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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-08 · 22 (8.6.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
22 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»*•22 Dr. Bloch’s **««« Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. o u- —o p V. k. Postsparkassrnsiml Clearing --Verkebr Mr. S10.97S. Redaktion und Administration: r II/i, Praterstraße 9. 'j Telephon 45,859. ^1 oO . -Oo Wien, 8. Juni 1917 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. O <jr-— - --OO p Vrr«ssxrrrs für ©rffsrreidj: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für dns Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Pctitze'.le 48 Heller. o O .O n Inhalt: Leitartikel: Schaffen wir eine jüdische Organisation! Kriegsdienstleistung jüdischer Frauen. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Oberst Alois Eisenstädter. — Die silberne Tapserkeitsmedaille 3. Klasse zum drittenmal. — Zum drittennial ausgezeichnet. — Zum zweitenmal ausgezeichnet. — Ernennung von Feldrabhinern. — Auszeichnung im galizischen Finanzdienst. — Persönlicher Mut und aufopfernde Bruderliebe.. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Aus den Petersburger Revolutionstagen. — Ein Ehrentag der 58-er. — Eine Kundgebung von Juden in Odessa für die -'rumänischen Juden. — K o r r e s p o n d e n z e n: Aufruf! — Die Vorgänge in Palästina. — Zur Lage der Juden in Palästina. — Eine Interpellation im schwedischen Reichstage. — Ein Schweizer Bericht. — Auszug aus dem Protokoll über die Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 6. Mai 1917. — Zeichnet sechste Kriegsanleihe! — Bernhard Münz 60. Geburtstag. — Vermischtes. — Feuilleton: Fremde Sprachen in jüdischer Schrift. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Schaffen wir eine jüdische Organisation! (Zu den Mglsten ^Berufungen mH Herrenhaus.) ■ Die Streichung des Präsidenten der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern ans der Liste der ins Herrenhaus Berufenen hat in allen Kreisen der j ü d i sch e n B e ü ö l k e r n n g die peinlichsten Gefühle ansgelöst.- Alle Parteien innerhalb des Judentums in Oesterreich. — mögen sie zu den politischen <Anhängern oder Gegnern Dr. Sterns gehören — empfinden es als einen bewußten Affront, daß. in einer Zeit, da historische Entwicklung und politische Klugheit der Demokratie den Weg in Pas gesamte öffentliche Leben ebnen, daß. zur selben Zeit, da die Regierung bei den jüngsten -Berufungen ins Herrenhaus, sich mit so peinlicher Sorgfalt bemüht gezeigt hat, den Ansprüchen selbst der an Seelenzahl kleinsten nichtjüdischen Konfessionen durch ^Ernennung eines offiziellen Vertreters gerecht zu werden: gerade die jüdische „Religionsgesellschaft" zurückgesetzt, von oben herab beleidigt wurde. Man ist in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung mit Recht der Meinung. daß insolange das österreichische Oberhaus nach seiner gegenwärtigen Struktur nicht nur eine Repräsentanz des Geburts-, Geistes- und Geldadels, der Industrie und des Handels darstellt, sondern auch die offiziellen Vertreter der in Oesterreich anerkannten Konfessionen in sich vereinigt, die jüdische Konfession nicht ausgekschaltet werden darf. Selbst das Organ des Piusvereines, die „Reichspost". fühlt das Unrecht, das dem Judentum in Oesterreich tzugefügt wurde. Denn sonst würde es sich nicht so krampfhaft bemühen, durch jesuitische Verdrehungen die Sache so darzustellen, als ob durch die Berufung einige r I ud en ins Herrenhaus die jüdisch e Konfession bereits ihre Vertretung im Herrenhaus hätte. Das Antisemitenblatt sieht sich nämlich, durch unsere einfache Aufzählung der Herrenhausmitglieder jüdischen Glaubens zu folgender Ech!t-„Reichspost"-Entstellung gedrängt: . „Eine neue Gruppe int Herrenhaus? Durch die Ablehnung des Herausgebers der „Neuen Freien Presse" Moritz Benedikt bei der Abstimmung Mer die Aufnähme'stieu angemeldeter Mitgliederin der vorgestrigen Sitzung der Berfassnngspartei des Herrenhauses wird ein Artikel in Nr. 20 von „Doktor Blochs Oesterr. Wochenschrift" aktuell, worin nachstehende Mitglieder des Herrenhauses als eigene Gruppe anfgezählt werden: Louis Freiherr U. Roth s ch i l d, Chef des Bankhauses S. M. v. Rothschild; Bergrat Max R. von Gutmann. Gesellschafter der Großhandlungsfirma Gebr. Gntmann in Wien; Dr. Philipp R. v. Gomperz. mährischer Landtagsabgeordneter, Obmannstellvertreter des Klubs des verfassungstreuen Großgrundbesitzes im Mährischen Landtage; Moritz Benedikt. Herausgeber und Chefredakteur der >.,N. Fr. Presse"; Hofrat Professor Dr. S. Grün Hut; Hofrat Professor Freiherr Josef Schey v. Koromla: Kommerzialrat Bernhard Wetzl er. Generalrat der Anglo-Oesterreichischen Bank. Das genannte Blatt fügt hinzu, es werde „als Zurücksetzung schmerzlich empfunden, daß der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde diesmal nicht als Repräsentant der jüdischen Konfession (sprich: des mosaischen Glaubens!) in das Herrenhaus berufen wurde". Der Grund dieser „schmerzlichen" Unterlassung ist wohl der. daß im Falle der Ernennung aus der Siebenzahl der bereits Berufenen eine Achtzahl gewor- ' den wäre, die in den auserwählten Kreisen viel weniger beliebt sein soll als die erstere. Die Kultnsgemeinde erscheint übrigens durch die Siebenergruppe des Herrenhauses vollwertig vertreten." Nein, liebes Pinsblatt! Diesmal ist der Schwindel zu plump, weil die Frage, um die es sich hier dreht, zu klar ist. Es ist eine bewußte Verdrehung, wenn das Blatt des berufsmäßigen Judenhasses unsere Beschwerde, Vier treu zu Kaiser und Reich steht, zeichnet die 6. Kriegsanleihe.

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