Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 22 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022271--26056-3051393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 22 BSr. Bloch'S Wochenschrift' Seite 365 Die Vorgänge in Palästina. Unsere /.Hilfskontntission 1915 für Palästina" f)at7 wie erkliärlich', angesichts der alarmierenden Nachrichten,- die auch hier in Wien die gesamte Bevölkerung auf gewisse Vorfälle in Palästina aufmerksam gemacht hatten,-' alles aufgeböten, um sich über das Schicksal ihrer Schützlinge im Heiligen Lande Gewißheit zu verschaffen. Da telegraphischem Verkehr-Schwierigkeiten im Wege stehen,- und Briefwechsel mit Palästina Wochen tu Anspruch nimmt,- wurden beim höhen Ministerium des Aeußern, als der zuständigste!: Instanz, Erkundigungen eingezogen. Und wie in der ganzen Kriegsfürsorge für unsere Landsleute im Lande der Väter,- hat unsere hohe Regierung auch hier sich unser aller Anerkennung und Dankbarkeit verdient, indem sofort Erhebungen gepflogen wurden,- deren Ergebnis man, sobald sie abgeschlossen/ sicherlich zur Beruhigung weitester Kreise der Oeffenttichkeit übergeben wird. Das eine kann nach unseren Informationen schon heute mitgeteilt werden,- daß, 200 Mdische Staatsangehörige der Monarchie, die,- aus Jaffa evakuiert, sich! nach Saffed begeben habe::, umgehend von unserer Regierung unterstützt wurden. Uns war es hauptsächlich darum zu tun,- zu erfahren,- ob in den gemeldeten Justifikationen an Jemeniten Justizmorde oder Lynchjustiz Vorlagen,- ob der Kommandierende Von Syrien DjeMal Pascha die Evakuiernng'sbefehle nur auf Juden beschränkt und ob auch unter den österreichischen und ungarischen Staatsangehörigen diese Maßnahmen ausschließlich die jüdischen betroffen haben. Daß die Regierung in Konftantinovel der: Juden wohlwollend gesinnt ist, wurde ja unzweideutig betont. Allein es kann mitunter eilte Zentrale außerstande sein,- einen: Statthalter gegenüber ihre Meinungen und Wünsche wirksam zum Ausdruck zu bringen. Ferner n:l:ßte bei der politischen Haltung Djemal Paschas auffallen,- daß in 'Palästina der Wertunterschied zwischen türki sch em Gold und türkisch e:nPapiergeld derart gewachsen ist/ daß man beim Ankauf von Gold, das in Jerusalem gegenwärtig nahezu allein gangbar ist, ungeheuerlichen Forderungen begegnet, ein Mißverhältnis/ dessen schleunige Beseitigung von der bekannten patriotischen Energie Djemal Paschas mit Zuversicht erhofft werden darf. Was wir bisher in allen dieseneinschneidenden Fragen Von unserem Komitee in Jerusalem über die Zustände in Judäa erfahren konnten,- war ein ausführliches Telegramm/ in welchem bewnt wird, daß den umlaufenden Gerüchten zum großen Teil entstellende Havasmeldungen zugrunde liege!:. Es habe die Verfügung der Evakuierung Jaffas/ aus militärischen Rücksichten erfolgend/ alle Einwohner ohne Unterscheidung der Religion gleichmäßig getroffen. Während des ganzen Krieges sei kein einziger Jude' hingerichtet worden. Die Ackerbaukolonien seien intakt geblieben. Djemal Pascha komme aller: religiösen Wünschen der jüdischen Bevölkerung weitest entgegen. Wir begnügen uns für heute mit der Wie-' dergäbe dieser Verständigung/ die zu der Annahme berechtigt,- daß es sich bei den bewußten Ausschreitungen höchstens um kaum vermeidliche Uebergriffe untergeordneter Behörden handeln könnte. , Jedenfalls hat die - Hilfskommission" jetzt zu M a ßnahmen gegriffen/ die sich als geeignet erweisen .dürften/ den unter der Evakuierung unbeschreiblich Leidenden rascheste Hilfe nngedeihen zu lassen. Die /.Jüdische Rundschau", das in Berlin erscheinende Organ der zionistischen Bewegung,- erhielt über die Lage der jüdischen Bevölkerung in den von den Räumnngsmaßnähmen betroffenen palästinensischen Bezirken von Jaffa nachstehenden telegraphischen Eigenbericht von Mitte Mai : . - Auf Grund besonderer Berechtigung bleiben in Jaffa zurück gegen 30 Juden/ unter ihnen 12 Wächter für das jüdische Stadtviertel Tel-Awiw, wo alles bis jetzt unversehrt ist und Gärten gepflegt werden. Laut Verordnung dursten in den jüdischen Kolonien die Ackerbauer mit Familien, die Pflanzungsbesitzer ohne Familienangehörige zurückbleiben/ jedoch wurde die Verordnung ohne Strenge angewendet/ so daß die meisten Kolonieeinwohner aus Grund landwirtschaftlicher Beschäftigung Ausenthaltsrecht erlangen konnten. Nur etwa 600 Personen mußten die Kolonien verlassen. Von den 8000 bis 9000 jüdischen Einwohnern Jaffas/ welche Jaffa verlassen mußten/ befinden sich über 3000 in Untergaliläa, über 1000 in Pejachl-Tikwah, 1000. in Kfarsaba, per Rest verstreut über judäische Kolonien/ Samaria, Obergaliläa und Städte. Bei dem zunächst nach Petach-Ttkwcch gerichteten Auszug uns Jaffa halsen jüdische Wagen aus Galiläa; die Wagenfahrt war infolge des gegenwärtigen Futterpreises sehr kostspielig; bei der späteren Weiterreise aus Petach- Tilwah . standen Wagen nicht zur Verfügung/ da Pferde requiriert waren,- Bähnzüge aber waren nur mit großen Schwierigkei.en nach tagelangem Warten aus der Station unter freien: HimMel und bei unzureichender Verpflegung erreichbar. Die geschilderten Beschwerden des Weges verursachten Erkrankungen und einige Todesfälle. Die Evakuierung untergrub die wirtschaftliche Existenz der m eisten Betroffenen/ e r s ch ü t t e r t e das Kolonisationswerk/ zerstörte die allgemeinen Institutionen. Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sind unzureichend für die Flüchtlinge/ unter denen -Not und Kranit heit herrschen. Erforderlich ist die Einrichtung umfangreicher Notftandsarbeiten,- um arbeitsfähige Flüchtlinge nicht zu Almosenenrpfängern herabzumindern. Die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten können ausgenutzt werden durch Darlehen an Gesellschaften und Private, ferner durch Ameliorationsarbeiten auf den Besitzungen des Jüdischen Nationalfonds/ Errichtung von Lehmhütten und Zelten ist ebenfalls notwendig. Rationelle Flüchtlingsfürsorge beansprucht wenigstens 12.000 Francs täglich. Für die Erhaltung der Pflanzungen sind für die nächsten fünf Monate bis zur Ernte außerdem 250.000 Fr. notwendig. Eine Evakuierung Jerusalems ist nicht erfolgt. Die Breslauer /.Jüdische Volkszeitung" berichtet zu diesem Telegramm/ daß seine Fassung vom Berliner Auswärtigen Amt festgesetzt wurde. Die /.Frankfurter Zeitung" gibt mit folgenden Begleitworten eine telegraphische Meldung dees Frankfurter /.Israelit" (richtiger wohl des Frankfurter Komitees der den tsch-holländisch en Chalukah) wieder: /.Keine Judenverfolgung in Palästina." Aus englischen und amerikanischen Qpellen werdenin der neu-, tralen Presse Berichte über angebliche Judenverfolgungen in Palästina veröffentlicht und von der Haager Jüdischen Arbeiter-Korrespondenz weit verbreitet. Die Zeitschrift /.Der Israelit" stellt in ihrer neuesten Nummer fest, daß diese Berichte durchaus tendenziös sind und genau wie die Erzählungen von den armenischen Greueln lediglich darauf gerichtet/ gegen die Zenträlmächre Stimmung zu machen. Die genannte Zeitschrift meldet dazu: /.Nach den bei uns vorliegenden direkten Berichten aus Palästina mußte auf Militärische Anordnung Ende März die Hafenstadt Jaffa von der Zivilbevölkerung geräumt werden; dabei erhielten die oltomanischen Untertanen Weisungen,- sich in das Innere des Landes zurückzuziehen und die jüdische (also wohl: ottomanische. Anm. d. Red.) Bevölkerung trat zum -größten Teile die Wanderung nach Galiläa an. Die Untertanen der Verbündeten Mächte begaben sich zum'Teile nach Jerusalem. Daß eine der- Jeder treue Jude zeichnet die 6. Kriegsanleihe