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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-08 · 22 (8.6.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
22 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Würdig unseren Vätern und Brüdern im Felde zeichnen wir die 6. Kriegsanleihe. Seite äb8 Dr. Blocks Wochenschrift" daß im Herrenhause kein Repräsentant der Mischen Konfession siU. durch die Paranthese /sprich: des mosaischen Glaubens)" aus der Welt zu schassen sucht. Die jüdischen Herrenhausmitglieder (sprich: Herrenhausmitglieder jüdischen Glaubens) wurden berufen/ nichts weil sie Juden sin dt sondern trotzdem sie Inden sind. Es sind Gelehrte, Schriftsteller Industrielle, Financiers, die in ihren Bernsen dem Staate bereits große Dienste geleistet haben; cs sind unter ihnen Männer, deren Namen auch im Auslande ausgezeichneten Klang haben, bereu reiche Erfahrungen, hervorragende Fachkenntnis auf ihren Tä:igkcilsgebieten auch im Oberhause unserer Gesetzgebung von großem Werte sein werden. 'Sie sind aber nicht Vertreter der jüdischen Konfession! Ist die Auslegung der . Reichspost", was wir nicht zu geben können, richtig, dann sei die Frage gestattet: warum findet sie bloß aus die jüdische Konfession und nicht auch aus alle übrigen im Staate anerkannteil Glaubensgcsellschaften Anwendung? Es gilt als selbstverständlich. daß außer den Herrenhausmitgliedern der verschiedenen christlichen Konfessionen, welche auf Grund ihrer Geburt oder ihrer, persönlichen Verdienste dem Herrenhause an gehören. Kirchenfürsten, Oberkirchenräte nsw. dieser Glaubensgesellschaften /rast ihres Amtes im Herrenhause sitzen oder in dieser ihrer Eigenschaft als Repra?- sentanten ihrer Konfession ins Oberhaus berufen wurden. Warum darf der jüdischen Konfession gegenüber nicht derselbe Maßstab Geltung finden? ... * * * Die Person des Dr. Alfred Stern tönule für dessen Streichung aus der Liste der zu Berufenden keinen stichhältigen Grund bilden. Trotz seines hohen Alters ist Dr. Stern von einer körperlichen Agilität und geistiger Kapazität, um die ihn manches junge Herrezrhausnritglied beneidet. Er wäre nicht nur als Repräsentant der jüdischen Konfession wertvoll, sondern würde auch als gründlicher Kenner der österreichischen Verhältnisse, deren Entwicklung er mit sehendem Auge miterlebt, an der er Jahrzehnte hindurchin seineur öffentlichen Wirkungskreise auch persönlich mitgearveiter hat, einen Gewinn für den Rat der Obereir darstellen.. Wenn es überhaupteinen annehmbaren Borlvand dafür gäbe, daß auch diesmal kein Repräsentant der jüdischen Könfeftion ins Herrenhaus berufen wurde, so könnte es höchstens der sein, daß die Jndenschast Oesterreichs noch immer der Gesamtorganisation entbehrt, die die übrigen Religionsgesellschaftel: bereits besitzen. - Seit mehr als zwanzig Jahren ist Präsident Doktor steril mld mit ihnc ein Kreis ihrer Pflichten bewußter Repräsentanten großer österreichischer Kultusgenieinden bemühft die autoritative Gesanrtorganisation der österreichischen Judenschaft zu schaffen. Die Schaffung. dieses für den Staat und die Judenschüst gleich wichtigen Ausbaues der' Rechtsverhältnisse der Juden Oesterreichs bildet gewissermaßen ein Lebensziel Dr. 'Sterns und seiner Mitarbeiter: Regierungen kamen und gingen in Oesterreich. Dr. Stern mußte immer von neuem anknüpfel:, immer neue Schwierigkeiten bekämpfen, immer von neuem alte österreichische Vorurteile widerlegen, die mit unbezwingbarer Hartnäckigkeit sortwucherten. Und war schon die prinzipielle Geneigtheit einer Regierung erlangt, so traten jene betrübenden Symptome von Jndisserelltisnrus in dem einen Teile, von parteiischer Selbstsucht und politischer Kurzsichtigkeit in anderen Teilen innerhalb der Judenschaft zutage, die stets das folgenschwerste Hindernis jeder jüdischen Organisationsbestrebnng bildeten. ~ Diese Situation darf nicht länger anhalteil. Zu schwer sürd die moralischen und sozialen Schädel: — von denen der Ausfall der jüngsten Herreichausernennungen nur ein Symptom ist — i die uns unsere Unorganisiertheit in diesen Kriegsjahren zugefügt hat. als das^ wir, ohne all dell gesunden Sinn der österreichischen Juden zu verzweifeln/ annehmen dürsten, daß heute nicht in jedem von uns die Ueberzeugung lebe, daß die Schaffung einer im Gesetze begründeten autoritativen Gesmntorganisatiorl eine Existellzbedingung nickst ltur für die Kultnsgemeindel:. sonder:: für jedes einzelne Mitglied derselben bedei'.tet. Aber auch ieitt unbefangener österreichischer Staatsmann köngte die Lehren des Krieges so spurlos all sich vorübergehen lasse::, um nicht zu erkennen, daß der vor 26 Jahre:: bereits in Aussicht genommelle Ausbau der äußeren RechLsverlMtnisse der Inder: Oesterreichs heute gleichsialls %u den nunmehr unauffchiebbären Staatsnotwendigkeiten gehört. Die Thronrede hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die verfassungslnäßigen Grundlagen des österreichischen Staates einer Neuregelung zustreben. Diesen Psychologischen Moinent ungenützt verstreichen zu lassen, lväre eine Sünde an der eigenen Gemeinschaft, wie an dem Staatsganzen, welche lveder 'die Führer in: österreichische:: Judentum noch' die Lenker des Staates auf sich laden dürfell. Wir dürfen diese Frage llicht mehr" zur Rühe kommen lassen, bis' sie die gewünschte Lösung gefunden hat: die Schaffung der autoritative!: Gesaintorganisation der Judenschaft Oesterreichs. KrieAsdienstLeistung prdrschrr Franrrr. Hat der Krieg ungeheure Werte zerstört, so hat er anderseits.auch ungeheure Werte geschaffen. Die Zerstörung, hat die umteriellen Werte, ergriffen,' geistige, mehr aber noch seelische Werte sind durch ihn geiüeckt worden. Die Not,- diese gewaltigste Lehrmeister in, hat alle Kräfte im Menschen au.gerusen/ die im srenitdlichen Alltag verkmüinert waren. Mit der Kraft des Geistes hat er sich' gegen sie gewehrt und ihm gigantische Erfindungen abgerunge::; Güte und Opferbereitschast, die Kräfte der Seele,- haben sich ihr entgegengelvorsen. Es waren ii: erster Linie die Frauen,^ die sich belviesen und bewährt - haben. Man wird den Bericht von der Kriegsdienstleistnug der österreichischen Frau in das Buch der Geschichte mit goldenen Lettern eintragen und die jüdischen Frauel: werden sicherlich unter jenen sein, deren mit den: höchsten Lobe gedacht werden wird. Gerade die jüdische Frau ist eil: Beispiel dafür, daß es der Igroßell Erregung des Krieges bedürft-hatte,- um ungeahnte schlunünernde Kräfte aufzurnsen. Scho:: als Mädchen wird die junge Jübir: int Elternhause unihegt :u:d in erster Linie auf den einen Beruf vorbereitet: Frau und Mutter zu werden. Was die Eltern begonnen haben, setzt der Gatte fort. Er versucht llicht liur, ihr die Steine aus denk eiigenen Wege zu räuinei:,- er lenkt auch ihren Blick von jenen ab, welche, ilü Lebenswege anderer Frauen liegen. Den Blick in die Tiefer: der sozialen Kluft, in Pas Leid und die Not ihres Geschlechts hat man der jungen Jüdin unserer gntb ärgerlichen Kreise stets gewehrt. Darum stand sie'in den meiste:: Fallen der FpanelOewckgüng ziemlich! fremd gegenüber. Das SuffragettentuM lag ihr fern und sie sah die tiesen Gründe nickst' für den sozialen Kampf , der Frauenwelt. Wohl sah Man stets einzelne Mische Frauel: an der Spitze sozialer Vereinigungen stehen,- aber die große Gefolgschaft der Glaubensschwestern blieb ihnei: verscgt. ' / - - . ' A / / Der Krieg aber rief die jüdische Frau mit mahnenden Stimmen ans- Es war nickst nur die Oesterreicherin in iM die ihre Seele tief getroffen fühlte, da sie Vater,- Bruder oder Gat Lei: hinausziehen sah. Die ersten

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