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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-15 · 23 (15.6.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
23 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sttic eso Dr. NM einem IndenLnaöen in Kattien. (Auszug aus dem Briefe eines deutschen Landsturmmännes an seine Kinder, in welchem dieser in rührender Weise über seine Begegnung mit einem jüdischen Knaben tief im Osten Galiziens berichtet.) Die betreffende Stelle lautet: „Liebe Kinder! Wir machten jüngst eine große Reise von Frankreich bis.tief nach Rußland hinein und fuhren mit btx Bahn durch Deutschland und Oesterreich.- In Frankreich war schönes Frühlingswetter, in Deutschland dagegen war es kalt und in Schlesien, lag bis zu einem halben Meter tiefer Schnee. In Galizien wurde es. je weiter wir nach Osten kamen, etwas wärmer; doch gab cs oft sehr kalte Nächte und sehr scharfen Ostmtb Nordwind mit Regen- und Hagelschauern. Äo kamen wir nach achtstündigem Marsch am 1. Avril in kalter Nacht gegen 11 Uhr sehr müde und hungrig, auch völlig durchnäßt in einem ostgalizischen Städtchen an. Gepflasterte Straßen und Chausseen gibt es dort nicht, und vom Regen Mar der Weg sehr aufgefahren und schlammig. so daßwiv vis an die Knie in.den Schmutz, einsmrken. Als Quartier wurde uns ein leerstehendes Bäücim.G haus angewiesen. Unser Magen knurrte mächtig, und so wurde ich bestimmt, für meine Kameraden zu versuchen. Lebensmittel auszukausen. Im völlig fremden Ort, ijm freu öden Lande stand ich nun vor cher Tür. Der Regen rieselte hernieder, auf einmal zupfte mich jemand leise am Rockschoß und neben mir stand ein Judenknabc inr Alter von 9—10 Jahren. Er sprach ein ziemf lich gütest Deutsch und sagte: „Herr Soldat, möchten 'L-ic etwas, so will ich- Ihnen gern helfen." Er sagte, er sei Jude, und die deutschen Soldaten helfen den Juden. Da wir nun im Orte sreMd seien, habe ihn seine Mutter ausgeschick". uns bei Beschaffung von Gegenständen zu unterstützen; ichmöchte mit ihm in die Stube seiner Mutter gehen, dort sei es schön warm und dort könnte ichauch warnien Kaffee trinken. Da ging ich zu seiner Mutter, einer armen Witwe, trocknete meine Sachen und bekam warnren Kaffee, Brot und Eier. Null fragte ich, ob ich süß ureine Kanchradeu auch Eier bekonrmen könnte. Die Mutter sagte, daß sie selbst keine hat, aber ihr Junge wyrde welche holen. Inzwischen erzählte die Mutter von. den großen Qualen wahrend des Russeneinfalles. Alles hätteir ihr die Ruffeil sortgenommen und sie und ihre Kinder blutig geschlagen. Ihr Manu, ein Uhrnnacher und Goldarbeiter, sei von den Russen angebunden worden. Er sollte sagell. wo die Deutscheil seien. Das ivollte er nicht tun und so hatten ihn die Russen dann aufgehängt. Sie mußte selbst halbnackend rnit ihren Kindern in einer: tiefen Wald fluchten und hätte dort über acht Tage gehungert und gefroren. Dann seien deutsche Soldaten gekommen und hätten sie und ihre Kinder in ihre frühere Wohnung gebtzachb wo sie sich wieder pflegen konnten. Die Deutschen hätten dann auch den Bauern das Unrechte. Gut wieder sortaeiloinmen und es ihr zurückgegebeu. Seit der Zeit sind die Bauern den Deutscher: böse. Nur die >'S Wochenschrift" ' Nr. 33 Juden in: Orte meinten es gut mit uns. Wie wir uns bald überzeugen konnten, stimnrte dies auch und wir iiiußten. wenn wir zu den Bauern gingen, stets unsere Waffen rnitnehnten. Am anderen Morgen bat mich der Knabe, wieder zu seiner Akntter -zu kommen. Diese erzählte mir. daß sie früher reich gewesen feien, bis die Russen kamen und alles sortnahmen. Nun habe der Knabe, der sehr gut und fleißig war. beim Vater Ringe Machen gelernt. Aus den gefundenen Granatgeschossen mache nun der Knabe Aluminiümringe. die er Liebhabern verkaufe, ur:d> von dem Erlöse lebe jetzt die ganze Familie und der Junge arbeite so viel, daß es ihnen jetzt ganz gilt gehe. Darauf brachte uns der Knabe ein kleines Kästchen mit solchen selbstgefertigten Ringen. Hiebei fragte er mich, ob ich Kinder hätte., Als ich dies bejahte, forderte er .mich auf. zwei Ringe zu nahmen, sie Euch zu schicken und-Euch zu sageil. daß ein kleiner Judenknabe sie Euch schenke: Jedesmal, weirn Jhlr die Ringe betrachtet, sollt Ihr daran denken, daß sie ein Knabe gemacht hat> der für seine Mutter Not und Entbehtung freudig erträgt und gern , für sie arbeitet. Er köpne uns nicht begleiten, er würde aber für uns beten. daß es' uns gut gehe und wir alle, wieder gesund in unsere Heimat zurückkehren. Wellige Stunden später mußten wir fort; und fröhlichen Mutes zogen wir unsere Straße weiter, den Russell entgegen. Ich blieb aber im Donner der Geschütze heiter und guter: Glaubens an meine gesunde 'Heimkehr, weit ich wußte, daß ein Reiner, braver Knabe für mich, betete." gilt denkwürdiges Schervrwthfest int Jetde. In dieser ernst-düsterei: Zeit, da soviel Tausende, nur durch Tränenschleier ins Leben blicken, tut es wohl, über, eins.,, schöne;. ,von,echt-. M.ischellr- - iMchmmestgehchigkeiLs!?... gesüßte.getragene Feier berichten zu können. .Eine-' solch erhebende Festfeier war es. die urfferem Schvuoth in T. sonnigen Glanz und glutvolle Wärme verlieh. Die vor einigen Wochen erfolgte Dekorierung unseres Feldrabbiilers Dr. Link bot den jüdischen Soldaten eine willkommene Gelegenheit, ihrem verdienstvollen Geistlichen die Gefühle wärmster Sympathien und verchrnngsvollster Ergebenheit auch durch ein nach außen sichtbares Zeiches..zum Ausdruck zu bringen. Nachdem der Feldrabbiner seine Festpredigt beendet hatte, trat Herr Oberleutnant JUDr. Bloch aus Wen, umgeben von einem großen Kreis von Offizierell. ans den Feldräbbiner zu und beglückwünschte ihn in einer eindrucksvollen Rede zu der Allerhöchsten Auszeichnung, die durch die gleichzeitige Verleihung der Schwerter für tapferes Verhalten an der Front dem gesamten jüdischen Offizierskorps!zur Ehre gereiche, was in unserer für die. Judenheit so schweren Zeit nicht hoch genug allzuschlagen ist.; Eine tiefe Rührung ging durch.die. versammelte Soldatenschar — es warer: zweifellos 350 Krieger versammelt —. als Dr. B l och jüdische Zitate einstreuend, den Feldräbbiner als einen strengreligiösen, selbstlosen Mann pries, der trotz der größten Entbehrungen in emsiger. mühevoller Berufsarbeit, in strengster Pflichterfüllung. so es gilt, Not. und Elend - zu lindern, seine höchste Lebensaufgabe erblickt und durch sein taktvolles Wesen das Judentum auch nach außM mit wackerer Entschiedenheit ur:d edler Würde vertritt. Je länger Dr. B l o ch sprach, um so wärmer. rvaren seine Worte und um so eindruMvoller wirkten sie. auf die empfänglichen Soldatenherzen. Ir: schlichten Worten dankte dann.FeldrabbinerDr. Li il k den Offizieren 'für Pas ihn ehrende Gedenken und schloß nrit einem wirkungsvoller: Danlgebet an Gott, dem er urrentwegt, dienen rvölle zur Ehre des Judentums und des Vaterlandes. 15

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