Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 21 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 342 Nr. 21 } P fr „Zu den kraftvollsten, reinsten und schönsten Stimmen, die ■ aus grauem Altertum zu uns herübergekommen sind, gehören Q) die Bücher des Alten Testaments, und man kann es nie genug unserer Sprache verdanken. daß sie, auch in der Aebersetzung, so. -M-l wenig an Wahrheit und Stärke eingebüßt haben. Ich habe oft fl) darüber mit Vergnügen uachgedacht, daß. es möglich wäre, etwas so Großes, Reiches und Mannigfaltiges zusammenzubringen als S' die Bibel, die Bücher des Alten, und /Neuen Testamentes ent- -HKÜ Halten. ....Das Volk'hat in ihr ein Ganzes menschlicher Eeisteswerke, Geschichte, Dichtung und Philosophie, und alles dies so, 228 daß es schwerlich eine Geistes- oder Eefühlsstimmung geben Q könnte, die nicht darin einen entsprechenden Anklang fände." . ■ Her Betonte ^Geschichtsschreiber B. G. v. Niebuh r ' pries die AufrichKgkeit und Zuverlässigkeit der alttesta-- mvntarischen GesihichtserMMng mit folgenden Worten: - ..Ganz allein das Alte Testament macht (vor allen anderen Geschichtswerken) : von der patriotischen Unwahrheit eine Aus- - nähme. Nie verhüllt und verschweigt es ein Unglück des'Volkes. WS dessen ' Geschichte in ihm dargestellt ist. Seine Wahrhaftigkeit ist die höchste in der Geschichtsschreibung, auch für den, der an keine Inspiration glaubt. Zugleich! aber mutz ich fiir das Alte t Testament wie die unbedingte Wahrhaftigkeit, so auch die genaueste /M, Richtschnur unter allen .Geschichtsquellen in Anspruch nehmen." Friedrich Nietzsche: ..Im jüdischen „Alten Testament", dem Buche von der göttlichen Gerechtigkeit, gibt es Menschen, Dinge und Reden in einem so großen Stile, daß das griechische und indische Schrifttum ihm nühts zur Seite zu stellen hat. Man steht mit Schrecken und Ehrfurcht vor diesen .ungeheuren Ueberbleibseln dessen, was der Mensch einstmals war- und wird dabei über das alte Asien und!sein >> vorgeschobenes (Halbinselchen Europa, das durchaus gegen Asien.den „Fortschritt des Menschen" bedeuten möchte, seine traurigen- Gedanken, haben. Freilich, wer selbst nur ein dünnes, zahmes Haustier ist und nur Haustierbedürfnisse kennt (gleich unseren Gebildeten von heute, die Christen des „gebildeten" Christentums hinzugenomrnen), der hat unter jenen Ruinen weder sich zu verwundern, noch gar sich zu betrüben — der Geschmack am Alten Testament ist ein Prüfstein in Hinsicht auf „Groß" und „Klein" : vielleicht, daß er das Neue Testament, das Buch von der Gnade, immer noch eher nach seinem Herzen findet (in ihm ist viel von dem rechten, zärtlichen.. dumpfen Betbrüder- und Kleinen-Seelen^ Geruch), Dieses Neue Testament,- eine Art Rokoko des Geschmackes in jedem Betracht,, mit dem- Alten Testament zu einem Buch zusammengeleimt zu haben, als „Bibel", als „das Buch an sich": das ist vielkicht die größte Verwegenheit und „Sünde wider den Geist", welche das literarische Europa auf dem Gewissen hat." Dr. Carl Heinriche C o r n il l,- ordentlicher Professor an der Universität Straßburg,- sagt in seinem Buche: ,.Der, israelitische Prophetismus", Straßburg 1894, Seite 176 „Die Geschichte der ganzen Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen ließe: Durch seinen Prophetismus ist Israel der Prophet der Menschheit geworden. Möchte das doch niemals übersehen und vergessen werden: Das Köstlichste und Edelste, was die Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israelitischen Prophetismus." ' In einem Vortrag ^.Das Me Testament und die Humanität" zeigt Cornill, daß schon auf der ersten Seite des Pentateuchs die Idee der Humanität eingeschärst wird,- und zwar mit den Morten: „Und Gott ^schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde". Darin allein schon findet er die wahre Humanität begründet. „Soweit wir den Bereich des natürlichen Menschen prüfen und verfolgen", führt er aus, „finden wir immer und überall -M) das Gegenteil: Da schafft vielmehr der Mensch Gott nach' seinem Ebenbilde, mach Menschenart. Der kriegerische und brutale Assur, 433 die woslüstige und blutdürstige Issar sind Typen assyrischen Wesens. In Zeus haben wir das Idealbild des hellenischen Mannes, in Apollo und Ares das des hellenischen Jünglings nach der Seite der geistigen und leiblichen Kraft,- in dem altlateinischen Diespiter; erkennen wir sofort den souveränschaltenden römischen pater familias, in Mavros den welterobernden, römischen Soldaten,-. Wodan und Donar sind echt germanische Recken, Fricka die. deutsche Hausfrau. Diese Erscheinung ist so allgemein und so' in der Natur des Menschen begründet, daß einer der tiefsinnigsten altgriechischen Denker das Wort aussprechen konnte: Wenn Stiere und Löwen Religion haben,'.so stellen sie sich Gott als Stier oder Löwen vor. - Nur Israel nimmt den Ausgangspunkt von Gott, um das Wesen ' des Menschen zu bestimmen, und hat so für die wahre ' Humanität den unverrückbaren (Grund gelegt. Wie sollte der Mensch . seinen Mitmenschen gering schätzen oder verachten, den Gott selbst seines Ebenbildes gewürdigt hat?" -s In der Völkertafel,;. I. Buch Mose, Kap'. 10. wo die ganze Menschheit.als Nachkonrmen der drei Söhne Noahs dargestellt wird,; erblickt Eornil't mehr ein dürres und trockenes Verzeichnis der 70 Völkernamen. Der Geist,- den diese israelitische Völkertafel atme, sei nicht der des selbstsüchtigen Interesses/ sondern er ist der die ganze Welt umfassende Liebesblick, der in der Menschheit eine große Familie von Gotteskiudern sieht, die eben als Kinder des 'Einen himmlischen Vaters untereinander Brüder sind, also der Geist .echtester und höchster Humanität,, wie sie als wahre HiMmelstochter auf religiösem 'Grunde erwachsen ist — die praktische Betätigung und notwendige Folgerung der Lehre,- daß Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen hat. Und nun gelangt C o r n i l l zur Prüfung jener herrlichen Vorschriften zum Schutze der Schwachen und Schutzlosen,' der Witwen, Waisen/ Armen und Fremdlinge, welche die Thora an Mehreren Stellen enthält und welche immer wieder auf das Schicksal zurückweisen, welches Israel selbst in Aegypten erlitten hat. Er verweist auf das Verbot der Nachlese,/aus das Gesetz über die Armenzehnten,- auf die/Ueberlaffuug! des Feldertrages an die Armen in jedem siebenten Jahre,; ans die humanen Bestimmungen^ .welche die Zurückhaltung des Lohnes oder des Pfandes eines Armen Mer Nacht verbieten,, ans das Verbot des.Zinsennehmens,- ans die Bestimmungen über das Jubeljahr,; die Behandlung der Tiere, das Kriegswesen,' die Prügelstrafe und dieTodesstrafe. Als beit herrlichsten Ausfluß jüdischer Humanität aber erkennt er die Stelle, in welcher -den Juden eingeprägt wird, daß sie den Aegypter nicht' verabscheuen dürfen, weil das Volk Israel Gast gewesen in seinem! Lande. Jene Gastsreundsch-astx vvn welcher die Thora spricht, war die härteste Sklaverei, und trotzdeM verbietet sie, den Aegypter zu hassen,; ja mehr noch, "sie "gebietet Dankbarkeit gegenüber dem Volke,; in dessen Mitte einst Israel gequält wurde. „Zu einer Zeit, wo noch die tiefste Nacht der Lieblosigkeit und Inhumänität die ganze übrige Menschheit bedeckte, da schon atmet die Religion 'Israels einen Geist wahrer Humanität, der auch den Fremden, wenn er nur sehenwill, mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen muß. Solange mir nicht jemand bei irgend einem anderen Volke des Altertums ähnliche Aussprüche und in ähnlicher Zahl nachgewiesen hat, wie wir sie soeben aus der heiligen Literatur Israels kennen lernten: solange werde ich mir die Behauptung nicht abstreiten lassen, daß Israel der- Welt die. wahre Humanität gegeben hat. Jeder unbefangene Fremde muß einstimmen in das Wort, welches auch, ein Nichtisraelit, Bileam, der Sohn Beors, der Mann mit dem enthüllten Auge, über Israel ausgesprochen hat: . Vom Felsengipfel seh' ich ihn, Von Bergeshöh' erblick* ich ihn: Das ist ein Volk für sich allein. Und nicht wie ändere zu achten." Der französische.Botaniker Alphonse de Cand'olle,- geb. 1806 in Paris/ hat in .seinem Werke „Geschichte der Wissenschiasten und der Gelehrten" Veranlassung ge- - fundeift sich. Wer die Juden auszusprechen. Nach. einer längeren. Auseinandersetzung malt er die Hypothese aus,- wenn die Erde von Juden bewohnt wäre. „Was würde die Folge sein? Es gäbe keinen Krieg,; mehr Arbeit und Arbeiter, weniger Staatsschulden und Stenern, Wissen- , schäften und Knnste>- besonders die Musik, würden gefördert werden,/ Industrie und Handel blühen, die Ehen und mit rhven die guten Sitten zunehmen,- die mittlere Lebensdauer sich Verlängern." 7,Jn der Tat Abt es nur ein Mittel gegen den Militarismus,; dessen Lasten Europa fast erdrücken:-das ist die Ausbreitung des^ jüdischen Geistes/ der ruhig, friedlich, sanft, weich und huMan ist. Tapfer und todesmutig in der Verteidigung! des.vaterländischen Bodens und der hohen Güter der Menschheit^- waren die Juden nie kriegslnstigr agressiv!, eroberungssüchtig und sind auch