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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-01 · 21 (1.6.1917) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
21 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 354 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 21 enormen Preisen feine Anschaffungen machen. Er appelliert an das gute Herz derjenigen, die nichts entbehren, wenn sie ihrer ausrangierten Garderobe ein Kleidungsstück entnehmen. Zu aufrichtigem Dank verpflichtet ist den edlen Spendern. Earl Pesch, 17. Dez-, Wurlitzergasse 39. Einheit. Die nächsten Sorgen des Vorstandes. "Vor einigen Tagen erschien gerade während der Mittagsausspeisung ein vornehmer Gast in den Ausspeisungssälen der „Einheit", welche heute bereits eine Sehenswürdigkeit unserer Gemeinde bilden. Es war ein grandioses und gleichzeitig ein erschütterndes Bild. Hunderte von Menschen waren auf der Straße angestellt und warteten, bis diejenigen, die ihnen zuvorgekommen waren, ihr Mahl verzehrt und ihnen Platz gemacht hatten. Bei einem anderen Ausgang warteten wieder Hunderte, bis sie darankamen, um das Mittagsmahl für ihre Familie nach Hause zu tragen. Das Küchenpersonal, die Kellner, die Verwalterin, die Vorstandsdamen hatten alle Hände voll zu tun, um die Anstürmenden befriedigen zu können. Mit lebhaftem Interesse verfolgte der Gast die Vorgänge in der Küche und in den Speisesälen und äußerte schließlich die Meinung, daß dieser Zustand nicht lange andauern dürfe. Der Präsident des Vereines, welcher die Führung des Gastes übernommen hatte, stimmte dieser Ansicht bei, indem er daraus hinwies, daß das Lokal für höchstens 1000—1200 speisende Personen gedacht war, während jetzt 3000—4000, an manchen Tagen sogar 5000 Portionen verabfolgt werden müssen. Einige .Tage später erschien der obbezeichnete Gast beiin Vereinsobmann und erlegte eine Spende von 100,000 Kronen als.Beitrag für den Bau eines eigenen Hauses der jüdischen Volks- IpejsMalle „Einheit" mit den Worten: „Vor einigen. Tagen wurde ich. angegangen, für eine interkonfessionelle. Küche einen Beitrag zu-, leisten. Ich entspreche dieser Anregung hiemit, indem ich der „Einheit" 100.000 Kronen spende. Denn meiner Auffassung nach, ist, eine Volksspeiseanstalt nur dann interkonfessionell, wenn Juden, und Ehristen sie ohne religiöse Bedenken genießen können. Der Jude kann aber von einer nicht nach seinem Ritus geführten Küche, ohne - Verletzung seiner Religion, keinen Gebrauch machen, abgesehen davon, daß die Erfahrung lehrt, daß Juden, die sich über solche Bedenken hinwegsetzen, von den christlichen Besuchern nichtjüdischer Volksküchen allzuoft nicht sehr freundlich behandelt .werden. Anders ist es in einer hygienisch, und rationell verwalteten jüdischen Volksspeisehalle, - wie das bei der Einheit" der Fall ist, diese ist wirklich interkonfessionell, denn sie kann von Juden und Christen ohne Gewissenszwang benützt werden." Der hochherzige Beitrag des munifizenten Spenders hat sowohl im Vorstande des Vereines, als auch bei allen Vereins- Mitgliedern, denen die Sicherung der Existenz der Einheilsküche für alle Zeiten am Herzen liegt, fteudige Genugtuung hervorgerufen. Der Vorstand steht bereits wegen eines bestimmten Bauobjektes in ernster Unterhandlung und es ist gar kein Zweifel, daß die Spende des Herrn Wilhelm Reumann auf die vermögenden Kreise unserer Gemeinde beispielgebend wirken, und der Vorstand der Einheit" schon in naher Zeit in die Lage versetzt sein wird, die Volksspeisehalle mit allen. modernen Einrichtungen, jedoch in viel vergrößertem Maße in einem eigenen Heim ünterzubringenj. Wien. Wer sich selbst erfieuen will, der mache Kindern eine Freude. 150 Kinder waren am „Lag boaumer" durch die hochherzige Spende eines jüdisch fühlenden Mannes beglückt worden. Die Schützlinge des unter der ausgezeichneten Leitung der Präsidentin Frau Emma Fi sch l er-Landeis stehenden Ausspeisungsvereines sowie als Gäste die 50 Knaben der „Heimstätte für - jüdische Kinder", 15. Bez., Herklohgasse 21, fuhren unter sorgsamer Aufsicht in den Prater und besuchten verschiedene Schaustellungen, belustigten sich auf den Ringelspielen und erhielten sodann im Saale des III. Kaffeehauses eine vorbereitete gute Jause. Voll innigen Dankes für den braven, gutherzigen Wohltäter und für die immer herzensgute Gönnerin fuhren die Kinder abends wieder heim. Lange Zeit wird ihnen die schöne Feier des „Lag boaumer" noch in Erinnerung bleiben. . ■ ■■_ R. K. Austritte aus dem Judentum vom 20. bis 26. Mai 1917. Ebernuum Elotilde, geb. 2. August 1893, Sadagora (Buk.), 6. Bez., Albertgasse 26. . Fischer Sidonie, Beamtin, geb. 2. Februar 1888, Wien, 13., ,Bez., > Hütteldorferstratze 357. Hölzl Matthias, geb. 22. Dezember 1895, Gaubitsch (Niederösterreich), 4. Bez., Floragasse;?., Löw Simon (Moni), geb. 16. Oktober 1893, Czernohora (Mähren), 9. Bez., Hotel Union. Müll« Paul, Handelsakademiker, geb. 13. März 1900, Wien, 6. Bez.. . Mariahilferstraße la. Schwas Sakonwn, Regisseur, geb. 4. September 1875, Vaglljhely (Ungarn), . 3. Bez., Pfeffechofgasse 5. Taussig Mignon, geb. 10. Februar 1897, Wien, 9. Bez., Eisengasse 15. Dinester Marya (Marjoin), Bedienerin, geb. 2. Februar 1891, Leniberg, 3. Bez., Krieglergasse 14. Waldmann Silva, geb. Einstein, geb. 15. September 1886, München, 6. Bez., Linke Wienzeile 52.;. ^; Wer weiß?; Blume Weiner aus Mamajesti (Bukowina), gegenwärtig Flüchtling in Ksetin, sucht ihren Schwiegervater Srul W e i n e r aus Popilniki (Galizien), geflüchtet am 16. Juni 1916. Außerdem sucht sie ihren Mann Salamon Weiner, 1. Ulanen-Regiment, 3. Eskadron. Feldpost 67. - Israel Oblas aus Nadworna, derzeit Neuern, sucht seinen Bruder Moses S t e i g M a n n, Schneider, aus Kolomea samt Familie und seinen Brüder Samuel Ob l as aus Nadworna samt Familie. Leib Ehrenpreis, per Adresse: Leib Koretz in Ropczyce (Galizien), sucht seinen Vater Samuel Joses Wolfshaut aus Sassow bei Zloczow. . Hersch Balaban sucht seinen Bruder Leib Balaban, von dem er weiß, daß er vor zwei Jahren in Buczacz (Galizien) war. Jeder, der eine Auskunft über seinen Aufenthaltsort oder sein Befinden geben kann, wird gebeten, die Nachrichten an Hersch Balaban, Wien, 15. Bez., Herklotzgasse 21, zu richten. iilil üöii B) Griechisch. , Gerade wie auf dem Sprachgebiete der semitischen Aramäer und Araber, richtete sich das aus seine Eigenart nicht verzichtende nMersehrte Judentum auch ans den Sprachgebieten der Jndoenropäer ein. Der Unterschied des Sprachsystems beeinträchtigte nicht die Stoßkraft ‘ der Schrift der Synagoge, ebensowenig wie die arabische Schrift in ihrem Siegeszug in Persien, Indien usw. unter dem Gegensatz! zwischen Dreilettrigkeit und Jnflexion einerseits und Vokalfestigkeit und Präsigiertheit anderseits litt. Das griechisch sprechende integrale Judentum des Mittelalters besaß ein von den Ehristen griechischer Zunge durch Alphab etverschiedenheit separiertes Schrifttum. Aus diese vergessene Literaturgattung machten in neuerer Zeit mehrere Sprachforscher die Gelehrtenwelt aufmerksam, so M. Papageorgios auf dem fünften Orienhalistenkongreß in Rom im Jahre 1899. Das älteste uns bekannte Misch-tzriechische Druckwerk ist die in der Konstantinopler Polyglotte im Jahre 1547 gedruckte griechische Bibelübersetzung mit jüdischen Typen,^) eine Uebersetznng/ deren Entstehnngszeit, nach der Sprache zu beurteilen, noch; um., eilt' paar Jahrhunderte vor der Drucklegung zu ante datieren ist.20) Proben aus dieser Bibel (Specimi.ua versionis judaicae graecoharbarae) gab bereits Wolf vor Hwei iKährhünderten in seiner Bib1iathek.-0) Die im jüdischen Alphabet veröffentlichte BibelÄbertragung wird von Linguisten als werwolles Sprachdokument angesehen, da sie uns den Volksdialekt von Konstantinovel in den letzten Jahrhunderten vor dem Fäll Ostropts bietet, ohne Zugabe der bei den orthodoxen Hellenen üblichen altklassischen Schönheitspflaster?7) Zu 'bemerken ist noch, daß diese 'Bibelübersetzung eine unerhörte Neuerung auf dem byzantini- scheu Sprach aebiete war. Die erste neugriechische Bibel, von einem Christen übertragen, erblickte das. Tageslicht erst im Jahre 1638.-8.) 24) Emile Legrand: BibNotbegne belleniguell, 159, Paris 1885 2^) Jewifh' Encyckop.: VII^ 311. '? 26) Wolf: Bibliotbeca hebräica IV,’219. ^) L. Belleli: Ilne Version greeque du Penfateuque in: Revue des etudes grecaues III. 289, Paris 1890. 2fi) R. E. f. pr. Th.': III, 18.

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