Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 22 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Bloch'S Wochenschrift w i d e r z e i L W i e n. 18. Bezirk. Gersthoferftraße 138/4 unter Nachweis der Arnlut,- Würdigkeit und des bisher ledigen Standes zu überreichen. Verspätet eingelangte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Der Vorsitzende des provisorischeil Knltnsrates: Abgeordneter Dr. W e ll d e r. Feuilleton. Fremde Sprachen in sndischer Schrift. Bon Matthias Mieses. C) Latein und italienisch in jüdischer Schrift. Das Alphabet Judäas erging auch über das alte Idiom Latiums. Doch! ist diese jüdisch-lateinische Lite-- raluv voir sehr geringen^ kaum nennenswertem Uursang. Das Lateill wurde von den inittelälterlichen Juden infolge seines kirchlichen Charakters nur sehr selten gebraucht und von den antit'eit nur sehr selten gesprochen. In der Münchener Hosbibliothek befinden sich mehrere lateinische Beschwörungsformeln aus dem Mittelalter, deren graphisches Aeilhere au Jerusalem gemahnt.-^) Ein vollständiges lateinisches Buch in hebräischer Schrift „Ile inSeüc.i conjugimi statu*4 erwähnt Steinschneider.-^) Viel reicher als die klassische Sprache der ewigen Stadt stellt sich iit jüdischer Kostümierung ihr unmittelbarer, bodenständiger Erbe, das Idiom des modernen Italien. Die literarische Verwendung der italienischen Sprache durch die Inden ist sehr alt. Ihr Beginn '^reicht in eine Zeit zurück, wo erst auch! die eigentliche italienische Literatur zu keimen ansing. Das älteste Schriftwerk im apnli scheu Dialekt stmümt ans dem 13. Jahrhundert und trägt hebräisches Schriftgeprüge.-^) Einen jndischitalienischeil HynMns mit einene sprachlich noch halb lateinischen Charakter erwähnt O. Schorr?o) Die jüdisch^-italienische Literatur, deren Umfang iricht gering gewesen zil feilt sehe irrt, wartet noch immer auf ihren Historiker. Scholl eilte rasche Rundschau fördert hier viel Interessantes zutage. Das British Museumbesitzt eilt jüdischi-italienischcs Poem aus denr Jahre 1479, wie eines wahrscheinlich aus dem Jahre 1580AH Steinschneider beschreibt eine Sammlung von Manuskripteil ans dem 16? Jahrhundert im Hebräoitalienisch, die sowohl Privatdokumente, Stanzell über Frauen, Kalenderreime tvie auch philosophische und kabbalistische Abhandlungen enthalten.^) Die Bodleana ist im Besitze zweier italienischer Bibelübersetzungen in jüdischer Schrift, von beneit eine ails dem Jahre 1590 stammt ulld voll Jizchak bell Jeschua und Ephraim ben Jochanan herri'ihrt, die andere hat Leo de Modena zum Autor. ^Z 'Die Berliner Kgl. Bibliothek besitzt eine italienische Uebertragung in jüdischell Charaktereil des philosophischen Hauptwerkes voll Maimonides aus der Feder voll Amadeo di Moisi (Jedidja ben Mose),- I- 1583ä-) Glossare in italienischer. Sprache in jüdischer Schrift zu hebräischen Werken < philosophischen Inhalts bestehen sehr oiele?5) 37) M. Güdemann: Die Geschichte des Erziehungswesens der Juden in Italien, II, 333, Wien 1884. Es) Steinschneider: In Monatsschrift für Wissenschaft des Judentums, XU!, Breslau. 39) Jewifh Encyclop.: ,VII, 310. 40) Schorr: Hachaluz, IX, 54, cf. Steinschneider, ib. 41) Margoliouth: I. e. No. 2083. p. 713, No. 656, p. 129. 42) Steinschneider: I. e. 317. ") Bodleana: No. 39. p. 7, No. 168, p. 27. 14) Steinschneider: Verzeichnis der hebräischen Handschriften der Berliner Königl. Bibliothek, I, 33. ^Steinschneider: Monatsschr., XUI, 322. Seite 371 Mit der Herstellimg solcher Glossare befaßte sich auch der Förderer der philosophischen Studien in Italien Guido RomanoV) Judäoitalienische Predigten schriebell Abraham aus La Monte san Marino und Mordchai DatoAH Italienische Graminati.en in hebräischer Schrift kennt mehrere Steinschneider.^) Voll jüdischr-italienischell Druckwerkeil ist folgendes bekannt: Die jüdisch-italienischen Gebetbücher Thfiloch Vllt gar wie auchThsilothLnäne aus dem Jahre 1509.'-', vie int Jahre 1550 in Mantua veröffentlichte Uebersetznng der hebräischen Abhandlung über Geometrie voll Moses Provinziale durch Josef Schalit/o) der Mischllatraktat Abboth,- der im Hebräoitalienisch im Jahre 1587 erschien?4) Die von Samuel Castelnuovo im Jahre 1609 in Venedig veröffentlichte Uebersetzung des Gebetes ans Moses Rietis Nachahmung der göttlichen Komödie, voll Dante/'-) der anonyme jndäoitaliellische Pnrimhymnns, der ine Jahre 1619 erschien/^) die Vereinsstatnten einer . jüdischell Gesellschaft in Venedig zur Verheiratung der Jungsrauen."4) Die judenitalienische Literatur hatte nllter kirchlicher Ullduldfamkeit viel ztl leiden. Italienische Uebersetznngen des Pentateuchs für Inden wnrderl nie gedruckt, weil die päpstliche Zensur und die heilige Inquisition es nicht gestatteten. Auch gegenüber dem Jndenitalienisch im Privatleben übte die Kirche Revressaliell. Papst Paulus IV. (1555--.1559) wie Pins IV. ,1560 1565) erklärten italienische Geschäftsbücher, die anders als mit lateinischen oder vulgär-italienischen Letterir geschrieben warell,- als ungültig."") Die UngnUigkeitserklärnng hat jedoch ihr Ziel nicht erreicht. Noch Jahrhunderte gebrauchte das italienische Judentum das Alphabet seiner Bibel. Im Jahre 1698 sah sich irr Rom der Vizeregent Sperelli veranlass, an die Judenschaft den Befehl zu wiederholen. Italienisch nlit detl bei' den Christen üblicherl Lettern zu schreiben und die Beschlüsse der jüdischen Gemeinde in Rom in italienischer Sprache llnd Schrift zu verzeichnen.-''"') Die jüdische Schrift behauptete. sich am Po llnd Tiber, solange die allhergedrach.e jüdische Glanbenssörmdell Einflüssen der frenedgläubigen Majorität zu trotzen vermochte. In Korsn wurde Italienisch mit jüdischen Letteril noch im 19. Jahrhundert geschrieben."''') Italienische Elegien ans Korfu in. hebräischer Schrift besitzt das Britische Museum, "s) Die Befolgung der allgemein glaubenshistorischen Norm durch die italienischen Inden erlitt ebensowenig wie bei den griechischen und arabischen Inden des Mittelalters durch Kultureinslüsse allein irgend welche Einbuße. Die Juden Italiens standen auch zur Zeit ihres Schriftseparatismus in regen Beziehungen zur Kultur der Christen des Appeninlandes. Amadeo di Moisi, der Uebersetzer des Mainlonideischen Hauptwerkes,- hatte, wie ein stillschweigendes Zitat in der Einleitung. Hum italienischen „Führer" zeig4, auch feiitett Tasso inne und beweist durch seine meist richtige Wiedergabe der wissen- Elbogen: Ein hebräisch-italienisches Glossar usw., in Berl. Festschrift, 65. 47). .Steinschneider: l. c. 319. 4S) 1. c. 322. 49) 1. c. 319. 50) 1. c. 466. 51) Güdemann: I, c. 206. 5'2) Steinschneider: l. e. XU Ff, 92. 33) 1. c. . «) >. 473. 53) Wagenseil: Belehrung der jüdifch-deutschen Rede- und Schreibart, Fürtrag Con^ilufcio cum minus 3) .Königsberg i unn. 56) Berliner: Geschichte der Juden in Rom, II, 189, Frankfurt 1893. 57) Jewifh Encyclop.: VII, 310. 5ä) Margoliouth: Eatalogue No. 690.' ll, 345.