitarbeiter des „Egyenlöseg". Er ist ein echter Katotypus, der Fleisch gewordene Grundsatz, der reinen Hände, ein Politiker. dem das vollständig fehlt, was man Parteianhang nennt, ein Advokat, der' aussichtsreiche, große Honorare versprechende Prozesse zurückveist. weil, sie. ihrn zu schmutzig find.' ein Mensch, der sich während des ganzen Krieges' nicht darüber beruhigen konnte, daß sich die Budapester um alle Lebensmittel anstellen müssen, daß die Banken Wucher und die Politiker. Lieserungsgeschäfte treiben, daß die Behörden den Kriegszustand benützen, um die Bürger rechtlos zu machen. Sein ganzer Anhang im ungarischen Abgeordneten^- Haus besteht aus fünf Leuten, die sich die ungarische Demokratenpartei nennen. Trotzdem wird dieser Mann Justiznlinifter. Es ist die Macht der Persönlichkeit. Wien. tAus dem P arla me u t.) Die Abgeordneten Wolf. Dr. Sommer und Taufet haben im Reichsrat eine Jirterpellation über das Verhalten der jüdischen Flüchtlinge eingebracht. Der Abgeordnete Reizes antwortete mit einem Antrag, eine Kommission. einzusetzen zur Prüfung der Maßnahmen der Regierung, betreffend die Flüchtlingsfürsorge. Der Antrag wurde gehörig, und zwar von denruthenischen und. anderen slawischen Parteien, unterstützt. Der Abgeordnete Doktor Benno Straucher hat an den Ministerpräsidenten eine Interpellation, die Judenverfolgung in Palästina betreffend. gerichtet. Sie trägt die Unterschriften der jüdischen Abgeordneten Hermann Diamand, Rudolf Galt, Adolf Groß. Heinrich Ko lisch er, Camill Kur and a, Hermann L i e b e r m a n n. Nathan Löwe u st e i n, Julius O f u er. Edmund Rau ch, Hermann R e i z e s, Ignaz S t e i n ha u s und Bernhard S t e r n. Interpellation des Abgeordneten Heinrich Reizes und Genossen an Seine, Exzellenz den Minister für Landesverteidigung, fceirefjeitb t{a,3 Vevbjot der Benützung der jüdischer Spräche im zensurierten Briesverkehr. Sofort nach Ausbruch des Krieges wurde von den Behörden die Benützung der jüdischen Sprache im zensurierten Briefoerkejhr verboten. Tausende Briefe, die von jüdischen Soldaten an der Front oder im Hinterlande an ihre Familien gerichtet waren, oft ein letzter Abschiedsgruß eines sterbenden Kämpfers an seine Eltern, seine Frau und seine Kinder, wurde von der Beförderung ausgeschlossen und den Absendern mit dem Zensurvermerk ..Zurück.' jüdisch - unzulässig" zurückgeschickt/ -Vielmals würden Schritte unternommen, um die Behörden zum Fallenlassen dieser drakonischen, Maßregel zu bewegen, ja um nur den Grund dieser unvernünftigen, unmenschlichen, schädlichen Verfügung zu erfahren. Vergebens! Drei Kriegsjahre haben die Behörden noch immer nicht zu überzeugen vermocht, daß dieses Verbot sowohl vom humanen, wie auch«, vom staatlichen Standpunkte oerwerftich ist. Es sei denn, daß man es für zweckentsprechend und vernünftig, findet, hunderttausende von Menschen zu kränken und überflüssigerweise zu drangsalieren. Die jüdische Sprache wird in Oesterreich von über einer Million Juden gebraucht. Wobei man bedenken mutz, datz hunderttaufende dieser ausschließlich jüdisch lesenden, redenden und schreibenden Juden ihr Gut und Blut dem Vaterlande zur Verfügung gestellt haben und stellen. Gibt es denn kerne Zensoren, die imstande wären, jüdische Briese zu zensurieren? In der Armee sind abertausende jüdische Öfterere und Soldaten vorhanden, die die jüdische Sprache, meisterhaft beherrschen. Das drakonische Verbot, die jüdische Sprache zu gebrauchen, hat aber nicht nur die vielen jüdischen Soldaten an der Front und im Hinterlande schwer geschädigt und unverdient gekränkt, sondern auch überall.. wo Juden wohnen, den denkbar schlechtesten Eindruck hervorgerufen.!Jn Amerika besonders äußerte sich der Unwille über diese Maßregel unverhohlen in der jüdischen Presse, die dort, über Zeitungen mit Auflagen von mehreren Hunderttausend verfügt. Die Gefertigten fragen daher Euere. Erzellenz an: Ist die Regierung gewillt, dieses unbegründete Verbot sofort aufzuheben? Stadtrat Dr. Oskar Hein. Nach 20 jähriger Antisemilenherrschaft iu der Wiener Ratsstube ist wiederum einmal ein Jude in den Stadtrat gewählt worden. Man erinnert sich vielleicht noch an die Vorgänge bei Beginn des antisemitischen Regimes in Wien. Ms nach zweimaliger Auslösung des Gemeinderates im Mai und September 1895 eine christlichsoziale Majorität inr Jahre 1896 in die Ratsstube einzog. wurde der zur Minderheit gewordenen Liberalen Partei v on den 21 Stad trats stellen ein Drittel, entsprechend ihrer Stärke, eingeräumt. Unter den sieben Kandidaten, welche die liberale Partei ausstellte, befand sich damals auch Baurat Stiaßnv. und da die christlichsoziale Mehrheit erklärte, einen Juden in den Stadtjeder treue Jude zeichnet die 6. Kriegsanleihe