Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 21 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 355 Handschriftlich existieren jndisch-ariechische Literaturerzencrnissc im hebräischen Alphabet, die noch älter sind als die Konstantinopler PolyglvttenbibÄ, so die Mischcrriechische Uebersetzung des Jonas-Buches in hebräischen Charakteren, die sich! gegenwärtiA handschriftlich in Oxford und auch in Bologne befindet?3) Eine merkwürdige Literatnrerscheinung ist die neugriechische Liturgienproduktion der Juden in hebräischer Schrift. M. PavägeorgiosZo) veröffentlichte vor einigen Jahren vier fndisch^nengriechische Klagelieder in vokalisierter hebräischer Schrift, nebst griechisch-schriftlicher Transkription, die die neugriechisch redenden Juden anr Fasttag des 9. Ab anznstimineu pflegten. Ein südengriechisches Purimlied publizierte unlängst Schwab.3?) Das British-Museum besitzt zahlreiche judengriechische Poeme, Elegien, auch> ein Pessachlied, das beit Untergang des Aegypterkönigs im Schilfmeer schildert, alle in hebräischen Lettern.3-) In der Bodleiana befinden sich mehrere neugriechische, hebräisch-schriftliche,- religiöse Hymnen der Inden.33) Die Korfioter Juden haben noch gegenwärtig eigene, neugriechische, mit hebräischen Lettern aufgezeichnete Gesänge, die sie anr Wochenfeste, anr Neumond Adar usw. anstintnren. In der durch jüdische 'Charaktere kenntlich gemachten neugriechischen Judenliteratur ertönte einst auch die Leier der profanen Atufe, brauste der Trubel und das Erwöge des weltlichen Elements. Die Korfioter Juden z. B. verfaßten zu Ehren Napoleons nach dem Falle der venetischen Tyrannenrepublik eigene Lieder. Auch von Christen gedichtete Profanlieder, wie z. B. die Klage der Mutter über den-Verlust ihres Sohnes, wurden zuweilen von den Juden ubernornUten und in ihre spezifische Literatur einverleibt.31) . - Die. Inden verlvendeten literarisch die griechische Spräche nicht erst in den letzten Jahrhunderten. Im Altertum, tönte das Idiom! der Hellenen weit in den Wohnsitzen der jüdischen Diaspora, Alexandrien,- voran. Die antiken Juden Alexandriens waren schriftstellerisch in großem Umfange tätig und hinterließen, die philosophischen Werke Philos, die Septuaginta, manche originalgriechische Apokryphen und Pseudevigraphen,- den Aristeasbrief, Grabesinschriften auf verschiedenen altertümlichen Coemeterien. Diese ganze Nachlasse risch ast kam auf uns fast nur in christlicher Ueberlieserung in griechischer Schrift. Doch schließt dies nicht die Möglichkeit auch daß die integralen Juden schon in der Antike Griechisch mit jüdischen Lettern schrieben. ■ Für die Existenz einer griechisch-sprachlichen Literatur in hebräischer Schrift schon in der Antike spricht so manches. Der' Grundsatz, daß für fremde Sprachen - immer die hebräische Schrift zu gebrauchen ist, bestand schon in der rabbinischen Literatur des Zlltertums, gelehrte Träger der Tradition verurteilten fremdsprachige Bibel in heimatlicher Schrift und legten besonderen Ein- ' spruch gegen griechisch-schriftliche Bibel ein.35) Es ist daher mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen,- daß damals in der.Diaspora große Judengruppen vorhanden waren,- die den rabbinischen Verordnungen Folge leistend, sich ein besonderes Schrifttüni im Alphabet Palästinas^ schufen. '' ~ Diese Vermutung wird durch! eine Bemerkung in einem Bericht des antiken lateinischen Kirchenschriftstellers Filastrius gestützt. Filastrius akzentuiert, indem er von -9) Gatalogue of Hebrew Mss in the Bodleian Library No 1144 30) M. Papageorgios: TCßpato-cHXXrj'/t-/.a Athenai 1901. 31) M. Schwab: Revue de etudes grecgues XXkX, 152—167 Paris 1911. . 32) G. Margoliouth: Catalogue of tbe Hebrew etc. Mss in the Briti-h Museum I, 180, London 1899. , 33) Bodleian -Library: No. 2379. 2503, 2504, 2506. 39 Jewish Encyclop.: VII, 311. 33) Bergt. Ende dieser Studie. den zweiinidsiebzig gescheiten und vernünftigen Männern (Dolmetschen) erzählt, die das Hebräische des biblischen Urtextes ins Griechische übersetzten, daß. sie diese Uebersetzung „mit griechischen Buchstaben. Herausgaben".33) Diese besondere Hervorhebung, daß die Septuaginta in griechischer Schrift von den ursprünglichen Uebersetzern veröffentlicht wurde, erweckt den sicheren Eindruck, als wenn Kodexe der Septuaginta auch in einer anderen als griechischen Schrift kursiert hätten. Haben doch altrabbinische Autoritäten den Tag, an dem die Septuaginta in griechischer Schrift übertragen wurde, für ein Unglücksdatum erklärt. Es fanden sich gewiß Juden, die die 70 Interpreten zu entschuldigen suchten und ihnen einen griechischen Kodex in hebräischer Schrift zuschrieben, sonst hätte die gleichzeitige Mitteilung Filastrius' bon der Uebertragnng ins Griechische und von der Verwendung der griechischen Schrift nicht den geringsten Sinn. (Fortsetzung folgt.) Nene Bücher. Dr. Salomo» Kaßner. „Die Juden in der Bukowina". 1917. Wien und Berlin. R. Löwit-Verlag. Eduard Bernstein, M. d. R. „Von den Ausgaben der Juden im Weltkriege". Berlin. Erich Reist- Verlag. Preis kart. Mk. 1.50. Die Schrift des berühmten Verfassers atmet jenen weltbürgerlichen Geist, der die Klassiker der deutschen Literatur beseelte und der, wie Bernstein beweist, in keinem Widerspruch steht zu einem verständig begriffenen Landes-Patriotismus, sondern im Gegenteil in unserer Zeit mehr als je seine notwendige Ergänzung bildet. Wäre die Schrift nicht so außerordentlich ruhig und sachlich gehalten, so könnte man sie als einen Mahnruf bezeichnen, die nationalen und nationalistischen Streitfragen, die heute die Geister verwirren und die Seelen gegen einander erregen, wieder im Lichte weltbürgerlichen Denkens auftufassen. Für eine solche Behandlungsweise auf die Völker eützuwirken und sich so als Mittler in deren Streithändeln zu betätigen, das ist nach des Verfassers Ansicht die Sendung, die heute dem Judentum aus seiner Stellung unter den Völkern erwächst. „Ter Jude". Heft 3. Herausgeber Martin Bub er. R. L ö w i t - Verlag. Wien. 1. Bez., Molheile 6. Inhalt: Hermann Glenn: Widersprüche. — Dr. Rafael Seligmann: Ethischer Impressionismus. — Dr. Mar Rosenfeld: Diejüdischen Gemeinden in Oesterreich. — Albrecht Hellmann: Idee und Organisation. — Dr. Henoch Glanz-Schar: Zur Methodik des hebräischen Unterrichtes. — Prof. Dr. Moses S ch o r r: Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen (2.). — Eduard Bernstein. M. d. R.: Wie ich als Jude in der Diaspora aufwuchs. — El Odaun: Eine alte chassidische Melodie, bearbeitet von Arno Nadel. — Ben E l i e f e r: Zwei Gedichte. — Bemerkungen: L. H.: Das Beispiel. — Amitai: Logik und Realpolitik. — Dr. Robert Weltsch: Prozeß Kranz. — Arnold Zweig: Juden und Deutsche. — Dr. Markus Reiner: Das intelligente Volk. — Dr. Mar Brod: Christlich und christlich, jüdisch und jüdisch. — Bücherschau: Prof. Dr. Otto Marburg: Syrien als Wirtschaftsgebiet. — Daten und Materialien : Leo Rofenberg: Der Anteil der 'Juden an der russischen Revolution. — Einzelheft Kr. 4.30. vierteljährlich Kr. 1.80. Krreflrasterr „Pfingsten". Im Jahre 1857 ist der erste Tag Schewuoth auf Freitag, den 29. Mai gefallen. A. v. Str. in F. Die innere Natur der sogenannten „abendländischen Zivilisation" offenbart sich hell und scharf im Verhalten zum Judentum. Die arische Gesellschaft und der „christliche" Staat tariert den Juden ausschließlich nach seiner Geldlei st ung; danach wird er gewertet und „gewürdigt". Der jüdische Künstler, Dichter oder Schriftsteller gilt nichts; ins Herrenhaus werden die Millionäre berufen. Das heißen sie dann „semitischen Realismus" und „arische Ideologie". Dr. Rudolf S. Wenn hinter dem „Idealismus" die Profitgier eines Kriegsgewinners sich verbirgt und die Organisationstüchtigkeit zur Schädigung religions- und gesetzestreuer Juden entartet, fühlen wir uns außerstande, dem ein Preislied anzpstimmen. 36) Filastrius: Diversarum Haereseon liber. Migne CXIV 6 »Septuaginte duo sapientes ac prudentes viri interpretes .'.... hebraeam linguam Graeco sermone interpretati, G r a e c i s litteris ediderunt«.