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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-08 · 22 (8.6.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
22 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift" Seite 359 Nr. 32 Tatze des Krieges trafen Kinder des Mischen Volkes mit (ganzer Wucht und Schwere,- und als Galizien unter Leiden und HeiMsuchuntz seufzte^ als die Straßen Wiens sich nlit den Ausgestoßenen/ Vertriebenen, stillten, da ivnßten die jüdischeil Franeir mit einemnral,- daß die, die da litten,- Kinder ihires eigenen StaNünes uild Volkes waren. Stand, Bildur-tz und Kultur bildeten, auf einmal keine der Schranken mehr,- als die sü seit Jahrhunderten starr (gestanden hatten; das Blutdie Rassen- und StamMesverwan dtschast ivnrden groß und schllseil nicht Mitleid,- nein, sondern edleres und größeres: das Bewußtsein,.'daß es Pflicht sei, hier zu helfen. Die jüdische Frau hat (großes in der Flüchtlingssürsorge geleistet/ aus diesem starken, und -selbstverständlichen Gefühl heraus,- das jeder betzreifen und verehren muß. Karin Michaelis,. die dänische Dichterin, hat diesem bewundernden Versteheil schöne Worte geliehen/ als sie irr ihrem großeil Buche /.Opfer", das von der Kriegsarbeit im österreichischen Lande erzählt,- von Frau Anitta Müller, der Schöpserill der großen Wohlsahrtsinstitutioilen für Flüchtliiltze aus Galizien xutb der Bukowina,- sprach: ,-,.Da vor ihr diese Zerrisseile, leidende schmutzige Menschenschar.... diese Alten und Jllngeil illit zitternden Gliederil ilud vor Antzst brechenden Aiilgeil/ das waren ja.das waren ja.... ihre Stammesgeilossen. Sie selbst gehörte zu ihnen,- sie alle gehörten zu ihr. . . -» . Sie, ' die niemMs über Rasse oder Religion gegrübelt hatte,;ie, die sich ilicht voll Faillilieilbandeil oder Tradition beschveren ließ,- begriff iin Nil, daß, was auch geschehen mochte, diese Leute ihr Volk waren. Ihr Schicksal ivar ihr eigenes. Es war, als sei sie mit ihiien vierzitz Jahre -ffnrch beu brennenden Wüsterlsand tzewandert, als sei sie durch rillen Zufall vou ihileu getrennt ivordell und habe sie nun iviedeltzesllilden. Mußteil sie hungern/ so karrt es auch ihr zu. Huiilger zu leiden. Mußteil jie sterben, so war auch sie dem Tode geweiht. Alles/ rvas bisher geiveserl, ivar wie ausigelöscht, sie selber ivar eine andere, ivar un geschmolzen ivordell. Es gab nrlr eirlen Weg, ntochte er auswärts oder abwärts führen: der Weg, der der ihre ivar. . . . ." Hieriri.ist Frau Anitta Müller ein Typus,, der Typus der jüdischeil Frau irnserer Tatze. So ivie sie habeil hilnderte andere gesuhlt/ so wie sie haben Hunderte aildere nach gehandelt. Hervorstechend ist sie aber durch ihr oltzanisatorisches Genie geworden,- durch ihr Talent,- die sozialen Nöte zu erkennen, durchs hervorragende Klugheit und Energie,, die sie die richtigen Wege eiilschlatzen ließen. So wurde sie zrlr Führerin. Was sie für die Flüchtliisgsfürsorge geleistet hat,, wird unvergessen bleiben, aber Man wird neben ihrem Namen die Namen derjenitzen itciuieu lllüsfen,- die ihr treue lind opferwillige Gefolgschaft geleistet. In diesen Tctzeil ist der zweite Jahresbericht der Wvhlsahrtsinstitutioneil der Frau Anitta Müller erschienen. Der erste ist eine grandiose Ueberraschung gewesen — ,,d a s hat eine Frau, eilte einzige junge Frau schassen und leisten können!" Auch der zweite ist iu eitlem Sinne eine Ueberraschung und macht uns tief betroffen. So besteht also diese Not immer llvch? Die Zahl der. bedürftigen Flüchtlinge hat sich wohl.verringert,- aber die Not ist noch! groß genug. Ulld wir hatten geglaubt, daß die Flut des unglücklichen Volkes wieder zurückgeebbt ivar in ihre Heintat,- daß ihr Elend sich gelindert hat,- daß wir nunMehr wieder uns unserem Frohmut und uiiseren eitzenen Sorgeil hingeben,- anderell sozialeil Nöten znwenden dürsten? Eille Schar tapferer Frauell aber blieb der Arbeit treu, zll Der sie geschworen hatten luld die immer noch notwendig War,. iMm e r noch n o t w e n d itz i st. Wenn allch die Spenden spärlicher sickerten/ wenn das Interesse der Besitzenden ihres Volkes zu erlahmen drohte,- :ihielten bei ihren unglückseligen Volksgenossen aus,- hielten tapfer stand, rechneten, arbeiteten und sorgten, aber sie gaben ilicht am, was die ungestillte Not unentbehrlich machte, sie ließen die helfende Hand nicht sinken, nach der noch immer Hunderte (griffen. Auch iin zweiteil Jahre ihres Bestandes haben die Wohlsahrtsinstlrutionen der Frau Anitta Müller reiche Arbeit (geleistet. Fast tausend Frauen haben im zweiterr Jahre die Hilfe der Wöchllerinnellfürsoltze in Anspruch- -genommen,, eine Zahl, die nur um weniges hinter der des ersten Jahres znrückbleibt. Keine einzige von all btefeit ist, trotz der furchtbar widrigen Lebensumstände, in denen sie (gelebt, uild denerl sie ohtre die Hilfe der Institution preistzegebell gewesen wären, bei der Entbindung gestorben. Darunter waren Frauen, die bereits zum zwe itenmal sich der Fürsorge anvertrallt hatten und über zweihundert hatten ein zweitesmal die Mühsal und das Enrsetzeil der Flucht mitzpmacht, als sie der erneute Vorstoß der Russell wieder aus der kaum zlrrücigewonrlenen Hemmt vertrieb. Das Mütterheiilk hat 190 Frauell an 1107 Verpflctzstagen beherbergt. Wer Flüchtlingselend kenn / wird verstehen, wie viele durch das Wirken dieser Institution vor Siechtum oder Tod bewahrt lvnrden. 1159 ist die Zahl der Schützling der Säugliugssürsorige. 235 Kinder hat die Heimstätte verpflegt/ vereinsamte,- schwer rachitische, vöiltz unterernährte Kinder; Sälltzlillge, deren Mütter gestorben oder selbst schwer erkrankt warell, und der Jahresbericht sagt: „Niemals ist ein leeres Beuchen irr dem Heinr zu finden nild täglich ntüssen viele Mütter mit ihren krankerl Lieblingen aligewiesen werden,- iveil die Mittel nicht hinreichen, uirü das Heim entsprechend Zll vergrößern." Möge diese stille Mähilnnlg offene Ohren uild Herzen finden! Die Arbeitsschule hat über 2500 Frauell Arbeit und Berdiellst gewährt, sie war es allch, die als erste Institution der Frau Anitta Müller ihr Wirken in das Heimatland der Flüchtlinge/ ^rach Galizien selbst ausgedehnt hat, wo zwei neue Schulen gegründet umrbeit ulld wo bereits rrtehrere ehenralige Ächülerinnell durch die irr der schule erlangten Fähigkeiten sich selbständige Existellzen gründeil koiulten. Die Arbeitsschule, dererr vortreffliche Erzenlgnisse man in dell verschiedenen Ausstellungen so sehr bewundert hat,, erhält sich auch schon heute allein und keine der dort arbeitenden Frauen,; von denen die meisten den besseren Ständen angehören, braucht sich durch das Gefühl,. Almosen zu empfangen, beschämt zu fühlen. Es feien hier nicht alle Daten angeführt/ die das Büchlein bringe denn jeder, der für die elendsten der Kriegsbetrossenen,- die Flüchtlinge, fühlt, wird es eifrig und ermst lesen; über der Dank sei hier wiedergegeben/ den Frau Anitta Müller ihrell Mitarbeiterinnen zollt/ die sie hingebungssvoll bei ihren Werken unterstützt haben. Ihre Namell müssen auch in der Ehrenliste stehen/ die man, im Rückblick aus die schweren Tage des Krieges, all das Kapitel der Kricgsdienstleistung der jüdischen Frau fügen wird. Fräulein Emmy Ko hm die den regsten Anteil an der Gründung der Institutionen genommen hat/ erwarb sich auch um derell Fortführung die allergrößten Verdienste. Mit tiefem/ innigem Verständnis für alle Absichten der Frau Anitta Müller verbindet sie aufopferndste Hingabe an alle Institutionen/ deren Betrieb sie bis ins einzelne kennt. Ihrer Leitung untersteht das Hauptbüro,- die Wöchnerinnensürsolge und der Säuglingsschutz/ außerdenl führt sie die Kassaverlvaltung und regelt den Par- Wie unsere Heiden an der Front, sn steht zu Oesterreich, wer die 6, Kriegsanleihe zeichnet

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